Super Mario 3D World im Test

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Beitragsbild SuperMario3D

Seit Nintendos letztem stationären 3D-Abenteuer „Super Mario Galaxy 2“ sind nun mehr als 3 Jahre vergangen. Derweil entführten uns die beliebtesten Klempner der Welt in eifriger Manier in klassische 2D-Abenteuer der Seitenperspektive (u.a. New Super Luigi U) und durften zuletzt mit „Super Mario 3D Land“ auf dem Nintendo 3DS in Gitterwelten der dritten Dimension ihre Sprungeinlagen unter Beweis stellen. Der Nachfolger „Super Mario 3D World“ für die Wii U will da nun andocken und einiges besser machen.

Mal wieder alles beim Alten… oder etwa doch nicht?

Anfangs war ich noch skeptisch, ob eine Fortsetzung zum 3DS-Titel „Super Mario 3D Land“ wirklich der beste Weg ist, um den 3D-Einstand auf der Nintendo Wii U in Stein zu meißeln. Ein weniger belastetes Motiv, wie zum Beispiel das im Jahr 2003 erschienene „Super Mario Sunshine“ für den Nintendo Gamecube, das seiner Zeit mit Sonne, Strand und Meer für neue Impulse im Pilzkönigreich sorgte, hätte man sich sehnlichst erhofft. „Bitte, Nintendo, lass‘ es nicht nur ein grafisch aufpoliertes ‚Super Mario 3D Land‘ sein“, das war mein erster Gedanke, als ich das Spiel mit leichten Bedenken in den Händen hielt. Dies hatte nicht den Hintergrund, dem Vorgänger des Nintendo 3DS in irgendeiner Weise seine Klasse absprechen zu wollen . Ganz im Gegenteil: Es ist ein sehr gutes Jump’n Run – doch bei weitem kein Meilenstein für die Ewigkeit.

Na, wer ist hier wohl schneller?
Na, wer ist hier wohl schneller?

Die Wii U Konsole samt Spiel gestartet, jegliche Vorurteile auf der Ablagebank verfrachtet, den Gaming-Laser-Blick auf das Wesentliche gerichtet: Huch, wird dieses Mal etwa gar nicht zur Dauerentführten Peach gegriffen? Nein… wie es scheint, hat auch Bowser, der allgegenwärtige Bösewicht mit dem stacheligen Schildkrötenpanzer auf dem Rücken, seine sonst üblichen Vorlieben in Sachen Entführungen für’s Erste über Bord geworfen. An gewöhnliche Prinzessinnen in Nöten hat er sich wohl satt gesehen…  ähm… ganz klar abgeschleppt. So schnappt er sich kurzerhand die grüne Feen-Prinzessin als Kompensations-Geisel. Und damit es der guten Peach während der Rettungsaktion nicht langweilig wird, hilft sie gerne als spielbarer Charakter aus. Neben ihr sind wie immer die Klempner-Brüder Mario und Luigi mit von der Partie, ebenso wie Toad und ein weiterer Gastauftritt aus Super Mario Galaxy – der an dieser Stelle nicht verraten wird.

Aufgepasst... Wir kommen!
Aufgepasst… Wir kommen!

Da ist sie doch, die Ähnlichkeit…

Gespielt wird wie im Vorgänger in dreidimensionalen Levels, die  unterschiedlichen Oberwelten zuzuordnen sind. Die wohl größte Einschränkung, die gleich zu Beginn ins Auge fällt, ist der fixierte Kamerawinkel, welcher das vermeintliche Gefühl von Freiheit im Kern erstickt. Als Wiedergutmachung legt Nintendo im Gegenzug mit dem Leveldesign einen ordentlichen Zahn zu und überrascht mit liebevoll und behutsam eingepflegten Details, frischen und aberwitzigen Ideen und zur Abwechslung mit einer grafisch bombastischen Kulisse. In feinster HD-Auflösung darf der Schnauzbartträger durch die Welten hüpfen, kleinere Rätsel lösen, Gumbas vermöbeln, verstecke Bonis entdecken und Minispiele bestreiten. Dass oben drauf ein lokaler Multiplayer-Modus für bis zu 4-Spieler spendiert wurde, freut dann sicherlich interessierte Familienmitglieder, den zockbegierigen Freundeskreis und andere Bekannte, die bestimmt nicht zuschauen wollen.

Spielspaß für bis zu 4 Spieler!
Spielspaß für bis zu 4 Spieler!

Jeder spielbare Charakter hat so seine Besonderheiten, die an gewissen Spielabschnitten Vorteile bzw. Nachteile mit sich ziehen können. Während Prinzessin Peach in puncto Schnelligkeit ganz klar das Nachsehen hat, kann sie dafür mit ihrem Rock zu entfernten Plattformen gleiten. Richtig: hier ist Teamwork angesagt – und das nicht zu knapp. Aber wie es im Team nun mal so üblich ist, muss nicht jede Zusammenarbeit automatisch eine Bereicherung sein. Das desaströse, streng kontraproduktive Multiplayer-System aus „New Super Mario Bros. Wii“ gehört glücklicherweise der Vergangenheit an. In einem Punkt, da konnte ich mir das Schmunzeln nicht verkneifen: alle spielbaren Charakter sind in der Lage, sich ein Katzenkostüm überzustreifen und endlich mal den „Tiger“ in sich rauszulassen. Ein herzhaftes „Miauuu“ auf diese glorreiche Idee.

Macht euch gefasst auf viele spannende Welten...
Macht euch gefasst auf viele spannende Welten…

Musikalisches Auftrumpfen bis zur letzten Sekunde…

Keine Angst, trotz dem Auftreten der putzigen Vierbeiner, lässt das Katzengejaule in keinster Weise die Milch sauer werden: Was soundtechnisch geboten wird, weiß von Anfang bis Ende mehr als nur zu überzeugen. Kein nerviges Gedudel, umso mehr stimmige Melodien, die in jede Situation der geschätzt 10 Stunden Spielzeit für das Hauptabenteuer passen. Wollen zudem alle Bonis mitgenommen eingeheimst sein, kann die Spielzeit gedanklich schon mal um den Faktor 2 erweitert werden . Und um dabei bis tief in die Nacht noch im Bett weiterspielen zu können, darf das Geschehen optional mit Hilfe des Wii-U-Gamepad gemütlich weitergehen. Die Einbindung und die zugehörigen Funktionen des Gamepads sind verständlicherweise keine Besonderheit mehr, aber an und für sich doch solide. Pusten in das Mikro des Gamepads, das Platzieren von Blöcken – das alles gab es bereits in der einen oder anderen Form. Aber immerhin: es funktioniert sehr gut. Nur der Schwierigkeitsgrad ist weiterhin unterirdisch und fordert einfach zu selten. Nenneswerte Online-Features sucht man wie immer vergebens. Berücksichtigen wir, wie viel Spaß das Spiel über sehr viele Stunden bietet, lassen sich diese Punkte mit Leichtigkeit verschmerzen.

Noch Fragen? Stellt sie doch mal Bowser...
Noch Fragen? Stellt sie doch mal Bowser…

Fazit:

Ach, Nintendo, was musstest du dir zum Thema Präsentation in der Vergangenheit alles gefallen lassen: „Schlechte Grafik“, „Pixelige Auflösung“, „Immer das selbe“, das und vieles mehr hörte man aus der grafikaffinen Ecke. An alle Nörgler: Super Mario ist zurück – und das in feinstem HD. Selten haben Mario und seine Freunde mehr geglänzt, und das sowohl grafisch, musikalisch als auch spielerisch. Dieser Titel sprüht nur so voll unglaublich bezaubernder Ideen, dass es eine Freude ist, sich davon berieseln zu lassen. Kleinigkeiten, wie etwa der viel zu leichte Schwierigkeitsgrad, die fixierte Kamera und mangelnde Online-Features, kratzen leicht am neu aufgetragenen Glanzlack. Nichtsdestotrotz schlägt „Super Mario 3D World“ den 3DS-Vorgänger um Welten. Nintendo erweitert somit das Angebot der Wii-U um ein hochkarätiges Exklusiv-Abenteuer. Jump’n Run-, Mario- und Katzen-Fans werden entzückt und stundenlang vor den Bildschirm gefesselt sein. Wer mit Mario seit 1983 nichts anfangen kann, wird auch hier nicht warm werden. Für alle anderen gilt:  Zugreifen! Mario holt sich verdient unseren Platinum-TAG-Award.

 

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