Mario Party Island Tour im Test

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Es war einmal ein berühmter japanischer Entwickler, der es sich zum Ziel genommen hat, eine Mischung aus Brettspiel und kleinen Aufgaben in einem Videospiel unterzubringen. Das Ganze funktionierte so gut, dass wir heute 13 Teile zählen, die allesamt auf Nintendo Konsolen erschienen sind.  Und wo wir schon mal beim Thema sind: Ja, der Entwickler ist tatsächlich Nintendo selbst. Denn das verantwortliche Team „NdCube“ ist ein direktes Tochterunternehmen.

Umso verwunderlicher, dass ausgerechnet der Nintendo 3DS noch vor einer etwaigen Ninteno Wii U-Version an den Start geht. Hat Mario Party doch schon seit Urzeiten vorderrangig Multiplayer-Charakter, der auf einer Heimkonsole viel besser zur Geltung gekommen wäre.

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Mario Party gibt auf dem Nintendo 3DS die Ehre…

Man fühlt sich alleine gelassen…

Und so kam mir die Frage: Wie genau spiele ich jetzt mit meinen Freunden? Ganz einfach: Einer von insgesamt vier Spielern muss im Besitz eines Exemplars (Ob nun Download- oder Retailversion) sein und kann via Downloadspiel lokal seine Freunde zu einer Partyrunde einladen. Die schlechte Nachricht ist hierbei, dass Online-Modi schlicht und ergreifend nicht berücksichtigt wurden und man sich zwingend treffen muss. Loben muss ich die 100% synchrone Wiedergabe von Ton und Bild während der lokalen Mehrspieler-Session.

Der lokale Multiplayer und die spaßigen Spiele überzeugen… nervige Einschränkungen weniger
  Schaust du hier, schaust du da, bist du nicht mehr da…

In über 80 Minispielen und sieben unterschiedlichen Spielbrettern könnt Ihr aus einer Auswahl von 10 bekannten Nintendo-Spielfiguren wählen und gegen bis zu drei Freunden einen Wettkampf liefern oder eben – keine Freunde zur Hand – gegen die künstliche Intelligenz, dem COM, euer Glück versuchen. Dass im vorherigen Satz tatsächlich das Wort „Intelligenz“ gefallen ist, dürfte in Anbetracht der mäßig ausgeklügelten Verhaltensweise des Computergegners eine Beleidigung für jeden gut strukturierten und intelligenten KI-Algorithmus sein. Das lief in den Vorgänger-Teilen definitiv besser, auch wenn man bei einem Party-Spiel den Computer nur als obligatorischen Lückenfüller in das Spiel einbinden sollte.

Viele Modi… aber alleine auf Dauer schrecklich eintönig!
  Wer sich der Einsamkeit ergibt, der ist bald allein…

Und hier kommt auch schon der Knackpunkt: Alleine ist Mario Party Island Tour eine Zumutung. Der integrierte Einzelspieler-Modus „Bowsers-Turm-Turnier“ bietet zwar nette, spielenswerte und hervorragend erklärte Minispiele, kann aber beim besten Willen niemand länger als eine viertel Stunde vor den Bildschirm fesseln. Dazu passiert in den jeweiligen Stockwerken bis zum Showdown einfach zu wenig. Minispiel bestehen, neues Stockwerk, Minispiel bestehen, neues Stockwerk usw. Das kann doch nicht alles sein! Der Versuch, durch Partypunkte und unspektakuläre Eintauschprämien den Spieler zu motivieren, wirkt für mich mehr als nur erzwungen. Denn so wirklich verlockend sind die Prämien bei Weitem nicht, um immer und immer wieder den selben Trott durchzustehen.

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Der Einzelspielermodus als Zumutung: Bowsers Turmtunier…

Aber lassen wir das Thema „Einzelspieler“ an dieser Stelle und blicken auf die diversen Multiplayer-Modelle: Ob mal schnell 10 Minuten in „Raketen-Rallye“ als Erster mit Hilfe von Boostern das Ziel erreichen oder Minispielsternesammeln in der „Sternensafari“- es ist für jede Zeitgegebenheit neben den genannten Modi etwas dabei. Ihr wollt ein Spielbrett, wo das Glück entscheidet? Bekommt Ihr! Oder doch lieber Talent in den Minispielen? Auch das ist möglich. Als Mario-Party-Fan erster Stunde fehlt mir leider das typische Runden-Prinzip. Nahezu jeder Modus hat etwas mit „Ziel erreichen“ oder „Habe die meisten xy“ zu tun.

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Mal nur ein paar Minuten zocken? Raketen-Rallye macht’s möglich…

Man muss Mario Party nicht ständig neu erfinden – das erwartet keiner. Wenn sich aber gewisse Neuentwicklungen als Verschlimmbesserung herausstellen, so solllte das zumindest erwähnt werden. Ebenso erwähnenswert bleibt zum Abschluss die mehr als saubere technische Umsetzung und die grandios abwechslungsreichen Minispiele, die alle Features – ob nun Kamera, Mikrofon oder AR – restlos ausnutzen.

Fazit:

Nintendo, ich hatte mich so sehr auf eine ordentliche Party auf der Insel gefreut. Jetzt bin ich selbst reif für die Insel und brauche unbedingt Abstand von dieser Minispiele-Sammlung. Selbst der Vorgänger der Nintendo Wii (Mario Party 9) hat mit seiner Eigenart, alle Spielteilnehmer in einem Fahrzeug verfrachtet zu haben, mehr Charme als das, was auf dem Nintendo 3DS-Bildschirm flimmert. Trotz der Tatsache, dass sich die technische Umsetzung auf einem makellos-soliden Level befindet und die Minispiele durch die Bank überzeugen, bleibt ein leicht bitterer Nachgeschmack. Da hat man die Möglichkeit zu Online-Features, eine integrierte Kamera, Mikro etc. und schafft es nicht, ähnlich wie bei Mario Kart für die Wii, online einen privaten Raum für Freunde bereitzustellen, damit man auch ohne ortsansässige Kontakte miteinander Party machen kann. Das hätte wirklich drin sein müssen. Meine Hoffnung liegt nun in einem bevorstehenden Mario Party für die Wii U, das alles besser macht als diese tragbare Lösung. Mit einer Investion von rund 10€ in den Virtual-Console-Titel „Mario Party 2“ für Wii/WiiU oder einer Anschaffung des im letzten Jahr erschienen „Wii Party U“ seid Ihr allgemein besser bedient. Könnt Ihr allerdings einen großen Freundeskreis mit genügend 3DS-Geräten aufweisen, die auch Zeit und Lust zu einem persönlichen Treffen haben, wäre Mario Party Island Tour für den Nintendo 3DS aufgrund der spaßigen Minispiele eine Überlegung wert. Alle anderen sollten sich das zweimal überlegen.

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