Fable Anniversary im Test

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17 Jahre sind vergangen, seit Peter Molyneux, seines Zeichens Vater des Echtzeit-Strategiespiels Dungeon Keeper, beschlossen hat, Bullfrog Productions zu verlassen und ein neues Entwicklerstudio zu gründen: Die Lionhead Studios.

Und 2004 war es dann so weit: Das Rollenspiel Fable war geboren, punktete bei Spielern vor allem durch das Gut/Böse-System und der damit einhergehenden Charakterentwicklung bzw. -veränderung. Und Fable war so erfolgreich, dass es Nachwuchs bekam.

Hier ein kleiner Überblick:

  • Fable: The Lost Chapters (2005)

Die Erweiterung von Fable enthält mehr Nebenmissionen und bereichert die Geschichte um einige Hauptquests. Zudem gibt es neue Gegnertypen, neue Ausrüstungsgegenstände und neue Gebiete.

  • Fable II (2008)

Im Nachfolger spielt ihr einen namenlosen Helden, der den Tod seiner Schwester rächen will. Er erfährt, dass er vom Blut des Helden abstammt, den ihr noch in Fable gespielt habt. Mehr Möglichkeiten und schwerwiegende Entscheidungen bringen dem Titel gute Kritiken ein.

  • Fable III (2010)

Fable III macht keine Geheimnisse daraus, dass es andere Wege einschlagen will. So erstreckt sich die erste Hälfte des Spiels darüber, dass ihr euren eigenen Bruder für seine Taten zur Rechenschaft zieht. Dieser hat das Privileg, König sein zu dürfen. Und eben dieses Privileg geht in der zweiten Hälfte auf euch über. Diese Innovation, der übliche Charme und Humor, sowie die spannende Handlung bringen dem Spiel durchgehend positive Kritiken ein. 10 Jahre ist es also her, dass Fable zum ersten Mal das Licht der Welt erblickte. Und das feiert Lionhead, indem sie den ersten Teil inklusive Erweiterung noch einmal herausbringen, und zwar in HD. Das ganze nennt sich nun Fable Anniversary. Ob das Remake die Nostalgiker unter euch in Wallung versetzen kann?

Die Welt von Albion ist groß!
Grafisch halt Fable… „Los, Zeit aufzuwachen!“ Nachdem die Einleitung mit der dunklen Hörbuchstimme geendet hat, werdet ihr von eurem Vater aus einem tiefen Schlaf geweckt. Schon in den ersten paar Sekunden erkennt man deutlich: „Das sieht allerdings ein gutes Stück schicker aus, als Fable von 2004 für die alte Xbox.“ Dennoch bleibt der einmalige Look von Fable erhalten Leider wird das Bild von einem ganz wesentlichen Detail getrübt. Ein HD-Remake ist zwar ganz schön, aber in den ersten Minuten fällt schnell auf, dass das Spiel arg ruckelt. Vor allem, wenn auf dem Bildschirm mehrere Personen sind, geht die Bildrate enorm in die Brüche (später vor allem in Bowerstone zu erkennen). Das stört nicht nur die Atmosphäre, sondern sorgt später in hektischen Kämpfen auch mal für Fehler und Frustmomente. Was außerdem nach den ersten kleinen Miniquests in eurer Kindheit auffällt, ist die mangelhafte Mimik der Charaktere. Zwar sind die Charaktere alle vollständig überarbeitet, sowie in HD dargestellt worden, die Mimik allerdings wurde dabei wohl vergessen. So unterhält man sich meist mit kühlen Mienen und vermisst lebendige Gesichtszüge.
Lebensbalken, Karte, Schnellzugriff-Menü, alles was man braucht!
Von klein zu groß…. Als Kind reift ihr nach dem Überfall von Räubern auf euer Dorf schnell heran und werdet in der Heldengilde zu einem – wer hätte es gedacht? – Held ausgebildet! Ihr lernt den Umgang mit Schwert, Bogen und eurer Willenskraft (anderes Wort für Magie) und könnt schon bald den Schutz der Gilde verlassen und in ihrem Namen Aufträge ausführen. Mir ging diese Entwicklung schon 2004 viel zu schnell, heutzutage hat sich daran nichts geändert. Aber so ist Fable: Aus einem unschuldigen Kind wird in einer Spiel-Stunde ein erwachsener Held, der mit allen Arten von Waffen umzugehen weiß.
Unzählige Waffen erwarten euch!
Waffen über Waffen… Und davon gibt es viele! Vom Schwert, über den Spitzhammer und die Katana, bis hin zur Großaxt für den Nahkampf, dem Bogen und der Armbrust für den Fernkampf. Es gibt so ziemlich alles was das Herz begehrt. Dies dann noch in unterschiedlichen Varianten, verbesserbar und mit unterschiedlichen Werten. Genauso wie es ein Rollenspiel braucht! Neben Waffen gibt es insgesamt 18 verschiedene, verbesserbare Zauber und Komponenten wie Stärke und Fertigkeit, die ihr verbessern und so euren Charakter individuell anpassen könnt. Damit ist es natürlich noch nicht getan. Neben der Rüstung könnt ihr euren Charakter auch mit Tattoos ausstatten, ihn dicker werden lassen oder ihm lustige Hüte aufsetzen. Diese Features sind schon seit dem Beginn ein Markenzeichen der Serie. Und mit all der Ausrüstung steigt ihr dann ein in das Fantasy-Abenteuer, trefft skurrile Persönlichkeiten, erfüllt unzählige optionale Quests ( ihr rettet z.B. Geiseln, besorgt blaue Pilze, um ein Kind zu heilen oder holt euch die Besitzurkunde eines Bordells, um dem Besitzer den Laden abzuluchsen) und sammelt Silberschlüssel ein die Kennern der Serie bereits bekannt sind. Es wird viel geboten an Aufgaben, an Charakteren und – wieder einmal – an Humor der seines gleichen sucht.
Es gibt immer wieder nützliche Tipps!
Der Kampf….. Und an jeder Ecke bekommt ihr es mit irgendeinem Gegner zu tun. Sei es ein einfacher Bandit, oder ein Untoter, ein kleiner, fies grinsender Hobb oder die werwolfähnlichen Balverine. Gegen die Widersacher helfen euch nun die eben angesprochenen Waffen, allerdings kommt es nicht nur darauf an, welche Waffen ihr habt, sondern wie ihr sie einsetzt! So ist das Kampfsystem seit Teil 1 ein wichtiger Teil der Serie, denn ihr könnt fließend zwischen dem Schwert, dem Bogen und eurem Zauber wechseln. Das macht den Kampf spannend und taktisch, hält ihn aber gleichzeitig in Bewegung. Leicht sind die Kämpfe nicht. Wenn ihr von 20 Hobbs (keine Übertreibung!) in einer Höhle von allen Seiten attackiert werdet, kann es schon einmal sein, dass ihr eine von vielen Wiederbelebungsphiolen verbrauchen müsst. Zudem kommen, wie bereits zu Beginn erwähnt, geringfügige Ruckler, die den Kampffluss hemmen und euch teilweise Leben kosten können hinzu. Sonst macht euch das Spiel das Leben leicht, zeigt euch immer genau wo ihr hinmüsst und gibt euch Tipps. Die Bedienung hat für Fable-Verhältnisse mit dem alten Shortcut-Menü zwar wieder einen Rückschritt gemacht, aber meist braucht ihr das Menü sowieso nur für Tränke, die ihr sofort im Kampf einsetzten wollt, ohne auf Pause zu drücken. Häufige Ladezeiten unterbrechen zudem arg den Spielfluss, und sind den meist kleinen Arealen geschuldet, in denen man sich oft nur 1-3 Minuten aufhalten kann.

Fazit:

Mission HD-Remake ist nicht wirklich geglückt. Zwar liegen grafische Welten zwischen dem alten Fable von 2004 und dem Remake, auch das typische Fable-Feeling kommt auf, trotzdem kann Fable Anniversary den Anschluss zu heutigen Titeln nicht finden. Allerdings muss man dem Remake folgendes zu Gute halten: Natürlich hat man 2014 andere Vorstellungen von Grafikpracht und verlangt eine flüssigere Bildrate, das Spiel wegen seiner grafischen Mängel aus der Hand zu legen, wäre allerdings, und das merkt auch ein Neueinsteiger, ein Fehler. Dafür bietet die Story von Fable viel zu viel, die Charaktere sind zu faszinierend und der Humor sowie Anspielungen auf reale Themen und Personen sind zu einzigartig. Peter Molyneux gilt einigen vielleicht als Schwätzer und Prediger von Spielelementen, die es nie in seine Spiele schaffen, allerdings hat er mit Fable mal etwas ganz neues, etwas ganz anderes auf die Beine gestellt. Trotz einiger Mängel und der deutlich sichtbaren, aber nicht mehr zeitgemäßen HD-Überarbeitung, bleibt am Ende ein storytechnisch einzigartiges Spiel mit rollenspiel-typischen Elementen, moralischen Entscheidungen und viel, viel Fable. Für Kenner ist dieses Remake genauso zu empfehlen, wie für Neulinge, die nicht zu viel wert auf neumodische Grafik legen.  

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