South Park: Der Stab der Wahrheit im Test

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Bild South Park

In gewohnter Schnipseloptik wurde das neue South Park Spiel South Park: Der Stab der Wahrheit von dem Entwicklerstudio Obsidian Entertainment und den Erfindern der Serie Trey Parker und Matt Stone entwickelt. Nachdem der Publisher THQ Insolvenz anmeldete übernahm der französische Publisher Ubisoft die Vermarktungsrechte, wobei dieser die Veröffentlichung um einige Monate verschob, damit die Entwickler dem Spiel den letzten Schliff geben konnten.

Die Zeit schadete South Park: Der Stab der Wahrheit überhaupt nicht, denn nach den ersten zwei gescheiterten Spielen wollte man endlich ein Spiel auf den Markt bringen, das sich auch lohnte zu spielen. Und eins muss man sagen, es lohnt sich tatsächlich. Auch wenn das Spiel technisch und spielerisch nicht wirklich glänzt, macht es dennoch Spaß. Vor allem der aneckende Humor, die Anspielungen auf Episoden der Kultserie und der typische Look überzeugen beim spielen.

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Alles ähnelt dem Original der Serie…

Ihr beginnt das Spiel nicht etwa als bekannte Figur der Cartoon Serie, ihr startet als völlig neuer Charakter. Am Anfang könnt ihr euch einen eigenen Bewohner der Kleinstadt in Colorado erschaffen, wobei die Auswahlmöglichkeiten begrenzt sind, da alles in bekannter Schablonenform vorgegeben ist. Ihr könnt die Hautfarbe, die Haare, die Haarfarbe, die Kleidung und dessen Farben, und Gesichtsmerkmale wie Sommersprossen, Narben usw. auswählen.Als Neuer in South Park geratet ihr schnell in den Fantasy Krieg zwischen den Menschen und den Dunkelelfen. Das Objekt der Begierde: Der Stab der Wahrheit; nichts anderes als ein gewöhnlicher Stock, der dem Besitzer die Macht über das Universum verleiht.

Die Menschen werden vom selbsternannten Magierkönig angeführt, der in seinem Garten – dem Königreich Kupa Keep (KKK; etwa eine gewollte Anspielung auf den Ku Klux Klan?) regiert. Der Magierkönig, der kein anderer als Eric Cartman ist, hat das Königreich in seinem Garten aufgebaut und hält zu Beginn des Spiels dort den Stab der Wahrheit versteckt. Als ihr euren Nachbarsjungen Butters vor einem Jungen mit angeklebten Spitzohren – einem Dunkelelf – rettet, werdet ihr direkt zum Magierkönig gebeten, der euch in einer epischen Filmsequenzen erklärt, worum es überhaupt in diesem Krieg geht und will euch direkt in diesen Krieg mit einspannen, da er der Meinung ist, dass du der Auserwählte bist, der alles zum Guten wenden wird.

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Die Ideenvielfalt der South Park-Schöpfer sprudelt nahezu über…

Dafür wird euch die Auswahl der Klasse angeboten. Krieger, Magier, Dieb oder … Jude.  Diese Typen unterscheiden sich lediglich in ihren fünf Spezialfähigkeiten, die man im Laufe des Spiels durch Levelaufstiege erwerben und aufbessern kann. „Rüstungen“ wie ärmellose Shirts, verschwitzte Schweißbänder und mit Blut verschmutzte Kinderboxhandschuhe sind im Spiel an der Tagesordnung. Die Rüstungen und die Waffen, die ihr im Spiel ergattert, haben aber leider ein Manko, sie unterscheiden sich kaum untereinander.Lediglich die Schadens- und Schutzwerte verändern sich ab und an. Gegenstände, die besondere Eigenschaften haben, sucht man wie die Nadel im Heuhaufen. Als ihr euch gerade mit Cartman beratet werdet ihr überfallen… von Dunkelelfen. Ihr Ziel ist es den Stab der Wahrheit zu stehlen und die Macht über das Universum zu erlangen. Dabei gelangt ihr in den ersten Kampf. Bei den rundenbasierten Kämpfen steht euch immer einer von 6 Begleitern zur Seite, die ihr auch steuern könnt. Zu Beginn begleitet euch der Paladin Butters, der die Fähigkeit besitzt, euch während des Kampfes zu heilen ( dabei klopft er euch lediglich auf die Schulter und ermuntert euch…. typisches Kinderspiel).

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Klassisches Kampfsystem (nur leider schlecht gereift)

Weitere bekannte Gesichter wie der Barde Jimmy oder PRINZESSIN Kenny gesellen sich unter den 6 Begleitern, die ihr während des Kampfes auch auswechseln könnt, danach aber eine Runde mit diesem Charakter auslassen müsst. Vor jedem Angriff könnt ihr auf euer Inventar zugreifen und Heilgegenstände wie Chips, Schokoriegel und Energydrinks oder andere Gegenstände wie Manatränke, Statusheilmittel oder (nach typischer South Park Manier) Fäkalien, usw. zur Veränderung des Status des Gegners wählen und verwenden und danach eine Attacke oder Spezialattacke ausführen.

Diese Spezialattacken sind von Klasse zu Klasse verschieden, wobei ein Krieger zum Beispiel einen Ball hochschmeißt und mit dem Baseballschläger auf den Gegner einprügelt. Auch die Begleiter haben verschiedene Spezialattacken. Paladin Butters kann sich in den bekannten Professor Chaos verwandeln und mit einer Zufallsattacke angreifen, Barde Jimmy hingegen schmettert ein Lied und verändert so den Status des Gegners.

Das Angriffssystem an sich ist sehr simpel. Dabei wählt ihr eine Attacke aus, wartet darauf bis die Waffe blinkt und drückt den Knopf, das wars,doch wenn man nicht das richtige Timing hat wird der Angriff schwächer als gewohnt oder er schlägt ganz fehl. Eine große Herausforderung sind diese Reaktionsspielchen nicht, doch ein perfekt getroffener Schlag ist dennoch schöner und befriedigender als schwache oder fehlgeschlagene Attacken.

Bosskämpfe unterscheiden sich nicht sehr stark von den regulären Kämpfen. Mit Heilgegenstände und Manatränken besiegt ihr jeden, wobei es trotzdem ratsam ist erstmal nachzudenken wen ihr als erstes angreift, schließlich kann zum Beispiel ein Elfenpriester andere Gegner wiederbeleben. Einigen Kämpfen könnt ihr sogar aus dem Weg gehen, denn bevor ein Kampf beginnt, gibt es die Möglichkeit, die Gegner mithilfe der Umwelteinflüsse umzuhauen. Die Punkte, die ihr im Kampf dafür bekommen hättet, werden euch dennoch angerechnet.

http://www.youtube.com/watch?v=OZkF-qiDb8w

Neben den Hauptquests könnt ihr viele Nebenquests annehmen, die liebevoll gestaltete Geschichten zum Tage bringen. Stellt euch vor, dass ihr Al Gore hinter einem Busch versteckt auffindet, der plötzlich davon anfängt, dass er South Park vor den Schweinebärmännern ( für alle die nicht wissen was ein Schweinebärmann ist, es ist halb Schwein, halb Bär, halb Mann… wie?) schützen muss und uns daher braucht um Sensoren in der ganzen Stadt anzubringen. Auch Mr. Sklave hat eine Quest für euch; worum es dabei geht, erzählen wir euch lieber nicht.

Während den Quests sammelt ihr allerhand Kram. Von Geld über Chinpokomon bishin zu Sextoys(ja, richtig gelesen). Das meiste davon ist unnütz und kann im Kupa Keep Kingdom oder bei Obdachlosen verkauft werden, was euch noch mehr Geld einbringt, das ihr für Heilgegenstände und andere Dinge, die wichtiger sind, ausgeben könnt. Wollt ihr mal doch etwas behalten, aber nicht die ganze Zeit mit euch rumschleppen – kein Problem! – geht in euer Zimmer und bringt euren Kram in der Spielkiste unter.

Um euer Ziel, das ihr jederzeit im Menü nochmal lesen könnt, zu erreichen, kommt es oft vor, dass ihr durch ganz South Park laufen müsst, was die ersten paar Male ganz interessant ist (wer wollte nicht schon immer mal wissen wer wo wohnt?), doch nach den ersten Quests ganz schön langweilig werden kann. Dafür haben sich die Macher was lustiges einfallen lassen… eine Kutschfahrt. Und nicht nur irgendeine, nein, der Kutscher ist kein anderer als Timmy…. „Wie soll der denn Kutscher sein?“ , fragt ihr euch jetzt sicherlich. Nunja, klebt ein Plüschpferd vor seinen Rollstuhl und springt hinten auf, schon habt ihr eure Kutschfahrt. Timmy fährt von einer roten Fahne zur anderen, die ihr erst in South Park entdecken müsst um sie verwenden zu können.

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Was ist denn das?

Zensurenmäßig müssen die Konsolenliebhaber mehr verschmerzen als die PC- Gamer, denn da wurde mehr weggekürzt als den Spielern lieb wäre. Für die Konsolengamer heißt es da: Starre auf den blauen Bildschirm und les dir durch, was hier eigentlich passieren sollte (da machen sich wohl die South Park Erfinder ein bisschen lustig über die europäischen Spieler). Diese Zensuren nimmt man aber in Kauf, da es die Story nicht stark beeinflusst. Während des Spiels fällt einem immer wieder der gute Sound auf. Mittelalterliche Lieder, die passend zur Story ausgewählt wurden. Da fragt man sich schon, wie man auf so eine Story kommt, die über den Krieg zwischen Menschen und Dunkelelfen handelt.

Schweifen wir einmal ein wenig in die South Park Serie ab. In der 17. Staffel erschienen 3 Folgen die vor allem Herr der Ringe und Game of Thrones aufs Korn nehmen. Alles fing damit an, dass Cartman erfuhr, dass in der örtlichen Mall am Black Friday die neu erscheinenden Konsolen PS4 und X Box One bis zu 80% reduziert sind. Schnell ist klar, Cartman muss an eine billige Konsole kommen. So ernennt er sich zum Magierkönig und schart seine Freunde um sich. Im Streit um die richtige Konsole spalten sich die Lager. In den 3 Folgen gibt es einige Star Gastauftritte, wie Bill Gates, George R. R. Martin und die Sony Chefetage. Das Ende vom Lied: schamlose Werbung in eigener Sache; die Werbung für das Spiel South Park: Der Stab der Wahrheit.

Fazit:

Das Spiel ist spielerisch und technisch nicht das Gelbe vom Ei, dennoch macht es eine Riesenspaß. Wer ein tiefgründiges RPG erwartet, hat wohl keine Freude an South Park: Der Stab der Wahrheit. South Park Liebhaber jedoch werden eine Menge Spaß daran haben. Es ist eine spielbare gewordene Episode der erfolgreichen Serie von Trey Parker und Matt Stone. Leider gibt es keine deutsche Sprachausgabe, doch deutsche Untertitel, wobei aber Wortspiele und Witze oft verloren gehen. Im Sinne von Cartman: Respektiert die Autorität des Spiels und nehmt es nicht zu ernst, so werden euch nämlich sehr lustige, absurde Spielstunden beschehrt, mit einer wunderbaren Story, die, wie gewohnt von South Park, eine Eigendynamik entwickelt.

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