Shin Megami Tensei: Soul Hackers im Test

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Auf der Suche nach Dämonen, einem antiquierten RPG-Kampfsystem und einer Brise Skurrilität? Nichts leichter als das: Gastgeber Atlus heißt euch willkommen im „neuesten“ Ableger Shin Megami Tensei: Devil Summoner – Soul Hackers für den Nintendo 3DS.

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Doch Moment, irgendwie kommt dieser Titel dem einen oder anderen Rollenspiel-Kenner sicherlich bekannt vor, oder nicht? Das könnte daran liegen, dass Entwickler Atlus, unter anderem verantwortlich für das Playstation Vita-Highlight Persona 4 Golden, sich auf ein längst veröffentlichtes Spiel beruft. Soul Hackers erschien nämlich bereits im Jahr 1997 für das Sega Saturn und wenig später auch als Remake für die Sony Playstation 1 – nur leider nicht in Europa und den USA. Das hat sich glücklicherweise Ende 2013 geändert.

Hack me, if you can…

So oder ähnlich könnte der geschichtliche Hintergrund zusammengefasst werden: Man übernimmt die Rolle eines begabten jungen Hackers, der frühzeitig unbefugten Zugriff auf das bis dato nicht veröffentlichte Online-Rollenspiel „Paradigm X“ erhält und kurz darauf von phänomenalen Ereignissen heimgesucht wird. Ist alles nur ein Spiel oder steckt mehr dahinter? Mit der Hilfe von Freunden, in menschlicher, dämonischer als auch maschineller Gestalt, geht der Protagonist auf die Suche nach der Wahrheit hinter all den mysteriösen Geschehnissen.

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Gekämpft wird traditionell mit Befehlen und spärlichen Effekten!
Hat sich sich das Warten gelohnt?

Zugegeben: Schon nach dem ersten Einschalten fühlt sich Soul Hackers an wie ein aufgewärmtes Schnitzel aus der Mikrowelle. Über 15 Jahre später den ersten lokalisierten Release zu wagen, ist verdammt mutig. Zumal Atlus an deutschen Untertiteln, ähnlich wie bei anderen Serienablegern, erneut im Budget gespart und nicht berücksichtigt hat. Die gute Nachricht dabei ist zumindest, eine ordentliche englische Sprachausgabe integriert zu haben. Das sowohl in Form von Untertiteln sowie mehr als überzeugenden Synchronsprechern. Zusätzliche Inhalte und ein rundum erneuertes Intro gibt es vom Entwickler gratis obendrauf. Ansonsten bewegt man sich aus spärlicher Vogelperspektive auf der Oberwelt und erforscht diverse Dungeon aus der Ego-Ansicht (First Person versteht sich).

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Düstere Gänge erwarten euch…

Und der 3DS würde nicht seinen Namen tragen, könnte er diesen Effekt nicht auch bei diesem Spiel vorweisen. Erst durch das Hochfahren des 3D-Reglers wird einem bewusst, ein 3DS-Spiel in der mobilen Konsole zu haben. Zwar hält sich die Einbindung größtenteils zurück, aber ein dezent integrierter 3D-Effekt ist auch nicht ganz zu verachten. Größte Neuerung im Vergleich zum japanischen Original ist die Integration des Touchscreens, mit dessen Unterstützung man exklusive Spielanpassungen vornehmen kann. Besonders gut: so hat man immer alles auf einen Blick.

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Die Arbeit wartet: Formeln, Fusionen und noch mehr!
Rundenbasiert, veraltet und doch irgendwie charmant…

Die Kampfmechanik wirkt besonders vom Zahn der Zeit mitgenommen und weist keinerlei Sicht auf die Mitstreiter auf. Gekämpft wird nach alter Manier zufällig und rundenabhängig, erhaltener und verteilter Schaden sind neben ein paar wenigen Einblendungen auch die einzigen Effekte, die man innerhalb des Kampfgeschehens zu sehen bekommt. Das mag in den frühen 90er-Jahren vielleicht noch für Freudensprünge gesorgt haben, heute lockt man da selbst den größten Retro-Fanatiker nicht mehr aus der Reserve.

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Der Osterhase darf natürlich nicht fehlen

Die serientypischen Verhandlungen mit und rund um die Dämonen sind wesentlicher Bestandteil bei der Rekrutierung neuer Verbündeter – Verhandlungsgeschick, richtige Antworten auf sehr spezielle Fragen und eine Portion Glück vorausgesetzt. Kenner der Reihe werden diese Grundelemente sicher schnell in ihr Herz geschlossen haben. Und auch sonst dreht es sich in Soul Hackers hauptsächlich um bekannte Bausteine: Modifizierung, Analyse und Powerleveling – die drei Pfeiler des Grundgerüsts innerhalb des Dungeon-Crawlers.

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Auch Feinde haben Gefühle…

Trotz des mehr als bekannten Spielkonzepts gibt es unwahrscheinlich viel zu tun. Und wer sich mit dem Kampfsystem auch noch in 2014 anfreunden kann, wird bestimmt auf seine Kosten kommen. Mit über 40 Stunden Spielzeit ist in jedem Fall zu rechnen. Der brockenschwere Schwierigkeitsgrad und unvorteilhaft gesetzte Speicherpunkte lassen jedoch Anfänger und Gelegenheitsspieler aus der engeren Auswähl innerhalb der Zielgruppe ausscheiden. Hartgesotte Rollenspiel-Liebhaber hingegen sind goldrichtig.

Fazit:

Atlus, hättest du mir diesen fernöstlichen RPG-Happen pünktlich zum eigentlichen Release auf dem Sega Saturn vorgeworfen, wäre ich über Wochen hinweg der glücklichste Mensch auf Erden gewesen. So bleibt ein leicht bitterer Nachgeschmack, und man sollte sich die Frage stellen, ob das Haltbarkeitsdatum vielleicht nicht doch etwas überschritten war. Über den Mut, einem solchen Titel den zweiten Frühling zu spendieren, kann ich wirklich nur staunen.

Vieles von dem, was „Soul Hackers“ macht, das macht es auch noch heute unglaublich gut und trifft bei mir zum Teil den richtigen Nerv. Nur leider irgendwie nicht zu richtigen Zeit. Eine starke englische Synchronisierung, kombiniert mit packend düsteren Story-Elementen und einer Vielzahl an Anpassungsmöglichkeiten, lässt mich bei diesem Spätzünder über einige Unzulänglichkeiten hinwegsehen. Wer auf schwere japanische Rollenspiele abfährt, wird seinen 3DS feiern. Alle anderen werden womöglich das Gerät frustriert zur Seite legen. Dazu fehlt es im Jahr 2014 einfach an Zugang, Technik und Abwechslung. Auf geht’s, Atlus, es wird Zeit für eine neue Dämonenjagd!

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