Murdered: Soul Suspect im Test

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Square Enix versucht im Juni diesen Jahres neue Wege zu bestreiten. Dieses Mal huschen nicht fantastische Charaktere aus Final Fantasy über den Bildschirm oder Agent 47 erdrosselt sein nächstes Opfer mit der Klavierseite. Nein, dieses mal hat sich Square Enix an etwas neues herangetraut: Ein mit Horror-Elementen gespicktes Detektivabenteuer mit Krimi-Charakter.

Das beschreibt Murdered: Soul Suspect wohl am besten. Wer sich darunter nicht so recht etwas vorstellen kann, aber L.A. Noire von RockstarGames kennt, hat eine grobe Vorstellung, was auf ihn zukommt. Ob das Detektiv spielen Laune macht oder das Spielkonzept spielerisch zu wenig für uns bereithält, lest ihr im Test !

Murderd: SS2
Geist und Leiche sind eine Person!

 Wir sterben!…

Zumindest storytechnisch kann sich Murdered: Soul Suspect direkt zu Beginn von anderen Spielen abheben. Und das durch einen simplen Handgriff. Es lässt den Protagonisten Ronan nämlich einfach mal sterben, und das bereits in den ersten Spielminuten. Das sorgt keinesfalls für ein frühzeitiges Game Over, sondern schafft einen spannenden Hintergrund für das weitere Geschehen.

Denn wir spielen einen Geist! Ja, ihr habt richtig gehört! Der Tod des übermäßig tätowierten Kettenrauchers führt nämlich dazu, dass er als Geist „wiederaufersteht“ und sogar selber zuschauen kann, wie er von seinem maskierten Mörder erschossen wird. Eingreifen kann er allerdings nicht, denn Ronan kann von nun an durch Menschen und Wände hindurchgehen und hat keinerlei Möglichkeiten, selber in das Geschehen einzugreifen.

Na gut, das ist vielleicht auch nicht ganz richtig. Ronan kann als Geist immer noch alles in der Menschenwelt sehen und kann in fremde Körper schlüpfen, um z.B. durch die Augen eines anderen auf einen Zettel zu starren. Kontakt zur Menschenwelt kann er aber nur über das Medium Joy aufnehmen, ein junges Mädchen, welches sich als einziges Bindeglied zwischen Ronan und der Menschenwelt entpuppt.

Gemeinsam mit ihr versucht Ronan nun seinen eigenen Tod aufzuklären. Schnell wird klar, dass Ronan vom mysteriösen Glockenmörder getötet worden ist, der schon seit Jahren sein Unwesen in Salem treibt. Doch wer ist der Glockenmörder und warum hat er Ronan getötet? Fragen über Fragen, die wir versuchen im Laufe des Spielverlaufs zu klären.

Zum Glück spielen wir einen ausgefuchsten Detektiv. Wir gehen an verschiedenste Schauplätze und lösen Rätsel, schauen dabei meist auf ein oder mehrere Indizien und müssen dann aus einigen Wörtern die richtigen herauspicken. Das ist ziemlich banal, bei Fehlern werden wir nicht bestraft und häufig kommen wir auch mit Raten zum Ergebnis. Zugegebenermaßen werden die Rätsel zum Spielende hin etwas kniffliger, trotzdem bleiben sie im Allgemeinen zu simpel.

Dämonen: Mehr Frust als Angst!

Unterforderung und Frust…

Stichwort: Simpel. Das Spiel verlangt uns nämlich so gut wie gar kein Können ab. Die einzigen schwierigen Stellen im Spiel sind die Kämpfe gegen Dämonen. Leider hat es sich der Entwickler nämlich nicht nehmen lassen, Gegner ins Spiel einzubauen. In jedem Abschnitt von Ronans Reise befinden sich daher Dämonen, die versuchen, uns endgültig den Garaus zumachen. Die Viecher können wir nur besiegen, indem wir uns von hinten an sie heranschleichen. Das macht inhaltlich ebenso wenig Sinn wie die fummelige Steuerung, ihr könnt Dämonen nämlich nur mit Quicktime-Events in die Hölle zurückschicken. Daher mutieren sie schnell zu Störenfrieden und wirken komplett deplatziert.

Sie sind vollkommen überflüssig in der sonst sehr unterhaltsamen Geschichte. Die Story ist zwar komplett linear und bietet keinerlei Entscheidungsmöglichkeiten, dafür ist sie durchweg spannend. Alleine die Faszination, seinen eigenen Mord aufzuklären, hat was.

 

Geisteratmosphäre….

Das ganze wird umrahmt von der düsteren Atmosphäre, die die Stadt Salem umgibt. Wer von uns betritt schon gerne des Nachts einen trostlosen Friedhof oder durchstreift dunkle Gassen? Als finsterer Schauplatz ist Salem übrigens eine sehr gute Wahl, schließlich ist Salem berüchtigt für seine Hexenprozesse Ende des 17. Jahrhunderts. Neben lebenden Menschen, wie dem Schwager, befinden sich überall in der Stadt verteilt allerhand Geister. Die sind meist nicht nur Dekoration für die Spielumgebung, sondern geben euch Aufträge, die sich meistens darauf beziehen, einen Mord aufzuklären. Wer plant, alle Nebenquests abzuschließen, kommt mit seiner Spielzeit gut und gerne auf 10-11 Stunden. Lohnen würde es sich, denn die Nebenquests tragen einiges zur Atmosphäre in Murdered: Soul Suspect bei.

Abstriche muss man hingegen bei der Grafik machen. Man merkt schon in den ersten Spielminuten, dass das Spiel eigentlich für die alte Konsolengeneration entwickelt worden ist. An sich ist die Grafik in Ordnung, aber veraltete Texturen und Effekte trüben das Gesamtbild. Im Gegensatz dazu sind zumindest der Protagonist und einige Charaktere wie Joy und Rex gut animiert und vor allem die Beleuchtung einiger Schauplätze, wie dem Friedhof, sind gelungen.

Düster, düsterer, Salem!

Viel zu tun…

Neben der Detektivarbeit und den Nebenaufgaben können wir uns auch als Sucher und Sammler beschäftigen. Die Entwickler haben Unmengen an Sammelobjekten in der Spielwelt verteilt, die meistens Information über die Stadt und ihre Geschichte oder über einzelne Personen bereit halten. An manche Objekte gelangen wir sogar nur mithilfe einer Verwandlung in eine schwarze Katze. Im Spielverlauf verwandeln wir uns leider viel zu oft in einen Schmusekater, wodurch die Katzenkletterei schnell ermüdend wird. Zudem führte der Sammelwahn bei mir häufig dazu, dass ich den roten Faden des Spiels zu häufig verlassen habe.

Fazit:

Murdered: Soul Suspect hat mich vorab aus zwei Gründen interessiert: Es sollte ein Detektiv-Abenteuer/Krimi mit Horror-Elementen werden, besitzt also eine unverbrauchte Grundidee. Und diese Grundidee wird sogar noch dadurch erweitert, dass der Protagonist am Anfang des Spiel stirbt und man somit seinen eigenen Mordfall aufklären muss.

Wenn ich danach gehen würde, wäre das Spiel ein Hit. Die Geschichte ist rund, der Protagonist stirbt am Anfang und man spielt einen Geisterdetektiv. Leider gehört zu einem Spiel viel mehr, als eine gute Geschichte. Spielerisch ist das Spiel nämlich alles andere als rund geworden. Die Detektivarbeit entpuppt sich als das Lösen von banalen Multiple-Choice-Tests, und….ja und was? Eigentlich war es das auch schon. Außer simple Rätsel zu lösen steht uns eigentlich nur noch frei, in dem atmosphärisch gelungenen Salem herumzulaufen und dort unserem Sammeltrieb nachzugehen. Zwischendurch verwandeln wir uns in eine Katze oder helfen Joy herauszufinden, warum wir gestorben sind. Das war es eigentlich schon!

Der Ansatz des Spiels ist durchweg gelungen, leider wird die Idee nicht konsequent zu Ende gedacht. Viel zu sehr verliert das Spiel an Reiz und wird einzig und allein von der unterhaltsamen Story am Leben erhalten.Wenn man über die eher biedere Grafik noch hinweg schauen mag, so ist spätestens bei den Dämonen Schluss mit lustig. Könnte man die stark an die Dementoren erinnernden nervenden Monster optional deaktivieren, wäre dem Spiel sehr geholfen.

So bleibt das Spiel eine unterhaltsame, finstere Detektivgeschichte, die sich spielerisch leider nur auf das Lösen von Rätseln beschränkt. Da wäre mehr drin gewesen.

 

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