Gamescom 2014: Was ist Shadow Realms?

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Bereits einige Wochen im Vorfeld der Gamescom hat Bioware gruselige, atmosphärisch dichte Videos per Newsletter verschickt. Alles deutete auf einen Titel in einem modernen Fantasyszenario hin, der ein wenig an die ersten Trailer des MMORPG The Secret World erinnerte. Sobald irgendwo Bioware draufsteht, bin ich sofort an vorderster Front mit dabei und muss mich beherrschen, nicht laut „Shut up and take my money“ zu schreien und dem Rausch der Vorbestellung zu verfallen. Gilt das auch für Shadow Realms?

  http://www.youtube.com/watch?v=eXshvOZhVeE Auf der diesjährigen Gamescom in Köln enthüllte Bioware schließlich das bis dahin namenlose Projekt: Shadow Realms! Ein 4vs1 Co-Op-Titel mit modernem Fantasyszenario und biowaretypischen Story- und Rollenspielelementen. Ähm… bitte was? Schon verschwand meine Vorfreude und der dringende Wunsch den Titel vorzubestellen. Statt gewohnt hochwertiger Einzelspielerkost mit motivierender Story gibt jetzt einen reinen Online-Titel von Bioware? War The old Republic nicht schon schlimm genug? Versteht mich nicht falsch, SWTOR war und ist ein gutes MMO, nur als Baldurs Gate Veteran, dem auch Neverwinter Nights, Jade Empire, Knights of the old Republic und die Mass Effect Serie sowie Dragon Age fiel Spaß bereitet haben, erwarte ich einfach weiterhin erstklassige Einzelspielerkost von meiner Lieblingsspieleschmiede.     So negativ meine Vorurteile nun auch klingen mögen, konnte das persönliche Spielerlebnis die Stimmung doch schnell kippen und ich bin fast schon wieder in Vorbestelllaune! Worum geht es eigentlich in Shadow Realms? Die Handlung spielt sich in unserer modernen Welt und dabei auf der ganzen Erdkugel ab. Die Erde wird von der übernatürlichen Schattenlegion angegriffen, einer finsteren Macht, welche die Erde ins Chaos stürzen und übernehmen will. Im Zuge dessen treten überall auf der Welt übernatürliche Phänomene auf. Die Menschheit sieht sich dieser Bedrohung gegenüber aber nicht wehrlos, da immer mehr Menschen ihrerseits übernatürliche Kräfte entwickeln und damit die Magie Einzug in unsere Welt hält. So kommt es, dass normale Menschen plötzlich als Magier, Krieger, Kleriker etc. den Kampf mit dem Bösen aufnehmen, während sie ihre eigenen Kräfte entdecken und durch Kampferfahrung verbessern. Bioware verspricht interessante Kombinationen von klassischer Fantasy mit der modernen Welt. So soll es z. B. möglich sein einen Zauberer zu spielen, der seine Gegner auch mit einem Maschinengewehr aus den Latschen haut. Darüber hinaus sollen die angesprochen Biowaretypischen Eigenschaften nicht zu kurz kommen: Drama, Verrat, Romantik ergänz durch viele Dialoge und einer sich stetig, durch immer neue veröffentlichte Episoden, weiterentwickelnden Geschichte. Ob die Episoden einzelnen gekauft werden müssen oder es ein Abomodell geben wird, wollte die Entwickler leider noch nicht verraten. Von all dem gab es in der sehr frühen, spielbaren Pre-Alpha-Version noch nichts zu sehen. Hier ging es darum, die vordergründigen Kämpfe vorzustellen. Und diese haben eine Menge Spaß gemacht und ließen mich mit einem fetten Grinsen den Raum verlassen. Der angesprochene 4vs1 Co-Op setzt sich auf vier Helden zusammen, die gemeinsam eine Art Instanz durchqueren. Dabei werden gemeinsam zahlreiche Gegner erledigt, gefallene Teamkameraden werden wiederbelebt und es gibt eine Menge Loot zu finden. Dazu zählen Gold, Tränke aber auch Rüstungsgegenstände und Waffen. Das Team aus vier Spielern schreitet gemeinsam durch den Dungeon, wobei jeder den eigenen Charakter aus der Third-Person-Perspektive steuert. Vereinfacht ausgedrückt ist es einem Third-Person-Left-4-Dead nicht unähnlich. Wozu auch die Safezones zwischen einzelnen Levelabschnitten beitragen, in denen die Heiltränke aufgefrischt werden können. Das bereits angesprochene moderne Fantasyszenario führt dazu, dass sich einer der Helden mit weißem Hemd und Krawatte durch die Feindeswellen kämpft. Mit der linken Maustaste führen wir einen Nahkampfangriff mit der Keule unseres Klerikers aus, während wir auf den Tasten 1-4 Fähigkeiten zum Einsatz auswählen können. Dazu zählen zwei Flächenschadenzauber sowie der Lebenskraftentzug, der Feinde schädigt und uns mit der gestohlenen Lebensenergie heilt. Fähigkeit Nummer vier lädt sich im Kampf auf und ermöglicht es uns, alle nahen Gruppenmitglieder ein Stück weit zu heilen. Mit der rechten Maustaste weichen wir aus, in dem unser Held in Blickrichtung springt und das in bester Max Payne Manier. Das Ausweichen ist, wie mir im Vorfeld gesagt wurde und ich im Spiel auch festgestellt, extrem wichtig. Nur so kann man Fallen und feindlichen Flächenangriffen entgehen. So haben wir uns zu viert durch die Instanz gekämpft. Das Wiederbeleben von gefallenen Helden erfordert ein Traumakit, die nur in begrenzter Anzahl zur Verfügung stehen. An jedem Checkpoint, den sogenannten Safezones werden aber ohnehin alle gefallenen Gruppenmitglieder wiederbelebt, so dass man sich die Kits auch aufsparen kann, sofern das Kampfgetümmel e ermöglich auch in kleinerer Besetzung voranzukommen. Tatsächlich hatten wir beim finalen Bosskampf auch einen unserer Kameraden nicht mehr erwecken können, da alle Kits aufgebraucht waren. Der Kampf führte uns gegen einen riesigen Dämon mit Flügeln in die Schlacht, der über verschiedene Angriffsmuster und Flächenattacken verfügte und zusätzlich noch regelmäßig weitere Monster heraufbeschworen hat. Nach gefühlten 10 Minuten Kampf war das Biest erledigt und wir konnten durch ein Schattenportal in eine Art Schatzkammer gelangen, gefüllt mit Gold und Schatzkisten. Hier konnte man mit unterwegs gefunden Schlüsseln einige Kisten öffnen und so wertvolle Belohnungen einsammeln. Damit war die Anspielzeit auch schon rum.   Was noch nicht zusehen war aber angekündigt ist, sind verschiedene Talentbäume, die sich innerhalb der Instanz in den Schutzräumen, den Safezones, wechseln lassen, um die Gruppe besser auf die bevorstehenden Kämpfe vorzubereiten oder auch die eigene Spielweise zu ändern. . Es ist davon auszugehen, dass Tränke und Traumakits genauso wie andere Waffen und Rüstungen sich mit dem gefunden Gold außerhalb der Instanzen käuflich erwerben lassen. Moment mal, hab ich nicht etwas von 4vs1 Co-Op geschrieben und jetzt nur von vier Helden gesprochen? Korrekt! Der fünfte Spieler übernimmt nämlich die Rolle des Schattenlords, im Grunde das Äquivalent zum Dungeon-Master bei Pen& Paper Rollenspielen. Er ist ein unsichtbarer Avatar, der sich mit den Helden im Dungeon aufhält. Er kann Fallen aufstellen und Bomben zünden sowie die Gegnertypen bestimmen, welche die Helden bekämpfen müssen. Darüber hinaus kann er jeweils die direkte Kontrolle über eines der Monster übernehmen und so aktiv in den Kampf eingreifen. Dabei erkennen die Helden das vom Schattenlord besessene Monster anhand einer blauen Aura. Mit jedem weiteren Checkpoint wachsen auch die Fähigkeiten des Schattenlords. So kann er u. a. später einen Doppelgänger eines der Helden erschaffen, inkl. Fähigkeiten und Ausrüstung. Diesen steuert er dann aktiv, genau wie besessene Monster. Aber als Feind wird dieser Doppelgänger erst dann für die Helden erkennbar, wenn der Doppelgänger angegriffen hat. So kann der Schattenlord also z. B. einen Gang, in dem er zuvor eine Falle aufgestellt hat, passieren und dann mit einer Geste den Rest der Gruppe direkt in die Falle oder einen Hinterhalt locken. Besonders fies war unser Schattenlord, der ebenfalls von einem Journalisten gespielt wurde: direkt nach einem Kampf folgten eine Giftfalle sowie eine Bombe und dann hat er den Doppelgänger erzeugt und die zwecks Looting über mehrere Gänge verteilte und angeschlagene Gruppe von hinten erledigt. Glücklicherweise hat unser Tank es aber überlebt und die Gruppe am Checkpoint wiederbeleben können. Ohne den Messekrach hätte man sich aber sicherlich schnell per Sprachchat über den Doppelgänger informiert und zusammenfinden können. Alles in allem bleibt Bioware einen Großteil der angekündigten Features noch schuldig, was aber einfach an dem extrem frühen Entwicklungsstand liegt. Die Pre-Alpha ist bereits durch Fokusgruppentests etc. stark auf die Wünsche der Spieler zugeschnitten worden. Wenn Bioware es schafft eine spannende Story zu erzählen, das Ganze in eine ansehnliche und stimmige Grafik zu verpacken (das Artdesign gefällt bereits jetzt!) und den Titel dann noch mit allen Biowaretugenden garniert, steht uns ein geniales Co-Op-Spiel in Haus. Dennoch ist die Konkurrenz in diesem Sektor groß, aber das Szenario wirkt auf jeden Fall unverbraucht und könnte dazu beitragen, dass dieser Titel sich zum Release seinen Marktanteil sichern kann. Ich wäre nach dem Erlebten und Versprochenen doch wieder bereit, eine Vorbestellung zu tätigen.

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