Metro Redux im Test

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Das Sommerloch neigt sich so langsam seinem Ende zu. Mit Destiny ist bereits ein, wenn nicht sogar der meist erwartete Titel dieses Jahres erschienen. Das Spiel sorgt im Netz für geteilte Meinungen, enttäuschte Stimmen hier und lobende Worte da.

Gibt es sonst denn nichts Neues? Doch gibt es! Gut, neu ist vielleicht das falsche Wort, aber aufgewärmte Kost kann auch gut schmecken. Deep Silver hat nämlich die Spieleflaute dazu genutzt, seine Endzeit-Shooter Metro 2033 und Metro: Last Light in einer überarbeiteten Version auf den Markt zu werfen. Das ganze nennt sich dann Metro Redux und kostet den Spieler „nur“ 40€.

Für den Preis hört sich das doch ganz gut an, aber ob Metro Redux auch spielerische Änderungen gegenüber den alten Versionen aufweist, lest ihr hier im Test!

Atmosphärisch kann die Metro Moskaus einiges!
  Zum Gruseln… Die Spiele auf Basis der gleichnamigen Buchreihe des russischen Autos Dmitry Glukhovsky erzählen eine Geschichte rund um den jungen Russen Artjom, der im Untergrund Moskaus mit den Überlebenden einer Atomkatastrophe ein elendes Dasein fristet. Doch sie sind nicht alleine! Banditen, Mutanten und die ominösen Schwarzen machen der zum größten Teil friedlichen Bevölkerung das Leben zur Hölle. Trinkwasser ist Mangelware, Nahrung ist begrenzt und Sonnenlicht verschafft einem eine tödliche Bräune! Was bereits durch diese kurze Einleitung düster und beängstigend zugleich wirkt, wird durch die Atmosphäre des Spiels noch viel greifbarer. Schon im Ausgangsspiel aus dem Jahr 2010 war die Atmosphäre das Phänomenale, diese bedrückende Stille, plötzliche Schockmomente, ein entsetztes Schaudern unter der Atemmaske, wenn man merkt, das die Filter zuneige gehen. Diese schaurige Atmosphäre macht noch einmal einen Schritt nach Vorne. Dank neuer Technik wirken Lichteffekte dynamischer, das Schattenspiel an den Wänden noch schauriger als zuvor. Aber nicht nur technisch hat sich gegenüber den alten Versionen einiges getan. Wie in Last Light kann Artjom in Metro 2033 drei Waffen gleichzeitig tragen und die Wummen bei in der Metro verstreuten Händlern mit schicken und nützlichen Accessoires ausstatten. Außerdem ist es dem jungen Russen möglich, Gegner von hinten in aller Heimlichkeit auszuschalten, was vorher aus unerklärlichen Gründen nicht möglich war. Letzteres hat leider manchmal seine Schwierigkeiten und aus dem hundertprozentigen Kill wird plötzlich ein wilder Kampf gegen einen überraschten Gegner. In solchen Momenten stellen wir erleichtert fest, dass die künstliche Intelligenz der menschlichen Widersacher wenig bis gar nicht verbessert worden ist. Außerhalb dieser Schockmomente allerdings stören schwere Aussetzer, wenn ihr z.B. direkt vor den Gegner im Lichtschein umherschleicht, sie euch aber nicht erkennen, sehr.
Vor allem die Außenareale sind grafisch prächtiger als in den alten Versionen!
  Viel Content…. Da Metro: Last Light deutlich frischer war, als das alte Metro 2033, konnten wir hier nicht mit so vielen Neuerungen rechnen. Und genauso ist es auch gekommen! Metro: Last Light bekommt durch die Überarbeitung zwar auch eine etwas bessere Optik, sie ist aber keinesfalls so gravierend wie in Metro 2033. Schön ist aber, dass Deep Silver Last Light Redux mit allen DLCs auf den Markt wirft. Neben dem Fraktions-Paket, in dem wir aus drei verschiedenen Fraktionen jeweils einen Soldaten durch eine Einzelmission begleiten, gibt es auch z.B. das Turm-Pack, in dem wir uns einen großen Turm nach oben kämpfen müssen, um auf der Bestenliste aufzutauchen. Mit allen 4 DLCs, und den beiden Hauptspielen, erreichen wir schnell eine Spielzeit von 27-28 Stunden.
Grafisch macht vor allem Metro 2033 einen Schritt nach Vorne!

Ganz neu… Ganz neu indes sind zwei Spielvarianten, die wir vor dem Spielen der beiden Shooter einstellen können: Da gibt es zum einen den Überlebender-Modus, in dem wir weniger Munition finden, oder die Stärke der Gegner merklich ansteigt. Dieser Modus ist eindeutig der schwierigere von beiden, denn im Spartaner-Modus haben wir mehr Munition und die Gegner sind einfacher zu besiegen. Beide Modi spielen sich durch ihre Gegebenheiten sehr unterschiedlich, weshalb sich ein Spiel in jedem Modus lohnt. Und wem das noch nicht genug ist, der kann auch den Ranger-Modus versuchen, der ebenfalls als DLC-Paket mitgeliefert worden ist. Dadurch wird der Kampf gegen die Unterwelt und Oberwelt Moskaus noch um einiges schwerer.  

Die Metro ist keinesfalls friedlich!
  Alte Laster… Leider gibt es in beiden Teilen neben der schwachen K.I. der Metro-Bewohner immer noch Kleinigkeiten, die eine Überarbeitung vertragen hätten. So sind z.B. Mimik und Animationen der Charaktere, seien es Hauptcharaktere, aber vor allem Randcharaktere, immer noch auf einem nur durchschnittlichen Niveau. Vor allem die Mimik der Bewohner ist ein Atmosphären-Killer. Züngelnde Flammen eines Lagerfeuers spenden Licht, wir hören eine trauernde Mutter, deren Schreie durch die halbe Metro hallen und sehen Kinder, die auf dem unnachgiebigen Steinweg spielen. Gepaart mit dem Lichtspiel auf den Wänden ergibt sich hier eine atmosphärische Meisterleistung. Gucken wir den Personen aber ins Gesicht, blicken wir meist in emotionslose Gesichter, jedes einzelne austauschbar. Leider bringt ein ausdrucksloses, menschenfremdes Gesicht uns schnell wieder zurück in die Realität und zieht uns aus diesem packenden, düsteren Sog des Spiels. Eine Kleinigkeit noch zum Abschluss: Die Wurfmesser aus Metro: Last Light bleiben zu übermächtig. Eine Regulierung wäre hier empfehlenswert gewesen.  

Fazit:

Vor 4 Jahren spielte ich das erste Metro 2033, ungefähr zur selben Zeit las ich die beiden Bücher von Dmitry Glukhovsky. Ich merkte recht zügig, dass das Spiel die Atmosphäre des Buches prächtig einfangen konnte, was eine schwierige Aufgabe war! Auch Metro: Last Light konnte mich 3 Jahre später in seinen Bann ziehen. Grafisch und spielerisch dem Vorgänger überlegen, hatte Metro: Last Light nur noch wenige Kanten, die abgeschliffen werden mussten. Einige davon sind geblieben, wie die mangelhafte künstliche Intelligenz der menschlichen Widersacher, aber Metro Redux vereint für einen niedrigen Preis zwei atmosphärisch dichte und spielerisch hochwertige Ego-Shooter, die auch für Spieler interessant sind, die mit den Büchern nichts anfangen können. Die Verbesserungen sind zwar nur marginal, aber dem geübten Metro-Spieler werden sie schnell auffallen. Auch grafisch wurden beide Spiel, vor allem Metro 2033, stark optimiert und glänzen mit neuen Lichteffekten, was die Wanderschaft in den Tiefen der Moskauer U-Bahn noch schauriger werden lässt. Ob ich den Besitzern der alten Metro-Spiele das Redux-Paket empfehlen würde? Nein, und wenn sollten sie sich nur das stark überarbeitete Metro 2033 Redux zulegen. Aber für Spieler, die noch nie in das Metro-Universum geschnuppert haben, gibt es in Metro Redux eine preisgünstige Kombination aus zwei hochklassigen Ego-Shootern, die aber auch in Atmosphäre und Storytelling einiges drauf haben.    

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