Destiny im Test-Tagebuch

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Bild 1

Der neue Shooter von Bungie hat am 9. September das Licht der Welt erblickt. Am ersten Tag verkaufte sich das Spiel noch häufiger als das Hacker-Abenteuer Watch Dogs aus dem Hause Ubisoft und spielt mehr als 500 Millionen US-Doller ein. Gemeinsam mit einem Freund habe ich mich in die Sci-Fi-Welt von Destiny begeben. In diesem Tagebuch haben wir für euch einige Eindrücke festgehalten, die wir beim Spielen hatten. Der Großteil des Tests ist von meinem Freund Christian Hacker geschrieben worden, ich bin der Koop-Partner und habe meine Gedanken ebenfalls in das Test-Tagebuch  einfließen lassen.

Die Spielwelt hat drauf gewartet und hier ist es: Destiny!

War. War never changes.“

Egal ob auf dem heimischen Erdball, dem näheren Sonnensystem oder weiter entfernten Regionen des Alls. An all diese Orte führt uns Destiny und lässt uns eine Vielzahl an feindlichen Alien-Invasoren bekämpfen. Wir, die Hüter, bekommen nun die Aufgabe die letzte Stadt der Menschheit zu beschützen, mit Hilfe eines persönlichen Geistes, einer kleinen, fliegenden Robo-Kugel, die uns während den Missionen mit Informationen versorgt. Doch ganz so spektakulär, wie das nun klingt, beginnt das Abenteuer Destiny noch nicht. Zu Bewusstsein kommen wir im kalten Russland.

Tag 1 und 2:

Ich bin ein Jäger, mein Partner im Koop ein Titan. Wir beide sind Erwachte. Die Charaktererstellung ist begrenzt, aber vorerst ausreichend. Ob wir unser Aussehen im Laufe des Spiels ändern können, wissen wir nicht.

Die ersten Schritte in dieser schön anzusehenden Spielwelt sind schnell getan. Eine Waffe einsammeln, Schussübungen auf eher unbedarfte Gegner und die Suche nach einem Schiff, welches uns gleich in den Turm bringt. Der Turm ist die HUB-Welt des Spiels in der wir uns oft genug wiederfinden werden.

Der zu Beginn noch gewaltig und etwas verwirrend wirkende Schiffshafen für unsere Raumgleiter birgt sowohl Missionsgeber als auch Ausrüster und Personen verschiedener Fraktionen, die zu Beginn noch sehr fremd und unnahbar scheinen. Eine Einweisung bekommen wir nicht. Man benötigt hier Level 20, dort braucht man Schmelztiegel-Punkte, da Vorhut-Marken…bitte was? Gehen wir erst einmal der Mission nach.

Diese scheuchen uns zunächst noch einige Male nach Russland, was wir schnell erkundet und durchkämpft haben. Gut ist, dass wir nicht durch eine Mission an ein festgelegtes Areal gebunden sind. Schlecht ist, dass wir immer vom gleichen Punkt eine Mission beginnen und uns erst die Mühe machen müssen, den Startpunkt der Mission zu erreichen. Davon gibt es aber unterschiedliche Sorten. Storymissionen, Patrouillien, die uns mit endlosen, kleinen Aufgaben versorgen, oder Strikes. Letztere sind längere Aufgaben mit schwer bewaffneten Zwischen- und Endgegnern. Dazu aber später….

Die ersten beiden Spieltage spielen wir ausschließlich im Koop. Gemeinsam macht der Sci-Fi Shooter nämlich deutlich mehr Spaß. Mit raschem Tempo, einer Menge Gegnern und Unmengen an sammelbaren Gegenständen geht die Spielzeit schnell in die Höhe. Wir versuchen uns nach ein paar Story-Missionen, deren Inhalt bisher leider nicht merklich im Kopf bleiben will, an einer Patrouille auf der Erde und dem nun freigeschalteten Mond. Zusätzlich zu den Hauptaufgaben, finden wir auf dem Turm einen Mann, der Nebenaufgaben verteilt, sogenannte Beutezug-Missionen. Eine davon lautet z.B. „Beenden sie sechs Patrouillen auf dem Mond“.

Die kleinen Aufgaben führen uns quer über den Erdtrabanten, in alle erdenklichen Krater und Anlagen mit unterschiedlichen Gegner-Typen. Auf dem Mond treffen wir auch zum ersten Mal die zweite Spezies, die Schar, eine sehr lichtscheue Rasse, die meinen Koop-Partner etwas an Untote erinnert. Mit den Missionen steigt auch das Level und die Ausrüstungs-Slots füllen sich. Immer wieder wird ein neuer Brust- oder Armpanzer angelegt, das Scharfschützengewehr ausgetauscht oder eine neue Fähigkeit hinzugefügt.

Die drei Klassen Jäger, Titan und Warlock!

Tag 3:

Am Anfang des dritten Tag ist es dann soweit: Wir schalten mit Level 15 eine zweite Sub-Klasse frei. Ich, der Jäger, bekomme die Klasse „Klingentänzer, die mir den Einsatz von Klingen erlaubt, dennoch nur als Spezialfähigkeit, die nicht dauerhaft eingesetzt werden kann – schade. Mein Koop-Partner, der Titan, bekommt die Klasse „Verteidiger“. Einmal ausgetestet bleibt diese Sub-Klasse danach aber unangetastet.

Die Klassenunterschiede sind übrigens nur sehr marginal, ich als Jäger habe zwar ein anderes Aussehen, als ein Titan, außer der Spezialfähigkeit gibt es allerdings keine weiteren Unterschiede. Jede Klasse hat die Möglichkeit, jede Sorte Waffe zu tragen.

Nach 2 ½ Tagen Einspielzeit absolvieren wir dann gemeinsam unsere erste Strike-Mission , stehen am Ende dann aber nicht mit stolz geschwollener Brust auf dem Podium. Grund: Strikes bestehen im Großen und Ganzen ausschließlich aus ihren Endgegnern. Zwischenzeitliche Wellen kleinerer Gegner können zwar ebenso fordern, erfordern aber einiges weniger an Munition, Wiederbelebungen und vor allem Geduld. Da die Strike-Missionen auf den jeweiligen Planeten die schwierigsten Missionen sind, haben wir nichts anderes erwartet als einen knackigen Gegner, der uns alles abfordert. Ein schier endloser Lebensbalken und eine bisher ungesehene Angriffskraft brachte uns mehrmals ans Limit.

Mit dem zweiten, dritten und vierten Strike kommt dann aber auch eher die Ernüchterung. Die großen Gegner haben den taktischen Anspruch einer selbst ablaufenden Cutscene, da sie sich und ihre markanten Schwachpunkte entweder keinen Meter bewegen, oder vollkommen vorhersehbare Verhaltensmuster haben. So haben wir mit inzwischen fortgeschrittenem Level weniger Ansehen als mehr Geduld für die Gegner übrig.

Am Ende des dritten Tages stehe ich kurz vor Level 20. Die Erwartungen an die neuen, freischaltbaren Gegenstände und die Zusammenarbeit mit den Fraktionen ist groß. Andererseits erfahren wir, dass die Levelobergrenze bereits bei 20 liegen soll, was uns stutzen lässt…

Ein Strike mit dem Teufelsläufer!

Tag 4-5:

Am vierten Tag öffnet sich dann aber die Spielwelt und wir kommen zur Venus. Eine völlig neue, florierende Umgebung, schönere Farben als auf dem tristen Mond und eine neue Spezies: Die Vex. Roboterähnliche Kreaturen, die ihren Schwachpunkt im Rumpf haben, da sie uns auch ohne Kopf verfolgen können.

Hier bekommen wir auch wieder schnell zu spüren, dass die Anforderungen an den Spieler zügig steigen. Die Vex sind bisher die stärksten Gegner, vor allem die großen Varianten.  Kurz kommt die Frage auf, ob wir das Spiel doch unterschätzt haben.

Anschließend wird von mir die erste Storymission alleine abgeschlossen. Das ist leider eine Erfahrung, die ich zwar noch öfter machen werde, die mir allerdings nicht mal ansatzweise so viel Spaß bietet wie im Koop. Herausforderungen sind immer gut, doch kommt man alleine zu häufig an den Punkt, dass es zu fordernd wird.

Fordernd wird es auch im Schmelztiegel, der PvP-Arena Destinys. Auf etwas unübersichtlichen Karten heißt es Mensch vs. Mensch, keine K.I. Doch selbst mit Level 19 ist es mehr als schwer mich dort zu behaupten. Ein paar Versuche folgen, alle mit ähnlichem Ergebnis. Dabei benötigt man ordentlich viele Schmelztiegel-Punkte, um sich im Turm weitere Gegenstände kaufen zu können. Diese Gegenstände liegen aber in weiter Ferne….

Nach mangelndem Erfolg geht es also erst einmal weiter zu der neuen Strike-Playlist.

Hier wird ein zufälliger Strike ausgewählt, darunter kann auch einer sein, den man vorher nicht selber freigeschaltet hat. Strikes werden immer zu dritt absolviert, man wird also mit zwei anderen Spielern in ein Team gesteckt, sofern man keinem Einsatztrupp angehört. Hier gibt es plötzlich Anderes zum Freischalten. Vorhutmarken. Eine Art Währung, ähnlich dem Glimmer und den Schmelztiegel-Punkten. Die Erkenntnis, wieder etwas Neues herausgefunden zu haben, macht Freude…

…bis ich den ersten Strike der Playlist annehme. Diese Playlist hat es in sich! Verschiedene Schwierigkeitsstufen sind auswählbar. Theoretisch. Mein Level 20 reicht nicht aus für die zwei höchsten Grade, Level 24 und 26. Da gibt es also doch noch Einiges, woraufhin ich zuarbeiten kann. Mit viel Mühe und vielen Toden stürme ich durch das Level, am Ende bin ich aber erfolgreich.

Als Belohnung gibt es nicht nur die vorher erwähnten Vorhutmarken, sondern auch eine neue Rüstung. Hier möchte ich kurz einwerfen, dass das Erlangen der Rüstung reiner Zufall ist. Am Ende jedes Strikes, jeder Mission und jeder PvP-Schlacht werden Items verteilt. Der Wert hängt aber keinesfalls von dem Skill des Spielers ab, sondern wird einfach zufällig ausgelost. Der Schlechteste im Team kann also mehr und bessere Gegenstände bekommen, als der Beste im Team. Es kann sogar passieren, dass man komplett leer ausgeht. Das ist ein Spielelement, was uns bisher ausschließlich im negativen Sinne im Gedächtnis bleibt und für einigen Frust und Ärger sorgt.

Was machen wir nun eigentlich, wenn wir Level 20 erreicht haben? Wir erhalten sogenannte Lichtpunkte. Dahinter steckt ein weiteres Level-Up System. Mit Level 20 ist nämlich nicht Schluss…zumindest nicht ganz. Ab dann sammelt man nämlich Lichtpunkte, die den Level weiter steigern können. Je nachdem wie viele dieser Punkte ein Rüstungsgegenstand besitzt, werden diese addiert und dem Lichtpunktekonto gutgeschrieben.

Nach dem fünften Tag kann ich auf einen Level 22 Charakter blicken, mit Augenmerk auf die zweite Fokusfähigkeit meines Jägers. Hinzu kommen zwei weitere Landfahrzeuge und ein anderes Raumschiff. Letzteres dient zu unserem Leidwesen leider nur als Ladescreen, eine Investition ist also nur zu Empfehlen, wenn man seinen Charakter individualisieren möchte. Einen Nutzen hat man davon nicht. Der Titan meines Koop-Partners hat zur selben Zeit Level 20 erreicht.

Die Kämpfe gegen eine große Anzahl an Feinden sind meist sehr intensiv!

Tag 6-7:

Am sechsten Tag ist dann zum ersten Mal eine Pause angesagt. Auslöser ist der rasante Fortschritt, der mich doch etwas erschreckt. Mein Koop-Partner hat die Story am vorherigen Abend beendet, merklich überrascht.

Eine Woche nach Spielbeginn, also am siebten Tag, geht es dann aber auch bei mir weiter. Auch ich beende in den ersten paar Missionen die Kampagne des Spiels und bin ebenso wie mein Koop-Partner vor mir, mehr als überrascht. Der Protagonist bleibt im Laufe der Story nur eine unscheinbare Spielfigur und die Geschichte bleibt immer im Hintergrund, wirkt beinahe nicht existent. Die wenigen Cutscenes vermitteln wenig Atmosphäre.

Nun ist für mich der richtige Zeitpunkt gekommen, mal einen Blick in die Xbox Live Achievements zu werfen. Manche davon betreffen den von mir bisher gemiedenen Schmelztiegel, einige andere sind aber auch mit K.I.-Gegnern erfüllbar. Wenn man dann aber den Erfolg nicht bekommt, spielt man sich schon einmal leicht in Rage. Als besonderes Kunststück erweisen sich nun auch immer öfter einige Verbindungsprobleme, Fehlercodes mit Insektennamen, die einem den Spielspaß verderben können. Ich habe damit weniger Probleme, als mein Koop-Partner, letzterer fliegt aber nicht selten fünf Sekunden vor Ende der Mission in den Orbit zurück und erhält noch nicht einmal die Chance, eine oder zwei Prämien einzusacken.

Dem siebten Tag wurde so ein schnelles, frustriertes Ende gesetzt.

Dies ist die Vorbereitung zu einem PvP-Match!

Tag 8-12:

Nach einer kurzen Destiny-Pause geht es weiter in den Schmelztiegel. Langsam aber lässt die Begeisterung für Destiny nach. Vier verschiedene Modi, unter diesen ausschließlich bekannte Kost wie Kontrolle (Eroberung von Kontrollpunkten) oder Konflikt (Team-Deatmatch), laden auf kleinen und übersichtslosen Karten zum hektischen Geballer ein. Das Spielgefühl erinnert sehr stark an Shooterkollegen wie Crysis. Hektisch, schnelle Abschussrate und viele Emotionen, größtenteils Negative.

Es bedarf einiger Einspielzeit, um im Schmelztiegel Fuß zu fassen. Nach und nach gelingt es uns dann aber und wir schalten einige neue Items frei. Es werden auch noch ein paar kleine Aufgaben für den PvP-Modus hinzugefügt, sodass ein wenig Sinn hinein illusioniert wird.

Mein Koop-Partner hat an PvP in Destiny deutlich mehr Spaß als ich, auch wenn die zufällige Prämienvergabe uns beiden sauer aufstößt. Ich hingegen möchte Strikes oder Raids spielen und meine Fähigkeiten gegen große Bossgegner beweisen. Leider fehlt und beiden in dieser Hinsicht momentan der Content, es kommt uns teilweise so vor, als hätten wir von Destiny schon alles gesehen….

Ein Map auf der florierenden Venus!

Fazit (Chris):

Noch wird Destiny seinem immensen Hype nicht gerecht. Ein durchaus solider Shooter, bei dem es jedoch an allen Ecken und Kanten an Feinschliff mangelt.

Kaum Abwechslung, ein komplett auf Zufall basierendes Belohnungssystem und die nicht erwähnenswerte Story machen aus Destiny den Durschnittsshooter, das es nicht werden sollte. Trost spenden aber die herausfordernden Kämpfe und dutzende Ausrüstungsgegenstände, die man erst nach langer Spieldauer erhält. So ist die Motivation zumindest bis zum nächsten Zusatzinhalt gegeben. Was dann darin steckt, werden wir wohl bald erfahren!

Fazit (Daniel):

Destiny ist nicht das, was 500 Millionen investierte US-Doller vermuten lassen. Wie vom Vorredner bereits gesagt, ist Destiny ein solider Shooter, die Kämpfe sind intensiv, einige auch extrem schwer. Leider ist die interessant angepriesene Story nicht existent und äußert sich nur in ein oder zwei Cutscenes.

Auch der Umfang des Spiels wird dem Shooter-Zusatz MMO nicht gerecht. Die Vielfalt an Bossgegnern kann man an zwei Händen abzählen, die Art sie zu bekämpfen sogar an einer. Es gibt viele Ausrüstungsgegenstände, aber nur durch Zufall kommt man an sie heran. Egal wie gut ich spiele, es kann trotzdem sein, dass ich mit leeren Händen aus der Partie herausgehe. Dann offenbart sich Frust und Ärger, denn ich bekämpfe keinen Bossgegner 20 Minuten lang, nur um danach etwas Glimmer zu bekommen.

Das PvP hingegen fängt die unterirdische Geschichte und die mangelnde Motivation zumindest etwas auf. Das Multiplayer-Erlebnis im Schmelztiegel ist oft rasant, verbunden mit positiven und negativen Gefühlen, mit 4 Modi und 8 Karten momentan aber noch ausreichend. Zum Glück ist dafür bereits Nachschub angekündigt.

Nachschub ist auch das richtige Wort für den Rest des Spiels. 10 Jahre will Bungie Destiny mit weiteren Inhalten versorgen. Vermutlich alles zu einem kleinen Entgelt. Wenn mich allerdings jeder Erweiterungspass und jeder Zusatzinhalt Geld kosten soll, wird Destiny schnell beiseite gelegt.

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