Die Sims 4 im Test

0
471
sims4-cover2

EA Games und Maxis erweitern die nun bald 15 Jahre bestehende Lebenssimulation um einen vierten Teil. „Echte Emotionen. Verrückte Storys“ – so lautet zumindest die Vermarktungsstrategie des Publishers. Doch bietet Sims 4 auch tatsächlich das, was großmächtig angeprießen wird?

Um die Antwort vorwegzunehmen: zum Teil! Meine erste große Emotion machte sich bei der Aktivierung über Origin breit. Wie bei allen PC-Titeln aus dem Hause EA, muss auch hier das Spiel an das nervtötende Origin geknüpft werden. Ein Wiederverkauf somit nach getätigter Aktivierung schlicht unmöglich. Aber das war uns schon vorher bekannt. Immerhin wurde Abstand vom unnötigen Onlinezwang genommen, der in Vergangenheit in massig Beschwerden ausartete. Woran erkennen wir aber, ob der vierte Teil der gelungene Neustart ist? Nun: Sims4 muss sich logischerweise mit dem Vorgänger messen, was vorhandene Features und Technik betrifft: Hierbei ließen diverse Seiten des World-Wide-Web vor Veröffentlichung ordentlich Dampf ab, nachdem offiziell 89 Elemente eiskalt gestrichen wurden. Ein neues Gefühl soll dem Spieler vermittelt werden, das Streichen bisheriger Objekte ein zwangsläufige Maßnahme, hieß es aus Entwicklerkreisen.

sims4
EA gibt es – und EA nimmt es!

Setz den Rotstrich an, EA!

Der nächtliche Einbruch? Nein, ihr lebt sicher! Geister? Nur in euren Träumen! Und was ist mit Aliens? Selbst die machen sich nicht die Mühe, aus ihrem galaktischen Nest die Sims 4 heimzusuchen. Eine Runde im Pool – ihr ahnt es sicher schon: Pustekuchen!. Das mag trostlos klingen – und das ist es auch.Denn die genannten Abstriche sind nur Auszüge. Eine konsequente Weiterentwicklung des dritten Teils ist somit in puncto Umfang nicht gegeben. Der Zorn der Fans berechtigt wie mit einem Magneten angezogen. Dafür sehe ich in der technischen Komponente des Spiels einen deutlich spürbaren Fortschritt. Alles läuft sehr flüssig, der Rechner röhrt friedlich vor sich hin, und insgesamt sieht Sims 4 zudem richtig gut aus. Die Ladezeiten hätte man für die unbefleckte weiße Weste etwas besser optimieren können – ansonsten gibt es kaum technische Ungereimtheiten.

sims1
Wer auf den Alien-Faktor nicht verzichten möchte, kann die Sims grün färben

Ladezeiten anno 1999…

Die Ladezeiten fallen insbesondere bei den leider nicht mehr offen gehaltenen Schauplätzen auf. Wollt ihr beispielsweise von Wohn – zu Einkaufsviertel, können gut und gerne 15 Sekunden Bedenkzeit anfallen. Zugegeben: Dieses Problem hat man beim Vorgänger eleganter gelöst. Doch nicht alles, was die Nummer 4 macht, ist automatisch schlecht. Das Erstellen des eigenen Charakters lässt kaum Wünsche offen und punktet mit unzähligen Möglichkeiten. Ob nun Hippster, Punk, Eleganz oder Normalo – entscheidet selbst, was euch am besten gefällt. Anschließend geht es wie gewohnt an das Errichten und Einrichten der eigenen 4-Wände: Wählt zwischen komplett möbelierten oder leeren Häusern. Alternativ gibt es die Möglichkeit, vorgefertigte Zimmer in ein leerstehendes Haus zu integrieren. Das strapaziert allerdings auf Dauer die Geldbörse ein wenig mehr. Interessant finde ich, dass man nicht nur sein eigenes Heim nach Belieben ändern kann, sondern zusätzlich jedes Gebiet im Städtchen.

sims2
Schade! Kleiner geht’s nimmer – auch das Kleinkind gehört der Vergangenheit an. Vom Baby direkt zum Kind… wieso hatten wir das Privileg nicht?

Und wo bleiben die Emotionen?

Die sind abseits des Aufbauprozess essentieller Bestandteil des neuen „Feelings“. Ihr knüpft Freundschaften, interagiert mit den einzelnen Bewohnern und habt nebenbei noch mit dem eigenen Schweinehund zu kämpfen. Soll heißen: Ihr müsst den angezeigten Bedürfnissen eurer Sims nachkommen, um im sozialen Geplänkel mit guter Laune an den Start zu gehen. Während sportlich versierte Artgenossen durch ein paar Liegestütze wieder zur Topform gelangen, kann bei anderen das Kochen einer leckeren Mahlzeit die Stimmung heben. Und selbst für eher mürrische Sims gibt es die Möglichkeit, online seinen Frust in sozialen Netzwerken niederzuschreiben. Für mich die wohl auffälligste Neuerung, die den Spielspaß ungemein ankurbelt. Zwar sind die logischen Zusammehänge mit der Bedürfnisserfüllung nicht immer nachvollziehbar, aber ganz ehrlich: Wer nimmt denn alles schon ernst? Witzige Gespräche, peinliche Aktionen und ungelenkes Gestikulieren sind genau die Punkte, die der Familiensimulation die gewisse Würze verpassen. Selbst der Aufstieg der Karriereleiter wurde mit etwas utopischen Berufen, wie z.B. Astronaut, bestückt, um das verrückte Geschehen perfekt zu machen. Warum man nach all den Jahren keinen Wetterwechsel integriert hat, verstehe wer will. Und wieso werden die Sims nicht krank? Ganz einfach: Weil der allgegenwärtige Tod lediglich vor dem heimischen TV auf seine Opfer zu warten hat – die Berufsgattung der Ärzte somit überflüssig.

sims3
In der nahezu unberührten Idylle steht ein schickes Eigenheim…

„Goldesel streck dich!“…

Kennt ihr das Märchen „Tischlein deck dich“ von den Gebrüder Grimm? Und davon das Eselein, welches auf Kommando Goldstücke fallen lässt? Treue Sims-Anhänger kennen diesen Zustand nur allzu gut: Anfangs erscheint eine spärliche Grundsversion, die nach und nach mit Add-ons und Erweiterungen ausgebaut wird. Das mag betriebswirtschaftlich völlig in Ordnung gehen. Wenn das Zurückhalten von Spielobjekten – die beispielsweise in früheren Versionen Standard waren – in derart auffälliger Form geschieht, finde ich schon ein starkes Stück. Wer mit 60€ zur Kasse gebeten wird, sollte an und für sich genug bezahlt haben, um ein umfangreiches Spielerlebnis erwarten zu dürfen – doch leider nicht im Falle von die Sims. Wir werden in Zukunft sehen, wie hoch sich die Kosten für sämtliche Erweiterungen/Add-ons summieren, ob EA Games kostenlose Inhalte zur Verfügung stellt und entsprechend auf- bzw. abwerten. [su_slider source=“media: 1951,1956,1955,1954,1952,1957,1949,1950,1960,1961,1948,1947,1946,1945,1944″ target=“blank“ title=“no“]  

Fazit:

„Die Sims 4“ überzeugt mit passabler Technik, urkomischen Interaktionen und einer Menge Möglichkeiten im Aufbau. Vergleicht man die Familiensimulation jedoch mit den Vorgängern, wird schnell deutlich, dass bewusst Elemente zurückgehalten werden, um zu einem späteren Zeitpunkt den Umsatz zu steigern. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sollte man EA Games für diesen taktischen Schachzug einen Orden verleihen, als Konsument und Gamer grenzt diese Finanzpolitik schon einer bodenlosen Frechheit. Die etwas zu langen Ladezeiten während des Schauplatzwechsels sind zwar nervig, werden aber durch die zahlreichen Anpassungsmöglichkeiten innerhalb der Ortschaft ausgeglichen. Wer auf der Suche nach einer zwar guten, aber kostspieligen Aufbau-/Familiensimulation ist, kann gerne zugreifen und über Stunden in der zweiten Realität abtauchen. Update: EA Games reagierte auf die Empörung der Fans, die sich über fehlende Features beschwert haben, und kündigte am 2. Oktober kostenlose Inhalte an. Bis Dezember diesen Jahres sollen sowohl Pools als auch Geister wieder im Spiel enthalten sein. Desweiteren sind Kostüme für Fans von Star Wars fest eingeplant. Sobald die besagten Inhalte verfügbar sind, kann es zu einer Aufwertung des Gesamtergebnis kommen. Wir halten euch auf dem Laufenden. sims-4-wertung [table id=42 /]  

Kommentieren Sie den Artikel