Forza Horizon 2 im Test

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Reich und arm. Schnell und langsam. Dünn und dick. Sommer und Winter. Sony und Microsoft. Der eine aus Amerika, der andere aus Japan. Der eine mit der PS4, der andere mit der X1. Der eine mit Uncharted, der andere mit Fable. Allerdings ist wohl das Rennspiel-Segment das Umfochtenste, es steigen Grand Turismo und Forza in den Ring.

Aber beide keinesfalls mehr so, wie aus der Vergangenheit bekannt. Grand Turismo steht hinten an, Drive Club sorgt nun für qualmende Reifen auf der japanischen Spielekonsole. Und auch Forza ist nicht mehr das, was es mal war. Zumindest in diesem Jahr. Denn nach dem X1-Launch-Titel Forza Motorsport 5 kommt in diesem Jahr nicht Teil 6, wie man es erwarten könnte, sondern der Nachfolger des starken Forza Horizon aus dem Jahr 2012. Hier setzt man weniger auf Simulation, zwar auf Realismus, aber mit einer Spur mehr Unglaubwürdigkeit. Was das neue Forza Horizon 2 so drauf hat, lest ihr hier bei uns im Test!

 

Feuer unterm Hintern….

250 km/h! Der Lamborghini Huracan, der auch das Cover des neuen Spiels von Entwickler Playground Games ziert, liegt gut auf der Straße, hier ein Verbremser und hier ein unorthodoxes Fahrmanöver machen dem 610PS starken Ungetüm nicht so viel aus, wie es eigentlich sein müsste. Die anderen Fahrer um uns herum fahren Mercedes, Audi oder BMW, wir allerdings stechen mit dem neuen italienischen Prachtstück aus der Masse heraus. Aber alle haben das gleiche Ziel: Das Horizon-Festival. Wie im Vorgänger auch sind wir als einer der Auserwählten von Anfang an mit dabei. Dieses Mal geht es für uns aber nicht ins sonnige Colorado, sondern nach Italien und Frankreich. Hier fahren wir mit einem abwechslungsreichen und umfangreichen Fuhrpark durch 6 verschiedene Orte, an denen Festival-Rennen ausgetragen werden. Die Orte sind allesamt in unterschiedliche Landschaften eingebettet, da wären zum einen steile Küstenregionen, malerische Berglandschaften oder flache Ebenen, sowie kleine italienische Dörfer, die ihren ganz eigenen Charme versprühen. Grafisch sieht Forza Horizon 2 einfach umwerfend aus. Sei es der nahezu unendliche Weitblick, der dank neuer Hardware nun endlich seinen Weg in das Spiel gefunden hat, oder seien es die natürlich gewachsenen Landschaften oder die detaillierten Klippen, Straßen, Gebäude oder Felshänge. Das einzige, was die Idylle trübt, sind etwas zu lange Ladezeiten und vereinzelte Ruckler in Zwischensequenzen.  

Prachtvoll mit Umfang…

Auch die Protagonisten eines Rennspiels, die PS-Boliden, müssen sich nicht hinter der glaubwürdigen – übrigens auch sehr weitläufigen – Landschaft verstecken. Zwar kommen die Boliden nicht mehr an den hohen Detailgrad aus Forza Motorsport 5 heran, aber sie sehen weiterhin aus wie direkt aus der Realität entsprungen – was sie ja auch sind! Insgesamt können wir aus über 200 Wagen unser Traumauto aussuchen und mit diesem durch die Gegend heizen. Hier allerdings nimmt uns Forza Horizon 2 etwas an die Hand. Zwar können wir immer weiter mit unserem Traumauto fahren, es tunen und upgraden, bis wir jedem Drivatar entkommen, allerdings werden wir so in den 168 verfügbaren Meisterschaften nicht weit kommen. Jede Meisterschaft setzt nämlich eine andere Fahrzeugklasse voraus, ihr könnt also keine SUV-Rennen mit einem BMW Z4 fahren. Ich für meinen Teil finde diese Einschränkung gut, so kommen wir auch mal dazu, andere Fahrzeuge zu fahren, als das von uns präferierte. Wer natürlich überhaupt keinen Spaß an SUVs finden kann, der kann diese Meisterschaft auch einfach auslassen. Über 200 Wagen? 168 Meisterschaften? 6 Dörfer und eine riesige Umgebung? Wir merken schnell, dass Forza Horizon 2 kein Wochenprojekt ist, sondern Aufmerksamkeit für mehrere Wochen in Anspruch nehmen wird. Neben den zahlreichen Fahrzeugen und Meisterschaften gibt es übrigens auch wieder Nebenaufgaben, z.B. die Highscore jagt an einem Blitzer, versteckte Luxuskarossen in herunter gekommenden Scheunen, sogenannte Fahrspaßlisten, die uns in ein vorgegebenes Auto setzen und uns eine Aufgabe auftragen oder das Zerstören von Schildern an Straßen oder auf Feldern.

Horizon ist ziemlich riesig und bietet viele unterschiedliche Facetten!
 

Über Stock und Wasser….

Apropos Felder! Neben obligatorischen Straßenrennen bietet uns Forza Horizon 2 Offroad-Rennen an, die wir meist mit größeren Boliden, aber auch mal mit Rennwagen fahren können. Offroad-Rennen sind etwas schwieriger als Asphalt-Rennen, da ihr zum einen eine schlechtere Übersicht über die Strecke habt, die sich ja je nach Möglichkeit weit ausdehnen lässt, zum anderen verhält sich der Untergrund anders und nicht so, wie wir vielleicht denken könnten. In tiefen Bodenfurchen bleiben wir z.B. nicht stecken, sondern das Auto ruckelt ein bisschen. Dafür wirkt der Boden bei Offroad-Rennen mehr wie eine dicke Eisschicht, auf der wir herumrutschen. Wir haben sehr wenig Grip und verpassen wir einen Bremspunkt, fliegen wir ordentlich von der Ideallinie ab. Dieses Fahrgefühl ist vielleicht nicht das, welches wir auf matschigem Untergrund in der Realität haben, aber es hebt den Anspruch an den menschlichen Fahrer. Dasselbe passiert, wenn es in Horizon plötzlich anfängt zu regnen. Das sieht nicht nur optisch wunderschön aus, sondern sorgt noch einmal für ein wenig Abwechslung im Rennalltag. Forza Horizon 2 hat nämlich ein kleines Problem. Bis auf Rennen von A nach B, Kreisrennen oder Rennen über andere Bodenbeläge bietet das Spiel nämlich nicht viel Auswahl. Gut getan hätten dem Spiel auch mehr Showcase-Rennen, in denen ihr z.B. gegen ein Flugzeug oder einen Zug antreten könnt. Davon gibt es aber leider nur 5.

Im Regen….
…oder über Stock und Stein!

Drivatare und Online…

Werfen wir nun einen Blick auf die Drivatare. Forza Horizon 2 hat nämlich keine K.I.- Fahrer mehr, jeder Wagen, in jedem Rennen oder außerhalb – sieht man von dem Alltagsverkehr ab – wird von einem anderen Spieler gesteuert. Natürlich nicht direkt, sondern das Spiel merkt sich unsere Fähigkeiten und die Fähigkeiten der anderen Fahrer. Sind wir z.B. ein Straßenraudi, wird unser Drivatar bei anderen Spielern keinem Kontakt aus dem Weg gehen. Sind wir eher der ruhige Fahrer, wird auch unser Drivatar versuchen, den Lackschaden zu vermeiden. Der Vorteil von diesem System ist, dass die anderen Fahrer auch prompt auf euch reagieren. Überholt ihr einen Gegenspieler von Innen, kommt aber zu weit nach außen ab, wird euer Widersacher z.B. kontern indem er von der Außenbahn nach Innen zieht. So entstehen jedes Mal neue, frische, unberechenbare Rennen, die uns etwas über die wenigen Rennvarianten hinwegsehen lassen. Zudem bringt euch der Drivatar Geld ein, auch wenn ihr gerade nicht Forza Horizon 2 spielt. Dieses verdient er dann in anderen Rennen bei anderen Spielern. Online bezieht ihr aber nicht nur die Fähigkeiten eines Spielers über seinen Drivatar, sondern könnt auch wirklich gegen andere Spieler um die Wette fahren. Wie im Singleplayer fahrt ihr zuerst mit eurem auserwählten Wagen zum Zielort. Dabei sind dann noch maximal 11 andere Fahrer. Diese Autotouren zu den Zielen sind nicht nur im Multiplayer sehr nützlich, um ein neues Auto kennen zu lernen. Am Ziel angekommen wird nun entweder ein normales Rennen gefahren, wir teilen uns in Teams auf oder wir spielen eine Runde Infektion verbreiten. Bei letzterem ist ein Fahrer infiziert und er muss versuchen die anderen Fahrer zu rammen, um die Infektion auf diese zu übertragen. Das ganze findet natürlich in einem festgelegten Bereich statt und die anderen Fahrzeuge versuchen vor dem Infizierten zu flüchten, Wollen wir lieber Team-Rennen spielen, werden wir einem von zwei Teams zugeteilt und müssen dann aufpassen, dass wir nicht den eigenen Teamkollegen von der Strecke schubsen. Leider war das dann auch wieder alles im Multiplayer. Drei Spielmodi bleiben auch im Multiplayer etwas zu mager.  

 Fazit:

Forza Horizon 2 macht da weiter, wo Forza Horizon aufgehört hat. Nur ist alles um einiges schöner. Egal ob Landschaften, Fahrzeugmodelle, Wettereffekte oder Licht und Schattenwirkung, alles wirkt wie aus einem Guss. Weniger realistisch wirkt hingegen die Steuerung der Fahrzeuge, was aber nach dem simulationslastigen Forza Motorsport 5 zu erwarten war. Es spielt sich aber keineswegs unglaubwürdig, dass Horizon aber deutlich arcadiger ausgelegt ist merkt man direkt im ersten Rennen. Auch am Umfang des Spiels gibt es nichts zu meckern, nur einige mehr Spielmodi hätten dem Gameplay gut getan. Durch das Drivatar-System spielt sich aber kein Rennen wie das andere, wodurch man das Nichtvorhandensein von z.B. Slalom-Rennen oder Eliminations-Rennen verschmerzen kann. Ein Umstieg von Motorsport zu Horizon ist immer etwas schwierig, vor allem, wenn man so viel Zeit mit dem Vorgänger verbracht hat. Man vermisst halt den Anspruch, den das Spiel an den Spieler hatte. Trotzdem kann ich ich jedem Xbox One-User dieses Spiel nur wärmstens ans Herz legen.    

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