Sherlock Holmes: Crimes & Punishment im Test

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Sherlock Holmes ist in aller Munde. Nicht nur, dass Benedict Cumberbatch in der BBC-Serie „Sherlock“ den Meister der Deduktion gibt, nein, auch auf der Kinoleinwand wird der Protagonist der weltberühmten Bücher von Arthur Conan Doyle durch den preisgekrönten Schauspieler Robert Downey Jr. dargestellt.

Für Freunde der gepflegten Adventures rund um den Meisterdetektiv aus der Baker Street 221b hat nun Frogwares wieder ein neues Exemplar im Angebot. Zum ersten mal auf den neuen Konsolen setzt Sherlock auf eine aufgehübschte Optik. Ob Sherlock Holmes: Crimes & Punishment besser ist, als seine durchwachsenen Vorgänger, lest ihr hier in unserem Test!

Ich bin Sherlock Holmes…

Die Deerstalker-Mütze sitzt, der Mantel liegt uns um den Schultern und die Pfeife hängt uns im rechten Mundwinkel. Wir sind Sherlock Holmes! Zwei Jahre nach seinem letzten Auftritt in „Das Testament des Sherlock Holmes“ ist der britische Meisterdetektiv zurück. Dieses mal agiert er allerdings nicht in einem zusammenhängenden Fall, sondern wird von uns durch sechs verschiedene Einzelfälle geleitet. Hier kümmern wir uns um einen Mord an einem Seemann, der mit einer Harpune getötet worden ist, an anderer Stelle suchen wir einen verschwundenen Zug. Alle sechs Fälle kommen im Gesamten auf eine Spielzeit von circa 15 Stunden. In dieser unerwartet langen Spielzeit ist es unsere Hauptaufgabe, Hinweise zu sammeln und Leute zu befragen. Das Hinweise sammeln überwiegt aber deutlich. So suchen wir wahlweise in der Ego-Perspektive oder in der Schulterperspektive die Umgebung nach nützlichen Spuren ab, seien es Haare, Blut, Stofffetzen oder Fußspuren. Bei der ganzen Spurensuche entscheidet aber Sherlock, was mit dem Gefundenen angestellt wird. Ein Inventar suchen wir vergebens! Haben wir dann neues Wissen aus den Hinweisen erlangt, können wir alles miteinander kombinieren. Jede Erkenntnis hat zwei verschiedene Möglichkeiten. Je nachdem welche Möglichkeit ihr auswählt, verändert sich das Gedankenkonstrukt unseres Detektivs. So können wir immer neue Geflechte bilden, die am Ende sogar dazu führen können, dass wir den Falschen eines Verbrechens beschuldigen, wenn wir falsche Schlüsse ziehen.

Tod im Herrenhaus…..das st ein Fall für Sherlock!
 

Einfach, simpel, leicht….

Die Möglichkeit anzubieten, ist gut, aber einen Fehler zu machen ist sehr, sehr schwierig. Allgemein sind Fehler im neuen Abenteuer von Sherlock eher Mangelware. Dafür werden wir zu sehr an die Hand genommen. Da wäre zum einen das bereits erwähnte nicht vorhandene Inventar. Da wir keins besitzen, müssen wir uns noch nicht einmal Gedanken machen, was wir mit den eingesammelten Hinweisen – es gibt übrigens in jedem Fall ungefähr 20 relevante Hinweise – machen müssen. Sherlock analysiert von alleine, wir müssen nur die Erkenntnisse kombinieren. Machen wir dabei Fehler, dürfen wir nochmal von Vorne anfangen oder wählen eben den falschen Schuldigen aus, was allein mit unseren moralischen Werten nicht übereinstimmt. Konsequenzen für das weitere Spielerlebnis hat eine falsche Entscheidung leider nicht.

Wie in der Serie schaltet Sherlock in ein Standbild und untersucht seinen Gegenüber!
  An der Hand geführt werden wir auch in Dialogen mit Zeugen, Verdächtigen oder der örtlichen Polizei. Schaltet Sherlock plötzlich, wie aus der BBC-Serie bekannt, in einen Zeitlupen-Modus, können wir den Gegenüber auf fünf verschiedene, markante oder verdächtige Hinweise absuchen. Das müssen wir allerdings nicht alleine machen. Wie auch auf der Hinweissuche bekommen wir durch einen blauen Cursor angezeigt, wo sich die Stellen befinden. Also müssen wir nur den gesamten Körper des Zeugen absuchen und warten bis der Cursor blau blinkt. Das ist keineswegs anspruchsvoll. Anspruchsvoll sind auch nicht die aus „Das Testament des Sherlock Holmes“ bekannten Minispiele. Dort waren sie frustrierend, hier sind sie zu einfach. Die meiste Zeit verbringt man mit dem knacken von Schlössern, allerdings gibt es auch etwas abwechslungsreichere Minispiele, wie z.B. das Testen von verschiedenen Chemikalien am Arbeitstisch oder das Abmessen von Reifenspuren. Wenn wir übrigens überhaupt keine Lust haben, die Minispiele zu spielen, können wir sie einfach überspringen. Die Möglichkeit anzubieten finde ich gut, allerdings gibt es viele storyrelevante Minispiele, da hätte man meiner Meinung nach differenzieren können. Gut ist, dass wir die Zeugen noch ein weiteres mal besuchen können, wenn wir neue Hinweise gefunden haben. Hat ein Zeuge euch beispielsweise angelogen, könnt ihr ihn damit konfrontieren. Dadurch drückt ihr die angezeigte Taste innerhalb von wenigen Sekunden und habt dann eine neue Auswahlmöglichkeit hinzugefügt. Leider punktet das Spiel auch hier nicht mit anspruchsvollem Gameplay. Wir brauchen keine Indizien selbstständig zu kombinieren oder müssen gar ein Indiz auswählen, mit dem wir den Zeugen einer Falschaussage bezichtigen können. Die Arbeit nimmt uns der überdurchschnittlich intelligente Sherlock Holmes ab.
An der Beleuchtung und der Charakterdarstellung hat Frogwares ordentlich geschraubt!
 

Atmosphärische Welt….

Halten wir hier kurz fest: Das Spiel ist viel zu einfach. Glücklicherweise gibt es für Fans des Mützen tragenden Detektivs Hoffnung. Zwar ist die Spielmechanik rund um das Hinweise einsammeln, Zeugen befragen und Fälle lösen zu simpel geraten, dafür stimmt die Atmosphäre. Nie hat ein Sherlock Holmes-Spiel schöner ausgesehen. Die vielseitigen Schauplätze sind abwechslungsreich gestaltet, glänzen mit einem hohen Detailreichtum und schönen Lichteffekten. Die Charaktermodelle sind wunderbar modelliert, nur die Mimik könnte an der ein oder anderen Stelle etwas ausgefeilter sein. Vor allem, wenn wir anhand der Mimik Sherlock typisch Gefühlszustände ablesen sollen, wird es mitunter ziemlich schwierig. Aber dafür haben wir ja den blauen Cursor, der uns alle Hinweise auf den Gesichtern der zeugen markiert. Die vielseitigen Schauplätze sind zudem ziemlich klein, was aber gut ist, weil man dadurch nur in einem abgegrenzten Gebiet nach Hinweisen suchen muss. Toll ist auch, dass einige Details in der Umgebung nicht als Hinweise durchgehen, aber von Sherlock trotzdem wahrgenommen werden. Zudem sind die Zwischensequenzen sehr gut gelungen. Kameraführung. Dialoge. Alles ist stimmig. Vielleicht bis auf die Stimme von Sherlock Holmes, die nicht ganz so zum Charakter passt. Die Dialoge sind übrigens ausschließlich in englisch eingesprochen worden. Wir können Untertitel einschalten, um wirklich alles aus den Gesprächen verstehen zu können, mitunter sind die Sprecher nämlich ziemlich akzentlastig. Wer bisher noch gar nicht erwähnt wurde, ist Dr. Watson. Der ist natürlich auch wieder am Start, und wie gewohnt bringen beide als Duo einen gewissen Charme und Witz mit, der ebenfalls lobend zu erwähnen ist.  

Das Arbeitszimmer des Detektivs könnten einigen schon bekannt vorkommen!
 

Fazit:

Fans der Serie, Fans der Filme, Fans von Sherlock Holmes werden sich das Spiel bereits geholt haben. Sherlock Holmes. Crimes & Punishment punktet nämlich nicht nur mit dem typischen, britischen Charme seiner Hauptfigur, sondern auch mit einer sehr dichten Atmosphäre. Ein hoher Detailgrad an vielen unterschiedlichen Schauplätzen und eine schöne Beleuchtung trägt wunderbar dazu bei. Die sechs Fälle sind in sich schlüssig, schade ist nur, dass es keinen roten Faden gibt, der einen zumindest etwas durch die sechs Fälle führt. So kann sich die Spannung auch nicht richtig halten. Das Adventure-Gameplay kommt leider etwas zu kurz. Oder besser, es ist einfach viel zu simpel. Selten musste ich wirklich über das Nachdenken, was ein gefundener Gegenstand bedeuten konnte. Die Arbeit nimmt uns der Brite mit der Deerstalker-Mütze ab. Trotzdem punktet Sherlock Holmes Crimes & Punishment hier mit einer guten Inszenierung, obwohl der Anspruch an den Spieler Adventure typisch ausbleibt.    

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