Alien: Isolation im Test

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Außerirdisches Leben wird in unserer Lieblings-Enzyklopädie Wikipedia wie folgt definiert: „Außerirdisches Leben ist eine Bezeichnung für Lebensformen, die auf der Erde weder beheimatet noch entstanden sind“. Das ist natürlich nur eine kurze Variante, aber es trifft es ganz gut. Die Kurzform lautet Alien, zu Deutsch Fremdling. Dieses Wort verbindet Mensch zwar mit einer gewissen Ablehnung, aber es sagt keinesfalls etwas darüber aus, ob der Fremdling ein bösartiges oder gutartiges Wesen ist. Nein, es ist noch nicht einmal klar, ob es ein Wesen ist, sondern es könnte auch eine uns unbekannte Pflanze sein.

Ridley Scott definierte den Begriff „Alien“ neu. Und es war eindeutig keine Pflanze, und eindeutig bösartig! Der Film aus dem Jahr 1979 spielt auf einem verlassenen Planeten, der von der Crew der Nostromo aufgrund eines abgesetzten Notsignals besucht wird. Die gesamte Crew wird getötet, als einzige Überlebende schafft es Ellen Ripley, von dem Planeten zu fliehen! Was hat die Crew getötet? Ganz genau, das Alien. Damals eine visuelle Meisterleistung sorgte das Wesen für Tod und Verderben unter den ahnungslosen Menschen, zudem schien es unzerstörbar zu sein. Unzerstörbar? Das scheint, um nun nach langer Vorrede auf das Spiel „Alien Isolation“ aus dem Hause SEGA zu sprechen zu kommen, für ein Videospiel ein Problem zu sein. Normalerweise besiegen wir doch den Endgegner, bekommen einen Erfolg und schauen uns anschließend die Credits an. Aber nicht so im neuen Ableger der Kultverfilmung. In Isolation ist das Alien nicht zu bezwingen, wir sterben sofort, wagen wir nur einen Versuch. Hier habt ihr nur eine Möglichkeit: Die Beine in die Hand nehmen! Und ob das in Alien: Isolation für Laune sorgt, lest ihr hier in unserem Test! Leider stand uns hierfür nur die 360-Version des Spiels zur Verfügung. Bis auf grafische Elemente unterscheidet sich das Spiel aber nicht von seiner Next-Gen-Variante!

Amanda Ripley hat Angst…mit gutem Recht!

Ein sanfter Einstieg…

Ob Ellen Ripley nun tot ist oder nicht, wissen wir nicht. Aber eine Person glaubt ganz fest daran, dass sie noch am Leben ist: Ellens Tochter Amanda Ripley. Und wie es sich genetisch gehört, stürzt auch sie sich nun in ein finsteres Abenteuer – mit einem fremden Passagier an Bord versteht sich, aber dazu nachher mehr. Amanda befindet sich 15 Jahre nach der Zerstörung der Nostromo auf dem Raumschiff Torres. Getrieben von der Suche nach ihrer Mutter, führt es sie samt Crew auf die Weltraumstation Sevastopol, auf der der Flugschreiber von der Nostromo aufgetaucht sein soll. Zuerst allerdings befindet ihr euch eine Zeit lang auf der Torres und es ist (noch) alles friedlich. Für Nostalgiker besonders erfreulich: Die Torres ähnelt der Nostromo aus dem Film fast passgenau. Außerdem sind kleine Gimmicks, wie das Herausfahren einer alten, uns ebenfalls aus dem Film bekannten Krankenliege im Arztzimmer etwas sehr Schönes. Wer nichts mit den alten Streifen anfangen kann, dem wird die erste halbe bis dreiviertel Stunde sehr langweilig vorkommen, da wir eigentlich nur von A nach B laufen, sowie mit Leuten Gespräche führen.

Seht ihr das Alien, versteckt euch!

Beginn der Angst…

Dann ist es soweit und die Torres dockt an die Sevastopol an. Und ab da beginnt der rund 15 stündige Horror auf CD. Die Stimmung schlägt schlagartig um und in passablen Zwischensequenzen verliert Amanda all ihre Kameraden aus den Augen. Passable Zwischensequenzen? Leider stand uns zum Test nur die 360-Fassung des Spiels zur Verfügung, und leider haben die Zwischensequenzen allesamt mit heftigen Rucklern zu kämpfen. Dazu kommt starkes Kantenflimmern und eine allgemein im Spiel nur sehr durchschnittliche Grafik. Letzteres ist aber nicht allzu schwerwiegend. Wer auf einer verlassenen Raumstation mit Leichen und blutigen Schriftzügen an den Wänden mit einer farbenfrohen Kulisse und viel Licht rechnet, der ist hier eindeutig fehl am Platz. Die Beleuchtung stimmt selbst auf der Old-Gen, das ist die Hauptsache. Nun wieder zurück zu Amanda. Auf der Sevastopol angekommen muss sie sich erst einmal orientieren. Das ist in dem düsteren Licht, und dem von Leichen gepflasteren Weg gar nicht mal so einfach, glücklicherweise trifft sie auf Axel. Axel erklärt ihr, dass sich auf der Sevastopol ein Killer herumtreibt, der die ganze Crew der Sevastopol ausschalten will oder bereits ausgeschaltet hat. Der Killer ist natürlich das Alien, das wissen wir bereits. Amanda erkennt dies aber erst nach circa 2 Stunden Spielzeit, wenn ihr euch zum ersten Mal von dem Monster verstecken müsst. Vorher bekommen wir immer nur einzelne Teile des Monster zu sehen. Stehen wir dann endlich dem Alien gegenüber….sind wir bereits tot! Jede direkte Konfrontation wird in unserem Tod enden. Rennen wir vor Furcht gepackt in einen Nebenraum, stürmt uns das Alien hinterher und frisst uns. Verstecken wir uns hinter einem Schreibtisch und rutschen von der Deckungstaste ab, sind wir vermutlich ebenfalls tot. Betreten wir einen Schrank, während uns das Alien im Blick hat, sind wir ebenfalls tot. Kommt ekeliger Schleim von der Decke sind wir vielleicht tot, wir sollten uns aber zumindest nicht dem Ausfluss nähern. Es gibt viele Möglichkeiten in Alien: Isolation den Löffel abzugeben. Wir können sogar kurz vor der Speicherstation von hinten durchbohrt werden, ohne das Alien wahrgenommen zu haben. Dann müssen wir vom letzten Savepoint loslegen und die gleiche Hölle noch einmal durchleben. Die Speicherstationen sind aber allesamt gut und fair verteilt. Zudem ist es immer wieder ein erleichterndes Gefühl, wenn man das erfolgreiche Piepsen eines Speichervorgangs wahrnimmt.

Bei jedem Hack-Versuch herrscht Anspannung!

Ständig unter Zeitdruck…

Genauso ergeht es uns auch beim Crafting-System. Das Spiel schaltet nämlich nicht in eine Art Pause-Modus, wir können jederzeit von hinten attackiert werden. Das ist sehr klug gemacht und trägt unheimlich viel zur Anspannung bei. Amanda kann an Werkbänken mit gefundenen Blaupausen Waffen und andere nützliche Utensilien herstellen. Eure Verteidigungsmöglichkeiten sind zwar begrenzt, aber sie sind vorhanden. Gegen das Alien selbst wirkt aber hauptsächlich nur der später baubare Flammenwerfer, der die Bestie kurz verjagt, was euch etwas Luft gibt. Ansonsten könnt ihr euch Schusswaffen zusammenstellen, aber auch Ablenkungen, um das Alien von euch wegzutreiben. Schusswaffen braucht ihr z.B. gegen anderen Menschen oder Androiden, die sich auf der Station befinden. Letztere sind eigentlich erschaffen worden, um den Menschen zu helfen, wurden aber umprogrammiert und versuchen nun uns zu töten. Gegen diese Roboter helfen nur saftige Schüsse in den Kopf. Haben wir keine Munition mehr, hilft nur noch die Flucht. seid ihr dabei allerdings zu schnell unterwegs, wird das Alien euch eure Flucht zunichte machen.

Molotov-Cocktails bringen etwas Licht in die Dunkelheit….und sorgen für verbrannte Gegner!

Erbarmungslose Geräusche…

Jaja, das Alien! Ein Grund, warum es auch nach 10 Stunden Spielzeit immer noch Angst einflössend ist, ist die Soundkulisse des Spiels. Klar ist das Alien an sich schon ein verstörendes, groteskes, sich flink bewegendes Wesen, aber ohne die richtigen dynamischen Klänge aus dem Lautsprecher, würde uns das nach einiger Zeit kalt lassen. Aber die Geräusche machen die Musik! Wenn alles still ist, und wir hören nur ein leichtes Tropfen. Wenn gerade Ruhe eingekehrt ist, und man hört das Klappern in einem Luftschacht, das schleifende Geräusch des Schwanzes, der über den Boden gleitet. Dann haben wir Angst! Dazu kommt eine dynamische Musik in den Kämpfen gegen menschliche oder synthetische Feinde, aber auch „Pseudo-Geräusche“. Das Gefühl beschleicht uns, dass sich hinter uns  etwas bewegt hat und wir drehen uns ruckartig um. Oder es hat sich etwas bewegt, hinter uns ist aber nichts zu sehen. All das sind kleinen Nuancen, die der Atmosphäre von Alien Isolation einen großen Pluspunkt verleihen. Bis zum Ende herrscht ein Gefühl der ständigen Bedrohung und das ist je nach Gemütszustand der schiere Horror. Auch der Horror ist die Alien-K.I., die bei renommierten Spieletestern für unterschiedliche Meinungen gesorgt hat. Die einen haben berichtet, das Alien sei unfair, man sterbe zu viele Tode und man könne nichts dagegen machen. Die anderen haben geschrieben, dass das Alien genau deshalb so faszinierend ist, weil wir es halt nicht vorhersehen können, wann und wo das Alien das nächste mal zuschlägt. Ich muss mich den letzteren Meinungen anschließen. Das das Alien unzerstörbar ist, ist ja bereits bekannt. Das es außerdem nicht auf den Kopf gefallen ist, ist ebenfalls bekannt. Daher hat das Alien das gute Recht auch unberechenbar sein zu dürfen, und das haben die Entwickler sehr gut hingekriegt. Wer versucht, in den Bewegungen Muster zu erkennen oder das Auftauchen des Aliens zählt um zu schätzen, wie lange es dauert bis es das nächste Mal auftaucht, der wird scheitern. Es gibt natürlich immer Momente, in denen man den eigenen Tod einfach nicht verhindern kann, weil das Alien sich ohne Regung an uns herangeschlichen hat. Aber das wird dem Spielprinzip sehr gerecht. Letzterem können wir übrigens vorbeugen, indem wir unseren Sensor benutzen Der Sensor wird schnell zu unserem besten Freund,denn er zeigt uns die Standorte von Leben an. Ob es sich dabei um Freund oder Feind handelt, oder ob es sich dabei sogar um das Alien handelt, müssen wir allerdings selbst herausfinden. Der Sensor ist aber keinesfalls übermächtig, denn er zeigt uns nur in einem sehr kleinen Radius an, was vor sich geht. Und erfasst ihr in diesem Radius das Alien, könnte es auch schon zu spät sein. Wollen wir uns nach Beendigung der Story noch weiteren Adrenalinschüben aussetzen, können wir uns dem Survival-Modus annehmen. Hier geht es einzig und allein darum, zu überleben. Haben wir uns die DLCs heruntergeladen, können wir mit Ellen Ripley den Survival-Modus spielen. Schade ist nur, dass die DLCs keine Storymissionen enthalten, nur zwei neue Areale für den Survival-Modus.

Ist das Alien so nah, ist es eigentlich schon zu spät!

Fazit:

Alien Isolation ist nach dem Flop von Colonial Marines zu den eigentlichen Wurzeln des Franchise zurückgekehrt. Es ist kein SciFi-Shooter mehr, sondern besinnt sich auf die alten Stärken des Survival-Horror. Bedrückende Stille, plötzliche Geräusche überall und ein unerwartetes Auftauchen des Aliens verdichten die Atmosphäre zu einem spannenden Nervenkitzel. Dazu kommt die Unvorhersehbarkeit des Aliens,  was es zu einem Menschen unfreundlichen Widersacher macht. Circa 15 Stunden (An)spannung hält der Storymodus für uns bereit. Mit dem Survival-Modus bietet uns Sega nach Beendigung eine gute Alternative. Hier herrscht zwar nicht viel Abwechslung, aber auch nach dem fünften Mal bekommt man noch Adrenalinstöße und schwitzige Hände, wenn man die Flucht vor dem Alien antritt. Und genau das alles macht Alien: Isolation zu einem überdurchschnittlich guten Spiel. Man kann sich halt heutzutage hauptsächlich nur bei Indie-Titeln fürchten. Alien: Isolation ist da aber eine klare Ausnahme.  

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