Formel 1 2014 im Test

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Sebastian Vettel viermaliger Formel 1-Weltmeister und Hesse aus Leidenschaft wechselt in der nächsten Saison zu Ferrari. Auf den Spuren des Michael Schuhmacher sozusagen. Dieses Jahr dominieren Nico Rosberg und Luis Hamilton, beide aus dem Mercedes AMG Petronas F1 Team. Vettel hingegen hat mit vielen technischen Ausfällen zu kämpfen, seine Leistung im PS-Boliden ist aber auch keineswegs mehr so konstant wie noch vor einem Jahr. Es ist also viel los in der Formel 1. Mittlerweile gibt es auch jedes Jahr das passende Spiel dazu serviert. F1 2014 erscheint aber nicht auf den Next-Gen-Konsolen, sondern wir ausschließlich auf der Old-Gen und dem PC ausgeliefert. Das ist gelinde gesagt kein gutes Omen, schließlich kann man auf den eingestaubten Konsolen nicht mit viel Innovation rechnen. Lest im Test nach, ob Formel 1 2014 eine Kopie des Vorgängers geworden ist oder doch einige neue Features enthält!

Staubsauger….

Diese Saison hat die Formel 1 eine einschneidende Änderung hinter sich gebracht, die einigen Fans gefällt, anderen missfällt und anderen komplett egal ist. So fahren die PS-Boliden nun nämlich nicht mehr mit einem V8-Motor, sondern mit einem V6-Turbomotor. Daraus resultiert ein deutlicher Lärmabfall, manche Fans wünschen sich aber die kernigen, lauten Motorengeräusche zurück. Diese Änderungen am Herz der Rennwagen machen sich auch im Spiel soundtechnisch bemerkbar. Mit Vettels RedBull und Sutils Sauber-Ferrari werden jetzt zwar eher Staubsauger assoziiert, aber im Spiel ist die Soundkulisse gut umgesetzt worden und wirkt realitätsnah. Bevor wir uns aber überhaupt zum ersten Mal in einen Rennwagen setzen können, müssen wir zuerst einen kleinen Einsteigertest bestehen. Je nachdem, wie wir hier mit einem der besten Formel 1-Wagen (Red Bull, Mercedes, Ferrari) abschließen, umso höher oder niedriger fällt die Empfehlung eines Schwierigkeitsgrades aus. Mittlerweile gibt es sogar den Schwierigkeitsgrad „Sehr leicht“. Der Name ist Programm. Selbst wenn man einige Mal die Box aufsuchen muss, weil man sich z.B. den Frontflügel am Vordermann abgefahren hat, hat man trotzdem noch die Chance auf das Podest. Für Einsteiger also eine gute Alternative.

Die PS-Boliden haben alle ein neues Design!

Rotstift und alter Trott…

Dem geübten Spieler des Vorgängers hingegen wird hier bereits auffallen, dass irgendetwas fehlt. Ganz genau! Der Entwickler hat den Young Drivers Test komplett von der Agenda gestrichen. Hier gab es für Spieler des Vorgängers Formel 1 2013 noch detaillierte Infos zu DRS, Fahrweise, Reifen, Benzinverbrauch usw.. Diese entfallen dieses Jahr leider, weshalb sich Einsteiger zuerst einmal zurecht finden müssen. Und das soll nicht die einzige Änderung gewesen ein! Alles beim alten geblieben ist der Karriere-Modus! Hier können wir weiterhin unseren Fahrer zum Weltmeistertitel führen, indem wir ihn von Grand Prix zu Gran Prix begleiten. Bei jedem Grand Prix-Wochenende sieht der Ablaufplan wie folgt aus: Zuerst geht es ins Freie Training. Dieses dauert eine Stunde, nicht ganz der Realität entsprechend, aber ausreichend. Anschließend geht es in die Qualifikation. Diese besteht wie in der Wirklichkeit aus 3 Phasen, bei der nach jeder Phase Fahrer eliminiert werden, die zu schlecht waren, bis in der letzten Session nur noch 10 Fahrer um die Pole kämpfen. Am Folgetag beginnt dann das Rennen. Wollen wir übrigens nicht die kompletten 19 Rennen fahren, können wir eine verkürzte Karriere fahren, die sich dann über wahlweise 7 oder 12 Rennen erstreckt. Die Möglichkeit anzubieten ist gut, leider können wir die Rennen bei den verkürzten Varianten nicht auswählen, wir müssen also die festgelegten Strecken fahren. Eine Anpassung an unsere 7 Lieblingsstrecken bleibt also aus. Haben wir uns dann für die volle oder eben kürzere Distanz entschieden, stellen wir fest: Der Karrieremodus hat sich zum Vorjahr nicht verändert. Gut, in der Formel 1 lässt sich nicht jedes Jahr das Rad neu erfinden, aber etwas mehr Atmosphäre hätte dem Karriere-Modus gut getan. Die Karriere bleibt sehr steril und unorganisch, es wird kaum gesprochen, das ganze Drumherum läuft eher textbasiert ab.

Alle Wagen, alle Fahrer, alle Strecken – auch Monaco!

Taktik, Taktik, Taktik…

Änderungen gibt es hingegen wieder bei der Modus-Auswahl. Leider nicht im Positiven! Schließlich ist kein neuer Modus hinzugekommen, sondern genau im Gegenteil, es wurde einer entfernt: Der Classic-Modus. Die im Vorgänger erst eingeführten Classic-Rennen, in denen wir mit Legenden der Formel 1 die Strecken unsicher machen konnten, suchen wir vergebens. Es gibt nur noch Zeitfahren, den Karriere-Modus, Grand Prix und die Karriere-Challenges, hier ist also manches dem Rotstift zum Opfer gefallen. Setzen wir uns nun aber mal hinter das Steuer! Denn hier entfaltet Formel 1 2014 seine wahren Qualitäten. Das Geschwindigkeitsgefühl bleibt weiterhin auf sehr, sehr hohem Niveau und jedes Rennen ist geprägt durch Taktik. Momentan einmalig in der Rennspiel-Szene, wie ich finde. Bereits vor dem Rennen müssen wir in der Qualifikation entscheiden, welche Reifen wir auswählen. Verlassen wir uns auf die Wettervorhersage oder nicht? Nehmen wir erst die harten oder die weichen Reifen? Beide müssen mindestens einmal genutzt werden. Zumindest um das Tanken müssen wir uns nicht mehr kümmern, obwohl Sprit weiterhin eine große Rolle spielt. Schließlich werden wir gerade soviel mit Benzin befüllt, dass wir das Rennen vollständig absolvieren können. Zumindest im Normalfall, denn wer nicht aufpasst und zu oft auf dem Fettgemisch fährt, bleibt plötzlich zwei Runden vor dem Ende stehen. Zum taktischen Aspekt zählt natürlich auch die Reifenabnutzung, die uns in einer schicken Grafik anhand von Reifenfarben angezeigt wird. Grün bedeutet guter Zustand, gelb durchschnittlich, und bei roten Reifen sollte man demnächst die Box aufsuchen. Die Harten Reifen halten hier natürlich länger, als die weichen, dafür fährt man mit den harten Reifen rund 12 Sekunde langsamer pro Runde. Schön ist, dass wir noch nicht mal auf die Abnutzungs-Grafik schauen müssen! Wir merken im Renngeschehen schnell, wenn unsere Reifen kurz davor sind den Geist aufzugeben. Entweder zeigen die Rundenzeiten eine kontinuierlich schlecht bleibende Zahl an oder wir fliegen öfters aus den Kurven, bekommen nicht mehr den Top-Speed auf den Geraden oder landen im Kiesbett.

Taktik, Taktik, Taktik!

Regenrennen und Umbegung….

Wir sehen: Taktik ist in Formel 1 2014 sehr entscheidend, und das macht das Spiel aus. Wer keine Lust auf so viel Taktik hat, der kann diese simulationslastigen Features auch abschalten. Zudem lassen sich sehr viele Fahrhilfen zuschalten. Hier können wir uns beim Bremsen oder Lenken helfen lassen, das d Schaden an der Karosserie nur optischer Natur ist oder das manche Regeln einfach nicht gelten sollen. Wer aber lieber mit der vollwertigen Simulation spielt, der wird sich auf die Regenrennen am meisten freuen. Das dynamische Wettersystem macht einen guten Job, sorgt für leichten Nieselregen, Dauerregen oder beides im Wechsel mit Sonnenschein. Der Regen verändert nicht nur die Fahrweise unserer Boliden, sondern sieht in Formel 1 2014 wirklich gut aus. Der Wassernebel, der um die Reifen wabert und das beschlagene Helmvisier tun ihr übrigens, um zur dichten Atmosphäre beizutragen Zumindest das muss man dem Spiel lassen, obwohl sich grafisch zum Vorjahr nichts mehr getan hat. Bei einem Verbleib auf den alten Konsolen war das natürlich nicht zu erwarten. Das Schadensmodell bleibt eher rustikal und die Umgebung abseits der Kurse, wie z.B. Publikum oder Landstriche, wirken plump.

Einer der wenigen menschelnden Momente im Spiel!

Fazit:

Das böse Omen hat sich bestätigt. Formel 1 2014 ist das selbe Spiel wie im Vorjahr. Unverständlicherweise sind sogar einige Features, wie der YoungDrivers-Test zu Beginn oder der Classic-Modus verschwunden. Man bekommt also noch nicht einmal das Gesamtpaket, was man mit Formel 1 2013 bekommen hat. Trotzdem: Formel 1 2013 ist keineswegs ein schlechtes Spiel. Das Gefühl auf der Strecke bleibt weiter großartig und kein anderes Rennspiel ist so von Taktik geprägt, wie dieses. Reifenwahl, Benzinverbrauch, Rundenzeiten, Regen, wann geht’s in die Box und wann nicht? Das ist die große Stärke des Spiels. Grafisch stagniert das Spiel leider auch auf Vorjahresniveau, aber ohne Generationswechsel war auch nichts anderes zu erwarten. Trotzdem vermisse ich etwas mehr Atmosphäre außerhalb der Strecke. Was am Ende bleibt ist ein Rennspiel mit viel taktischem Anspruch – wenn man den möchte -, welches aber zum Vorjahr keine Verbesserungen bietet.    

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