Sunset Overdrive im Test

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Die XBox One aus dem Hause Microsoft hat sich bisher deutlich weniger verkauft, als der Konkurrent aus Japan. Im August gab Sony bekannt, dass die 10 Millionen Marke der verkauften Exemplare geknackt worden sei. Schätzungen zufolge hat sich die XBox One „nur“ circa 7 Millionen Mal verkauft. Das ist ein beachtlicher Unterschied, den Microsoft revidieren will. Nach dem Bundle bestehend aus der Konsole und dem Sci-Fi-Shooter Destiny folgt nun der nächste Versuch, die Verkaufszahlen in die Höhe zu treiben. Zusammen mit dem Open World-Shooter Sunset Overdrive veröffentlicht Microsoft eine weiße Xbox One, die für 399€ erhältlich ist. Wer die Konsole bereits gesehen hat, weiß, dass sie Stil hat. Aber was für ein Spiel liegt der Konsole denn da bei? Sunset Overdrive? Kennt ihr nicht? Na dann erfahrt in unserem Test, was für einen Exklusivtitel Microsoft hier aus dem Hut gezaubert hat!

Energydrink mit Folgen…

Sunset Overdrive entführt uns mit all unseren Sinnen nach Sunset City, eine fiktive Stadt im Jahre 2027. Der FizzCo-Konzern lässt eine große Party steigen, um seinen neuen Energydrink „Overcharge“ vorzustellen. Und wie es sich für eine große Party gehört, ist ein Großteil der Stadt dazu eingeladen. Bis auf uns, wie es zuerst scheint, wir kümmern uns nämlich darum, dass der Müll ordentlich entsorgt wird. Im Nachhinein ist das aber auch unser größtes Glück, denn FizzCos Gebräu hat deftige Nebenwirkungen. Der Energydrink verwandelt nämlich jeden, der das orangene Gesöff zu sich genommen hat, in widerliche Zombies mit dicken Overcharge-Blasen am Körper. Die Zombies heißen Overcharge Druffies (O.D.) und machen fortan die Stadt unsicher. Wir, der Müllsammler, und einige wenige andere Menschen sind die einzigen Überlebenden dieser Apokalypse. Unser Ziel sollte klar sein: Wir müssen aus dieser verseuchten Stadt verschwinden! Hier einmal eine kurze Bedenkpause! Energydrinks, die Menschen in Zombies verwandeln? Wir merken schnell, das Sunset Overdrive nicht viel Wert auf Realismus gesetzt hat. Um es gelinde gesagt auszudrücken. Nachdem wir nämlich im umfangreichen Charaktereditor unseren Held zusammengestellt haben, stellen wir nämlich eher Ähnlichkeiten mit Saints Row fest, als mit Grand Theft Auto. Und nicht einmal Saints Row hat so abgedrehte Ideen!

Das ist das Teufelsgebräu!

Frei, Feuern, Fantasie…

Aber eins nach dem anderen: Sunset City ist für uns frei erkundbar. Wir können uns nicht nur in der Horizontalen, sondern auch in der Vertikalen fortbewegen. So grinden, bouncen und springen wir durch die Spielwelt. Jedes Objekt in der Spielwelt bietet uns die Möglichkeit, an ihr heraufzuspringen, sich von ihr in die Luft schleudern zu lassen oder sie hochzulaufen. Bleibt ihr innerhalb des Luftraums, habt ihr mehrere Vorteile. Zum einen bekommen wir durch lässiges Grinden und herumspringen, ohne dabei Fehler zu machen, Punkte durch Kombos. Umso höher der Kombo-Multiplikator ist, umso mehr Punkte bekommen wir. Zum anderen ist es sinnvoll, die aggressiven Zombies aus der Luft zu attackieren. So zurückgebleiben die O.D.’s auch aussehen, kommt ihr ihnen zu lange zu nah, haucht euer Held das Leben aus. Übrigens gibt es in Sunset City nicht nur Zombies, die sich euch in den Weg stellen. FizzCo möchte ihren Fehler nämlich wieder gut machen und schickt Roboter in die verseuchte Stadt, um  die Zombies auszumerzen. Wir sind dann natürlich ebenfalls im Weg und werden ebenfalls von ihnen attackiert. Witzig: Wenn ihr sterbt und wiederaufersteht, hat Sunset Overdrive einige lustige Sterbeanimationen parat. So steigen wir aus einem Sarg wie Graf Dracula, springen aus einem Fernseher oder entspringen einem Ei. Das ist ein witziges Detail, trotzdem wollen wir natürlich nicht durchgehend sterben, nur um die Animationen zu sehen. Also müssen wir die Gegner aus der Luft angreifen. Dazu steht uns eine Reihe von außergewöhnlichen Waffen zur Verfügung. Außergewöhnlich trifft es vermutlich nicht ganz, denn es gibt TNT-Teddy-Werfer, die Blitzeisbombe, Captain Ahab oder einen Flammenwerfer in Form eines männlichen Genitals. Wer sich hier minimal an Waffen aus der Saints Row-Reihe erinnert fühlt, der hat vollkommen Recht. Neben einfachen Waffen wie den Baseballschläger oder der Brechstange wirken die Fernwaffen allesamt einem verrückten, aber kreativen Kopf entsprungen. Hier hat sich der Entwickler wirklich Mühe gegeben. Einen Nachteil gibt es aber bei den fantastischen Waffen: Die Waffen mit explosiver Ladung, wie z.B. der eingangs erwähnte TnTeddy, haben im hektischen Kampfgeschehen einen klaren Vorteil gegenüber Waffen, die nur Laser verschießen oder mit denen wir zielen müssen. Entwickler Insomniac möchte zwar, dass wir unsere Aufmerksamkeit allen Waffen widmen, leider ist es mir häufig passiert, dass ich zurück zu den Explosivwaffen gegangen bin, weil die mir als deutlich effizienter erschienen.

Sunset City erstrahlt in vielfältigen Farben! Und das trotz Apokalypse…

Eingewöhnungszeit und viel viel Farbe…

Im Kampf können wir nämlich keine Waffe gebrauchen, die zu wenige O.D.’s gleichzeitig vernichtet. Wie bereits erwähnt sind die Zombies keinesfalls dumm und wir bekommen im direkten Kampf oft Probleme. Zu Anfang gibt es einen klaren Hauptgrund für viele Bildschirmtode: Die Steuerung. In dem totalen Chaos mancher Kämpfe kann man sich als Einsteiger nur sehr schwer zurechtfinden, vor allem, wenn euer Held nicht das tut, was er eigentlich soll. Wir müssen uns währenddessen nämlich auch überlegen, wo wir als nächstes hingrinden oder bouncen, ob wir springen oder von oben in die Zombies hineinjumpen wollen. Die Steuerung braucht auf jeden Fall eine lange Phase der Eingewöhnung, dann aber spielt sie sich sehr flüssig und intuitiv. Auch die Augen brauchen eine kleine Eingewöhnungsphase. Sunset Overdrive hat nämlich keinen gewöhnlichen 0815-Look, sondern besticht durch ein unglaublich komplexes Farbenspiel auf dem Bildschirm. Egal wo ihr in Sunset City hinguckt, überall ist es bunt und farbenfroh, die Effekte sind wunderbar knallig und überall gibt es architektonisch fragwürdige aber kreative Bauwerke und Gebäude. Dabei wirkt Sunset City aber keineswegs ausschließlich unrealistisch. Sunset City hat mit ungewöhnlichen Gebäuden und einem durchweg gelungenen Farbenspiel zwar wenig mit der heutigen Realität gemein, trotzdem bleibt die Spielwelt nicht so realitätsfremd wie in anderen Spielen. Weiter als bei Saints Row treibt Overdrive es natürlich trotzdem, aber in Sunset City fahren auch keine Fahrzeuge herum.

Das Zeug scheint echt stark gewesen zu sein!

Aufgaben und Abwechslung…

Die Stadt wirkt nämlich, abgesehen von den Zombies, wie ausgestorben. Wir müssen schon an den richtigen Stellen gucken, um noch menschliches Leben in der Stadt zu entdecken. Treffen wir dann einige von ihnen, kommt schnell der Gedanke auf, dass sie vielleicht auch von dem Zeug gekostet haben, denn sie sind nur minimal weniger verrückt, als die durch die Straßen streifenden Zombies. So treffen wir auf eine Gruppe Computernerds, die nur über das Handy mit uns und untereinander kommuniziert. Oder eine Gruppe von Mittelalter-Freaks, die versuchen ihren König zu heilen, dabei aber nur in mittelalterlich anmutender Sprache miteinander reden. Oder eine Gruppe maskierter Mädchen, die euch bittet, ein legendäres Schwert für sie zu schmieden. Die Charaktere sehen nicht nur schick aus, sondern steuern auch einiges an Humor zu dem Spiel bei. Euer Held bleibt dabei keineswegs untätig und kann meist mit dem Humor der anderen Charaktere mithalten, wenn er z.B. Sunset Overdrive auf seinem Smartphone spielt und wir selber im Spiel sind – verrückt! Diese Gruppen im Spiel, manchmal auch Einzelpersonen, geben uns Missionen. Bring mir wertiges Mineralwasser, bring mir Teile zum Bau eines Propellers oder schmiede – wie schon erwähnt – mir ein Schwert! Die Missionen sind zu Beginn recht abwechslungsreich, verlieren zum Ende des Spiels hin aber ihren Reiz und wiederholen sich zu arg. Höhepunkte sind die Kämpfe gegen größere O.Ds oder gegen einen FizzCo-Zeppelin, sowie einen Zombie-Drachen. Die Hauptstory nimmt 12-15 Stunden in Anspruch. Für die Abwechslung zwischendurch können wir in Sunset City aber noch so einiges machen. Zum einen gibt es in Sunset City einiges zu Sammeln. Da wären z.B. überall verstreute Klorollen oder Schuhe. Die sammelt ihr aber nicht nur, um euren Trieb zu befriedigen, sondern auch um neue Fähigkeiten freizuschalten. Diese Fähigkeiten heißen in Sunset Overdrive Amps. Mit ihnen können wir unseren Speed verbessern oder unser Leben, wir können aber auch unsere Waffen pimpen, damit sie schneller schießen oder eine verbesserte Durchlagskraft haben. Amps schalten wir aber nicht einfach so frei, sondern müssen sie brauen. Dafür verteidigen wir eine Zeit lang die Amp-Brauerei, bis wir die fertigen Amps bekommen können. Die Verteidgung der Brauereien läuft wie ein Tower Defense-Minispiel ab. Wir erhalten Fallen und platzieren diese auf dem Spielfeld. Dann springen wir gekonnt auf die Fallen drauf, um sie zu aktivieren. Die Verteidgung macht dank toller Effekt sehr viel Laune. Zum Abschluss noch einen Blick auf den Multiplayer: Hier können wir im Modus „Chaos-Kommando“ gemeinsam mit maximal sieben anderen Spielern durch die Welt grinden und bouncen und kleine Miniziele erfüllen. Koop-Action oder andere Modi gibt es (bisher) aber leider noch nicht.

Die Steuerung bedarf etwas Eingewöhnungszeit, danach geht sie gut von der Hand!
 

Fazit:

Sunset Overdrive ist ein mutiger Versuch von Microsoft, ihre weiße Next Gen-Konsole an den Mann zu bringen. Sunset Overdrive wirkt auf den ersten Blick nämlich nicht wie ein System seller. Mit einem Halo kann das Spiel natürlich nicht mithalten, aber Sunset Overdrive bietet mit seiner Wundertüte so einiges an Spielspaß. Erstens: Es sieht einfach nur klasse aus. Das reichhaltige Farbenspektrum, detaillierte Charaktermodelle und ein durchgehend witziger Humor sorgen für das schöne Drumherum in Sunset City. Zweitens: Aber auch spielerisch hat das Spiel so einiges zu bieten. Da wären zum einen die abgedrehten Missionen, die wir für Überlebende der Energydrink-Katastrophe erledigen müssen. Energydrink-Katastrophe? Ja genau, das gehört natürlich auch dazu. Dazu kommt eine bizarre Auswahl an unterschiedlichsten Waffen, sowie eine Steuerung, die für einen Shooter ungewöhnlich scheint: Außer ihr kennt Skateborder, die über Stangen und Dächer in 20 Meter Höhe grinden und von dort mit Teddybären auf andere schießen. Aus den Missionen hätte man zwar noch etwas mehr machen können und die Waffen wirken an der ein oder anderen Stelle nicht richtig ausbalanciert, aber Sunset Overdrive ist ein farbenfroher, actiongeladener Third-Person-Shooter, der nicht nur für kurze Zeit unterhalten kann. Als System seller gewagt, aber das Spiel kann einiges.    

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