NBA Live 15 im Test

0
329
nba15

Neben Fußball, Eishockey und Football ist EA Sports auch im Bereich Basketball fest verankert. Im letzten Jahr allerdings, wurde die Verankerung stark gelockert, denn NBA Live 14 war eine komplette Enttäuschung. Im Gegensatz dazu zauberte 2K mit seinem Ableger NBA 2K 14 eine Atmosphäre herbei, die EA’s Basketballsimulation vollständig untergehen und überflüssig wirken ließ. In diesem Jahr hat 2K die Messlatte noch einmal angehoben, mehr dazu lest ihr in unserem Test zu NBA 2K 15.

Ob NBA Live 15 da mithalten kann oder ob das Spiel zumindest Fortschritte gegenüber seinem Vorgänger gemacht hat, lest ihr hier in unserem Test!

Schlechte Zeiten….

Wir müssen es einfach häufig erwähnen: NBA Live 14 war ein kompletter Schuss in den Ofen! Werfen wir einen kurzen Blick zurück: Die Grafik auf der Next Gen war eher auf dem Niveau eines Old Gen-Spiels, und zwar kein Schönes und die Spieler sahen aus wie leblose Marionetten, die sich steif über den Platz bewegten. Es kam nicht mal im Ansatz ein realistisches Spielgefühl auf, Animationen waren nur eine Aneinanderreihung roboterhafter Bewegungen. Dazu kam ein uninspirierter Karriere-Modus, der nach wenigen Matches pure Langweile offenbarte. Von der K.I. brauchen wir glaube ich gar nicht erst sprechen, die stand meist teilnahmslos am Perimeter und wartete auf eure Befehle ohne selbst die Initiative zu ergreifen  

Gute Präsentation trifft auf schwache Animation…

Dabei belassen wir es Mal, denn in diesem Jahr hat die Basketballsimulation aus dem Hause EA einen Schritt nach Vorne gemacht. Gab es letztes Jahr nur einen mittelprächtigen Old Gen-Look, können wir dieses Jahr ein Next Gen-Spiel auf dem Fernseher erkennen. Die Gesamtkulisse mit gut dargestellten Zuschauern, detailreichen Courts und realistischen Spielermodellen trägt einiges zur Präsentation des Spiels bei. Vor allem im letzten Aspekt hat EA quasi einen Quantensprung hingelegt. Die Spieler sehen realitätsnah aus, die Gesichter wirken in großen Teilen lebendig und die Schweißentwicklung auf den Körpern der Spieler entpuppt sich als das optische Highlight des Spiels. Kommt dann allerdings Bewegung ins Spiel, merken wir schnell, dass NBA Live noch einen weiten Weg vor sich hat. Zwar lassen sich neue Animationen und flüssigere Bewegungen im Bezug auf den Vorgänger erkennen, trotzdem stapfen die Spieler immer noch viel zu steif über das Parkett. Da hackt und stottert es in fast jeder Bewegung, an realistische Fastbreaks ist überhaupt nicht zu denken. Hinzu kommt eine meist mehr als unorthodoxe Ballphysik. Zum einen erreicht ein meist unmöglicher Pass den Mitspieler trotz Bedrängung und einer Entfernung von 10 Metern und zum anderen bewegt sich der Ball meist unrealistisch von Spieler A nach B. Hier ein Schlenker, da eine unlogische Ballführung. Durch solche Fehler kommt einfach kein richtiges Basketball-Feeling auf. Dafür wirken Bewegungen immer noch zu sehr gescripted und roboterähnlich abgespult. Zwar sind Kollisionen realistischer geworden, trotzdem fühlt sich das Spiel immer noch zu mechanisch an. Ein weiterer Punkt: Warum können wir einen Gegenspieler nicht aktiv bedrängen? Bei NBA 2K drücken wir dazu die LT-Taste, bei NBA Live 15 können wir nichts tun, um den Gegner in Bedrängnis zu bringen, außer, wenn dieser den Ball abgibt oder zum Wurf ansetzt. Dann können wir hochspringen, stealen oder versuchen den Block zu landen, aber vorher können wir nichts gegen den Gegner ausrichten. Da fehlt mir persönlich auch das Feedback vom Controller, der anfängt zu vibrieren, wenn wir den Gegner in Bedrängnis bringen. Das Feedback ist zwar da, aber keinesfalls so authentisch und hilfreich, wie bei der Konkurrenz.

Optisch hat NBA Live 15 einen Schritt nach Vorne gemacht!

Künstliche Intelligenz ohne Initiative…

„Glücklicherweise“ sind die Manöver der Gegenspieler meist sehr vorhersehbar. Grund dafür ist die mangelnde Aktivität der künstlichen Intelligenz, sowohl in der Verteidigung, aber vor allem im Angriff. Auf dem Schwierigkeitsgrad All-Star (der selbe übrigens, den ich auch bei NBA 2K 15 nutze) führt bei den Gegenspielern meist nur ein Weg zum Ziel: Durchbrechen oder Jump Shots! Da wird sich nicht viel Zeit gelassen, sondern meist sofort geworfen. Geniale Einfälle der K.I., wie sagenhafte Alley Oops oder ein gezielter Pass, der die komplette Abwehr aushebelt, suchen wir vergebens. Aber was soll der Passspieler auch machen, wenn sich kein Mitspieler bewegt. Meist wird still auf der angestammten Position verharrt. Initiative ist Mangelware.

Rising Star ist der Karrieremodus. Langeweile, das Abspulen von Matches. Zumindest mit verbessertem Feedback.

Mehr Inhalt, Kommentoren und Wurfanzeige…

Wo es im Spielgeschehen noch schwerwiegende Probleme gibt, hat EA abseits vom Platz etwas aufgerüstet. Durch die ESPN-Lizenz (Entertainment and Sports Programming Network) wird die Präsentation um einiges aufgewertet. Halbzeitanalysen, Einblendungen, ein paar Infos vor dem Spiel. Zudem können reale Spielerlebnisse nachgespielt werden, EA verspricht Spielzüge erleben zu dürfen, die sich erst vor einer Stunde in der realen Liga abgespielt haben. Wirft der momentan verletzte Kevin Durant also einen Buzzerbeater, können wir wenige Stunden später den Moment noch einmal nacherleben. Das ist eine sehr coole Idee! An die Präsentations-Gewalt von NBA 2K reicht das aber nicht einmal im Ansatz heran, trotzdem hat EA hier Fortschritte gemacht. Was allerdings noch weiter nach Verbesserung schreit, sind das Publikum und die Kommentaren. Erstere wirken zwar von der Darstellung her verbessert, meist sitzen sie aber emotionslos auf ihren Stühlen und machen nicht ausreichend Stimmung für die eigene Mannschaft oder in entscheidenden Spielsituationen. Abwechslungsreiche Fangesänge sucht man ebenfalls vergeblich. Und auch die beiden Kommentatoren Mike Breen und Jeff Van Grundy sind eher Schlaftabletten, als dass sie das Spiel stimmungsvoll und spannend untermalen. Die Infos stimmen, eine emotionale Kommentierung des Spielgeschehens sieht allerdings anders aus. Bevor wir übrigens ein Match bestreiten, wird uns von dem Portland Trail Blazers Star Damian Lillard die Steuerung erklärt. In kurzen, zwar langweilig gestalteten, aber für Einsteiger effektiven Passagen erläutert er Würfe, Tricks, Signature Moves, Dunks und vieles mehr. In diesem Punkt ist NBA Live für mich eine Nasenlänge vor NBA 2K, die den Spieler direkt und ohne große Einführung ins Spielgeschehen werfen. Beide Spiele erläutern allerdings die Wurfanzeige unter dem Spieler. In NBA Live 15 ist diese allerdings etwas unübersichtlich geraten. Ihr bekommt Angaben zur Wurfqualität eures Spielers am jetzigen Standort, die Farbe zeigt euch wie sehr ihr gedeckt werdet, zudem gibt es Infos zu eurer momentanen Ausdauer und eurer Gesamtausdauer, sowie Informationen zum Ausdauermaximum nach einer Erholungsphase. Im hektischen Spielgeschehen – EA hat das Spieltempo nämlich etwas angezogen – verliert man die Anzeige meist aus den Augen, was nicht der Sinn dahinter sein sollte. Da wäre ein schlichteres Design besser gewesen.

An allen Ecken und Enden hapert es: Animationen, Spielrhythmus, Ballphysik. Es ist noch ein weiter Weg…

Langeweile und Belanglosigkeit…

Werfen wir nun noch einen Blick auf den Umfang von NBA Live 15: NBA Live bietet mit Rising Star einen Karrieremodus, in dem wir unseren individuellen Superstar erschaffen können. Hier spielen wir Matches für unser Team und erhalten am Ende jedes Spiels eine Wertung. Ein verbessertes Feedbacksystem und eine bessere individuelle Entwicklung des Spiels machen die Karriere besser als im Vorgänger. Leider war es das auch schon! Ansonsten spielt sich die Karriere wie eine langweilige Aneinanderreihung von Matches, ohne Überraschungen und ohne die Zwischensequenzen wie beim Konkurrenten. Es gibt also keinen Anreiz, um langfristig in diesem Modus zu verweilen. Im Dynasty-Modus können wir den Platz eines GM an der Spitze einer Mannschaft einnehmen und versuchen, unser Team zur Meisterschaft zu führen. Die spielerische Tiefe von NBA 2K wird auch hier nicht erreicht, trotzdem bietet der Modus mehr Motivation als Rising Star. Ansonsten gibt es noch das EA-obligatorische Ultimate Team, umgemünzt auf Basketball, sonst eine reine Kopie des Fußball-Vorbilds. Zudem gibt es die „Big Moments“, in denen wir eine historische Begegnung nachspielen und im letzten Moment die Situation zugunsten des anderen Teams rumreißen können. Der Ansatz ist sehr interessant, leider hübscht das auch die oben erwähnte mängelbehaftete Spielmechanik nicht auf und hat man dann einen „Big Moment“ gespielt, wird man ausschließlich in eine Rangliste gesteckt, sonst nichts.

Dwayne Wade! Schick, aber was bringt es, wenn das Spiel den Rhythmus nicht findet!
 

Fazit:

Mit NBA Live 15 macht EA einen mittelgroßen Schritt nach Vorne, viel schlechter als NBA Live 14 konnte das Spiel aber auch nicht werden. Trotzdem: Präsentation samt ESPN, Charaktermodelle und Grafik im allgemeinen stimmen und bieten endlich die Next Gen-Optik, die angemessen ist. Leider kann das Spiel sonst außer guten Ansätzen nicht mit der Konkurrenz mithalten, dafür sind wir schon zu verwöhnt von NBA 2K 15! Die Animationen wirken steif und robotergleich, Bewegungen wirken wie vorgeschrieben. Ein Spiel auf Schienen ist es zwar auch nicht geworden, aber hier besteht noch immenser Nachholbedarf. Hinzu kommt eine meist unorthodoxe Ballphysik, die ebenfalls keinen richtigen Simulationscharakter erlauben will und eine nicht vorhandene Möglichkeit, Gegenspieler aktiv zu verteidigen. Ein absolutes Must-have, wie ich finde! Da Spiel bietet mit „Big Moments“ und Live-Liga-Spielen gute Ideen, allerdings können diese nicht über die negativen Seiten des Spiels hinwegtrösten. NBA Live 15 ist besser als sein Vorgänger, zwischen NBA 2K und dem Ableger von EA liegen trotzdem noch Welten!  

Kommentieren Sie den Artikel