The Crew im Test

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Ubisoft, Ubisoft, Ubisoft, Ubisoft. In den letzten paar Tagen hat der Publisher ganze vier AAA-Titel auf den Spiele-Markt geworfen. Unter anderem kann man nun in der französischen Revolution als Meuchelmörder Arno agieren, oder als Überläufer Shay Cormac im Piratenzeitalter die Assassinen bekämpfen. Außerdem gibt es einen Ausflug in s Himalaya-Gebirge mit Far Cry 4. Der wohl letzte große Titel in diesem Jahr kommt auch aus dem Hause Ubisoft. Und wurde mehrfach nach hinten verschoben, sollte der Titel doch eigentlich Anfang 2014 erscheinen.

The Crew ist nicht die erste Rennspielerfahrung von Ubisoft, denn die Publisher aus Frankreich haben mit Trackmania 2 und Driver: San Francisco bereits gezeigt, dass sie gute, nicht simulationslastige, aber arcadige Rennspiele produzieren können. The Crew soll aber nicht wie andere Rennspiele sein: Eine riesige frei befahrbare Spielwelt, eine solide Hintergrundgeschichte und eine erstellbare Crew mit bis zu vier Leuten, die jede Mission gemeinsam absolvieren können! Das ist das Versprechen von Ubisoft. Ach ja, Ladezeiten soll es auch keine mehr geben. Nach 25 Stunden Spielzeit sind wir in der Lage das Spiel zu bewerten, zur Verfügung stand uns ausschließlich die Xbox One-Version des Spiels. Schauen wir ob Ubisofts letztes Abenteuer in diesem Jahr geglückt ist!  

Wenige Minuten in The Crew…

Detroit. 12:34 Ingame Zeit. Wir lassen die 432 PS unseres Chevrolet Camaro SS 2010 aufheulen, rasen durch die Straßen. Unser roter PS-Bolide jagt an allen Autos vorbei, kein Wunder, nur ein kleiner Teil der Bevölkerung fährt so einen protzigen Hinterradantriebler wie wir. Wir aktivieren mit einem Tastendruck die Karte, können verschiedene Filter einstellen. Unser Ziel ist ein Slalomtest. Wir entscheiden uns für die Blitzreise und finden uns schnell am Startpunkt wieder. Mit etwas Abstand zum Starttor fahren wir los, brettern durch die virtuelle Schranke und es startet die Zeit. Wir haben Mühe das Fahrzeug auf der Straße zu halten, noch ist es nicht getunt, außerdem gibt es Gegenverkehr, der uns nicht in die Karten spielen will. Das stört. Doch wir schaffen es, bekommen die Bronzemedaille. Das ist nicht unser Anspruch, wir starten erneut. Goldmedaille!

Auf den Straßen der Vereinigten Staaten von Amerika geht es heiß her!

Geschichte im Rennspiel….

Aber beginnen wir doch erst einmal ganz am Anfang von The Crew. Ohne große Vorwarnung schmeißt uns das Spiel in einen Pick Up und wir müssen gezwungenermaßen den Cops entkommen. Der Mann am Steuer heißt Alex. Ist uns die Flucht gelungen, ruft wenige Spielminuten später unser Bruder Dayton an und bittet uns um ein Treffen. Gemeinsam – mittlerweile ist es finsterste Nacht – fahren wir zu einem mysteriösen Treffen. Kurz und knapp gesagt: Dayton wird von hinten erschossen, wir werden als mutmaßlicher Mörder verhaftet und landen für 5 Jahre im Gefängnis. Ohne groß verlauten zu lassen warum wir plötzlich unsere Unschuld beweisen dürfen, landen wir in einem Gespräch mit einer hübschen jungen Frau namens Zoe, die uns die Freiheit anbietet. Natürlich nicht umsonst. Als Gegenleistung sollen wir den Boss einer Drogen-Schmuggel-Bande ausfindig machen und haben parallel die Chance, den Mörder unseres Bruders zu schnappen. „Rache“ ist eine beliebte Storygrundlage, also warum nicht auch in The Crew. Wir stimmen natürlich zu und müssen uns anschließend undercover zu dem Anführer der 5-10 Gang hochfahren. Gut das wir dafür durchaus Talent besitzen. Nach der Wahl unseres ersten Autos – der Chevrolet Camaro SS 2010 gehört auch dazu – geht es raus in die weite Welt. Hintergrundhandlungen in einem Rennspiel waren noch nie ein Muss, und werden es vielleicht auch nie werden. Dafür hat man sich bisher zu wenig Mühe gegeben, den Fahrern eine Geschichte maßzuschneidern. Es ging mehr um die Autos, mehr um den Fahrspaß, da brauchte man auch keine Story. Und wenn sie da war, war sie meist unsinnig oder nicht der Rede wert. The Crew allerdings macht das bisher mit am besten. Vor allem die Zwischensequenzen der 20 – 30 Stunden langen Handlung erzeugen durch Kameraführung und die grafische Qualität eine Spannung, die durchgängig vom Spiel gehalten werden kann. Die sehr gut gelungene Synchronisation der Charaktere tut ihr Übriges.

Ideen schmälern Frust…

Aber…..es geht trotzdem nicht hauptsächlich um die Geschichte in einem Rennspiel: Es geht um die Autos, die Spielwelt, die Möglichkeiten! Fangen wir doch mal mit den Autos an. Von den Protagonisten im Spiel gibt es leider relativ wenige, nämlich nur 22 Stück. Da klingt nicht nur nach einer kleinen Zahl, es ist auch eine kleine Zahl, vergleicht man das Spiel mit Forza Horizon 2 oder dem Old Gen Grand Turismo 5. Jeder Wagen besitzt allerdings mehrere Varianten. Wir können unser Fahrzeug an verschiedene Böden anpassen, so gibt es für die Straßen das Straßen-Kit, für Geländefahren das Gelände-Kit, für Raser das Performance-Kit usw. Alle diese Modifikationen am Auto machen sich sowohl optisch, als auch spielerisch bemerkbar, dadurch das wir besser an bestimmte Untergründe angepasst sind. Das tröstet aber nur wenig über die mangelnde Fahrzeugauswahl hinweg. Besser hilft da ein anderes Heilmittel: Das Tuning! Das hört sich jetzt unspektakulärer an, als es eigentlich ist, als es hält uns eine zeit lang bei genau einem Wagen, was die maue Anzahl etwas kaschieren kann. Das Tuning in The Crew funktioniert nämlich etwas anders, als in bekannten Rennspielen. Um euer Fahrzeug zu verbessern müsst ihr nämlich Tests absolvieren. Wollen wir einen besseren Motor, suchen wir den passenden Test, der uns bei Gewinn das gewünschte Teil verspricht, brauchen wir effektive Bremsen, suchen wir den passenden Test. Diese Tests sind überall auf der Karte verteilt und unterteilen sich in unterschiedliche Kategorien. Einmal fahrt ihr Slalom, ein andere Mal durch enger werdende Tore, wieder ein anderes Mal flieht ihr vor der Polizei oder müsst mit Höchstgeschwindigkeit auf der Straße bleiben. Nach Absolvierung dieser Tests erhaltet ihr eine Wertung in Form von Punkten und eine Medaille, die eure Leistung repräsentiert. Die Farbe der Medaille spiegelt dann auch die Effizienz unseres gewonnen Bauteils wieder. Eine goldene Bremsscheibe Stufe 13 ist besser als eine Bronzene. Die Stufe gibt nebenbei Auskunft darüber, ob wir die Modifikation überhaupt schon nutzen können oder nicht. Wie in Forza Horizon steigen wir nämlich Level auf, indem wir Missionen erledigen bzw. Rennen fahren. Und davon gibt es eine Menge. Neben Storymissionen und den gerade erwähnten Tests, können wir auch Fraktionen beitreten, Rennen gegen andere menschliche Gegner fahren, Sehenswürdigkeiten einsehen oder Datenstationen suchen.

Über Stock und Stein…

Riesig, aber nicht so schön…

Ein Grund, warum es so viele verschiedenen Missionen gibt, ist die schiere Größe der Karte. Je nach Auto brauchen wir von der Westküste bis zur Ostküste Amerikas im Spiel ungefähr 30 bis 80 Minuten. Das ist eine enorme Menge an Zeit, wenn man bedenkt, dass wir uns ausschließlich nur im „Freien Fahren“ befinden. Die Vereinigten Staaten im Spiel sind riesig, von Detroit, geht es nach New York, nach Chicago, St. Louis, Las Vegas oder Los Angeles. Und die Spielwelt bietet an jeder Ecke etwas Neues, führt uns durch dicht befahrene Städte, dann wieder saftige Wiesen, felsige Berglandschaften oder steile Küstengegenden. Alles so, wie man es aus der USA kennt. Zwar sehen die Ortschaften im Detail nicht so aus, wie ihre realen Vorbilder, aber durch Sehenswürdigkeiten und Baustile sind die Städte gut voneinander zu unterscheiden. Abstriche müssen wir leider bei der Grafik des Spiels machen. X1-Spieler sind natürlich verwöhnt von der malerischen Optik eines Forza Horizon 2, aber der Unterschied zu The Crew ist doch schon sehr deutlich. Matschige Texturen, Rollrasen, pixelige Vegetation, detailarme Karosserien. Grafisch dümpelt The Crew trotz nett anzuschauender Cockpit-Perspektive und attraktiver Beleuchtung leider zwischen Next bzw. Current Gen und Old Gen herum. Das ist schade, hat Ubisoft doch bereits mit Assassins Creed: Unity und Fr Cry 4 bewiesen, wie prächtig ein Open World-Spiel aussehen kann. Trotzdem: Die Grafik ist nicht schlecht, allerdings auch nicht sehr gut. Das trifft übrigens auch auf die Steuerung unserer Fahrzeuge zu. Nicht schlecht, aber auch nicht sehr gut. Vor allem am Anfang wirkt die Steuerung schwammig und fühlt sich häufig zu träge an. Auch der Bremspunkt des Fahrzeugs ist häufig schwer einzuschätzen und wir landen häufiger im Gegenverkehr oder in Häuserfassaden, als uns lieb ist. Wie üblich ist die Steuerung Gewöhnungssache, vollständig warm werde ich persönlich mit ihr aber nicht werden. Dafür ist sie mir auch nach 25 Stunden noch zu unpräzise. Wer übrigens Realismus erwartet, der ist hier vollkommen fehl am Platz. The Crew ist eindeutig ein Arcade-Racer. Nett ist, dass wir Fahrhilfen abschalten können, wenn wir ohne Hilfe durch die USA brettern wollen. Weniger nett ist, dass in keinem Fahrzeug wirklich Geschwindigkeitsgefühl aufkommen will.

Grafisch wirkt The Crew etwas altbacken!

The Crew ohne Crew…

Kommen wir nun aber zu dem Teil, der wohl der wichtigste Kaufgrund für die Spieler ist: Die Crew in The Crew. Uns ist es nämlich möglich, jede Mission innerhalb einer Crew auszuführen, also mit maximal drei zusätzlichen Spielern. Die titelgebende Möglichkeit sollte also Programm sein. Leider hat The Crew (momentan) mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Um eine Crew aufzubauen, ist mindestens ein anderer Fahrer notwendig. Ein menschlicher Fahrer wohl gemerkt, schließlich herrscht durchweg Internet-Zwang. Entscheidet sich allerdings kein Fahrer eurer Crew beizutreten, müsst ihr die Mission Wohl oder Übel alleine absolvieren. Und das kommt häufiger vor, als man glaubt, die Server – ich spreche hier nur für die Xbox One – sind nämlich alles andere als gut gefüllt. Es fehlen einfach die Fahrer, nicht ein einziges Mal konnte ich mit vier Leuten eine Crew bilden, die nicht aus meinen Freunden bestanden hat. Dabei gibt es viele Missionen, die beinahe nur im Multiplayer schaffbar sind. Dabei geht es um die sogenannten Scramble-Matches, bei denen wir ein Fahrzeug verfolgen und solange rammen müssen, bis es zerstört ist. Diese Missionen sind Storymissionen, erfüllen wir sie also nicht, kommen wir nicht weiter. Alleine sind diese Missionen tatsächlich eine Herausforderung für sich, denn meistens macht das Zielfahrzeug kaum Fehler und fährt sehr schnell, während wir bei einem Fehler eigentlich schon die ganze Mission neu starten können, weil wir keine Chance haben an das Fahrzeug heranzukommen. Alleine wird so eine Scramble-Mission also sehr schnell sehr schwierig. Dabei sind die Scramble-Missionen beinahe die einzigen Missionen, bei denen Koop einen wirklichen Sinn ergibt. Fällt einer aus, können die anderen zwei oder drei das Ziel immer noch erreichen. Im Gegensatz dazu kann man in normalen Rennen nicht von Koop, sondern eher von PvP sprechen. Da geht es darum Erster zu werden, und das mit allen Mitteln. Schwierig wird es vor allem dann, wenn die Boliden der Mitspieler nicht flüssig über den Asphalt jagen, sondern hin und herspringen, wie bei einer Teleportation. Diese Lags treten leider viel zu häufig aus und machen das Spielgefühl kaputt. Also ist alleine momentan besser als im Team, weil es eigentlich selten ein Team gibt. Entweder gibt dies der Spielmodus nicht her oder es findet sich einfach kein Team, weil The Crew keinen Koop-Partner für uns findet. Ausnahmen von Ersterem bieten noch PvP-Fahrten, in denen zwei Fraktionen gegeneinander fahren. Hier wird es auch einmal taktisch, wenn wir den Gegner blockieren, damit unser Team weiterfahren kann.

Meistens sitzen in den gegnerischen Fahrzeugen K.I.-Gegner an Stelle von menschliche Fahrer!
 

Fazit:

Riesige Spielwelt, solide Handlung, eine Crew und keine Ladezeiten! Zumindest in Punkt 1 und 2 hat Ubisoft seine Versprechen eingehalten. Die Spielwelt ist riesig und bietet mit zahlreichen Vegetations- und Klimawechseln eine große Abwechslung, auch wenn optisch noch Luft nach oben gewesen wäre. Dafür ist die Handlung für ein Rennspiel durchweg solide. Eine Crew können wir in The Crew auch formen, leider momentan nicht so ergiebig, wie wir uns das eigentlich gewünscht hätten. Dafür fehlen die Spieler auf dem Server. Das stört aber noch nicht einmal und genau das ist das Problem. Ich wollte bisher sogar lieber alleine durch die riesige Landschaft fahren und Missionen alleine abschließen. Es gibt bisher einfach zu wenig Sinn, eine Crew zu bilden, sieht man von seltenen Scramble-Matches und PvP gegen andere Fraktionen ab. Alles andere artet zu schnell ebenfalls in ein PvP aus, weil das Ziel in einem Rennen – für den Menschen nicht unüblich – immer nur der erste Platz sein kann. Und genau das ist momentan das Manko von The Crew. An sich ist das Spiel ein sehr gutes Rennspiel mit guten Ideen, vor allem die vielen Tests machen Spaß ohne Ende. Auch das Herumfahren in der riesigen Spielwelt hat seine atmosphärischen Highlights, sogar die Story ist gelungen, selbst mit der schwammigen Steuerung kann man sich nach einer Zeit zumindest ein bisschen anfreunden. Andere werden sie sicher sogar für sehr gut erachten, dass ist alles eine Frage des Geschmacks. Aber das alles kann doch nicht das Ziel von Ubisoft gewesen sein. Der Titel The Crew lebt noch nicht. Ich bin gespannt, wie sich das Spiel in der nächsten Zeit entwickelt.    

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