Telltale Game of Thrones Episode 2: The Lost Lords im Test

Das Spiel der Thrones Nr. 2!

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Neben The Walking Dead, Borderlands und The Wolf Among Us, haben die Geschichtenerzähler von Telltale Games im Dezember des letzten Jahres auch der erfolgreichen HBO-Serie Game of Thrones ein passendes Spiel serviert. Die erste Episode des Adventures konnte allerdings den hohen Ansprüchen der Fans nicht komplett gerecht werden. Dafür sind eine Stunde und dreißig Minuten Spielzeit einfach zu wenig, um sich in dem komplexen Universum aus Intrigen, Morden und Fehden verlieren zu können. Mit Episode 2 ist am Anfang des Monats nun der Nachfolger erschienen. Erneut nur grob eineinhalb Stunden lang. Ob die Episode uns aber mehr in ihren Bann ziehen kann, lest ihr hier in unserem Test! An dieser Stelle sei erwähnt, dass dieser Test Spoiler enthält.

Asher ist der verruchte Kämpfer in den Reihen der Forresters!

Recap Episode 1…

Die „Rote Hochzeit“. Ein bedrückender Moment, der jedem Game of Thrones-Fan schwer im Magen liegen sollte. Was leicht vergessen wird: Nicht nur der König des Nordens, Robb Stark, hat an diesem Tag alles verloren, auch seine Verbündeten sind der Reihe nach von den verräterischen Freys abgeschlachtet worden, darunter auch der Lord aus dem Hause Forrester und seine Männer. Einer der einzigen Überlebenden: Eine Schweinehirte namens Gared Tuttle, der seinem Haus zu den Zwillingen gefolgt ist. Und plötzlich bricht das Chaos über ihn und die Forresters ein. Der Schweinehirte wird wegen Mordes zur Mauer geschickt, Ethan Forrester, gerade Mal ein junger Knabe, muss Ironrath regieren und die Whitehills und Ramsay Bolton zeigen, wie grausam die Welt von Game of Thrones sein kann. Das Ende der Episode ist das absolute Highlight der Gefühle. Anschließend stellen sich einige Fragen: Wer wird der neue Lord von Ironrath? Wie ergeht es Mira in Kings Landing? Was passiert mit Gared Tuttle an der Mauer? Wie ergeht es dem jüngsten Forrester Ryon in den Händen der Whitehalls? Und was ist mit Asher Forrester, dem verstoßenen Bruder, in Yunkai?

Gared Tuttle trifft derweil Jon Schnee auf der Mauer! Schnee bleibt der einzige prominente Neuzugang!

Antworten und neue Fragen…

Einige Fragen werden beantwortet, andere bleiben unbeantwortet oder werden nur ergänzt durch neue Fragen. Episode Zwei geht erneut nur über eineinhalb Stunden und genau das bleibt Fluch und Segen zugleich. Auf der einen Seite rast das Spiel von Kapitel zu Kapitel und wir können nahezu auf die Uhr gucken, während das Spiel sich seinem Ende nähert. Auf der anderen Seite bekommen wir tatsächlich nur die Highlights einer von Fehden, Kämpfen und Konflikten geprägten Geschichte geboten und wir sind gespannt auf jedes neue Kapitel. Dennoch: Etwas mehr Zeit hätte ich mir schon gewünscht, alleine um mich noch mehr in die Charaktere hineinversetzen zu können.

Riskieren wir mit Mira in Kings Landing das Wohlergehen unserer Familie?

Entscheidungen mit Konsequenzen…

In Episode Zwei wechseln wir mehrmals die Perspektiven, spielen zum einen den Verstoßenen Asher Forrester in Yunkai, der von seinem Onkel aufgesucht wird, seine Schwester Mira in Kings Landing, die als Zofe von Lady Margeary dient, Gared Tuttle an der Mauer und den wiederauferstandenen Rodrik Forrester, nun rechtmäßiger Lord von Ironrath und wohlmöglich verkrüppelt bis an sein Lebensende. Alleine durch diese vier kontrastreichen Charaktere bietet die zweite Episode deutlich mehr Spannung als die erste. Vor allem Asher bringt mit seinem hitzigen Temperament und seiner Kampfszene direkt zu Beginn etwas mehr Schwung in die Charakterriege und bietet einen guten Kontrast zu seinem verkrüppelten Bruder in Ironrath, der versucht die Whitehills und die Boltons von seinem Land zu vertreiben, eine Ehe zu schließen und nicht an seinen Verletzungen zu verenden. Gared spürt derweil, was es heißt eine Neuling an der Mauer zu sein, während Mira in Königsmund versucht, ihre Familie von außerhalb zu unterstützen. Und das möglicherweise zu einem hohen Preis, wie sich am Ende herausstellt! Je nachdem, was wir tun! Auch in Episode Zwei können wir schließlich selber entscheiden, welchen Weg wir einschlagen. Dabei ist der rote Faden wie in jedem Telltale Game natürlich festgesetzt und unumgänglich, abseits davon können wir unter dem gewohnten Zeitdruck aber selber Entscheidungen fällen. Verheimlichen wir einen Diebstahl? Schreiben wir einen nicht autorisierten Brief, um unsere Familie zu unterstützen? Retten wir unseren Retter und stechen den Attentäter von hinten in die Kehle? Knien wir vor einem Feind und lassen uns vor unserer zukünftigen Braut demütigen oder weigern wir uns? Stehen wir zu unseren Brüdern oder nicht?  Das Spiel bietet wie gewohnt Situationen, in denen uns die Entscheidung absichtlich schwer gemacht wird. Und genau das ist eine Stärke des Spiels. Sie zwingt uns mit den Konsequenzen einer getroffenen Entscheidung zu leben, und die können in Episode Zwei durchaus weitgreifender sein, als noch in Episode 1. Die Entscheidungen aus der ersten Episode sind zwar spürbar, allerdings nur geringfügig. Spannend wird aber, wie das Spiel in Episode Drei mit den Entscheidungen der zweiten Episode umgeht.

Vor allem in Ashers Sequenz fließt viel Blut!

Schwächen im Detail…

Eine weitere Stärke des Spiels: Die Inszenierung. Von der Charakterdarstellung, bis hin zu den filmischen Kamerafahrten und der gut dosierten und dann wieder fulminanten Musikuntermalung stimmt hier einfach alles. Was noch fehlt, sind mehr bekannte Charaktere aus der Serie. Daenerys Targaryen wird nur am Rande erwähnt und Tyrion Lannister sowie Margaery Tyrell sind bereits aus der ersten Episode bekannt. Bleibt nur Jon Schnee, und dieser entpuppt sich tatsächlich als der einzige neue, bekannte Charakter in Episode Zwei. Dafür gibt es aber zwei neue Schauplätze, die wir mit unseren Charakteren besuchen. Gared Tuttle befindet sich im eiskalten Norden auf „Castle Black“ und der Verstoßene Asher Forrester durchstreift mit seiner Söldner-Kollegin Breskha die heißen Regionen von Yunkai. Desweiteren geht es natürlich wieder zum Familiensitz der Forresters nach Ironrath, sowie nach Königsmund, wo sich Mira in den Gärten der Hauptstadt und den Gemächern der zukünftigen Königin herumtreibt. Neben vielen Gesprächen bietet das Spiel auch zwischendurch kurze Passagen, in denen wir uns in kleinen Gebieten bewegen können. Der Übungsplatz auf der Schwarzen Festung ist noch das größte Areal, die anderen sind allesamt arg begrenzt und bieten nicht viele Interaktionsmöglichkeiten, außer hier ein roter Fleck und da ein zerbrochenes Glas. Leider fällt der Hintergrund auch wieder mit störenden Texturproblemen und starkem Tearing auf, zudem bricht zwischenzeitlich die Framerate ein, was vor allem in Quicktime-Events zu verfrühten Toden führen kann. Die Synchronisation und die Untertitel bleiben derweil durchgehend auf Englisch, was aber anhand der gewohnt ausgezeichneten Lokalisierung nicht negativ ins Gewicht fällt. Nerviger ist da hingegen, dass sich einige Textschnipsel ab und an wiederholen, weil das Bild noch nicht soweit ist wie der Ton oder umgekehrt.

Rodrick ist von den Toten auferstanden! Dennoch muss er verkrüppelt die Whitehills in Schach halten? Ob das gelingt?

Fazit:

Episode Zwei ist zwar weiterhin nicht das, was Fans der Serie begeistern kann, aber es macht einige Dinge besser, als Episode Eins. Es gibt mehr Kampfszenen, die die Dialoge ab und an durch Quicktime-Events auflockern, die Charakterriege bekommt durch den Haudegen Asher Forrester und seinen verkrüppelten Bruder einen schönen Kontrast und die Entscheidungen in Episode Zwei sollten deutlich mehr Einfluss auf die nachfolgenden Episoden haben, als die Entscheidungen aus Episode Eins. Cineastisch bleibt auch Episode Zwei auf einem sehr hohen Niveau, die störenden Grafik- und Framerate-Probleme fallen gar nicht mal so schwer ins Gewicht. Da stört es schon mehr, dass die Areale immer noch zu klein und leer sind, in denen wir uns bewegen können. Trotzdem: Episode Zwei macht Lust auf mehr. Vor allem, wenn wir uns die Vorschau für die nächste Episode ansehen. Begeisterungsanfälle bleiben dennoch aus. Warten wir einfach Mal darauf, was als nächstes passiert…

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