Evolve im Test

Lebe das Monster!

0
336
evolve_Titel
.....und Geist!

Wolltet ihr schon jemals ein Monster spielen? Oder wolltet ihr lieber derjenige sein, der das Monster schlussendlich zur Strecke bringt. Im neuen Spiel von 2K Games müssen wir uns zum Glück nicht entscheiden, sondern können sowohl in die Haut eines Monsters, als auch in die Haut eines Jägers schlüpfen. Wer unsere Preview zum Spiel noch nicht durchgeblättert hat, kann dies hier gerne nachholen. Ansonsten öffnen wir nun den Käfig und werfen dem Monster ein paar Fleischbrocken hin. Es ist Zeit, der Vollversion von Evolve auf den monströsen Zahn zu fühlen!

Wildnis…

Wir schleichen, unsere übergroßen Krallenpfoten hinterlassen nur noch seichte Laute auf dem matschigen Untergrund des Planeten Shaer. Per Tastendruck sondieren wir die Umgebung. Kein roter Umriss eines Jägers zu sehen, nur gelb aufleuchtende Beute. Vorsichtig tasten wir uns heran…..und ZACK! Wir erledigen das winzige Wesen mit zwei Hieben unserer gigantischen Klauen. Das Frühstück ist gesichert. Aber wir brauchen mehr, viel, viel mehr, die Fleischeslust durchfließt unsere Sinne. Deshalb erledigen wir auch die nächsten Viecher, eines nach dem anderen fällt unseren mächtigen Pranken zum Opfer. Und wir klettern den finsteren Fels hinauf, schleichen weiter, fressen weiter. Dann entwickeln wir uns, stärken unsere Fähigkeiten, verbessern unsere Fähigkeit Feuer zu speien wie ein Drache. Erneut nutzen wir unsere Sinne….und da sind sie plötzlich! Die wagemutigen Jäger! Wir fühlen uns gestärkt, sind in Phase 2, die Kraft strömt durch unsere Adern…….und der Kampf beginnt!

Der Geist greift an!

Als blutrünstiges Monster…

So oder so ähnlich läuft es ab, wenn wir uns am Anfang eines Spiels für das Monster und gegen die Jäger entscheiden. Wir verstecken uns, versuchen den Blicken des Feindes zu entkommen und laben uns an mehr oder weniger wehrlosen Kreaturen, um uns zu stärken. Dabei können wir unser Bewegungstempo verlangsamen, um keine Spuren zu hinterlassen. Entkommen wir so lang genug den Blicken der Jäger, sind wir bald stark genug, um uns den Trophäensammlern im Kampf zu stellen. Diese Art von Spannung, die Evolve hier erzeugt, ist deutlich subtiler und pulsfördernder als die „normale“ Spannung aus uns bekannten Multiplayer-Gefechten. Sehr schweißtreibend! Kommt es dann zum unausweichlichen Gefecht, bleibt die Spannung aufrecht, allerdings erzeugt das Spiel hier eine andere Art von Spannung. Nicht die Adrenalin erfüllte, seltenere Versteck-dich-Spannung, sondern die aus anderen Spielen bereits bekannte „normale“, aber dennoch verbissene Kampf-Spannung. Dieser Wechsel von Kampf- und Schleichmodus ist eine Stärke des Spiels und birgt sehr viele taktische Finessen, die sich erst nach einigen Spielstunden auftuen werden. So ist es dem Goliath z.B. tatsächlich möglich, sich in Büschen zu verstecken, während die Jäger ahnungslos an ihm vorbeilaufen. Wer die Maps verinnerlicht hat, kann so mit  etwas Glück Kämpfen bis zur Phase 3 aus dem Weg gehen. Aber auch in den Kämpfen muss taktisch vorgegangen werden. Stürzen wir uns zuerst auf den Medic, riskieren aber von dem Assault viel Schaden einstecken zu müssen? Oder kümmern wir uns erst um den Suppoter, um den schützenden Schild für seine Kameraden zu unterbinden? Welche Fähigkeiten nutzen wir, welche sind für unseren Spielstil passender?

Alle vier Jäger der dritten Kategorie: Abe, Caira, Parnell und Cabot.

Als wagemutige Jäger …

Das Spiel als Jäger hingegen spielt sich von vorneherein eingängiger, was mitunter daran liegt, dass sich Evolve auf den ersten Blick als Jäger wie ein simpler Ego-Shooter steuert. Aber auch als Jäger gilt es taktisch vorzugehen, an Tagesordnungspunkt 1 steht aber Teamplay. Wer nicht mit, sondern gegen das Team arbeitet, ruiniert das ganze Spiel für das ganze Team! Vor jedem Match können wir unsere Präferenzen bekannt geben und darauf hoffen, dass wir die Klasse auf Platz 1 zugelost bekommen: Den schlagkräftigen Assault, den heilenden Medic, den schnüffelnden Trapper oder den schildtragenden Supporter. Keine Klasse ist doppelt besetzt, und das mit gutem Grund. Jede Klasse erfüllt in der Jagd nach oder im Kampf mit dem Monster einen bestimmten Zweck. Während der Assault den Schaden beim Monster anrichtet, schützt ihn der Supporter mit seinem Schild und der Medic heilt ihn mit seiner Heilungspistole. Der Trapper hingegen sperrt das Monster in einem Käfig ein oder setzt Sender, die ausschlagen und die Position bekanntgeben, sobald das Monster durch sie hindurchläuft. Jede Klasse wird von insgesamt drei Jägern repräsentiert. Jeder dieser Jäger hat unterschiedliche Fähigkeiten und Ausrüstung. Werfen wir z.B. einen Blick auf die Riege der Aussault-Klasse: Markov besitzt ein Blitzgewehr, Blitzminen und ein Sturmgewehr. Mit dem Blitzgewehr kann der Russe nach kurzer Aufladungsphase sehr viel Schaden anrichten, vor allem zielt das Gewehr automatisch, wenn wir uns in der Nähe des Monsters befinden. Mit dem Sturmgewehr greifen wir aus der Entfernung an und lotsen die Bestie in unsere vorher taktisch klug platzieren Blitzminen. Letztere sind mit etwas Übung Gold wert. Sein Kumpane Hyde hingegen besitzt einen Flammenwerfer, eine Minigun und Gasgranaten. Aufgrund seines anderen Waffenarsenals spielt er sich ganz anders als sein russisches Pondon. Mit dem Flammenwerfer z.B. müssen wir selber zielen, anstatt uns auf den automatischen Zielmodus des Blitzgewehrs zu verlassen. Die Gasgranaten sind auch mehr etwas für die direkte Konfrontation statt für den Rückzug aus der Gefahrenzone, dahingegen macht die Minigun von Hyde deutlich mehr Schaden als das Sturmgewehr von Markov. Mit Parnell kommt dann noch der dritte Kämpfer hinzu. Mit seiner Schrotflinte und seinem Raketenwerfer auf den Schultern ist er vor allem im Nahkampf ein nicht zu unterschätzender Verbündeter. Wir stellen fest: Jeder Charakter spielt sich anders und besitzt eigene Fähigkeiten, die er in den Kampf gegen das Monster einbringen kann. Das lässt sich selbstverständlich auch auf die anderen Klassen übertragen

In Nest versucht das Monster seine Eier vor den Jägern zu beschützen!

Ausgewogene Mahlzeit…

Die Gefahr bei einem asymmetrischen Multiplayer-Shooter ist, dass die Balance nicht stimmt. Das ist in Evolve nicht der Fall! Alle zwölf Charaktere haben ihre Stärken und Schwächen und in einem eingespielten Team mit Freunden lässt sich fast jede Schwäche mit einer Stärke eines anderen Charakters ausgleichen. Jeder Jäger erfüllt seinen Zweck, keiner ist auffällig besser als die anderen. Das sich für jeden Spieler Favoriten herauskristallisieren werden, ist logisch. Ich z.B. spiele deutlich lieber mit Markov, weil das Blitzgewehr und die Minen meinem Spielstil deutlich besser entsprechen, als die Granaten und der Flammenwerfer von Hyde. Die gut durchdachte Spielbalance setzt sich auch bei den drei Monstern fort. Jedes der Monster hat seine Stärken und Schwächen, ja selbst der Geist, der in den ersten Runden als übermächtig erscheint. Der Goliath ist auf seine Nahkampfangriffe angewiesen, kann dafür aber viel Schaden einstecken und viel davon austeilen, der Kraken punktet durch Distanzangriffe, ist im Nahkampf aber im Nachteil. Der Geist wiederum ist in den ersten Partien nahezu übermächtig, kann aber durch gute Team-Koordination gestoppt werden. Zudem besitzt er nicht so viel Leben, wie seine beiden Kollegen. Kurzum: Jedes Monster kann gegen jedes Team aus Jägern gewinnen und umgekehrt. Es kommt vor allem darauf an, was die Marionettenspieler mit ihrem Charakter machen. Wird im Team übrigens nicht kommuniziert, kann es sein, dass jeder Spieler sich in eine andere Richtung bewegt. Kommunikation war bisher selten so sinnig, wie in Evolve.

In Rettung versuchen die Jäger, die Überlebenden vor dem Monster zu finden und sicher zum Schiff zu bringen!

Flora und Fauna…

Kommunikation  ist vor allem von Vorteil, wenn einer unserer Mitstreiter die Maps kennt. Die 16 enthaltenen Maps, von denen 12 im Modus Jagd spielbar sind, unterscheiden sich zwar stark in puncto Flora und Fauna, wirklich viele Identifikationsmerkmale hat aber keine der Karten. Selten hatte ich das Gefühl, genau zu wissen wo ich bin.  Dazu kommt, dass wir uns als Jäger genauso mit den Kreaturen der Natur beschäftigen müssen, wie das Monster.  Ohne genaue Kenntnisse der aktuellen Position kann es schon einmal passieren, dass wir von einem als Stein getarnten Riesenfrosch verschlungen werden. Dann sind wir auf die Hilfe unserer Kollegen angewiesen. Mangelnde Kommunikation führt hier wieder zu schnellen Toden. Cool ist, dass wir durch das Töten sogenannter Albinos besonder, zeitlich terminierte Vorteile bekommen, die z.B. unsere Bewegungsgeschwindigkeit erhöhen. Auf diese Vorteile haben beide Parteien Zugriff, bei dem Monster erhöht sich z.B. die Fressgeschwindigkeit oder Vögel bleiben bei Kontakt friedlich und verraten nicht unsere Position.

In Verteidigung kämpfen wir uns als Monster durch die Generatoren der Jäger, um das auftankende Schiff zu zerstören!

Jagd mit Hintergrund…

Die asymmetrischen Matches können wir übrigens nicht nur, im „normalen“ Jagd-Modus ausprobieren. Zusätzlich gibt es noch drei andere Modi: Rettung, Nest und Verteidigung. Rettung und Nest spielen sich fast identisch. In Rettung versuchen wir als Jäger so viele Überlebende zu retten, wie möglich. Das Monster versucht derweil, so viele zu töten wie möglich. Dieser Modus stellt uns vor einige Fragen: Teilen wir uns auf, um viele Überlebende zu retten oder bleiben wir zusammen und riskieren, dass zu viele Überlebende getötet werden. Und haben wir die Menschen gerettet, geleiten wir sie zum Abholpunkt oder überlassen wir sie alleine der Wildnis? Ähnliche Fragen stellt sich das Monster in Nest. Hier versucht das Monster so schnell wie möglich, seine Eier vor den Jägern in Sicherheit zu bringen. Das Monster muss hier entscheiden, ob es die Eier ausbrütet, um Minions im Kampf zu bekommen oder ob es alle Eier ohne Hilfe rettet, dafür aber mehr Punkte bekommt. Die Jäger versuchen hier die Eier zu zerstören. Verteidigung hingegen spielt sich anders : Wir versuchen als Monster drei Generatoren zu zerstören, die uns von dem auftankenden Rettungsschiff fernhalten. Die Jäger versuchen währenddessen uns aufzuhalten. Das Monster ist von Anfang an in Phase 3 und bekommt zwei Minions an seine Seite gestellt, die sich um den Generator kümmern. Alle drei Modi bieten noch einmal neue Herausforderungen und füllen die „simple“ Jagd mit etwas Rahmenhandlung. Apropos Rahmenhandlung: Eine richtige Story gibt es in Evolve nicht. Im Solo-Modus gibt es zwar Zwischensequenzen, aber die Story ist nicht der Rede wert. Wer Evolve übrigens alleine nur mit der K.I. spielen möchte, kann das durchaus machen. Die K.I. ist für ein durchgehend auf Multiplayer ausgerichtetes Spiel sehr intelligent und erfüllt seinen Zweck. Große taktische Manöver sind mit der künstlichen Intelligenz aber nicht möglich. Was die Story etwas ersetzten kann, ist der letzte Modus: Evakuierung. In Evakuierung spielen wir fünf Matches hintereinander, alle zusammengesetzt aus zufälligen Karten und zufälligen Modi. Das alleine ist einen Blick wert, aber vor allem die speziellen Ereignisse nach einer Runde machen den Evakuierungs-Modus zu etwas Besonderem. Gewinnen die Jäger z.B. das erste Match, erhalten sie zur Verteidigung ein paar Geschütze oder Kraftfelder versperren dem Monster den Weg in der nächsten Runde. Gewinnt das Monster, ist die Umgebung radioaktiv verseucht oder wir erhalten ein Minion, welches uns in den Kampf begleitet. Bereits in der Beta hat Evakuierung eine gute Abwechslung zum Jagd-Modus geboten. Mittlerweile ist der Evakuierungs-Modus aber von der Abwechslung zum eigentlichen Highlight des Spiels geworden.

Der Geist kann sich blitzschnell bewegen und eignet sich für plötzliche Überfalle!

Wirtschaftlich Denken…

Alle Maps und Modi sind von Anfang an alle spielbar. Die Jäger und Monster hingegen schalten wir erst im Laufe der Zeit frei. Zu Beginn können wir in jeder Klasse nur unter einem Jäger wählen, als Monster steht uns erst nur der Goliath zur Verfügung. Umso mehr wir mit den jeweiligen Klassen spielen, umso mehr Charaktere schalten wir frei. Es dauert seine Zeit, bis wir den Geist freigeschaltet haben. Für Motivation ist gesorgt. Haben wir allerdings alle Charaktere freigeschaltet, geht es für uns nur noch darum, den Elite-Skin jedes Charakters und ein paar Sachen für unseren Emblem-Baukasten freizuschalten. Das ist etwas mager. Mehr Skins zum Freischalten hätten deutlich mehr die Motivation gefördert. Andere Skins als den Elite-Skin schalten wir allerdings nicht frei, sondern können sie über den Ingame-Shop kaufen. Dieser Ingame-Shop hat vor und nach Release des Spiels für sehr viel Unruhe und Kritik bei den Fans gesorgt. Das Positive zuerst: Die reineExistenz einen Ingame-Shops hat sich mittlerweile in vielen Spielen etabliert (s.a. auch Assassins Creed: Unity). Bisher ist es immer so gewesen, dass wir durch die im Ingame-Shop käuflichen Items, bzw. im Fall von Evolve, Skins, nichts vom eigentlichen Spiel verpassen. Die Skins sind schmückendes Beiwerk für Fans des Spiels, die gerne noch den einen oder anderen Euro in das Spiel investieren wollen, um die Jäger oder Monster zu individualisieren. Soweit ist alles in Ordnung! Deutlich kritikwürdiger ist im Fall Evolve, dass die Entwickler einen Season Pass versprechen, der eigentlich keiner ist. Bestellen wir den Season Pass für 20 bis 25€, erhalten wir vier Jäger und ein paar Skins für unsere Monster. Die Jäger sind noch nicht verfügbar, was aber viel mehr stört, ist das Nicht –Vorhandensein des vierten Monsters innerhalb des Season Pass. Ein Season Pass erlaubt laut bisheriger Auslegung innerhalb der Videospiel-Branche den Zugriff auf alle noch folgenden DLCs bzw. Addons. Das ist bei Evolve allerdings nicht der Fall, denn Besitzer des Season Pass müssen sich das neue Monster noch einmal für ungefähr 15€ zusätzlich erwerben. Das Monster hingegen gratis dazu erhalten bzw. erhielten nur die Vorbesteller der Vollversion. Ein Vorbesteller-Content, der zu Release noch nicht verfügbar ist und auch noch kein genaues Release-Datum hat, ist ebenfalls sehr fragwürdig. Vorbesteller müssen aber zusätzlich den Season-Pass kaufen, um das Gesamtpaket Evolve zur Verfügung zu haben. Wirtschaftlich ist das sicher eine gute Sache für 2K, aber Image technisch schadet diese Vorgehensweise dem Publisher. Ein abschließendes Wort zur Technik: Evolve läuft auf der Xbox One in 900p und auf der PS4 mit 1080p. Grafisch ist das Spiel zwar kein absolutes Highlight, aber vor allem Effekte und die Charaktermodelle glänzen durch Detailreichtum.  Außerdem läuft es durchgehend flüssig, Framerate-Einbrüche sind mit bloßem Auge kaum auszumachen. Die Flora und Fauna ist ebenfalls durchweg hübsch anzusehen, vor allem im Vergleich zur Beta fallen deutliche Textur- und Beleuchtungsverbesserungen ins Auge.

Das vierte Monster: Behemoth!

Fazit:

Mit teuren Mikrotransaktionen und sonderbarem Season Pass hat 2K sich ins eigene Fleisch geschnitten. Zumindest ein bisschen. Denn das Spiel Evolvehat das alles gar nicht nötig, wir vermissen auch kein viertes Monster und schon recht keine neuen Jäger. Das Spiel ist so wie es im Moment ist sehr gut und bietet eine Vielzahl an Abwechslung, Adrenalin und Abenteuer im schläfrigen Einheitsbrei der Spiele-Franchises. Das Spielprinzip funktioniert perfekt, das Spiel ist als Monster und als Jäger gleichweg hochwertig und für Motivation sorgen die vielen Charaktermeisterschaften und fünf Spielmodi. Warum 2K die Preise für DLCs für neuen Content so hoch ansetzt (15€ für das Monster und ca. 8 € für jeden Jäger) ist mir aus wirtschaftlichen Gründen durchaus ersichtlich. Aber vergrault haben die vielen €-Zeichen im Spiel sicher einige Spieler. Und die verpassen spielerisch ein Spiele-Highlight 2015.

Kommentieren Sie den Artikel