Scream Ride im Test

Nicht so laut schreien, bitte!

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Oh RollerCoaster Tycoon, was hast du uns für Freude bereitet. Der exzessive Aufbau von Achterbahnen, Fahrgeschäften und Imbissbuden, das Zufriedenstellen anspruchsvoller Kunden und das Erweitern unseres eigenen, wundervollen Freizeitparks. Es steht sogar mit RollerCoaster World ein Nachfolger in den Startlöchern. Doch bis dahin ziehen noch einige Tage ins Land. Vorher serviert uns Frontier, die unter anderem für Thrillville und RollerCoaster Tycoon 3 verantwortlich sind, ein anderen Spiel: Scream Ride nennt sich das Ganze und ist exklusiv auf den beiden Microsoft-Konsolen erhältlich. Wie sich der Achterbahn-Simulator mit dem vertrauenswürdigen Namen im Test so schlägt, lest ihr hier!

Könige der Freizeitparks…

Wer von uns steht nicht auf Loopings, Adrenalinschübe en masse und überdurchschnittliche Geschwindigkeiten? Gut, es gibt einige Faktoren, die gegen eine Achterbahnfahrt sprechen: Die plötzliche Übelkeit, Schwindel und ein meterweiter Abflug, weil die Konstruktion nicht einen geschlossenen Kreislauf bildet, sondern ein plötzliches Ende findet… Bitte was?!? Letzteres erleben wir zwar (oder besser zum Glück!) nicht in der Realität, in Scream Ride sind solche Abschüsse aber keinerlei Seltenheit. Besser noch, sie sind sogar Quintessenz des Spiels. In Scream Ride werden wir nicht nur zum Achterbahntester, sondern auch zum Zerstörer selbiger. Was in der Theorie nach einer sehr witzigen Idee klingt, entpuppt sich am Ende leider als lieblose Vision dessen, was das Spiel hätte werden können.

Die Könige der Freizeitparks: Achterbahnen!

Schreien, bauen, bremsen…

Aber eines nach dem anderen. Eingängig ist das Spielprinzip ohne Zweifel. Wir bauen in einem riesigen Editor unsere eigenen Achterbahnen zusammen und lassen sie von unseren Dummies testen. Mehr Geschrei bedeutet in diesem Fall mehr Punkte. Um den Adrenalinspiegel unserer Opfer in die Höhe zu treiben,  wenden, beschleunigen, bremsen wir das Gefährt und rasen über Geschwindigkeits-Panels, die uns den Extra-Kick verleihen. Das Ganze endet dann meistens damit, dass der Waggon mit einer gehörigen Geschwindigkeit über eine Klippe rauscht und anschließend an einer Häuserfassade zerschellt, was noch einmal Extrapunkte gibt.

Ziel ist es, die Angst, das Adrenalin und die Flugweite möglichst hoch zu halten!

Mit wenig Liebe…

Das Grundprinzip klingt doch eigentlich ganz spaßig, wer von uns Spielern richtet nicht gerne Chaos und Zerstörung in seiner Spielwelt an? Leider hat Scream Ride einige Macken, die den Achterbahn-Rausch trüben. Dieser „Rausch“ entsteht nämlich erst gar nicht. Da wo wir im echten Leben mit gewaltigen G-Kräften in den Sitz gepresst werden, wo wir in Parade-Rennspielen wie Forza Horizon 2 (hier geht’s zum Test) ein unglaubliches Geschwindigkeitsgefühl erfahren, fehlt dem Ganzen in Scream Ride der richtige Kick. Das was die eigentliche Faszination an einer Achterbahn-Simulation ausmacht – die Geschwindigkeit -, ist in Scream Ride so gut wie nicht existent. Zwar sind wir bei Zeiten richtig flott unterwegs, aber beim Spieler kommt nichts davon richtig an. Zudem ist das Spiel im Endeffekt auch nicht mehr als genau das, ein realitätsferner Achterbahn- Simulator. Uns ist es zwar gestattet in einem umfangreichen Editor unsere eigenen Strecken im Detail zu erstellen und sogar die umstehenden Objekte einzeln anzupassen, aber mehr als Bremsen und Gas geben können wir nach der Fertigstellung auch nicht. Wer also Freude an ausgeklügelten Konstruktionen hat, wird hier durchaus fündig, wer sich Scream Ride aus anderen Gründen zulegt, könnte enttäuscht sein.

Trotz passabler Physik-Engine, ist die Optik gerade einmal durchschnittlich und farblos!

Angry Birds für Arme…

Denn auch wenn die Zerstörung der Spielumgebung physikalisch korrekt von statten geht und in weiten Teilen zu Beginn sogar Spaß macht, endet das Ganze doch in der Erkenntnis, dass wir nicht 20 Stunden damit verbringen wollen, sterile und lieblos gestaltete Gebäude mit einem Waggon einzureißen. Das können wir in Angry Birds viel cooler, und zwar ohne Waggons. Übrigens ist Scream Ride im Allgemeinen kein hübsches Spiel und leidet unter einer sterilen, eintönigen Farbgebung. Auch der andauernde Dubstep-Sound, der aus den imaginären Boxen schallt, könnte einige Spieler abschrecken. Meinen Geschmack hat es zumindest getroffen. Wer sich abseits vom Sandkasten-Modus aufhalten möchte, kann sich auch mit 50  schon vorgefertigte Abschnitten beschäftigen, diese z.B. vollenden und dadurch neue Optionen für den Sandkasten-Modus freischalten oder ein Minispielen für die bereits erwähnte, zielgerichtete Zerstörung sorgen. Die vorgefertigten Abschnitte sind meistens durchaus gelungen und zeigen deutlich, was mit ausreichend Kreativität in Scream Ride angestellt werden kann. Deutlich kreativer ist aber meistens noch die Community. Wir können gespannt sein, was dort für abgefahrene Konstruktionen auf uns zukommen. Letzteres ist auch das, was Scream Ride noch gerade so über Wasser halten könnte. Doch um kreative neue Achterbahnen zu erstellen, muss jemand Scream Ride spielen und motiviert sein, ein paar Zeiteinheiten in den Sandkasten-Modus zu investieren. Die Konsolensteuerung ist den Entwicklern übrigens gut gelungen, obwohl ein umfangreicher Editor auf Konsolen immer so seine Probleme hat. Daran soll es allerdings nicht scheitern. Doch sind wir einmal ehrlich: Es gibt deutlich sinnvollere und bessere Editoren in anderen Spielen, in die wir unsere Zeit investieren könnten.

Das Bauen ist aufwendig, aber macht Spaß. Ist die Bahn fertig, vergeht einem die Laune…

Fazit:

Scream Ride ist das geworden, was der Name und das Cover versprechen. Ein Achterbahn-Simulator mit viel „Scream“ und viel „Ride“. Darüber hinaus ist für Konstrukteure aber nur der Sandkasten-Modus interessant, viel mehr gibt es in Scream Ride nämlich nicht zu entdecken. Optisch ist das Ganze nur unteres Mittelmaß, trotz physikalisch korrekt zusammenfallender Bauten und der anfängliche, tatsächlich anzutreffende Spielspaß vergeht einem spätestens dann, wenn sich die ausgeführten Aktionen immer und immer wieder wiederholen. Der Ansatz, einen reinen Achterbahn-Simulator zu entwerfen, ist nicht verkehrt, schließlich sind es meist Acherbahnen, die den Reiz an einem Freizeitpark ausmachen. Aber in Scream Ride vermissen wir schmerzlichst die Möglichkeiten, die uns ein vollständiger Freizeitpark hätte bieten können.

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