Borderlands: The Handsome Collection im Test

Ganz schön handsome!

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Es ist momentan so sicher, wie das Amen in der Kirche: Stichwort Remastered. Auch 2K möchte etwas vom großen Remastered-Kuchen abhaben und bringt mit der Borderlands: The Handsome Collection seine beiden Spiele Borderlands 2 und Borderlands: The Pre-Sequel auf die Current-Gen-Konsolen. Da der Release von The Pre-Sequel gerade einmal ein halbes Jahr her ist, darf man hier mit gutem Recht von einer Extrarunde Doller-Scheine sprechen, denn viel verändert haben wird sich in dem kurzen Zeitraum ja nicht oder? Ob und wenn ja wo sich was verändert hat und ob die Handsome Collection wirklich so „Handsome“ ist, lest ihr hier in unserem Test!

Teil 2 und der davor…

Die Handsome Collection stattet uns Spieler mit zwei gehörigen Portionen Ego-Shooter in einer abgefahrenen Comic-Atmosphäre mit vielen wahnsinnigen Charakteren, zufallsgenerierten Waffenkisten und sehr viel kooperativer Unterhaltung aus. Müssten wir die erfolgreiche Shooter-Serie in einem Satz zusammenfassen, würde dieser wohl schon sehr nah herankommen. In Borderlands 2 jagen wir den Verrückten Handsome Jack, der versucht, den Planeten Pandora nach seinen Wünschen umzugestalten und somit die Weltherrschaft an sich zu reißen. Gleichzeitig ist er auf der Suche nach dem wertvollen Rohstoff Eridium, der uns schon in Teil 1 der Reihe auf Trapp gehalten hat. Apropos Teil 1: Der Ursprung der Serie ist nicht in der Handsome Collection enthalten. Spielerisch war dieser zwar wenig abwechslungsreich, dennoch hätte eine komplette Collection deutlich mehr Sinn gehabt, da wir viele Charaktere aus dem ersten Teil in den anderen beiden Teilen wiedertreffen. Schade! In Borderlands: The Pre-Sequel jagen wir Handome Jack übrigens nicht, sondern kämpfen gemeinsam mit ihm Seite an Seite gegen General Zarpedon, die versucht den Mond zu okkupieren. The Pre-Sequel spielt zwischen Teil 1 und 2 und ist somit der Vorgänger von Borderlands 2. Wir dürfen also hautnah miterleben, wie sich Jack von einem aufopfernden Märtyrer zu einem narzisstischen Monster entwickelt. Die Idee dahinter fanden wir vor einem halben Jahr schon interessant. Wir können also auch getrost mit The Pre-Sequel anfangen, obwohl es zwei Jahre später erschienen ist, als Borderlands 2.

Die Protagonisten im 2. Teil!

Qualitative Unterschiede…

Das ist vielleicht auch gar nicht so eine schlechte Idee. Zumindest wenn wir lieber zuerst das schlechtere und dann das bessere Spiel spielen wollen. In beiden Spielen finden sich nämlich qualitativ einige Unterschiede. Während Borderlands 2 aus dem Hause Iron Galaxy nahezu problemlos auf den Konsolen funktioniert, macht uns The Pre-Sequel von Armature doch so einige Schwierigkeiten. Die versprochenen 60fps sind bei Letzterem eher Mangelware und zwischenzeitlich kommt es zu argen Rucklern und starkem Tearing. Warum das zwei Jahre vorher erschienene Borderlands 2 so viel besser läuft und sogar noch etwas schicker anmutet? Eine Frage, die wohl nur die beiden verschiedenen Entwicklerteams beantworten können. Beiden Spielen gemein ist aber eine alte Borderlands-Kinderkrankheit: zu spät nachladende Texturen. Öffnen wir eine Schatzkiste oder Waffenkiste oder wechseln wir ins Charaktermenü, werden die Texturen meistens merklich zu spät geladen. Leider ist dieser Mangel auch in der Handsome Collection noch nicht behoben worden. „Handsome“ ist die Collection übrigens nur zum Teil. Zwar laufen beide Spiele in 1080p auf beiden Konsolen, doch neben den oben bereits angesprochenen Negativpunkten hat sich optisch fast nichts mehr getan. Die Performance in hektischen Kämpfen ist besser und der Comic-Look wirkt noch etwas pompöser, allerdings sehen beide Spiele im Großen und Ganzen genauso aus, wie die beiden Vorgänger auf der Old-Gen.

Freund und Feind in einem: Handsome Jack!

Eskalation in Vier-Wänden…

Spielerisch hingegen gibt es eine sehr interessante Neuerung, die sogar dafür sorgen könnte, dass sich alteingesessene Borderlands-Jäger noch einmal in die Brieftasche greifen: Der 4-Spieler-Splitscreen-Modus. Zwar konnten wir vorher schon zu viert auf Pandora oder dem Mond Elpis herumspringen und schier unendliche Horden von Kreaturen den Gar ausmachen, aber vor der eigenen Glotze war bisher nur ein 2-Spieler-Splitscreen-Modus vorhanden. Die Möglichkeit mit drei anderen Spielern in einem Raum zu sitzen und Pandora unsicher zu machen, bietet viele Möglichkeiten zur spielerischen Eskalation. Doch der Modus hat auch so seine Nachteile: Besitzen wir einen zu kleinen Fernseher, gibt es zu viert nahezu keine Chance mehr, genug von der Spielumgebung zu erkennen. Das ist aber kein Fehler des Spiels, hier kann nur ein größerer Fernseher Abhilfe schaffen. Ein technisches Problem ist allerdings die Bildrate. Da, wo sie bei The Pre-Sequel bereits im Singleplayer nicht stabil läuft, bricht sie bei zwei Spielern auf 30fps ein. Bei vier Spielern leidet die Spielbarkeit sogar noch deutlich mehr. Wenn wir uns jedoch mit dem Performance-Problem abfinden oder uns sogar daran gewöhnen können, ist der 4-Spieler-Splitscreen eine fantastische und erfolgreiche Ergänzung.

Alle DLCs aus beiden Teilen sind enthalten: Hier sehen wir Gaige aus dem ersten DLC für Borderlands 2.

Reichlich zu tun…

Zusätzlich zum neuen Splitscreen-Modus befüllt 2K die Handsome Collection mit allen bisher erhältlichen DLCs für Borderlands 2 und The Pre-Sequel. Dadurch erhalten wir nicht nur Kampagnen-Addons, sondern auch Level-Upgrades, neue Kostüme für unsere Jäger, komplett neue Charaktere oder neue Waffenpakete. Alle DLCs sind sofort auf der Disc oder im Download enthalten und müssen nicht separat heruntergeladen werden. An dieser Stelle noch ein Wort zur Größe: Beide Spiele müssen separat installiert werden und umfassen insgesamt 37 GB. Es gibt kein Menü ala Halo: The Masterchief Collection, in welchem wir uns für ein Spiel entscheiden können. Zusätzlich dazu können wir uns noch den Day One-Patch herunterladen, der noch einmal satte 8,3 GB groß ist. Dieser umfasst laut eigener Aussage von 2K einige Fehlerbehebungen, enthält das neue DLC Claptastic Voyage für The Pre-Sequel und bietet die einzige Möglichkeit, online im Koop spielen zu können. Zusätzlich dazu ist der Day One-Patch auch die Voraussetzung für einen Savegame-Import. Habt ihr Borderlands nämlich schon auf euren alten Konsolen gespielt, könnt ihr den Savegame einfach in die neue Version importieren und direkt weiterspielen. Diese Funktion funktioniert allerdings nur Spielkonsolen intern, also nur von Xbox 360 zu Xbox One und nur von PS3 zu PS4.

Auch unser kleiner Claptrap-Freund-Charmebolzen-Nervensäge ist wieder mit dabei!

Fazit:

Die Handsome Collection vereint zwei unterhaltsame Ego-Shooter, die vor allem durch ihren einzigartigen Look, die skurrilen Charaktere und die wendungsreiche, unterhaltsame Story jedem Gamer, der etwas auf sich hält, bekannt sein sollten. Das Borderlands The Pre-Sequel seinem Kollegen spielerisch und auch technisch einen Schritt hinterherhinkt, tut dem Spielspaß keinen Abbruch. Und selbst wenn wir The Pre-Sequel nur gut fanden, dann können wir uns danach auf das wunderbar unterhaltsame Borderlands 2 freuen. Optisch sehen beide Shooter zwar nur marginal verbessert aus, Performance-technisch merkt man aber vor allem Borderlands 2 aber einen Fortschritt an. Beide Spiele, vor allem The Pre-Sequel, leiden aber unter grafischen Missständen. Die Sache mit den nachladenden Texturen sollte spätestens in Borderlands 3 behoben sein. Der 4-Spieler-Splitscreen hingegen ist herzlich willkommen und sorgt für großartigen Spielspaß in engen Räumen, zumindest wenn der Fernseher mitmacht und wir uns an die niedrige Bildrate gewöhnen können. Wer Borderlands also noch nie gespielt hat, sollte dies nachholen. Dass der erste Teil hier nicht enthalten ist, ist denke ich ein großer Fehler. Ohne den ersten Teil werden Neulinge sicher nicht mir nichts, dir nichts zuschlagen. Hat man den ersten Teil aber schon gespielt, kann man hier getrost ein paar Euros in die Hand nehmen, schließlich bietet Borderlands seit jeher eine schicke Abwechslung zum angestaubten Ego-Shooter-Genre. Wer alle drei Spiele schon gespielt hat, für den lohnt sich die Anschaffung nur aufgrund des 4-Spieler-Splitscreen-Modus. Kann man darauf verzichten, lohnt sich der Kauf eher nicht!

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