Wolfenstein: The Old Blood im Test

Old Blood ist frisch!

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Wolfenstein: The New Order von Machine Games hat 2014 eingeschlagen wie eine Bombe. Mit zahlreichen Nominierungen für Preise und Awards überhäuft polarisierte der Alternativwelt-Zweite Weltkrieg-Ego-Shooter die Spielebranche. Nun schicken die Entwickler B.J. Blazkowicz in ein neues Abenteuer. Naja, so neu ist es dann vielleicht auch nicht, denn der Pole kehrt vor die Ereignisse in The New Order zurück und ist dort auf der Suche nach einer Akte, die ihm den Standort von General Totenkopfs Basis zeigen soll. Genau der Standort, an dem Blazkowicz und seine Kameraden zu Beginn von The New Order an Land gehen. The Old Blood heißt das Ganze und ist ein Mittelding aus Standalone und DLC. Separat auch als Disc verkauft, allerdings zu einem mehr oder weniger niedrigen Preis eines DLCs. Ob das Prequel was taugt, lest ihr hier bei uns im Test!

Wie sein großer Bruder…

The Old Blood spielt vor den Ereignissen in The New Order. Der grobschlächtige Haudegen B.J. Blazkowicz, den wir nun auch im Prequel als Protagonisten vorgesetzt bekommen, ist auf der Suche nach einer Akte, die ihm den Standort von General Totenkopfs Festung preisgibt. Er und sein Kamerad Wesley sind der Meinung, dass sich das gute Stück  in der Obhut von Oberstleutnant Helga von Schabbs auf Burg Wolfenstein befindet. Oho, Burg Wolfenstein! Ja wir haben richtig gehört, im Prequel kehren wir nämlich auf die namensgebende Burg aus den alten Spielen zurück. Diese ist gefüllt mit allerhand Wachpersonal, Offizieren, tollwütigen Kampfhunden und riesigen Roboteranzügen. Atmosphärisch ist Burg Wolfenstein ein Trauerspiel. Und das ist durchaus positiv gemeint. Nicht nur dass der Charme der Innenausstattung so liebreizend ist wie der einer mehlig kochenden Kartoffel, an allen Ecken und Enden hören wir zusätzlich verzerrte Schreie und gequälte Laute. Für Zartbesaitete ist The Old Blood definitiv zu meiden. Wenn ein Gefangener hinter verschlossenen Türen von Kampfhunden zur Tode gebissen wird und die Wärter Jubelrufge anstimmen, freuen wir uns in diesem Moment ausschließlich darüber, dass wir das Ganze nicht auch noch mit ansehen müssen. An Blut spart das Spiel demsntsprechend auch nicht. Wie der Vorgänger kommt The Old Blood auch komplett ungeschnitten in den Handel. Außerhalb von Mord und Totschlag wurde natürlich dennoch geschnitten. So werden auch in The Old Blood die Nazis durch das fiktive Regime ersetzt.

Optisch sieht The Old Blood einen Tacken besser aus als The New Order! Hier die Berglandschaft um Paderborn!

Schöner Ausblick…

Das Spiel besteht aus zwei Abschnitten mit den klangvollen Namen: „Rudi Jäger und die Höhle der Wölfe“ und „Die dunklen Geheimnisse der Helga von Schabbs“. Während wir uns im ersten Teil in Burg Wolfenstein und dem angrenzenden Paderborn aufhalten, gelangen wir im zweiten Abschnitt nach Wulfburg. Die Levelabschnitte sind allesamt abwechslungsreich, obwohl wir geographisch gesehen nicht so viel herumkommen, wie im großen Bruder. Es geht durch Katakomben, eine düstere Burg, eine Kneipe, vorbei an einem Bergpanorma und auf einen Friedhof. Die Schauplätze sind nicht nur vielsietig, sie sind grafisch auch auf einem hohen Niveau. Im Vergleich zum Hauptspiel hat die Optik noch etwas zugelegt, einen Quantensprung sollten wir allerdings nicht erwarten. Vor allem Paderborn hat es uns mit seiner malerischen Berglandschaft angetan, obwohl wir Paderborn so gar nicht in Erinnerung haben. Dafür bleiben bei näherer Betrachtung wieder einige arg im Unscharfen.

Dasselbe mit etwas Würze….

Optisch hat sich also eher wenig getan, spielerisch ebenso. In fast jedem Levelabschnitt wird uns durch ein mittelgroßes Leveldesign die Möglichkeit geboten, Feinde per Schleichvorgang zu umgehen oder jeden Gegner restlos umzunieten. Beides will gelernt sein, entdecken einige Gegner uns nämlich aus unmöglichen Positionen hinter einer Deckung. Dieses Problem hat The Old Blood leider von seinem großen Bruder geerbt. Bleibt uns dann nichts mehr anderes übrig, müssen wir wohl oder übel zu durchschlagskräftigen Kalibern greifen. Davon gibt es im Spiel wieder einige: Das reicht von der altbekannten Pistole, über das obligatorische Sturmgewehr und Scharfschützengewehr, bis zur neuen Abgesägten Schrotflinte, dem Schockhammer gegen Roboter oder einem Rohr. Dieses ist effektiver, als auf den ersten Blick vielleicht vermutet. Mit dem Rohr können wir Wände erklimmen, einem Maschinensoldaten die Panzerung aufhebeln, eine Tür aufstemmen oder das Rohr einfach als Schlagwaffe benutzen.

Das Rohr als Universalwerkzeug!

Intelligenzbolzen…

Auch die Gegner sind natürlich nicht wehrlos und wehren sich mit Granaten, Raketenwerfern, Geschützen und allem anderen halb futuristisch, halb realistischem Arsenal. Intelligenz-technisch bleibt die K.I leider eher Mittelmaß, zwischenzeitlich kommt es dabei auch zu Komplettaussetzern. Zwar sind Granaten unsere Todesursache Nr.1 und Gegner umrunden uns aus vielen Richtungen gleichzeitig, allerdings lassen sie sich in einfachen Situationen zu leicht wegpflücken. Wer sich übrigens trotz unmenschlicher Sehkraft des Feindes trotzdem für das Schleichen entschieden hat, hat vor allem im späteren Spielverlauf einige Vorteile. Vor allem wenn Offiziere sich zwischen uns und unserem Ziel befinden, sollten wir den Schleichmodus zumindest einmal in Erwägung ziehen. Werden wir nämlich von selbigen entdeckt, rufen sie Verstärkung und die schon so zahlreichen Feinde werden noch einmal dupliziert, bis der Offizier den Tod gefunden hat. Wurfmesser sind das beste Mittel, um schwer erreichbare Offiziere aus dem Weg zu räumen. Werden wir dann doch einmal entdeckt, endet unser Ausflug meistens tödlich. Denn bereits ohne Entdeckung eines hochrangigen Offiziers werden wir vor allem in der ersten Hälfte des Spiels mit sehr vielen Gegnerwellen mit zahlreichen Feinden zugeschüttet. Dank gut verteilter Speicherpunkte hält sich der Frustfaktor zwar in Grenzen, durch die zahlreichen Kämpfe verkommt die erste Hälfte allerdings in solchen Situationen zu einem einzigen, mit der Zeit eintönigen Geballer. Der bekannte Rollenspielfaktor hat natürlich auch im Spiel Einzug gehalten. So können wir uns durch das Erfüllen bestimmter Herausforderungen Fähigkeiten erspielen. Töten wir z.B. eine gewisse Anzahl Gegner per Kopfschuss, erhalten wir eine verbesserte Zielgenauigkeit. Wer übrigens im HQ des Hauptspiels ein wenig Ruhe auf seiner Matratze gefunden hat, wird sich noch an das dadurch freigeschaltete Retro-Level erinnern. Davon gibt es nun satte zehn Stück. Wer darauf keine Lust hat, wird seine Freude möglicherweise in den Regime-Zombies finden.

Na da sind sie ja! Die Regime- Zombies!

Fazit:

Wolfenstein: The Old Blood bietet uns Spielern das, was uns auch schon der große Bruder vor einem Jahr geboten hat: Schonunglose, blutverschmierte Action mit markanten Charakteren und satten Kraftausdrücken. Darüber hinaus stimmt sowohl die Optik, als auch die Geschichte rund um die Suche nach der geheimnisvollen Akte. Zwar hat The Old Blood ein paar Macken des Vorreiters übernommen, dennoch überwiegen eindeutig die Stärken von The New Order, die durch einige neue Features, wie das transformierbare Rohr sinnvoll ergänzt werden. Wer The New Order mochte und sich nicht von allerlei Blut abschrecken lässt, kann hier gerne zuschlagen. Schließlich ist The Old Blood mit seinen 10 Stunden Spielzeit auch nur halb so teuer wie sonstige Neuveröffentlichungen.

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