NBA 2K16 im Test

Spaß am Ball!

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Es scheint wahrscheinlicher, dass Ostern auf Weihnachten fällt, als dass es in diesem Jahr keine neu aufgelegten Sportspiele gibt. Und tada…..es gibt wieder einiges an Auswahl! Von Football,  über Fußball, Eishockey und….ja auch Basketball. Meistens kommen diese Garanten für hohen Absatz aus dem Hause EA Sports, doch im letzten Fall hat EA Sports in den letzten Jahren hinter der Konkurrenz zurückgestanden. Im Zeugnis würde so etwas wohl, „Er war stets bemüht“, heißen. Denn im NBA-Segment hat 2K mit seinem Ableger NBA 2K bisher die Nase Vorne gehabt, letztes Jahr sogar deutlich. Wie es in diesem Jahr aussieht und was Spike Lee mit dem ganzen Brimborium zu tun hat, erfahrt ihr hier bei uns im Test! Wer sich für den Test der Konkurrenz interessiert, kann den Test zu NBA Live hier nachlesen!

In Erinnerungen schwelgen….

Was hatte NBA 2K 15 seinem Konkurrenzprodukt voraus? Kurz gesagt: Alles! Was dabei aber deutlich herausgestochen ist, waren die spielerische Präzision auf dem Platz und…ja und der Meine Karriere-Modus. Wir starteten als unerfahrener Rookie, der zusammen mit seinem aalglatten Agenten versuchte, sich in die High Society der NBA zu spielen und zu einem der Top-Teams gedrafted zu werden. Tolle Dialoge abseits vom Feld mit Kevin Durant und James Harden, Treffen mit dem Agenten, Analysen nach dem Spiel, in der Kabine und auf dem Gang, sowie wütende Coaches nach schlechten Leistungen zeigten deutlich auf, dass eine Karriere in einem Sportspiel nicht unnahhaft und langatmig sein musste. In diesem Jahr sorgte vor allem der frühzeitig bekannt gewordene Regisseur des neuen Karriere-Modus für Aufsehen: „Malcolm X“ und „Jungle Fever“-Visionär Spike Lee. Das schürte bei uns zugegebenermaßen eine gewisse Erwartungshaltung und leider wurden wir in diesem Jahr von der Backround-Story der Karriere nicht so begeistert, wie im Jahr davor. Dafür gibt es allerdings ein paar klar zu erfassende Gründe, die sich in drei Worten zusammenfassen lassen: Linear, übertrieben, langatmig.

Spike Lee ist der Regisseur des neuen Karriere-Modus!

0815…

Aber alles der Reihe nach: Wir spielen einen aufstrebenden Basketballspieler mit dem klangvollen Namen „Frequency Vibrations“, kurz „Freq“. Japps, den wahren Namen des Spielers erfahren wir nicht, egal wie wir unseren Spieler bei der Erstellung genannt haben. Wir leben mit unserer Familie in den Sozialbauten Harlems, mit unserer Mutter, unserem Vater, der Zwillingsschwester „Cee-Cee“ und unserem besten Freund, Hip-Hop-Bruder „Vic van Lier“. Außer den abgedrehten Namen ist erst einmal nichts Merkwürdiges festzustellen. Auch der scheinbar Harlem-typische Slang sorgt bei mir nicht für heftiges Kopfschütteln. Das ändert sich allerdings nach den ersten paar Matches, die wir zu Beginn unserer Karriere noch in der High School und später am College absolvieren. Was mir am Anfang noch egal war, wird nach einer Zeit doch deutlich störend. Wenn ein 2,11 großer Power Forward mit weißer Hautfarbe, also absolut anti-afroamerikanisch, inmitten seiner dunkelpigmentierten Familie den Familien-internen Tanz aufführt, sorgt das für leichten Fremdscham. Die Story von Spike Lee hat in vielen Momenten einen großen Hang zur Übertreibung. Das bedeutet nun nicht, dass die Geschichte rund um Freq und seine Entwicklung zum NBA-Superstar, mit Höhen, Tiefen und tragischem Ende mich nicht unterhalten konnte. Alles ist gut gespielt und vor allem sehr gut synchronisiert. Doch alles wirkt doch sehr stark aufgesetzt. Was macht nun eigentlich der Spieler, während die ganze Geschichte erzählt wird? Naja, wir spielen wie angesprochen Matches in der High School und auf dem Collage, danach geht’s für acht Spiele als NBA-Rookie zu einem der Teams. Kurz und knapp: Wir spielen also Basketball! Das passt soweit, doch inhaltlich und entscheidungstechnisch können wir nichts an der Geschichte rund um Freq verändern. Die einzigen zwei Entscheidungen, die wir treffen dürfen sind die, auf welches Collage wir gehen und welches NBA-Team wir nach unserer Zeit als Rookie wählen. Die Story spielt sich also durchgehend linear, was schade ist, weil dadurch einiges an Potenzial auf der Strecke bleibt. Wir können uns nicht entscheiden, wie wir auf die abfälligen Worte unseres „Bruders“ Vic antworten oder wie wir mit der Situation um Cee-Cee umgehen. Auch das wir plötzlich verheiratet sind, kommt überaus überraschend. Was außerdem säuerlich aufstößt ist, dass die Zwischensequenzen meist sehr lang sind, manche haben sogar eine Dauer von 15 bis 20 Minuten. Man schaut eigentlich nur einem Film zu und zwischendurch packen wir dann auch Mal den Basketball aus. Ein weiteres Problem, was z.B. bei der Konkurrenz deutlich besser gemacht wird, ist die Einsteigerfreundlichkeit. Trainingseinheiten mit dem Coach, anderen Spielern oder gar unserer Schwester fehlen ganz. Das Ganze hätte nicht nur einen abwechslungsreichen Charakter innerhalb der ganzen Zwischensequenzen gehabt, sondern auch einen lehrreichen Effekt erwirkt. Denn NBA 2K 16 ist auf dem Parkett deutlich anspruchsvoller als sein Vorgänger. Doch dazu später….

Im Rating abgebaut, trotzdem Weltklasse: Kevin Durant!

Freq, der Beste trotz Fehler….

Es gibt nämlich noch einen Punkt, der uns den Karriereeinstieg von NBA 2K 16 eher schwerlich als beschwingt zu Ende spielen lässt: Die Logik. Toll ist, wenn wir von allen Seiten Lob kriegen, wie toll wir doch das letzte Spiel gespielt haben. Als Rookie gibt es in der NBA sogar die fantastischen Kommentatoren, die auf unsere Vergangenheit, auf aktuelle Situationen und unser spielerisches Potenzial eingehen. Doch was ist, wenn wir schlecht spielen, vielleicht nur 10 Punkte und einen Rebound in drei Spielen verzeichnen oder uns überhaupt nicht bewegen. Der Geschichte rund um den „aufstrebenden Superstar“ tut das keinen Abbruch, auch wenn in den Ladezeiten mit der coolen Musik mehrfach auf unser Versagen und unsere sinkenden Draft-Chancen hingewiesen wird. Wir bleiben trotz miserabler Leistungen für jeden der große Star, am Ausgang der Story  ändert dieses Verhalten nichts. Als Neueinsteiger haben wir zu Beginn sogar schwerlich die Möglichkeit gut zu spielen. Ohne Training lernen wir nicht die wichtigsten Neuerungen, zudem gibt es keine Möglichkeit unseren Spieler zu verbessern. Selbst rudimentäre Verbesserungen in den Kategorien Jump-Shooter und Athlet sind vor Beginn der NBA-Karriere nicht möglich. So, jetzt ist aber Schluss mit all der Motzerei. Schließlich sind solche Geschichten immer noch ein Novum in Sportspielen, daher kann sich NBA 2K auch nur an seiner eigenen Messlatte messen. Hier hat NBA 2K 15 allerdings die Nase Vorne!

Endlich wieder stark!

Rückt das ganze Drama rund um Freq und seinen Aufstieg als Superstar nach circa 6 Stunden dann in den Hintergrund, kann der Meine Karriere-Modus auch bei mir wieder hoch punkten. Es gibt Interviews auf Pressekonferenzen auf denen wir unterschiedliche Antwortmöglichkeiten präsentiert bekommen und es gibt Sponsoring-Verträge, die wir an unseren freien Tagen erfüllen können. Wer seine freien Tage lieber anders verbringt, kann sich auch mit renommierten Superstars wie Al Horford, DeAndre Jordan und später LeBron James treffen und so einige Boni freispielen. Dann können wir uns auch endlich verbessern und kriegen endlich die volle Gewalt über die zahlreichen Statistiken der NBA. Herrlich!

Verbessert, besser, beste!

Nähern wir uns jetzt einmal dem Spiel im Spiel an. Während, vor und nach dem Spiel jederzeit präsent, allerdings nicht selber auf dem Platz, sind die drei Kommentatoren, darunter Shaquille „Shaq“ O’Neal und Kenny „The Jet“ Smith. Sowohl mit ihren Gesprächen vor, als auch mit ihren Analysen nach dem Spiel sorgt das Dreiergespann für einen Tv-reifen Auftritt und übertrifft mit abwechslungsreichen Gesprächen die bereits hohe Qualität im Vorgänger. Wunderbar für alle Basketball-Freunde wird es dann aber erst auf dem Platz, wenn die Gespräche abseits vom eigentlichen Spielgeschehen auf die Ergebnisse der letzten Saison, der Leistungen einzelner Spieler und Rivalitäten, Siege und Niederlagen eingehen. Dabei trifft Humor auf professionelle Analyse. Für die rein Deutschsprachigen unter uns ein Manko: Die Kommentatoren sprechen ausschließlich englisch. Für alle anderen bedeutet das allerdings Authentizität pur. An der Präsentation wurde ebenfalls gefeilt. Und das merken wir vor allem auf dem Platz. Einblendungen, Kameraschwenks, zeremonielle Rituale vor dem Spiel und der satte Sound der heimischen Fankulisse sorgen für eine traumhafte Atmosphäre im Stadion. Das Publikum ist noch einen Tacken besser animiert als im Vorgänger und reagiert gut auf die aktuellen Gegebenheiten im Spiel samt Standing Ovation im Endsegment. Nun wirken sich eben diese Spielmomente aber auch auf die Bank und den Coach an der Seite besser aus. Sowohl mit zielgerichteter Kamera, als auch im Hintergrund des Spielfelds sorgt ein wütender Trainer bei Turn Overs für eine lebendigere Kulisse als vorher. Selbstverständlich reißen uns manche Clipping-Fehler sowie merkwürdige Gestiken am Seitenrand gerne wieder aus der Immersion des Spiels heraus, trotzdem setzt die Kombination aus allen präsentationstechnischen Komponenten Maßstäbe.

Auch James „The Beard“ Harden ist mit von der Partie!

Neue Möglichkeiten, Realismus pur….

Aber….jetzt bewegen wir uns auch mal auf den Platz und gucken uns das an, was ein Basketballspiel ausmacht. In NBA 2K15 hat sich das Spiel mit dem runden Leder bereits extrem gut angefühlt. Doch NBA 2K16 zeigt, dass es immer noch Luft nach oben gibt. Es wurde hier sowohl an der Spieldynamik gefeilt, als auch an der künstlichen Intelligenz der Gegenspieler. Beginnen wir mit der Spieldynamik. Es ist nun noch deutlicher spürbar, wenn wir einen Center spielen, als wenn wir einen Small Guard spielen. Die Körperbewegungen wurden noch einmal verfeinert, ein „kleiner“ 1,91m Derrick Rose bewegt sich noch spürbar flinker und agiler, während sich ein 2,11m Hüne wie DeAndre Jordan deutlich unbeweglicher spielt. Dafür ist er halt das Rebound-Monster schlechthin. Was außerdem auffällt ist, dass die Stars in der NBA neben speziellen Move-Sets sich nun noch deutlicher von der Masse abheben. LeBron James und Kevin Durant beispielsweise sind korrekt gespielt beim Zug zum Korb schier unmöglich aufzuhalten. Doch die Defensive hält dagegen und zeigt sich ebenfalls in verbesserter Form. Es sind Kleinigkeiten, aber viele Bewegungsabläufe der K.I. sind so im Vorgänger noch nicht sichtbar gewesen. Fantastisch ist auch, dass sich die K.I. auf die Spielgewohnheiten des Spiels anpasst. Sind wir beispielsweise jemand, der gerne aus dem Post Würfe zieht, werden wir nach zwei erfolgreich ausgeführten Manövern gedoppelt und ein Steal versaut uns die Aktion. Sind wir stark an der Linie, wird uns auch hier schnell ein Riegel vorgeschoben. So sind wir gezwungen unsere Taktiken umzustellen und neue Wege durch den Abwehrriegel zu finden. Das alles hängt natürlich auch von dem gewählten Schwierigkeitsgrad ab. Spielen wir auf „Rookie“, kommt es sogar öfters zu Aussetzern der gegnerischen Spieler und es bewegt sich nichts, sowohl offensiv, als auch defensiv. Spielen wir bereits auf „Profi“, sorgt die Ordnung in manchen Spielzügen bereits für Kopfzerbrechen, auf den höheren Schwierigkeitsgraden potenziert sich das Ganze. Kommen wir in die Offensive, denn auch hier hat sich einiges getan. Hier ist aber erst einmal eine virtuelle Watschen notwendig. Es gibt so viele schöne neue Bewegungen und sogar die Möglichkeit per Tastendruck unterschiedliche Arten von Pässen zu spielen(mit einem Aufsetzer oder extrem hoch). Aber wann lernt Neueinsteiger sowie alteingesessener NBA-Spieler diese Moves? Gar nicht. Weder in der Karriere, noch an anderer Stelle. Gut, in dem NBA2KTV-Format erklärt uns ein Trainer jede Woche durchaus kompetent einige Feinheiten des Spiels, aber warum bietet man nicht ein vollwertiges Tutorial an? Das macht die Konkurrenz aus dem Hause EA definitiv besser. Doch es gibt diese Moves und jeder einzelne von Ihnen fügt sich nahtlos in das Spielerlebnis ein. Mal spielen wir einen langsamen, hohen Loop, dann spielen wir lieber einen schnellen Ball über den Boden. Dazu kommt, dass sich auch die K.I. offensiv verbessert hat. Mitspieler positionieren sich deutlich besser, hören besser auf unsere taktischen Anweisungen uns stehen da, wo wir sie nach ihren Fähigkeiten erwarten würden. Es gibt aber auch störende Faktoren auf dem Platz, dazu gehören die leidigen Fehler des Vorgängers. Zum einen haben die Linienrichter bei der Ballrückgabe an unseren Spieler so ihre Aussetzer. Zum anderen dauert es im Meine Karriere-Modus manchmal, bis wir nach der Einwechslung spielen können. Uns wird nämlich eine kurze Analyse unseres aktuellen Gegenspielers gewährt, allerdings verweilt das Bild unnötig lange auf unserem Gegner. Doch das alles ist viel Meckern und Mäckeln an einem Spiel, dass auf dem Spielfeld beweisen kann, dass der hochgelobte Vorgänger auch noch überboten werden kann. Hut ab!

Die Stars sind nun deutlich stärker als die „normalen“ Spieler!

Viel Umfang…

Wer sich übrigens nicht um seinen eigenen Freq kümmern möchte, kann sich auch in anderen Spielmodi austoben. Wir können z.B. eine einfache Saison mit unserem Lieblingsclub spielen und die Warriors vom Playoff-Thron stoßen, oder als GM unser eigenes Team aufbauen und über eine Saison hinweg unser Team zum Besten der Liga machen. Mit dazugehörigen Merchandise-Geschäften, Stadion-Ausbauten und Transfers zahlreicher Superstars. Wer sich lieber mit Sammelkartenspielchen ala Ultimate Team auseinandersetzen möchte, kann sich hier sein eigenes Team zusammenstellen, Kartenpacks öffnen und zahlreiche Aufgaben für Münzen und Punkte absolvieren. Apropos Münzen! Ja, es gibt auch wieder Münzen im Spiel, die ihr so gut wie in allen Spielmodi verdienen könnt und die ihr zur Verbesserung eures Freqs oder eben für Packs ausgeben könnt. Selbstverständlich können diese Münzen auch wieder für Echtgeld erworben werden. Der My Park-Modus hält ebenfalls wieder Einzug im neuen NBA 2K. Die Parks sind allerdings dieses Mal nicht so trist wie im Vorgänger, sondern je nach Teamauswahl gibt es unterschiedliche Settings im Hintergrund, z.B. ein Strand-Feeling mit riesigem Aquarium inklusive Riesenwal. Brandneu ist indes allerdings der 2K Pro-AM: Hier kann sich jeder Spieler in der ersten weltweiten 5-on-5-Liga mit seinem eigenen Spieler messen. Zusätzlich gibt es insgesamt zehn Ligen, in denen man online gegen andere Mannschaften antreten kann. So bietet uns dieser Modus die Möglichkeiten, mit einigen historischen Teams zu spielen und Trophäen zu gewinnen, sowie uns an die Spitze der Top-Ligen zu kämpfen. Pro Liga spielen wir hier zehn Spiele und müssen genügend Siege sammeln, um aufzusteigen. Wir sehen, es gibt einiges zu tun in NBA 2K 16!

Fazit:

NBA 2K16 hat eine schwere Bürde auf den Schultern, schließlich hat der Vorgänger in der Fachpresse größtenteils für Jubelstürme gesorgt. Und das mit gutem Recht. Spielerisch, präsentationstechnisch und vom Umfang her ein großes Stück Basketballspiel. Doch NBA 2K16 legt an allen Ecken und Enden noch einmal zu. Feinheiten im Spiel, die künstliche Intelligenz sowie die Präsentation werden durch sinnvolle Ergänzungen noch verfeinert. Und auch im Herzstück des Spiels, im Meine Karriere-Modus hat sich einiges getan. Hier allerdings bleibt das Spiel hinter den Erwartungen und seinem Vorgänger zurück. Zu überspitzt wird die Geschichte um Freq erzählt, zu langatmig und vor allem zu linear. Dazu kommt, dass wir weder mit Freq noch an anderer Stelle die tollen neuen Moves und Möglichkeiten des Spiels erklärt bekommen. Ausprobieren ist angesagt, ein Tutorial suchen wir vergebens! Trotz schwächerer Geschichte, fehlendem Tutorial und einiger kleinerer Schnitzer im Spiel bleibt NBA 2K16 das Maß aller Dinge in Sachen Basketballspiel. Auf dem Platz war bisher kein Spiel realistischer!

Was haltet ihr vom neuen Basketball-Ableger? 

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