WWE 2K16 im Test

Schwitzige Körper am Werk!

0
380

Ei der Daus! Andauernd erleben wir Déjà-vus. Vor kurzem haben wir erst Fifa 16 getestet, dann NBA2k16 und schon wieder steht ein Spiel mit Jahreszahl im Namen in den Regalen. WWE 2K16 hat dabei deutlich bessere Vorzeichen, ein gutes Wrestling-Spiel zu werden, als die beiden Vorgänger. Mit der Pleite von THQ sicherten sich die US-Amerikaner aus dem Hause 2K vor mehr als zwei Jahren die Rechte an dem Sportspiel. Definitiv ein kluger Schachzug, wenn man bedenkt, wie groß Wrestling in den USA noch ist. Doch an WWE 2K14 konnten damals keine Stellschrauben mehr gestellt werden. Und letztes Jahr? Naja, letztes Jahr gab es die Premiere des Franchises auf der Next-Gen-Konsole. Und das Ergebnis war durchaus brauchbar und die Handschrift der Regisseure bei NBA 2K16 war auch durchaus erkennbar. Doch die gleiche Liebe wie dem fulminanten Basketball-Ableger hat man dem wilden Showkampf nicht zukommen lassen. Es fehlten zahlreiche Editierungsmöglichkeiten und der Karrieremodus verlor schon nach wenigen Spielstunden seinen Reiz. Zu langatmig, zu langweilig. Doch Hauptkritikpunkt: Die Auswahl der Kämpfer war derart begrenzt, dass wir auf viele Wrestler der Moderne und zahlreiche Legenden verzichten mussten. Ob 2K an diesen Stellschrauben Verbesserungen vorgenommen hat, erfahrt ihr hier bei uns im Test.


Viel Auswahl….

Halten wir zuerst Ausschau nach den ersten Änderungen im Spiel! Im Hauptmenü finden wir sie noch nicht. Erneut ziert der Coverstar der Spielehülle den Hintergrund des Hauptmenüs. In diesem Fall ist es die WWE-Legende „Stone Cold“ Steve Austin. Und ja, dem haarlosen Herren kommt ein essentieller Teil im Spiel zu, daher ist seine Position durchaus angebracht. Aber dazu später mehr…. Schürfen wir doch erst einmal etwas tiefer in den zahlreichen Menüpunkten. Schnell fallen eingefleischten Wrestling-Fans einige sehnlichst herbeigewünschte Ergänzungen auf. Das Roster ist nun endlich so gefüllt, wie es sich gehört. Es bietet mit mehr als 120 Athleten sogar das größte Aufgebot aller Zeiten. Zwar fehlen weiterhin einige bekannte Gesichter, wie z.B. die verstorbene Legende Eddie Guerrero, trotzdem können wir hier dieses Mal nicht meckern. NXT-Publikumslieblinge wie Finn Balor oder Adam Rose sind genauso dabei wie alteingesessene Profis der Branche. Von „The Phenom“  bzw. „The Deadman“ bzw. „The Undertaker“ (ja, der wohl berühmteste Wrestler aktueller Tage hat viele Namen) über John Cena, Kane und Randy Orton sind alle vorhanden. Das Legendensegment schmücken Bret Hart, Shawn Michaels, endlich auch wieder „The Rated-R Superstar“ Edge sowie Mick Foley. Perfekt! Zwar wird die Anzahl auch durch verschiedene Kostümvarianten für beispielsweise The Big Show oder dem bereits durch Mehrfachnennung aufgefallenen Undertaker in die Höhe geschraubt, dennoch ist die Zahl beachtlich und in diesem Franchise zu diesem Zeitpunkt einzigartig.

Optisch neutral…

Werfen wir nun einen Blick auf die optische Darstellung der Athleten. Optisch hat sich in diesem Jahr nicht sehr viel getan. Zwar hat man dem ein oder anderen Superstar eine Rundumerneuerung spendiert, sehr viele leiden aber immer noch an Unproportionalität oder dem „Roboter-Syndrom“ im Gesicht. So richtig vermurkst sieht aber keiner der Kämpfer aus. The Rock hat einen etwas zu kleinen Kopf und die Diven sind allesamt etwas schlecht zu erkennen, aber das ist alles kein Beinbruch. Mit einer einzigen Ausnahme, die aber glücklicherweise abseits des In-Ring-Spektakels zu finden ist: Die Interviewerin Renee Young. Die ist nämlich überhaupt nicht wiederzuerkennen.

Endlich ist Finn Balor mit von der Partie!

Taktisches Wrestling…

Moment? In-Ring-Spektakel? So einen Begriff bei einem Wrestling-Spiel in den Mund zu nehmen ist doch überaus sarkastisch gemeint, oder nicht? Ehrlich gesagt, nein! Letztes Jahr haben sich das wieder neu eingeführte Ausdauermodell und eine abgeänderte Spielgeschwindigkeit bereits sehr positiv auf das Kampfsystem ausgewirkt. Vor allem das letzte Drittel des Kampfes wurde durch mangelhafte Ausdauer meist zu einem guten, taktischen Showkampf. In diesem Jahr legt der Entwickler Yukes sogar noch eine sinnvolle Erweiterung oben drauf. Wir können es nicht wirklich störend nennen, dennoch konnte es einige zahlreiche Kämpfe in eine unnötige Länge ziehen: Die Konter. Da diese unendlich vorhanden waren, konnten somit vor allem Online-Matches gegen andere versierte Spieler über alle Maßen langatmig werden. Doch in diesem Jahr ist damit Schluss! Jeder Wrestler hat im Kampf nun nur eine begrenzte Anzahl Konter zur Verfügung. Das bringt eine zusätzliche taktische Komponente ins Spiel, wir müssen nun deutlich häufiger und vor allem effizienter überlegen, ob wir jeden Angriff des Gegners kontern wollen oder den ein oder anderen Treffer kassieren. Das bringt einen Funken mehr Realismus in den Kampf, da wir wie bei den echten Vorbildern nicht durchgehend dominant ein Match bestreiten können. Neben den Kontern gibt es auch an anderen Stellen einige positive Veränderungen. So sind sowohl Pins, als auch Submissions bearbeitet worden. Erstere bieten dank neuer Mechanik eine deutlich logischere Flucht aus der Unterlegenheit, sogar erzwungene Rope Breaks durch ein Bein auf dem Seil sind möglich. Zweitere sind ebenfalls runderneuert worden. Ich persönlich finde es klasse, dass Yukes jedes Jahr neue Mechaniken evaluiert, die dann am Spieler getestet werden. Und nie ist es ein Reinfall, eher sogar das Gegenteil.  Für dieses Jahr entnimmt Entwickler Yukes die Mechanik der alten UFC-Titel, die noch unter der Haube von THQ entwickelt worden wurden. Hierbei müssen wir als Verteidiger versuchen, unseren blauen Balken über den roten Balken des Gegners zu bringen. Das Ganze in einem Kreis. Das klingt nicht nur fordernd, es ist fordernd. Die Mechanik bedarf einiges an Eingewöhnungszeit, dennoch ist diese Entwicklung eine gelungene Erweiterung.

Manche Superstars sehen rundum erneuert aus….was leider nicht für alle gilt!

Individualisierung…

Austoben können wir uns im neuen WWE 2K16 natürlich nicht nur in öden 1 vs. 1-Kämpfen. Erneut gibt es zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten, so können wie von Ladder-Matches bis hin zu den 30-Mann Royal Rumbles wieder alle Möglichkeiten Matchvariationen bestreiten. Mehr Einstellungsmöglichkeiten gibt es auch, wenn wir unseren eigenen Superstar erstellen wollen. Das Morphing ist von der Usability meines Erachtens eine sehr gute Möglichkeiten einen individuellen Charakter zu erstellen. Störend empfinden wir nur die Ladezeiten bei Kleidungswechseln oder dem anbringen von Tattoos. Sehr störend! Wer übrigens nicht selber Hand an den Superstar-Creator legen möchte, kann sich aus dem Downloadbereich des Spiels zahlreiche, sehr häufig sehr gute Abbilder von nicht vorhandenen Superstars herunterladen. Von Jeff Hardy, über Matt Hardy, Kurt Angle und Goldberg. Wer seine Charaktere (oder eben die heruntergeladenen) dann auch noch weiter bearbeiten möchte, kann für sie Move Sets oder Einzüge erstellen. Dabei können wir beim Move Set jede einzelne Bewegung auf unsere Bedürfnisse abstimmen, bei den Einzügen für Effekte auf dem Bildschirm, Feuerwerk, Rauch und Beleuchtung sorgen. Das alles ist Spielern der Vorgänger bereits bekannt, Neues gibt es an dieser Stelle wenig zu vermelden. Highlights zu tollen Filmen zusammenschneiden oder eigene Szenarios erstellen dürfen wir allerdings immer noch nicht. Apropos Szenarios! Zwei Modi spielen die Hauptrollen in WWE 2K16: Die Karriere, sowie der Showcase-Modus.

Über Tag Team-Matches, Hell in a Cell, TLC und das berüchtigte Royal Rumble ist alles dabei!

Steve Austin und ich…

Der Karriere-Modus wurde deutlich aufgewertet. Der Beginn ist war ähnlich mühsam wie im Vorgänger, erneut müssen wir uns erst als NXT-Rookie bewiesen, bevor wir mit den großen Kindern spielen dürfen. Aber erst einmal dort oben angekommen, ist die Karriere deutlich spannender strukturiert, als die des Vorgängers. Nach fast jedem Match werden wir interviewt und je nachdem welche Antworten wir geben, reagiert die Fangemeinde anders auf unser Auftreten. Entweder werden wir Face (Gut) oder Heel (Böse). Je nachdem welcher Gesinnung wir folgen, können wir auch unterschiedliche Fehden mit anderen Superstars eingehen. Die wohl maßgeblichste Entscheidung in der Karriere betrifft wohl die Wahl für oder gegen  die „Autorithy“ unter Muskelprotz Triple H. Wenn wir keine Lust mehr haben, unserem Superstar den Weg in der Karriere zu ebnen, können wir uns dem altbekannten Showcase-Modus widmen. Und hier schließt sich der Kreis dieses Tests, denn wer ist hier Hauptprotagonist? Genau, „Stone Cold“ Steve Austin. Und erneut ist der Modus ein Highlight des Spiels. Wie wir den Charakter Steve Austin sowohl in richtigen Filmsequenzen als auch in Spielgrafik erleben dürfen ist von vorne bis hinten wunderbar inszeniert. Die „Attitude Ära“ ist hier ein gutes Stichwort und Steve Austin ist ohne Zweifel einer der Gründer dieser wundervollen Zeit der WWE. In insgesamt 20 Episoden schalten wir so neue Outfits und weitere Belohnungen frei. Für Motivation is also gesorgt.

Fazit:

Yukes hat eine schwierige Aufgabe zu erfüllen. Wie kann man einen Showkampf im Spiel möglichst realistisch abbilden und doch dafür sorgen, das es ein gutes Sport/Kampf-Spiel wird? Doch wir können resümieren: Yukes hat es in diesem Jahr mit am besten geschafft, diesen Spagat zu schlagen. Das Kampfsystem ist dank neuer taktischer Feinheiten sehr erfrischend und vor allem die Vielzahl an Superstars überzeugt. Dazu kommt ein überarbeiteter Karriere-Modus, der uns dank zahlreicher Neuerungen und Individualisierungsmöglichkeiten deutlich länger vor dem heimischen Bildschirm hält, als im Vorjahr. Optisch ist zwar weiterhin noch deutlich Luft nach oben, und vor allem den Highlight Reel-Editor vermisse ich weiterhin schmerzlichst, aber spielerisch hat WWE 2K 16 einen Sprung nach Vorne gemacht. Sehr gut!

Wie ist eure Meinung?

Kommentieren Sie den Artikel