Rise of the Tomb Raider im Test

Sie ist zurück!

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Sie ist wieder da! Die Hauptkonkurrentin von Nathan Drake, das archäologische Wunderkind, das hübsche Mädel von nebenan, die sich in eine starke Frau verwandelt.: Lara Croft. Nein, nicht die Lara Croft die vor gefühlt 30 Jahren von Angelina Jolie in fremdschämenden Filmen verkörpert worden ist, sondern die neue Lara. Bereits vor zwei Jahren wurde die junge Archäologin von den japanischen Entwicklern aus dem Hause Square Enix neu erfunden. Zum Glück! Tomb Raider bzw.  die Tomb Raider: Definitive Edition war ein erstklassiges Action-Adventure mit holpriger Geschichte, aber großartiger Atmosphäre und präziser Spielbarkeit. Ob der Entwickler Crystal Dynamics in diesem Jahr noch eine Portion drauflegen konnte, lest ihr hier bei uns im Test!

Ein Genuss für die Augen…

Eine Sache ist in diesem Jahr von Anfang an anders, als beim vielgelobten Vorgänger: Rise of the Tomb Raider ist ein Xbox-exklusiv Titel. Ja, Microsoft hat sich die berühmt-berüchtigte Archäologin unter den exklusiven Nagel gerissen, und wie eingangs erwähnt, sicherlich mit einem großen Auge auf die Konkurrenz Uncharted aus dem Hause Sony. Zum Hahnenkampf kommt es an dieser Stelle leider nicht, Naughty Dog braucht mehr Zeit um den mittlerweile vierten Teil der Uncharted-Reihe fertigzustellen. Damit steht Tomb Raider ganz ohne direkten Vergleichspartner dar…..was in Anbetracht der Fangemeinde von Uncharted ja eigentlich nur gut sein kann. Blicken wir also auf Rise of the Tomb Raider. Und „blicken“ ist in diesem Fall ein sehr gutes Stichwort, denn oh, was sehen wir Tomb Raider gerne an. Optisch ist der neue Ableger ein absolutes Brett. Von den Texturen der mit Eis bedeckten Felsen, über atmosphärisch atemberaubende Lichteffekte, über die seines gleichen suchende Haardarstellung der zahlreichen Wildtiere oder der Protagonisten selbst, und so weiter und sofort.  Das Auge ist wahrlich beeindruckt, an die Qualität eines Uncharted reicht es zwar nicht heran, aber weit entfernt sind die Entwickler mit ihrem Schätzchen nicht. Wenn dann schließlich etwas mehr Action auf dem Bildschirm abgeht, offenbart sich dennoch ein Problem: Die Bildrate. Da, wo wir beim Vorgänger in der Definitive Edition flüssige 60 Bilder pro Sekunden genießen konnten, haben wir hier nur 30 Bilder pro Sekunden und manchmal hat das Spiel richtige Schwierigkeiten, diese aufrecht zu erhalten. Zur Verteidigung müssen wir an dieser Stelle aber auch sagen, dass die Inszenierung durchgehend wahrlich sensationell ist. Von stillen Details, wie raschelnde Büsche im Hintergrund, vorbeisurrende Vogelschwärme, sich im Wind wiegende Bäume und Sträucher, bis hin zu effekthaschenden Szenen, wie die Flucht aus einer Höhle, der Kampf gegen einen Bären oder ein von oben bis unten brennendes Gebäude. Alles greift ineinander, alles sorgt für eine dichte Atmosphäre. Besonders imposant sind die Übergange von Zwischensequenzen in Spielgrafik hin zur packenden Action, meistens verbunden mit einer adrenalingeladenen Fluchtsequenz. Was alle Aspekte noch einmal untermalt, ist die Soundkulisse. Nicht nur, dass Musik, Effekte und Lokalisierung auf Höchstniveau sind, die Notenkulisse passt sich je nach Situation dynamisch an. Ich kann mich nur wiederholen: Alles greift ineinander!

An eisigen Felswänden suchen wir nach der Quelle des Lebens! Optisch wundervoll!

Rätselspaß mit Lara…

Diese Zahnradlogik spiegelt sich auch an anderer Stelle sehr gut wieder. Der Spielverlauf ist wie im Vorgänger gespickt mit abwechslungsreichen Episoden. Einmal lösen wir eines der durchaus kniffligen Rätsel, an anderer Stelle fliehen wir vor einem einstürzenden Berg, erkunden die wunderschön weitläufigen und wieder ein anderes Mal kämpfen wir uns durch zahlreiche Gegner-Massen. Erleuchten wir doch einige dieser Aspekte einmal genauer. Beginnen wir mit den Rätseln.  Wer Teil 1 gemocht hat, wird Teil 2 lieben. Erneut gilt es zahlreiches Gehirn-Jogging zu betreiben, um die manchmal kniffligen Aufgaben zu bewältigen. Besonders adrenalingeladen geht es dabei vonstatten, wenn es sich bei der Lösung des Rätsels um unser Leben geht. Dabei ist die Inszenierung durch und durch packend. Die ruhigeren Rätsel erfordern hingegen etwas mehr Köpfchen, dafür haben wir genug Zeit diese anzugehen. Alles in allem hätte ich persönlich mir noch etwas schwere Rätsel gewünscht, trotzdem hat das Spiel meines Erachtens etwas an Schwierigkeit zugelegt. Selbstverständlich gibt es auch wieder einige spektakuläre Sprungpassagen, in denen wir schnell und gezielt die richtige Route für unser Überleben wählen müssen. Besonders angetan haben es mir aber die Gräber, in denen Lara ihre Muskeln (wortwörtlich und im übertragenen Sinne) nochmal richtig spielen lassen kann. Warum diese optional ausfallen, ist mir allerdings ein Rätsel.

In düsteren Gräbern lässt die Rätsel-Lara ihre Muskeln spielen!

Explodierender Sammeltrieb…

Etwas anderes tut uns zudem ebenfalls ein Rätsel auf: Die überschäumende Anzahl an Sammelkisten und Audio-Logs. Erstens: Es ist immer eine wunderbare Idee, seine offene Spielwelt mit Interaktionsmöglichkeiten auszustatten. Zweitens: Ein guter Mittelweg aus zu viel und wenig ist hier durchaus erfreulich. Rise of the Tomb Raider schießt hier eindeutig über das Ziel hinaus, selbst Ubisoft ist in weiten Teilen ihrer Spiele noch sparsamer mit Sammelkisten. Nahezu an allen Ecken und Enden finden wir neue Bauteile zum Craften, neue Ausrüstungsgegenstände oder die mysteriösen Audio-Logs. Der Sammeltrieb des Spielers wird hier deutlich überstrapaziert.  Zum Thema Audio-Logs: Eine Geschichte über Tonaufnahmen zu erzählen funktioniert vielleicht in Spielen wie Alien: Isolation, doch ein Tomb Raider sollte seine Geschichte auf andere Weise erzählen können. Und das kann es, auch besser als der Vorgänger, daher stören die zahlreichen Audio-Logs nur. An dieser Stelle ein paar Worte zur Geschichte: Lara sucht im abgelegenen, eisig kalten Sibirien nach der Quelle des Lebens, die auch schon ihr Vater vor ihr gesucht haben soll. Die gleiche Spur verfolgt auch die Geheimorganisation Trinity, die alles dafür zu tun scheint, ihr Ziel zu erreichen. Das ist nichts Neues, dass erfindet das Rad nicht neu. Doch zusammen mit dem sehr guten Timing und den Zwischensequenzen mit seinen interessanten Charakteren kann die rund 17 Stunden lange Kampagne uns durchaus storytechnisch unterhalten Woher wir übrigens wissen, dass Trinity alles tun würde, um ihr Ziel zu erreichen? Naja, das sind die Menschen, die ihre zahlreichen Patronen auf uns abfeuern. Und da kommen wir auch schon zu einem weiteren Aspekt des Spiels: Die Schießerei. Crystal Dynamics ist ja immer noch der Meinung, das ein Tomb Raider-Spiel unbedingt eine Lara Croft braucht, die mit Pfeil und Bogen jagen, aber auch mit Sturmgewehren Leute umbringen kann. Und die Ballerei kommt auch im neuen Teil nicht zu kurz. So stellen wir uns mit unseren Scheißeisen zahlreichen Trinity-Soldaten in den Weg, rennen, schießen, suchen Deckung. Mal abgesehen, davon, dass das Ganze wieder wunderbar aussieht, hat die Schießerei einige Probleme.

Lara selbst sieht fantastisch detailliert aus! Und die Beleuchtungen der einzelnen Szenarien….großartig!

Künstliche (Un)intelligenz…

Bereits auf normalem Schwierigkeitsgrad sind die Gegner sehr schnell nur noch Kanonenfutter. Das liegt unter anderem daran, dass wir aus dem gutaussehenden Mädel sehr schnell eine gutaussehende Killermaschine machen. Zahlreiche Upgrades in den Bereichen Kämpfer, Jäger und Überleben wappnen uns für alle möglichen Eventualitäten. So auch für unsere schießwütigen Widersacher. Wäre das nicht genug, macht es uns die künstliche Intelligenz aber auch viel zu leicht, sie auszuschalten. Die Gegner suchen nicht aktiv Deckung, sondern rennen lieber wie vom Blitz getroffen über die Wege und einige reagieren nicht, wenn wir an ihnen vorbeilaufen. Wieder andere lichten ihre Reihen durch Friendly Fire, die letzten merken nicht, wie ihr Partner direkt neben ihnen niedergestreckt worden ist. Intelligent ist etwas anderes! Da wirken die Kämpfe gegen die zahlreichen Wildtiere doch etwas anspruchsvoller, zumindest zu Beginn. Wenn wir uns nur mit Pfeil und Bogen bewaffnet einem wilden Bären gegenüberstellen, kocht das Adrenalin in unseren Adern nur so hoch. Sowas interpretiert man dann schnell als Bosskampf, was absolut legitim ist. Bosskämpfe gibt es darüber hinaus aber keine, bis auf den Endkampf, dem wir aber durchaus das Prädikat „Gut“ geben können. Inklusive Cliffhangar natürlich.

Kämpfe gegen die Natur sind adrenalingeladener als Kämpfe gegen menschliche Gegner!

Cliffi und Kampf gegen Freunde…

Nachdem wir den Cliffhangar, der den dritten Teil der Serie angekündigt hat, genießen konnten, können wir das ganze Spiel natürlich auch noch einmal in anderen Schwierigkeitsgraden durchspielen und unseren Sammelwahn weiter befriedigen. Auf einen Mehrspieler-Modus verzichte der Entwickler in diesem Spiel, der wurde laut eigener Aussage in den Vorgängern wenig bis nahezu gar nicht gespielt. Stattdessen bietet man dem Spieler einige Vergleichsmöglichkeiten mit seinen Freunden oder dem Rest der Welt. So können wir uns beispielsweise in Bestenlisten mit anderen messen. Wer z.B. schafft Abschnitt X in weniger als 10 Minuten? Bei solchen Herausforderungen helfen uns die sogenannten Expedition Cards, die unterschiedliche Einflüsse auf unsere Fähigkeiten haben und von uns gefunden oder mit Geld gekauft werden können. Selbstverständlich haben wir hier auch die Möglichkeit, unser Kartendeck mit Echtgeld aufzustocken, Mikrotransaktionen sind aktuell ja in Mode gekommen. Diese Expedition Cards verbessern z.B. unsere Waffen, stellen uns für die Herausforderung neue Werkzeuge zur Verfügung oder legen unsere Aufgaben fest. Das Ganze kann interessanterweise auch in die andere Richtung verlaufen. So können wir uns Leben künstlich erschweren, indem wir z.B. eine Herausforderung ohne Waffen bestreiten, doppelt so viel Schaden erleiden oder sogar beim ersten Treffer ins Gras beißen. Es gibt zahllose Kombinationsmöglichkeiten. Dadurch können wir die gesamte Kampagne unter anderen Voraussetzungen durchspielen.

Fazit:

Rise of the Tomb Raider ist eine bunte Mischung an wunderbaren Ereignissen, bekannten Altlasten und neuen, sich eingeschlichenen Problem. Wunderbar sind Optik und der Detailreichtum der Spielwelt, atmosphärisch ist das neue Spiel von Crystal Dynamics ein Hammer. Auch die Geschichte ist deutlich stimmiger erzählt als noch im Vorgänger. In Sachen Altlasten fallen vor allem die massenhaften Schießereien auf, die mangels künstlicher Intelligenz und Schwere eher negativ als positiv auffallen. Mir ist immer noch nicht klar, warum ein Tomb Raider-Spiel so viele blutige Auseinandersetzungen benötigt? Neben Bildratenproblemen und einer schier unmöglichen Menge an sammelbaren Gegenständen sind das aber die einzigen Schwierigkeiten des Xbox-exklusiven Titels. Betrachten wir das Gesamtpaket, ist Rise of the Tomb Raider ein sehr gutes Action-Adventure, das sogar seinen Vorgänger in weiten Teilen ausstechen kann.

Das XBox One exklusive neue Tomb Raider! Wie findet ihr das Spiel?

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