Star Wars Battlefront im Test

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DICE und EA liefern mit Star Wars Battlefront schon weit vor dem Start von Episode 7 im Kino neues Material im Form des Multiplayer-Shooters im beliebten Science-Fiction Setting. Wir verraten euch im Test, ob der Titel auch abseits des Star Wars Lizenzhypes bestehen kann.  

Endlich könnt ihr die Blaster wieder glühen lassen!
Endlich könnt ihr die Blaster wieder glühen lassen!

Es war einmal, vor langer Zeit…

Genauer gesagt in den Jahren 2004 und 2005, als die Pandemic Studios unter LucasArts Battlefront und den zweiten Teil veröffentlichten und damit die Fanherzen weltweit im Sturm eroberten und das sogar plattformübergreifend! Wenn man sich in den letzten Wochen vor Veröffentlichung von Battlefront (2015) in Foren und Kommentarbereichen der Gamingcommunity umgesehen hat, stand das Spiel meist deutlich in der Kritik. Auf der einen Seite gab es da die Veteranen, die vor 10 Jahren schon den Start der Reihe gefeiert und um das Ende der Reihe getrauert haben. AT-ATs (die großen Kampfläufer) auf Schienen? Kein Vehikel dropin/dropout dynamisch auf dem Schlachtfeld? Je nach Spielmodi Fahrzeuge nur als Powerups? Serienneulinge hingegen wirkten meist begeistert von jeder neuen Ankündigung rund um den diesjährigen Serienneustart. Zumindest war dies mein rein subjektiver Eindruck in den letzten Wochen. Aber wie ist das Spiel denn nun? Kurzum: es liefert einfache exakt das, was all die News, Screenshots und Videos vorab haben vermuten lassen: einen bombastisch inszenierten Multiplayerhammer im Star Wars Universum! Exzellente Grafik, ein wuchtiger und atmosphärischer Ton und entgegen dem, was gebeutelte Fans der letzten Jahre bei Battlefield in Sachen Verbindungsprobleme haben durchleben müssen, einen funktionierenden Netzcode. Natürlich waren zum Release-Wochenende die Server aufgrund des Ansturms etwas überlastet und die Wartezeiten und Probleme wie Verbindungsverluste waren vorhanden. Mittlerweile hat sich das aber alles beruhigt und es sind zu jeder Tages- und Nachtzeit genug Spieler online, um actionreiche Blaster- und Luftkämpfe ohne technische Probleme auszufechten. Reicht all das aus? Immerhin klingt es, als wären alle Zutaten für ein tolles Spiel vorhanden, oder? Vorhanden? Definitiv! Ach bitte, es ist immerhin Star Wars! Pfff! Aber als Tester muss man leider auch mal die rosarote Fanbrille zur Seite legen und stellt schnell fest, dass es irgendwie gut aber nicht so richtig, richtig und dauerhaft gut ist.

Das sind nicht die Droiden die ihr sucht!

Genauer gesagt, sucht ihr die Droiden, genau wie andere Fraktionen aus Episode 1-3, hier vergeblich. Das Spiel konzentriert sich auf die Geschichte der alten Filme, rund um Luke, Leia, Han und Darth Vader. Schade! Denn bereits die 2004 und 2005 Versionen lieferten die volle Packung Star Wars. Spekulieren DICE und EA hier auf kostenpflichtige DLCs oder bekommen wir nun turnusmäßige Serienableger rund um die Veröffentlichung der neuen Filme? Wir werden sehen. Bisher sind aber bereits 16 Karten als kostenpflichtige DLCs angekündigt, um den Umfang des Spiels mit aktuell 12 Karten zu erweitern. Die mitgelieferten Karten verteilen sich auf die Planeten Hoth (Schneelandschaft), Tatooine (Wüstenlandschaft), Endor (Wald) und Sullust (Felsen-Lava-Landschaft). Die 12 (11 ohne den 2-Spieler-Koopmodus) Spielmodi umfassen Klassiker wie Capture the Flag und Team Deathmatch. In kleinen Teams von 8 Spielern geht es hier mit insgesamt 16 Teilnehmern in den Kampf, wobei hier keine Fahrzeuge verfügbar sind. Wer an die Filmszene vom Kampf auf Hoth denkt, wird hier enttäuscht. Dennoch spielen sich auch diese Matches schnell und actionreich und versprühen bereits ordentlich Star Wars Atmosphäre.

Mehr Atmosphäre geht nicht!
Mehr Atmosphäre geht nicht!

Ihr dürft euch im Modus Jägerstaffel auch hinter den Steuerknüppel von X-Wing, TIE-Fighter und Co. setzen und euch dabei Luftkämpfe an der Oberfläche von Planeten mit bis zu 20 Spielern liefern. Klingt als ob der Himmel damit zu leer wäre? In der Tat, das hat auch DICE gemerkt und schickt neben den von Spielern gesteuerten Fluggeräten zahlreiche weitere in die Luft, deren Kontrolle die KI übernimmt. Toll! So macht es trotz der simplen Steuerung durchaus Spaß, sich in diesem Modus auszutoben. Wohlgemerkt nur Luftkämpfe, da entgegen dem Original das Reboot im Jahr 2015 keine Weltraumschlachten mitliefert. Auf Sternenzerstörer, Fregatten und den Todestern müsst ihr also leider verzichten.

Möge die Macht…naja, ihr wisst schon.

Deutlich intensiver wird das Gefühl, mitten in der Welt der Filme zu sein aber dann, wenn Helden wie Leia, Han, Luke oder Darth Vader persönlich in den Kampf eingreifen. So wie z. B. im Modus Helden vs. Schurken oder Heldenjagd. Im Ersten schützen beide Teams ihren Helden und kämpfe Seite an Seite mit ihm gegen andere Spieler, während in letzterem ein Spieler die Helden/Schurkenrolle übernimmt und von sieben weiteren feindlichen Einheiten gejagt wird. Unterliegt Boba Fett im Kampf, übernimmt sein Henker als nächstes die Heldenrolle. Das Ganze erinnert ein wenig an die Monsterhatz Evolve oder den Hunter-Modus aus Crysis 3. Klingt ja alles soweit ganz gut bis hin zu solide. Aber wo toben denn nun die richtig großen, epischen Schlachten mit bis zu 40 Spielern? Die findet ihr in den Modi Kampfläufer-Angriff und Vorherschafft. Hier treten 40 Spielern gegeneinander an, hier findet ihr zufällig auf der Karte verteilte Powerups und müsst diese unter Zeitdruck schnell einlösen, um die Steuerung über ein Fahrzeug zu übernehmen, wie z. B. einen der zweibeinigen Kampfläufer AT-ST.

Der Kampf auf Hoth lässt einen den Schnee geradezu spüren.
Der Kampf auf Hoth lässt einen den Schnee geradezu spüren.

Moment, Powerups? Ja, anders als in der Battlefield-Reihe stehen die Fahrzeuge hier nicht am Spawnpunkt bereit, sondern erscheinen nur durch das Einsammeln der zufällig verteilten Powerups. Das macht die Kämpfe deutlich dynamischer, da jetzt nicht mehr die Hälfte des eigenen Teams in der Basis hockt und auf den Respawn eines Snowspeeders wartet, sondern tatsächlich aktiv in der Schlacht unterwegs ist. Aber leider lassen sich die Fahrzeuge durch den Zeitdruck der Powerups auch nicht taktisch sinnvoll verwenden. In einer Party mal eben als Team mit Fahrzeugen Jagd auf Feinde oder Missionsziele machen? Leider keine Chance. Dafür hat jeder die Möglichkeit den Kampf auch an Bord der Rebellen oder Imperium Artillerie zu erleben.

Training durch Yoda notwendig?

Wer sich am perfekten Sound statt gehört und an der, trotz Popups und Kantenflimmern, exzellenten Grafik satt gesehen hat, wird feststellen, dass das Rang-System bei weitem nicht so gravierende Auswirkungen auf das Spielgefühl hat und auch kaum Möglichkeiten zur Gestaltung der eigenen Spielweise bietet, wie es z.B. in der Call of Duty Serie vorgemacht wird. Zwar erhalten wir für bestrittene Matches Erfahrungs- und Creditpunkte, steigen im Rang auf und erhalten damit die Möglichkeit, uns weitere Ausrüstung oder Sternenkarten (Spezialfähigkeiten die mitgeführt werden können und mit einer Abklingzeit nach Benutzung versehen sind) zu kaufen, aber wozu? Die Waffen unterschieden weder optisch noch vom Handling groß voneinander und auf ein Klassensystem wurde, anders als 2004 und 2005, ebenfalls komplett verzichtet. Langzeitmotivation leider Fehlanzeige. Auch der Koop-Modus für 2 Spieler macht mit Überleben, in dem wir so lange wie möglich gegen ständig neue Feindeswellen kämpfen müssen sehr viel Spaß. Aber warum nur zu zweit? Und auch hier hat man, ähnlich wie in allen anderen Modi, sehr schnell alles getan und gesehen was die anderen Koop-Modi bieten.

Fazit

Eine wichtige Sache vorweg: wer mit Star Wars absolut nichts anfangen kann oder es bestenfalls toleriert oder einfach auch nur deshalb ins Kino gehen wird, weil der Partner oder die Kinder es wollen, ist hier ganz klar falsch. Finger weg heißt hier die Devise! Diese Menschen, die es wohl tatsächlich geben soll, können von der Wertung 1-1,5 Sterne abziehen. Shooterneulinge finden sich hier schnell zurecht. Wer also von den Lernkurven anderer Onlineshooter bisher abgeschreckt wurde und zu schnell aufgrund ausbleibender Erfolge gefrustet war, kann sich hier ohne Einarbeitungsaufwand in die Schlacht stürzen und dem Imperium oder den Rebellen ordentlich einheizen. Wer erstmal 20 Stunden online verbracht hat, hat nur leider im Grunde alles gesehen, mehrfach! Bleibt die Frage was künftige DLCs noch an Abwechslung, vielleicht sogar durch weitere Spielmodi oder der Ausdehnung auf die anderen Teile der Filmreihe, für das Gesamtbild des Titels tun können. Bewertbar ist das heute natürlich noch nicht. Überhaupt hat DICE hier ein absolutes Einsteigerprodukt entwickelt, was nicht schlecht sein muss und es auch bei weitem nicht ist. Es ist nur nicht so gut wie andere Titel im gleichen Genre und für erfahrene Spieler mangelt es einfach an der Langzeitmotivation. Dafür kommt man auch nach längeren Spielpausen schnell wieder rein ohne das Gefühl zu haben, die aufgebauten und wertvollen Skills verloren zu haben.

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