Rainbow Six: Siege im Test

Teamplay confirmed!

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Ego-Shooter ala Call of Duty, Battlefield und Battlefront haben einiges gemeinsam. Wir starten das Spiel, treten einer Spielsitzung bei und schießen mit Sturmgewehren, Handfeuerwaffen oder Blastern um uns. Egal ob wir dabei gut spielen oder nicht, es hängt alleine von unseren eigenen Fähigkeiten ab, ob wir die Tabelle anführen oder sie abschließen. Teamspiel ist je nach Spielmodus möglich, aber im Kern legen die oben benannten Spiele keinen Wert auf taktisches Vorgehen. Oder dass das Team verliert, wenn ein Teammitglied einen möglicherweise noch so marginalen Fehler macht. Komplett anders macht es da Rainbow Six: Siege. Der neue Shooter aus dem Hause Ubisoft setzt auf Teamplay und Kommunikation. Wer hier alleine mit der Brechstange durch die barrikadierten Wände vorstößt, wird sich schnell auf dem toten Boden der Tatsachen wiederfinden. Ob sich dieses frische Konzept in unsere Herzen schießen konnte, lest ihr hier bei uns im Test!

Taktisches Adrenalin…

Unsere ferngesteuerten Freunde flitzen über den Asphalt. Das Surren stimuliert unsere Ohren. In Absprache mit unseren Teamkollegen teilen wir uns auf, sausen ins Obergeschoss. Keine Spur von unseren Widersachern. Wir rollen weiter, von Ecke zu Ecke, plötzlich ein Rauschen. Ein Störsender manipuliert unsere Sicht, wir sind erledigt. Ein Kollege hat mehr Glück und markiert das Ziel. Der erste Sieg in dieser Runde, trotz des eigenen Versagens. Teamplay, das ist das Kernelement von Rainbow Six: Siege, selbst wenn wir nur einen kleinen Roboter über den Asphalt steuern. Wenige Minuten später. Montage rückt gemeinsam mit uns vor. Mit unserem Infrarotsensor blicken wir durch Wände, geben unserem Vordermann die Positionen der gegnerischen Einheiten vor. Doch da ist keiner und es ist still. Zu still. Plötzlich ein Knall, unser Mitstreiter fliegt nach hinten weg, eine Sprengfalle hat ihm das letzte Fünkchen Leben ausgehaucht. Neben uns explodiert eine Wand, es splittert Holz, eine C4-Ladung fliegt hindurch. Wenige Millisekunden zur Reaktion, wir springen zur Seite, die Explosionen trifft uns, doch wir kommen mit einem Kratzer davon. Reaktionsschnell wenden wir uns zum regulären Eingang um, eine schwarze Gestalt, Schüsse, Tod. Im gleichen Moment brechen unsere anderen Kollegen durch die Decke der Geiselnehmer, das Überraschungsmoment hat gefruchtet. Der Sieg ist unser.

Der Einsatz beginnt, das Team nimmt Stellung ein!

Simpel taktisch…

Dieser kurze Einblick in das Spiel zeigt bereits eindrucksvoll, was Rainbow Six: Siege so besonders macht, warum es sich abhebt von Call of Duty und co. und sich eher spielt wie Counter Strike: Global Offensive oder dem gefloppten Evolve: Taktik, Teamplay und Kommunikation. Drei Grundessenzen die zusammen den taktischsten Shooter 2015 auszeichnen. Dabei besteht Rainbow Six: Siege aus einem einfachen Grundprinzip: Fünf Terroristen befinden sich im Gebäude und halten eine Geisel fest, beschützen ihre Giftgasvorräte oder machen sich für die Zündung einer Bombe bereit. Dahingegen versuchen fünf Einheiten der sogenannten Regenbogen-Truppe in das Gebäude einzudringen und die Terroristen bei ihrer „Arbeit“ zu stören. Soweit so simpel. Das Grundprinzip wird allerdings noch durch einige Faktoren ergänzt. So können die Spezialeinsatzkräfte vorab die Gegend mit Drohnen ausspionieren und versuchen die Ziele zu finden. Dahingegen können sich die Terroristen innerhalb des Gebäudes verschanzen. Wände verbarrikadieren, Störsender auslegen, Sprengfallen setzen, Fenster verschließen, Bomben platzieren, Kameras anzapfen usw.. Dabei ist uns selten irgendeine kreative Blockade gesetzt.

Sledge mit dem Hammer!

Eine große Auswahl…

Nach jeder Runde wechseln wir die Seiten, so wird jedes Mal für Abwechslung und Unvorhersehbarkeit gesorgt. Für noch mehr Abwechslung sorgen die zahlreichen Operatives, die wir und unsere Teamkollegen zur Wahl haben. Insgesamt gibt es davon 20 Stück, 10 verschiedene auf beiden Seiten. Dabei unterscheidet sich jeder Operative durch individuelle Spezialfähigkeiten von den anderen. Sledge kann einfache Wände mit seinem Hammer zerstören, Smoke kann Giftgas über Granaten freisetzen, Thermite zerstört verstärkte Wände, Montage schützt uns mit einem Schild und Tachanka baut ein stationäres Geschütz auf, dass von jedem Teammitglied genutzt werden kann. Alle diese Klassen müssen übrigens erst einmal von uns einzeln freigeschaltet werden. Und an dieser Stelle gibt es zwei nicht unwichtige Schwierigkeiten. Zum Einen nimmt das freischalten der Klassen viel zu viel Zeit in Anspruch. Während wir den ersten Operative einer Fünfergruppe sehr schnell freischalten, dauert es für die anderen doppelt bzw. viermal so lange. Das ist für einige sicherlich noch kein Problem, allerdings greift an dieser Stelle das zweite Problem. So können alle Operatives mit Echtgeld gekauft werden. Mal abgesehen davon, dass Mikrotransaktionen weiterhin eine berechtigte Ablehnung erfahren, manipulieren die Entwickler hier das komplette Spielerlebnis. Das kosmetische Items gekauft werden können ist egal, aber Spielvorteile über Echtgeld zu erwerben ist überaus ungerecht!

Immer dieser Draht auf dem Boden!

Kommunikation ist das A und O…

Gut, jetzt haben wir eben beispielhaft geklärt, was fünf verschiedene Operatives für Fähigkeiten haben. Doch was macht Sledge gegen verstärkte Türen und was machen Montage oder Tachanka, wenn niemand ihnen den Rücken freihält? Hier liegt das Kernelement von Rainbow Six: Siege verborgen: Teamplay. Keine der Klassen kann alleine für sich das Match entscheiden, jede ist auf Teamkoordination und auf die eigenen Fähigkeiten ergänzenden Komplementäre angewiesen. Dabei wächst die Siegchance des eigenen Teams durch folgende Faktoren exponentiell: Erfahrung. Umso mehr wir Rainbow Six: Siege spielen, umso versierter werden wir im Umgang mit den verschiedensten Gadgets und Waffen routinierter. Kommunikation. Sowohl die Auswahl der Operatives, aber vor allem das Vorgehen selbst sollte über Headset kommuniziert werden. Wird beispielsweise ein doppelter Operative ausgewählt, bekommt der zu spät Gekommene nur den Rang eines Rekruten. Dieser ist in der Hand eines Experten durchaus fähig, allerdings besitzt er keine Spezialfähigkeiten. Damit ist diese Auswahl schlecht getroffen! Miteinander sprechen ist wie eingangs erwähnt vor allem auf dem Schlachtfeld von äußerster Wichtigkeit. Einzelgänger werden sicherlich auch einige Widersacher in die Knie zwingen, aber nur im Team kann man in der Theorie auf einen Sieg hoffen. Das Spiel blutet förmlich Taktik! Taktisch geprägt sind auch unsere Fortbewegungsmöglichkeiten. Wir können nicht nur rennen und laufen, sondern auch kriechen, uns um Ecken lehnen oder uns auf den Rücken drehen, um unseren Gegner aus der Froschperspektive zu überraschen. Zu guter Letzt ist vor allem die Mapkenntnis von besonderer Wichtigkeit. Insgesamt bietet Siege zehn verschiedene Einsatzgebiete. Einmal infiltrieren wir ein Flugzeug, ein anderes Mal eine deutsche Poststelle und wieder ein anderes Mal dringen wir in ein Wohnhaus ein. Die Karten sind vom taktischen Anspruch her sehr unterschiedlich. Vor allem die verschiedensten Eintrittsmöglichkeiten in das Gebäude sind von faszinierender Vielfalt. Dabei spielt vor allem Vertikalität eine besondere Rolle. Um den Zielraum zu erreichen, können wir über das Dach einsteigen, durch den Keller eindringen, von verschiedenen Seiten flankieren oder von draußen mit dem Scharfschützengewehr aufräumen. Oder wir zerstören kurzerhand Wände und sorgen so für neue Möglichkeiten.

Gleich gibt es eine große Explosion!

Zerstörungswut und K.I….

Apropos Zerstören! Zwar ist Rainbow Six: Siege grafisch nicht auf dem Niveau eines Call of Duty: Black Ops 3 oder Battlefield 4, aber vor allem die mutwillige Zerstörung von Wänden und anderen Objekten sieht optisch beeindruckend aus. An anderer Stelle läuft Siege seinen Genrekollegen aber den Rang ab. Soundtechnisch ist der Taktikshooter aus dem Hause Ubisoft nämlich eine Wucht. Schüsse, Explosionen und Bewegungen fügen sich mit ihrem Klang so wunderbar in das Spielgefühl ein, dass sie sogar taktisch eingesetzt werden können. So hören wir Schritte, Bewegungen, ein leises Piepen oder Schüsse und können diese genau einer Position zuordnen. Dadurch wirkt das Spiel unfassbar immersiv. Wer sich übrigens nicht so für Online-Duelle gegen fünf menschliche Widersacher interessiert, kann auch gegen fünf K.I.-Gegner antreten. Das fördert sowohl die Kenntnis der Maps, als auch die Erfahrung im Umgang mit den verschiedenen Operatives. Zumindest auf den leichtesten Schwierigkeitsgraden. Auf den Höheren werden sogar Profis gefordert, da die K.I. deutlich hartnäckiger verteidigt bzw. angreift. Alles in allem lässt sich aber festhalten, dass der Kampf gegen den Computer deutlich weniger Spaß macht und mit der Zeit trotz hohem Schwierigkeitsgrad komplett unterfordernd ist. Sie haben eben nicht den Vorteil der Kommunikation.

Fazit:

Rainbow Six: Siege ist ein Shooter, der sich wunderbar aus dem Einheitsbrei des Genres abhebt. Es ist kein hektisches Herumgelaufe notwendig, ein ständiges Sterben und Respawnen. Das Spiel ist um einiges langsamer und dadurch maximal taktisch. Dazu kommt eine große Auswahl an Operatives, die sich allesamt voneinander unterscheiden und so im Verbund mit anderen neue Möglichkeiten entfalten. Und selbst die Zerstörung der Umgebung sorgt in den schnell beendeten Matches für taktische Abwechslung. Taktik, Kommunikation und Teamplay, das sind die Schlüsselelemente von einem Rainbow Six: Siege. Wer keine Lust mehr auf CS: GO hat, findet hier eine sehr gute Alternative. Das Experiment von Ubisoft ist über alle Maßen geglückt!

Das neuste Rainbow Six: Siege! Was haltet ihr davon?

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