The Division im Test

Apocalypse now!

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Tom Clancy's The Division

Es ist Anfang März, der wundäugige Gamer starrt angespannt aus dem Fenster, die Straßenecke durchgehend im Visier. Das Klackern der Finger auf dem Fenstersims ist im ganzen Haus zu vernehmen. Kein Blinzeln, die Augen nahe der vollständigen Austrocknung. Seit Stunden den Blick nicht abgewandt, beobachtet der eifrige Gamer nun, wie ein Fahrzeug um die Ecke biegt. Ein gelb-rotes Fahrzeug. Ehe man sich versieht ist der Gamer auf seinen sonst so selten benutzten Beinen, eine Staubwolke hinter ihm. Hechtend bewegt er sich die Treppe runter, biegt um die Ecke und stellt sich stramm vor die weiße Holztür. Kalter Schweiß läuft ihm über das Gesicht, die Augen weit aufgerissen. Durch das Fenster zeichnet sich bereit der gelb-rote Umriss ab. Es klingelt, die Tür geht auf, das Paket wechselt den Besitzer, tierische Instinkte werden wach, Paketband fliegt und da ist es! The Division! Das Ende eines Leidens, das Ende einer Durststrecke von AAA-Titeln hat endlich ein Ende! Denn das ist der neueste, und von vielen Spielern heiß ersehnte Titel von Ubisoft definitiv. Ob das Spiel das einhalten kann, was der Status verspricht, lest ihr hier bei uns im Test!  

Optisch ist The Division ein einziger Augenschmaus!

Antlitz des Grauens

New York City ist eine wirklich schöne Stadt, zumindest normalerweise. Doch in The Division ist nicht viel von der bedeutenden Metropole übrig. Ein Pockenvirus hat den Großteil der Bevölkerung ausgeschaltet und es sind nur noch wenige Menschen übrig geblieben. Wie aus einschlägigen Endzeitszenarien bekannt ist in der Apokalypse nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Die Menschen zerfleischen sich gegenseitig, verschiedene Banden haben die Kontrolle über Manhattan übernommen und gieren nach immer größerer Macht. Glücklicherweise müssen wir natürlich noch unseren Platz in dieser Endzeit finden, und selbstverständlich sind wir nicht der Böse. Nein, wir sind der Held. Und nein, das ist keinesfalls übertrieben, wir werden von Anfang an zum Allretter der Infektion gemacht und begeben uns auf die Suche nach einem Heilmittel. Das bietet weder Tiefe, noch viel Identifikationsspielraum. Die Geschichte rund um unsere Suche nach dem Antivirus ist allgemein eher Nebensache. Bis auf die schick inszenierten Zwischensequenzen ist wenig Nahhaftes an der vor Pathos triefenden Geschichte. Glücklicherweise ist das ja nicht der Hauptfokus des Spiels, allerdings hätte ich den Geschichtsschreibern mit diesem unverbrauchten, tristen und beeindruckenden Setting einiges mehr zugetraut.

Schönheit düsterer Zeiten

Und dabei steht uns das zerstörte Manhatten vollständig offen. Überall liegen Müllberge herum, oder schlimmer noch, Leichenberge. Wir manövrieren uns von Quarantäne-Zone zu Quarantäne-Zone, von Wohnkomplex, über die U-Bahn bis hin zu einem Kaufhaus. Toll ist, dass sich einige Straßenzüge optisch von anderen unterscheiden. An der einen Kreuzung erkennen wir ganz genau, dass die Müllabfuhr hier sehr lange nicht mehr vorbeigekommen ist. Müll wohin das Auge reicht. Ein paar Straßen weiter hingegen könnte man meinen, dass alles normal ist. Autos stehen da wo sie stehen soll, kein Müll, nur die Leichen stören etwas das Gesamtbild der heilen Welt. Und alles schreit gleichzeitig „Komm zu mir und sie mich genauer an!“, denn optisch kann das Spiel so einiges. Von den Müll verdreckten Straßenzügen bis hin zu weitläufigen und detailliert ausstaffierten Innenräumen über grandiose optische Schneesturm-Raffinessen. Schauen wir uns das Spiel an, sieht es einfach nur sehr, sehr gut aus. Trotz erneut deutlich erkennbarem Downgrade!

Von Deckung zu Deckung, wäre da nur nicht dieses leidige Trefferfeedback!

Unschöne Treffer…

So. Nun aber zum eigentlichen Spielgeschehen. Der schwedische Entwickler Massive beschäftigt sich nach Echtzeit-Strategiespielen wie World in Conflict nun zum ersten Mal mit einem Deckungsshooter. Wir bringen unseren Protagonisten also per Knopfdruck an die Deckung und schießen anschließend über selbige hinweg. Was an dieser Stelle sofort ins Auge fällt: Wir können keinen einzigen Schuss abgeben ohne aktiv dabei zu zielen. Ungenaues Feuer über die Küchentheke ist somit nicht möglich. Warum das skandinavische Entwicklerstudio diesen Weg eingeschlagen hat, ist mir persönlich nicht ganz klar. Nach etwas Eingewöhnungszeit vermissen wir den ohnehin munitionsfressenden Schuss ohne Zielen aber sowieso nicht mehr. Ja wir schießen in The Division und das nicht zu wenig. Da ist es natürlich nur allzu logisch, dass vor allem der Shooter-Aspekt einer genauen Betrachtung unterliegt. Spannung erzeugen die zahlreichen Deckungswechsel allemal, individuell geprägt durch unsere dreiteilige Waffenauswahl, die es uns ermöglicht auf unterschiedliche Situationen zu reagieren. Dabei fällt uns aber schnell ein sehr großer Makel gegenüber anderen namenhaften Shootern auf: Das Trefferfeedback. Wo in Destiny jeder Treffer seine Wirkung zeigt, vor allem bei kritischen Treffern der Gegner taumelt, fühlt sich jeder Treffer in The Division unfassbar unbefriedigend an. Im Gegensatz zu Call of Duty und anderen Konsorten stirbt ein Feind nämlich nicht nach einem gezielten Kopfschuss, sondern verträgt einen ganzen Kugelhagel. Doch es gibt dabei zwei schwerwiegende Probleme: Zum einen lösen Kopftreffer keine merklichen Bewegungsprobleme beim Gegner aus, kein Taumeln oder Stolpern. Zweitens reagieren die feindlichen Soldaten meistens gar nicht auf den auf sie niederprasselnden Kugelhagel oder tun dies zeitverzögert. Das ist nicht nur überaus frustrierend, sondern wird mit der Zeit auch übermäßig eintönig, da jeder Tod gleich aussieht. Dazu kommt noch etwas: Deckungen sind in The Division nicht zerstörbar. Nicht nur, dass das zu Zeiten von realistisch zersplitternden Wänden und berstenden Betonblöcken überaus unmodern ist, nein, auch die Glaubwürdigkeit der Spielwelt leidet zu jeder Zeit darunter. Selbst die dicksten Geschosse eines unseren aufstellbaren Geschütze dringt nicht durch die Wände der zahlreichen Wohngebäude, keine Granate bringt die Wand vor uns zum Bersten. Schade!

Im Team durch The Division…

Und dabei macht es doch so viel Spaß, die bei weiten Strecken gute künstliche Intelligenz mit Kugeln einzudecken. Vor allem wenn man dabei nicht alleine durch die verschneiten Straßen von Manhattan streifen muss. Denn seien wir mal ehrlich: Der eifrige Käufer und sicher auch der Kerl aus dem Intro dieses Textes kauft sich das Spiel sicherlich nicht, um per Einzelspieler durch die Welt zu streifen. Shared World ist das Spielprinzip und genau so sollte The Division auch gespielt werden. Vor allem wenn die Gegner auf den höheren Schwierigkeitsgraden ordentlich an Leben, Intelligenz und Ausdauer dazugewinnen, wird unser 4 vs. Unendlich zunehmend auf die Probe gestellt. Dann werden die Gefechte überaus unterhaltsam. Zahlreiche Positionswechsel fördern die Bewegung, Absprachen sorgen für den hohen taktischen Anspruch. Und mit viel unterschiedlichem Waffenarsenal kommt auch die Abwechslung in den Gefechten selten zu kurz. Und wenn die Abwechslung dann doch einmal zuneige geht, begeben wir uns einfach in die Dark Zone.

Im Team lässt The Division seine Muskeln spielen!

Dunklere Zone…

Die Dark Zone ist ein von den anderen Bereichen Manhattans abgekapselter Bereich, in dem zum Zeitpunkt unseres Eintreffens absolutes Chaos herrscht. Die Dark Zone ist, wie der Name schon sagt, der düsterste Ort in  Manhattan, der Ort, an dem die Infizierten nach dem Ausbruch der Epidemie eingepfercht wurden. Es klingt unromantisch, ist es aber gar nicht! Was die Dark Zone umso attraktiver macht ist, dass dies der einzige Ort ist, an dem wir auf menschliche Spieler treffen können. Hier wartet also die richtige Herausforderung auf uns! Und Massive hat sich hier etwas ganz Besonderes für uns Spieler ausgedacht. So streifen wir nicht konventionell durch die Dark Zone nach dem Prinzip: Ich suche mit einen Gegner und kämpfe mit ihm auf Leben und Tod. Das PvP in The Division ist deutlich tiefgründiger. So haben wir nach dem absichtlichen Erschießen eines anderen Spielers zwar seinen Loot. Allerdings werden wir anschließend mit einem Kopfgeld versehen und was noch viel wichtiger ist: Wir werden für alle anderen Spieler auf der Karte als Killer enttarnt. Und somit werden wir auch eine leichte Zielscheibe für alle anderen Agenten in der Dark Zone. Denn diese können uns dann mit Erlaubnis töten. Und der Tod bringt noch einige Nachteile mit sich: Wir verlieren nicht nur die gesamte, in dieser Spielsitzung gesammelte Ausrüstung, sondern werden auch noch einige Erfahrungsstufen nach unten gesetzt. Jetzt können wir an dieser Stelle mit gutem Grund fragen, warum es sinnvoll sein sollte, andere Spieler zu töten und zu berauben, wenn das Risiko dabei so hoch ist? Dafür gibt es aber zwei Gründe: Zum einen ist der Loot, den wir aus der Dark Zone erhalten, der beste, den wir im gesamten Spiel erhalten können.  Zum anderen bietet die Jagd nach menschlichen Spielern den ganz besonderen Reiz von The Division, zumindest wenn wir die Spannung, die dabei entsteht, aushalten können. Denn sind wir erst einmal für jeden anderen Agenten sichtbar, setzt die Paranoia ein, ob alleine oder gemeinsam mit seinem Team. Ständiges Umdrehen, das Sondieren der Seitengassen und ein schneller Fußmarsch als gewöhnlich sorgen für adrenalingeladene Minuten. Haben wir dann endlich den Abholpunkt erreicht, ist die Zeit für Ruhe noch nicht gekommen. Erst einmal müssen wir auf die Abholung unseres Inventars warten, und in dieser Zeit kann alles passieren. Das macht die Kämpfe an den Abholpunkten zu den spannendsten im ganzen Spiel. Trotzdem: Adrenalin schön und gut, aktuell überwiegen noch die negativen Auswirkungen des Todes die positiven Eigenschaften der erfolgreichen Abholung. Deshalb werden wir als Spieler noch sehr selten in der Dark Zone angegriffen. Zumindest, wenn es um andere menschliche Spieler geht, die Terroristen, Banden und Gangs in der Dark Zone machen sich nichts aus negativen Folgen ihres Angriffs. Und selbst diese sind deutlich stärker, als in den „normalen“ Umgebungen Manhattans. Daher sollten wir auch erst mit höherem Level einen ersten Versuch starten, in der Dark Zone Fuß zu fassen.

Monotonie…

Das hört sich doch alles ziemlich gut an. Aber was machen wir, wenn wir den Maximallevel von 30 erreicht, die gut 25 Stunden lange Story abgeschlossen haben und auch die Dark Zone irgendwann an Reiz verliert? Wir können unsere Basis ausbauen, die sich mit der Zeit immer mehr mit Leben füllt. Und dann? Ja dann geht dem Spiel die Puste aus. So sehr es am Anfang Spaß macht die arme Bevölkerung am Wegesrand mit Nahrungsmitteln oder anderen Gütern zu versorgen, so nützlich es am Anfang ist, Medizinkisten, Munitionskisten und Waffenkisten zu plündern, so unwichtig wird dies im Laufe der Zeit. Für mehr Motivation und bessere Ausrüstung müssen wir wohl noch einige Zeit warten, denn Ubisoft hat einiges an Nachschub für The Division angekündigt. So soll es zwei kostenlose und drei kostenpflichtige Inhalte für den Shared World-Shooter geben, die vermutlich für das Endgame neuen Input bieten werden. Viel ist an dieser Stelle aber noch nicht bekannt, auch nicht ob der Content die Spieler nach Abschluss nochmal an die Konsolen ziehen wird.

Sooo viele Möglichkeiten uns von anderen zu unterscheiden!

Individualität…..

Apropos Ausrüstung! Davon finden wir schließlich einiges im Spiel, aber nicht alles davon ist gut. Es ist eher so, dass unsere gefundene Ausrüstung mit unserem Level steigt, daher verlieren wir schnell das Interesse an niedrig gelevelten Ausrüstungsgegenständen. Das ist soweit normal. Das wir aber unglaublich viele Modifikationsmöglichkeiten für unsere Waffe haben, das ist gar nicht so üblich. Mit den fünf Bereichen Outfit (optische Änderungen), Magazin (u.a. erhöhte Feuerrate oder mehr Munition), Unterlauf (u.a. Stabilität und Zielgenauigkeit), Optik (u.a. Zielgenauigkeit und Reichweite und Mündung (u.a. Zielgenauigkeit) bekommen wir sehr viele Möglichkeiten, unsere Waffen zu individualisieren. Das geht weit über die Anpassungsmöglichkeiten bei Destiny hinaus. Und auch unsere Rüstung kann nach unseren Wünschen gestaltet werden. So können wir uns etwas mehr gegen Feuerschaden schützen, unseren Rüstungswert verbessern oder unsere sekundäre Fähigkeit verstärken oder deren Abklingzeit verringern. Die Bastelei macht Laune und sorgt für viele kreative Möglichkeiten! Aber Massive macht nicht bei den Waffen halt, wenn es darum geht für viel Individualität zu sorgen. Auch unseren Agenten können wir nach eigenem Ermessen umgestalten und an unsere Bedürfnisse anpassen. Zwei von vielen unterschiedlichen Fähigkeiten stehen uns während unserer Einsätze zur Verfügung. Beispielsweise können wir auswählen, ob wir uns eher auf einen Heiler spezialisieren wollen, der eine Heilbank aufstellen kann, oder der Tank sind, der mit Geschützen oder Haftgranaten umgehen kann. Super ist, dass wir während des Spielverlaufs unseren Charakter entwickeln können und nicht direkt zu Beginn auswählen, ob wir eher der Damage Dealer oder der Healer im Hintergrund sind. Wem übrigens die Klamotte seines Charakters nicht gefällt, kann diese durch massig Alternativen ersetzen, die aber anders als die Rüstung, keine Werteänderungen mit sich bringen.

Abschließend wird festgestellt: es wird eintönig, aber bis dahin macht es unfassbar Laune!

Fazit

Ja, The Division geht am Ende die Puste aus, wenn unsere Ausrüstung nicht mehr besser werden kann und die Dark Zone zu wenig Abwechslung bietet. Aber bis man da angekommen ist, hat das Spiel aber gut und gern 50 Spielstunden gefressen. Und das nicht ohne Grund. Atmosphärisch, dazu gehören sowohl die tolle Optik, als auch der gut abgemischte Sound, ist The Division trotz Downgrade auf einem sehr, sehr hohen Niveau. Abwechslunsgreiche Straßenzüge, fabelhaft inszentierte Schneestürme, da kommt durchaus ein Gefühl der Beklemmtheit auf. Schließlich suchen wir nach einem Heilmittel für die Seuche, die die Bevölkerung daniedergerafft hat. Als typischer Held, natürlich, aber das stört weniger als gedacht. Schließlich gibt es zahlreiche Individualisierungsmöglichkeiten für unseren Charakter, mit dem wir unseren Helden von anderen abheben können. Dazu kommen Ausrüstungsupgrades en masse. Ja das hört sich alles sehr gut an, doch The Division einen Punkt, in dem nur Mittelmaß herrscht: Der Shooteraspekt. Schlecht ist er nicht, doch er hat einige Makel: Schwammiges Trefferfeedback und keine zerstörbare Deckung. Beides haben wir an anderer Stelle schon deutlich besser gesehen, vor allem letzteres ist mit persönlich nicht zu erklären. Dahingegen kann zumindest die K.I. einiges und wenn es nicht alleine sondern im Team in das verschneite Manhattan geht, kommt neben Teamgefühl auch eine gute Portion Spannung auf. Wir sind gespannt, was die DLCs in Zukunft für The Division bereithalten und vor allem wie viel Scheine Ubisoft dafür haben möchte. Aktuell herrscht Monotonie, aber bis dahin, macht The Division einiges richtig.

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