Battleborn im Test

Geboren um zu Kämpfen!

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Mensch! MOBA’s sind doch ganz lustig. Ob Dota, League of Legends oder Heroes of the Storm: Mobile Online Battle Arenas erfreuen sich einer Vielzahl an Spielern und haben sich bereits im Spielmarkt mehr als nur solide etabliert. Gefühlt einhundert Charaktere mit individuellen Stärken und Schwächen, bei jedem Spielstart geht’s von vorne los, Bot Lane, Mid Lane, Top Lane werden besetzt, Teamplay steht an Tagesordnungspunkt Nummer 1. Aber die Charaktere sind so klein! Das zumindest könnten sich die Entwickler Gearbox von [amazon text=Battleborn&asin=https://www.amazon.de/Take-2-B608935-Battleborn-Xbox/dp/B00LVU7YIO/ref=sr_1_1_twi_gam_4?ie=UTF8%26qid=1474054870%26sr=8-1%26keywords=battleborn]gedacht haben, die mit ihrem neuen MOBA ganz neue Wege einschlagen wollen. Es geht nämlich von der Top Down-Perspektive in die Ego-Sicht ala Call of Duty und co. Wie sich der MOBA-First-Person-Shooter schlägt, lest ihr hier bei uns im Test!


 

 

MOBA-First-Person-Shooter….

Bitte was hat er gesagt? Ja genau! MOBA-First-Person-Shooter heißt die Divise. Ähnlich wie im noch ausstehenden Overwatch aus dem Hause Blizzard schlüpfen wir in Battleborn in die meist außerirdische Haut von insgesamt 25 verschiedenen Helden. Schlüpfen ist hier tatsächlich Programm, wir blicken also nicht auf unsere Protagonisten herab, sondern werden der Held persönlich. Sichtbar sind uns dadurch im Großteil des Spiels nur Arme und Waffen unseres Helden. Diese begeben sich gemeinsam mit ihren Fraktionen auf den Planeten Solus. Dies ist im aktuellen Universum der einzige Planet, auf dem noch halbwegs ordentliches Leben möglich ist. Der Rest des Universums wurde bereits von einer mysteriösen Finsternis verschlungen. Ein Planet für mehrere Parteien? Das riecht nicht nach Friede, Freude, Eierkuchen, sondern nach Krieg! Tiefgründiger wird es in der Geschichte von Battleborn nicht, dass war aber auch nicht zu erwarten. Schließlich hat die Konkurrenz mit anderer Perspektive auch keine faszinierende Handlung zu bieten. Dennoch können wir den Wettkampf um den Planeten auf verschiedene Art und Weise erleben. Entweder spielen wir Battleborn alleine, im Koop oder schließen uns einem 5 vs. 5-Match im Multiplayer an.

Toby vs. Roboterspinne!

Kampagnen-Schnetzeln…

Werfen wir zuerst einen Blick auf die Kampagne. Die Kampagne von Battleborn erstreckt sich über acht nacheinander abzuarbeitende Story-Missionen, in denen wir bereits allerhand unterschiedliche Helden spielen können. Der Sturmgewehr-tragende Oscar Mike, der sich tarnen oder mit Granaten um sich schmeißen kann. Der breitschultrige Montana, seines Zeichens Tank, Thorn, die naturbewusste Bogenschützin, die uns etwas an Fran aus Final Fantasy XII erinnert oder der blutrote Schwertkämpfer Rath. Alle 25 Helden bekommen wir in der Kampagne leider nicht zu spielen, dennoch erhalten wir bereits einen guten Einblick in die verschiedenen möglichen, überaus abwechslungsreichen Kampfstile. Vom Nahkämpfer, zum Fernkämpfer, zum Tank bis hin zum agilen Supporter und Heiler. Darüber hinaus sind die Kampfstile für den Spieler individualisierbar. Mit jedem der insgesamt 10 Levelaufstiege bekommen wir einen neuen Fähigkeitenpunkt, den wir nun frei auf eine von zwei verschiedenen Fähigkeiten verteilen können. Wichtig ist: Haben wir uns für eine Fähigkeit entschieden, kann dieser Vorgang nicht wieder rückgängig gemacht werden. Dennoch können wir zu Jederzeit frei zwischen beiden, als Fähigkeitenbäume dienenden Helix-Strängen (die optische Orientierung an einem DNA-Strang ist hier nicht von der Hand zu weisen) wählen. Und nun? Wir sind Level 10 und haben die Story-Mission erfolgreich beendet. Das lief doch alles gut, aber wenn es doch nur bis Level 10 geht, was mache ich jetzt? Ebenso wie in LoL oder HotS werden die Stufen nach jedem Match zurückgesetzt und wir beginnen wieder von vorne. Spieler die sich auch bei den Kollegen aus der Top Down-Perspektive mit diesem Spielprinzip nicht anfreunden konnten, werden auch hier keine Motivation an dieser Variante finden. Fans hingegen fühlen sich direkt wie zuhause und freuen sich auf blitzschnelle Levelaufstiege mit dem Wissen, jedes Match von vorne beginnen zu müssen. So gelangen wir schnell an neue Fähigkeiten, schalten eine zusätzliche Spezialfähigkeit frei und sorgen mit dem Öffnen verschiedenster Behälter für temporäre passive Boni. Aber zurück zur Kampagne. Alle acht Storymissionen  nehmen allerhand Zeit in Anspruch, zumindest wenn wir alleine als Held gegen die zahlreichen Widersacher in die Schlacht ziehen. Battleborn ist auf Mehrspieler-Action ausgelegt, dass merken wir an allen Ecken und Enden. Ein Beispiel: In jedem der Storymissionen treffen wir auf kurz oder lang einen Bossgegner. Mal abgesehen davon, dass diese sich kaum bis gar nicht von ihrer Herangehensweise unterscheiden, sind die Kämpfe stark abhängig von der Anzahl attackierender Helden. Sind wir in einem 5er-Team unterwegs, ist der Kampf schnell und sauber erledigt. Alleine hingegen wirkt der Bosskampf meist wie ein überflüssiges Übel. Ständige Regenerationsfähigkeiten, plötzliches Verschwinden oder das Suchen einer neuen Schwachstelle sorgen für eine langatmige und zähe Angelegenheit. Würde es wenigstens etwas Abwechslung im Kampf geben. So wird der Kampf gegen Bosse aber mehr und mehr zur ungeliebten Pflichtaufgabe.

Battleborn spielt durchgehend in der Ego-Perspektive!

Symbiose, Heldenflut, Team statt Solo…

Im Team hingegen lässt Battleborn nicht nur in Bossfights die Muskeln spielen. Wenn alle Helden ihre Fähigkeiten mit einander kombinieren, entsteht eine durchaus taktisch aufgeladene, optisch eindrucksvolle Symbiose ihrer Kräfte. Erfreulicherweise kommt noch dazu, dass wir in den Missionen nicht nur von A nach B laufen, sondern unterschiedlichen Missionszielen nachkommen. Einmal beschützen wir einen Sektor vor feindlichen Truppen, ein anderes Mal statten wir eben diesen Bereich wieder mit Geschützen aus und eskortierten anschließend einen Begleiter in dieses Gebiet. Spektakulär ist anders, das ist klar, aber dennoch sind unterschiedliche Herangehensweisen einer Erwähnung wert. Eskorte meint dabei natürlich, dass wir dabei keinesfalls unbehelligt blieben, sondern wir erwehren uns währenddessen tatkräftig den einfallenden Widersachern. Diese erstrecken sich von normalen kleinen Minions, bis hin zu gepanzerten Einheiten, über riesige Zwischenbosse bis hin zu den bereits erwähnten Endbossen. Umso stärker wir werden, umso stärker werden auch unsere Feinde. Wie beim Vorbild! Das ist selbst auf den normalen Schwierigkeitsgraden eine Herausforderung. Schnell merken wir auch hier im Solomodus, dass der Spaß meist auf der Strecke bleibt. Zu eindimensional, eintönig und manchmal auch zu knifflig bleibt der Kampf und der damit verbundenen Angst nicht zu sterben. Alleine hat man zudem nicht den Luxus, nach seinem Tod wiederbelebt zu werden, sondern verbraucht sofort eines seiner wertvollen Leben. Das trägt nicht unbedingt zur Motivation bei. Warum? Ist die Anzahl unserer Versuche für das Abschließen des Levels aufgebraucht, müssen wir alles wieder von vorne beginnen. Und es dürfte keine Überraschung sein, dass dies bei den zähen Bossfights und langatmigen Solo-Schnetzeleien keine Freudensprünge versucht. Checkpoints sind nämlich nicht dafür da, dort nach mehrfachem Tod den Level wieder beginnen zu können, sondern dienen nur dem sofortigen Wiedereinstieg innerhalb eines Matches. Frust ist an dieser Stelle vorprogrammiert! Aber, ich wiederhole, nur wenn wir ganz alleine in den Kampf ziehen.

Farben – und Effektvielfalt! Gearbox am Werk!

Teamplay, Effekte und Ausrüstung…

Mit Kollegen hingegen sorgen wir mit ausreichender Kommunikation für sofortige Wiederbelebungen und arbeiten uns so immer weiter vor bis zum Abschluss der Mission. Multiplayer ist hier mehr als nur zu empfehlen, es gibt keinen Nachteil! Selbst wem die Übersichtlichkeit in den ersten Matches noch abhanden zu gehen scheint, wird schnell feststellen, dass trotz riesiger Gegnerhorden, zahlreichen Effekten und optischen Einflüssen alles mit etwas Übung durchschaut werden kann. Hilfestellung leistet hierbei auch die Minikarte, die mit allerhand Markierungen und Symbolen für ausreichend Übersichtlichkeit sorgt. Apropos Effekte und optische Einflüsse. Gearbox Mitarbeit an Battleborn kann nicht im Geringsten geleugnet werde. Wer Borderlands kennt, weiß wovon ich rede. Spätestens wenn wir nach einem gelungenen Sieg gegen einen Boss oder einen anderen Spieler einen unserer charismatischen und humorösen Taunts ausführen, ist die Sache glasklar. Diese schalten wir übrigens mit einem bestimmten Level und einer bestimmten Tätigkeit frei. Grafisch mag Battleborn keine Maßstäbe setzen, dennoch bleibt der Charme des Cel-Shading Look der Unreal Engine 3 gegeben, vor allem wenn imposante optische Fähigkeiten den Bildschirm pflastern. Technisch bleibt der MOBA-Shooter dabei jederzeit stabil, auch die Online-Performance überzeugt auf ganzer Linie. Umso länger wir uns übrigens im Spiel herumtreiben, umso mehr Belohnungen und Ausrüstungsgegenstände können wir freischalten. In der Kommandozentrale können wir uns mit diesen neu einkleiden. Die Sammelei ist vergleichbar mit den Skins aus CSGO. Schön ist, dass wir Ausrüstungsgegenstände, die wir nicht mehr brauchen können, auch bei nächster Gelegenheit für einen Batzen Credits verscherbeln können.

Im Modus Schmelze opfern sich unsere Roboter, um uns den Sieg zu bringen.

Multiplayer, Koop und zu wenig Karten….

Deutlich mehr Ausrüstung und auch noch einmal deutlich mehr Spaß macht indes der Multiplayer des Spiels. Hier gibt es insgesamt drei verschiedene Spielmodi: Capture, Schmelze und Überfall. Capture ist dabei der simpelste der drei Modi. Ähnlich wie in Domination oder anderen Konsorten geht es hier darum, drei verschiedene Stellungen einzunehmen und diese zu halten. Umso mehr Stellungen unserem Team gehören, umso mehr Punkte bekommen wir. Wer das Punkteziel als erstes erreicht, gewinnt. Dabei geht die Party oft nur bei einem der drei Punkte ab, zwischendurch entdecken wir aber jemanden, der versucht schleichend die anderen Punkte einzunehmen. Aufgrund von wenigen Minions und dem bekannten Spielprinzip ist dies allerdings der schwächste der drei Spielmodi, dient Einsteigern aber sicherlich dazu mit den Charakteren und der Steuerung warm zu werden. Mehr Minions als in Capture gibt es in Schmelze. Rettung der kleinen Roboter ist allerdings nicht angesagt, vielmehr ist es unsere Aufgabe, so viele unserer Helferlein zu verschrotten. Dazu eskortieren wir sie über die Karte zu den feindlichen Schmelzen, in denen unsere tapferen Freunde ihren metallischen Tod finden. Aber zu einem guten Zweck! Wer als erstes das Punktelimit erreicht, gewinnt. Bei der Hälfte werden die Schmelzen an anderer Stelle platziert. Der Schmelze-Modus bietet eine gute Abwechslung zwischen Verteidigen und Angreifen und ist deutlich stärker auf Teamkoordination angewiesen als Capture. Teamkoordination brauchen wir auch in Überfall. Hier kehren wir auch wieder zurück zu den Wurzeln eines MOBA. Unser Ziel sind zwei Roboter unseres Feindes, einer in der Mitte der Karte, der andere am Ende. Dabei müssen wir Minions und menschliche Gegenspieler ausschalten und versuchen, unsere Feinde zuerst auszuschalten. Dabei helfen uns neben unseren Minions auch Leibeigene, die wie im großen Vorbild in Camps auf den Seiten lauern. Besiegen wir diese, helfen sie uns im Kampf. Mit all diesen Möglichkeiten und all diesen Helden bietet uns Battleborn viele abwechslungsreiche Multiplayer-Gefechte. Was hingegen etwas schade ist, ist trotz großer Heldenvielfalt die Auswahl der Karten. Pro Modus gibt es da ausschließlich zwei Varianten, insgesamt sind es also sechs. Das ist überaus mager, trotz Größe der Karten. Wer übrigens gar keine Lust hat online mit fremden Spielern in den Kampf zu ziehen findet eine heutzutage sehr seltene Auswahlmöglichkeit: Den Split-Screen-Modus. Zwar können wir „nur“ zu zweit in den Kampf ziehen, das reicht aber vollkommen aus. Alleine das Vorhandensein dieses Modus ist Gold wert. Dabei bleibt die Bildrate meistens stabil, nur selten gibt es Einbrüche in der Bildrate. Vier Leute auf einem Bildschirm wären übrigens überaus kompliziert bzw. wären stark abhängig von der Größe des Bildschirms. Mit all diesen Effekten, Farben, Explosionen und dem hohen Tempo wäre Übersichtlichkeit vorprogrammiert. Zwei Spieler vor einem Bildschirm sind da vollkommen ausreichend.

Zahlreiche Helden geben alles!

Fazit:

Battleborn setzt neben dem bald erscheinenden Overwatch auf eine ganz neue Marke: MOBA-First-Person-Shooter heißt das Ganze. Dabei ist Battleborn mehr Shooter, und ein durchaus solider, als ein MOBA. Doch die Einflüsse lassen sich nicht von der Hand weisen. Zahlreiche Charaktere mit unterschiedlichem Fähigkeiten-Portfolio, wiederkehrendes Leveln, unterschiedliche Lanes, Minions usw. Alles Aspekte sind bekannt. Alles Aspekte die auch Battleborn gut umsetzt. Vor allem die Heldenvielfalt ist fantastisch und spiegelt wie schon bei Borderlands die kreative Ader der Entwickler wieder. Mit charismatischen Taunts als Highlights! Super! Das wir zwischen Solo, Koop oder Multiplayer wählen können ist ebenfalls toll, obwohl wir alleine nicht das komplette Potenzial des Spiels erfahren können. Vor allem in einem Team aus fünf Mitgliedern macht das Spiel Laune. Effektfeuerwerk inklusive. Schade ist, dass die Kampagne selten spannend ausfällt und das die Kartenanzahl auf gerade einmal sechs begrenzt ist. Wenn da noch etwas nachgeliefert wird, kann Battleborn sicher auch Zweifler überzeugen. Wer gedacht hat Battleborn wird kein Konkurrent für Overwatch aus dem Hause Blizzard, der wird eindeutig eines besseren belehrt. Battleborn hat seine Macken, ist aber ein solider bis sehr guter Einstieg in das neue Crossover-Genre.

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