Homefront: The Revolution im Test

Die Revolution beginnt erneut!

0
183
Vor...

Shooter, vor allem Ego-Shooter gibt es wie Sand am Meer. Gab es auch schon, als THQ mit Homefront vor fünf Jahren einen neuen Shooter auf den Markt brachte. Das vereinte Korea, so unlogisch das in realistischen Augen klingen mag, greift das wirtschaftlich geschwächte Amerika an. So weit so innovativ! Das Setting unverbraucht, die Atmosphäre dicht und der Multiplayermodus durchaus spaßig. Das Spielprinzip allerdings zu ähnlich mit dem von Call of Duty. In diesem Jahr können wir wieder auf Seiten der US-amerikanischen Rebellen gegen die Koreaner in den Kampf ziehen. Wie sich Homefront: Revolution dabei schlägt und ob es seine Sache besser macht als das durchaus solide Homefront, lest ihr hier bei uns im Test!

Dunkle, leicht unrealistische Tage….

Zwei Jahre nach den Ereignissen in Homefront  hat die koreanische Armee den größten Teil der USA eingenommen, besetzt oder zerstört. Grauenvolle Tage sind für die US-amerikanische Bevölkerung angebrochen, voll von Leid und Chaos. Überall laufen Patrouillen der nordamerikanischen Soldaten herum auf der Suche nach Revolutionären. Denn da, wo Leute unter einem diktatorischen Regime leiden, gibt es auch immer die die sich auflehnen und für die Freiheit ihres Volkes kämpfen. So auch vorhanden in Homefront: The Revolution. Der Name des Spiels gibt es ja schon her…. Doch zu Beginn des Spiels kommt es noch schlimmer für die Rebellen, als es eh schon ist. Benjamin Walker, Held der Revolution und spielbarer Charakter im ersten Homefront wird von den nordamerikanischen Truppen gefangen genommen. Moralverlust für die Rebellen inklusive! Es braucht also einen neuen Helden, und als solcher stellen wir uns natürlich gerne zur Verfügung. Ethan Brady heißt der gute Mann und ist einer von zahlreichen Persönlichkeiten hinter den Aufständischen in Philadelphia. Diese als charismatisch zu bezeichnen wäre eine Lüge, allzu schlimm fallen die Charaktere aber nicht aus. Es fehlt aber deutlich an einem Hauptantagonisten, zu selten können wir den Feind wirklich an einer Person festmachen. Dafür streiten sich die Aufständischen aber genug untereinander. Zuviel angestaute Wut in einer Gruppe muss zwangsläufig negative Folgen haben. Und so wird uns hier ein Kriegsszenario mit internem Zwist, Verrat, verbalen und körperlichen Meinungsverschiedenheiten, Leid, Tod und unfassbar viel Pathos serviert. Das hört sich alles sehr vertraut an, als hätte man ein bekanntes Rezept nur noch einmal aufgekocht zubereitet.

Amerika im Chaos
Tod und Chaos in Philadelphia!

 

Homefront mit Ampel…

Die erste gravierende Änderung ist, dass wir in Homefront: The Revolution nicht mehr linear von Level zu Level geführt werden, sondern das uns eine offene Spielwelt für die Erkundung zur Verfügung steht. Ganz Mainstream also! Diese Spielwelt ist nicht durchgehend miteinander verbunden, sondern besteht aus verschiedenen Gebieten, die jeweils ebenfalls noch einmal in Zonen eingeteilt sind. Damit wir wissen worauf wir uns in dem jeweiligen Gebiet einlassen, gibt es drei verschiedene Farben, die uns als Orientierung dienen: In roten Gebieten finden wir das meiste Chaos vor, der Zutritt in diese Gebiete ist strikt untersagt. Positiv für uns: Hier gibt es deutlich mehr Freiheitskämpfer als in den anderen Gebieten. Zusätzlich gibt es noch gelbe und grüne Bereiche. In gelben Bereichen lebt die Bevölkerung, strengstens bewacht durch die Truppen der koreanischen Armee. Auf den Straßen wird ständig patrouilliert, Drohnen schwirren durch die Luft, Goliath-Panzer befahren die engen Straßen. Dennoch haben sich viele mit ihrer Situation abgefunden, hier lässt es sich gerade so leben. Grün steht für Stützpunkte der KVA, wie die Werft oder das Rathaus. Das hört sich alles schon einmal gut an, die Geschichte rund um Befreiung und Heldenrettung spielt sich allerdings viel zu belanglos und vorhersehbar. Ähnlich geht es auch den Missionen an sich. Zwar passt der Großteil der Mission zu dem Guerilla-Szenario, was bedeutet das wir auch viel leise Infiltrieren und nicht die ganze Zeit wilde Schusswechsel mit der KVA austragen, vieles wird aber zu durchschnittlich inszeniert und bietet wenig Überraschungen. Vor allem dank des immer noch unverbrauchten Settings wäre hier deutlich mehr drin gewesen.

Nebenbei sammeln, Waffen, Gadgets, Mammon…

Wo die Story nicht so recht zünden will, kann vielleicht das Drumherum punkten. Es gibt auf jeden Fall einiges an Nebenaufgaben, die wir in Philadelphia absolvieren können. So können wir feindliche Stützpunkte einnehmen, Widerstandposten verteidigen und Sendemasten einnehmen. Ähnlich wie bei Ubisoft bringt uns das Absolvieren dieser Aufträge und Einnehmen strategischer Positionen einige Vorteile im Kampf gegen die koreanischen Widersacher. Stützpunkte schalten neue Waffenschränke frei, an denen wir unsere Ausrüstung wechseln oder verbessern können. Sendemasten hingegen geben uns die Positionen von Sammelobjekten preis. Und davon gibt es einige, schließlich möchte man uns in Homefront: The Revolution zum Klettern animieren. Das funktioniert überraschend gut, dennoch bleibt es unausgereift und führt manchmal zu sehr seltsamen Bewegungen unseres Helden. Sammelobjekte hört sich jetzt vielleicht ulkiger an, als es eigentlich ist. In Philadelphia sammeln wir Propagandaradios und Zeitungen oder begeben uns auf die Suche nach Geheimverstecken im Untergrund der Stadt. Und das hat Auswirkungen auf das Spiel! Umso mehr wir finden, umso mehr stehen uns die Städter in dem Gebiet zu Seite und wenden sich bei hindert Prozent sogar in einem blutigen Kampf gegen ihrer Unterdrücker. Darüber hinaus nehmen wir Aufträge an, die uns als Attentäter oder Dieb gegen die feindlichen Linien anheuern. Für all unsere Sucherei und Schufterei werden wir natürlich auch entlohnt. Homefront: The Revolution lässt uns mit zwei verschiedenen Währungen herumexperimentieren. Da wäre zum einen der schnöde Mammon und auf der anderen Seite gibt es sogenannte Tech-Punkte. Mit dem Geld leisten wir uns an Lagern neue Waffen oder werten diese auf. Eine große Vielfalt gibt es nicht, unsere Wummen können aber nach unserem Spielprinzip angepasst werden. So wählen wir Aufsätze, Munitionserweiterungen und andere Spielereien für unser Gewehr, unsere Pistole oder unsere Schrotflinte. Tech-Punkte hingegen geben wir für kleine und große Spielereien aus. Und die sind echt cool! Vor allem das ferngesteuerte Auto ist innovativ und klasse in das Spiel integriert. So bietet das kleine Vehikel einige Möglichkeiten zur Anpassung an bestimmte Aufgaben oder Umgebungen. Entweder locken wir mit ihm feindliche Soldaten an, hacken uns vorbei an elektronischen Sicherheitssystemen oder sprengen direkt ganze Gruppen von Gegnern in die Luft. Das Ganze gibt es auch nochmal in der großen, bemannbaren Version. Davon gibt es zwar nur wenige unterschiedliche, aber die erleichtern den Transport von A nach B. Insgesamt sind die Straßen aber zu verwinkelt und vollgestellt, als das Roadtrip-Feeling aufkommen würde.

Schöne Beleuchtungseffekte
Beleuchtungseffekte sind überaus ansprechend!

Gutes Schleichen, schlechtes Schießen, schlechtere K.I.…

Kein Roadtrip-Feeling, dafür aber Stealth-Action! Ja ihr habt richtig gehört! Die erste Erwartungshaltung an einen Shooter ist immer brachiale Action und ständige Schusswechsel auf offenem Gelände. Die gibt es in Homefront zwar auch, allerdings überwiegt hier eindeutig ein anderes Spielprinzip: Das Schleichen. Da wir meistens chronisch unterbesetzt sind, wenn es um das Infiltrieren eines feindlichen Lagers geht, sollten wir lieber Vorsicht walten lassen und uns im Schatten bewegen. Werden wir entdeckt, sind es meistens nur wenige Sekunden, bis wir den Löffel abgegeben haben, zumindest in manchen Missionen. Daher sollten wir lieber langsam vorgehen, unsere Gadgets einsetzen und Feinde aus der Deckung heraus ausschalten. Dafür stellt uns das Spiel auch die passenden Waffen zur Verfügung. Nicht nur die schnöde Pistole mit Schalldämpfer, sondern eine coole Armbrust oder eine Luftdruckpistole. Problem an der ganzen Schleicherei: Wir werden viel zu schnell und viel zu häufig ohne Grund von Feinden hinter der Deckung entdeckt. Großes Geschrei, Chaos und schon schreiten die Nachschubtruppen heran, die uns zersieben wie einen Schweizer Käse. Ähnlich wie die Klettermechanik hat man hier also auch eine nicht hundertprozentig ausgereifte Mechanik etabliert. Und auch der Shooter-Aspekt will bei uns nicht so ganz funktionieren. Zwar sehen die Gefechte optisch solide aus, eine ausreichende Anzahl an Waffen ist ja auch vorhanden, aber trotzdem will bei uns nicht das Gefühl von actiongeladenen Schusswechseln aufkommen. Das liegt vor allem an zwei Aspekten: Sound und Trefferfeedback. Ersteres ist durchaus in Ordnung, im Vergleich zu Genrekollegen aber zu stumpf und zu unausgereift. Beim Trefferfeedback hingegen kann nicht mehr von „in Ordnung“ gesprochen werden. Bei The Division beispielweise war das Problem, dass die Gegner nicht auf Kugeln reagiert haben. Gut, dass hat Destiny besser gemacht, aber aufgrund der Spielmechanik war es zumindest zu Verzeihen. In Homefront: The Revolution hingegen herrscht fast schon Moorhuhn-Stimmung, wenn Gegner reihenweise umkippen. Und das nicht realitätsnah, sondern wie eine Bahnschranke. Und wenn sich Gegner dann auch noch in einer Reihe aufstellen und darauf warten, von uns erschossen zu werden, wird das Ganze noch etwas nerviger. Zwar gibt es Lichtblicke am Horizont, wenn uns Soldaten der koreanischen Armee umkreisen oder uns mit Granaten aus der Deckung locken, aber größtenteils bleibt die künstliche Intelligenz nur unterster Durchschnitt. Das merken wir vor allem, wenn wir in das Sichtfeld eines Soldaten treten, Reaktion erwarten, aber keine kommt. Wir können uns wieder still zurückziehen.

Armbrust für leise Kills
Die Armbrust für die stealthigen Einlagen!

Optisch schön aber fehlerhaft….

Wollen wir nun noch kurz auf die Optik eingehen. Homefront: The Revolution ist keine grafische Revolution, soviel steht fest. Schlecht sieht es aber auch nicht aus, vielmehr befindet es sich im soliden Mittelfeld. Die Cry Engine zeigt was sie kann, vor allem die Beleuchtung von manchen Szenarios sieht sehr gut aus. Explosionen hingegen sind wenig wuchtig. Dafür gibt es aber an Bugs einiges zu entdecken. Soldaten die gegen Wände laufen, Kameraden die uns den Weg versperren, Drohnen die in Wänden festhängen. Alles Faktoren, die sicherlich kein großes Übel darstellen, aber dennoch gepatcht gehörten und so nicht vorkommen müssten.

Koop in Homefront
Im Koop gibt es ein ausgeklügeltes Upgrade-System!

Mit mehreren ins Entwicklungschaos…..

Wer nicht alleine gegen die koreanischen Streitkräfte in den Kampf ziehen will, kann sich übrigens auch Verstärkung an seine Seite holen. Mit maximal drei weiteren Mitstreitern erledigen wir eine Vielzahl an Aufgaben, vom Töten einer besonderen Persönlichkeit, über das Einnehmen einer Basis oder das Zerstören von strategischen Objekten in feindlichen Basen. Das hört sich jetzt nach Alltagskost an, allerdings bietet der Koop-Modus tatsächlich den größten Spaßbringer in Homefront: The Revolution. Das liegt nicht nur an den durchaus vielfältigen Aufgaben, sondern auch an den Möglichkeiten, die jede Mission für uns bietet. So ist auch hier ein simples „Wir vier gehen alle mal rein und schießen auf alles, was es so gibt“ nicht zu empfehlen. Vielmehr ist auch hier Taktik gefragt. Einer übernimmt die Steuerung der Drohnen, ein anderer schleicht sich durch die Reihen und schaltet Gegner leise aus, ein anderer kümmert sich aus der Distanz um die Wachen auf den erhöhten Stellungen. Das erfordert Absprache (schließlich hat jeder nur ein Leben) und macht je nach Missionstyp richtig Laune. Dennoch wären mehr als nur sechs verschiedene Missionen schön gewesen. Dazu kommt ein ganz neues Feature im Koop-Modus: Upgrade-Systeme. So wählen wir im Koop aus vier verschiedenen Fähigkeitenbäumen und basteln uns so unseren individuellen Charakter zusammen. Je nachdem ob wir ständig mit einem Squad die Missionen bestreiten oder nicht, können wir unsere Fähigkeiten auch aufeinander abstimmen, was noch mehr Abwechslung reinbringt. Warum wir dieses Rollenspiel-Feature nicht in der Solo-Kampagne wiederfinden, ist uns allerdings ein Rätsel. Einen Versus-Modus gibt es übrigens überhaupt nicht. Finden wir persönlich gut, davon gibt es schon genügend und da hat der Entwickler sich lieber auf die Koop-Aktion gestürzt. Apropos Entwickler: Um ein ordentlich Fazit ziehen zu können, müssen wir noch kurz einen Blick auf die dunkle Vergangenheit des Spiels werfen. Entwicklerstudio gewechselt, THQ Pleite gegangen, Marke verkauft, zweites Entwicklerstudio erneut ohne Geld und Deep Silver und Kochmedia holen sich das Ganze. So eine Entwicklungsgeschichte bricht sehr viele Spiele. Wir merken dem Spiel sicherlich an, dass an der einen oder anderen Ecke ein paar Entwicklungstage mehr geholfen hätten. Aber dass es dennoch so solide performt, ist dahingehend durchaus bewundernswert.

Teddy in Homefront
Ein Teddy – wie süß! Und explosiv!

Fazit

Ja es ist respektabel, dass Homefront: The Revolution trotz Entwicklungschaos noch so ein solides Spiel geworden ist. Es hat Open World, zahlreiche Nebenaufgaben, eine gute Optik und bietet eine von Grund auf ordentliche Geschichte. Darüber hinaus gibt es lustige Gadgets wie das kleine ferngesteuerte Auto, Waffenmods können on the fly geändert werden und die Atmosphäre der einzelnen Zonen ist durchaus dicht und stimmungsvoll. Das Problem dabei: Alles ist durchaus solide umgesetzt, aber mehr auch nicht. Mit Mittelmaß verdient man eben keine Preise. Und mit Open World und einem Shooter siedelt man sich auch in einem Genre an, in dem nicht gerade Mangel an guten Spielen herrscht. Zu all dem Durchschnitt gesellen sich allerdings auch Bugs, eine schwache K.I., mangelndes Trefferfeedback und eine viel zu vorhersehbare Hintergrundgeschichte. Schade! Der Koop-Modus ist zwar nicht sehr voluminös, dafür kann hier von einem richtigen Überraschungshit gesprochen werden. Zu viert Missionen anzugehen, sich abzusprechen und koordiniert zuzuschlagen. Das macht Laune! Dennoch rettet das das Spiel nicht über die zahlreichen Fehler hinweg. Homefront: The Revolution bleibt ein solider Open World-Shooter, aber solide reicht eben nicht für den großen Wurf.

Ab ins Forum mit euch!

Kommentieren Sie den Artikel