Uncharted 4: A Thief’s End im Test

0
219

Die Entwickler von Naughty Dog melden sich auf der PS4 mit dem exklusiven Titel Uncharted 4: A Thief’s End zurück und liefern reinrassige Actionkost ab. Fesselt das neue Abenteuer von Nathan Drake genauso wie seine Vorgänger? Das könnt ihr beim Lesen unseres Tests für euch selbst entscheiden.

Wunderbare Jahre

Abgesehen von den Handheldablegern, sind wir Nathan Drake zuletzt im Jahre 2011 im dritten Teil der Reihe auf der PS3 begegnet. Damals haben wir erfahren, wie Nathan und Sully einander begegnet sind und durften Nathan u. a. als Kind steuern. Storytechnisch liefert uns auch der vierte Teil der Reihe nun auf der PS4 im Rahmen von spielbaren Rückblenden viel mehr Hintergrundwissen über Nathan und (zwecks Spoilervermeidung werde ich auf die Story nur bedingt eingehen) andere Charaktere. Dabei dauert es ein wenig, bis wir in der Gegenwart angekommen sind. Dabei nimmt die Geschichte zunächst langsam aber dennoch stetig ansteigend Fahrt auf, ehe es zur Schatzsuche rund um die Welt kommt. Leider war Nathan in seinen letzten Abenteuern wenig erfolgreich: er hat zwar unglaubliche Schätze gefunden, doch gingen diese jedes Mal wieder toll inszeniert den Bach runter, so dass Nathan und seine Freunde froh sein konnten, wenigstens mit dem Leben davon gekommen zu sein. Heute lebt Drake, der Emily nach dem letzten Teil geheiratet hat, ein beschauliches, gut bürgerliches Leben, fern von Abenteuern, Schießereien und den Gefahren uralter verschollener Tempelanlagen. Der Einstieg bringt gekonnt die Unzufriedenheit von Nathan rüber. Schnell wird klar, dass er weiß, er müsste eigentlich glücklich sein, aber dennoch fehlt ihm das Abenteuer. Mit Rücksicht auf seine Frau setzt er wirklich alles daran, endlich die Finger von solchen Geschichten zu lassen. Sein Job als Taucher, der ihm die Möglichkeit auf ein Abenteuer in Form der illegalen Bergung eines gesunkenen Wracks ermöglicht, ist ihm zumindest oberflächlich lieber als sich erneut in Gefahr zu bringen und au dieses Angebot einzugehen. Naughty Dog zeigt bei der Erzählweise, dem Aufbau der Zwischensequenzen und der Gespräche auch während des Spielverlaufes, dass sie das Erzählen von tollen Geschichten mit spannenden Charakteren nach The Last of Us nicht verlernt haben. Ganz im Gegenteil: immer wieder erinnern vor allem die ruhigen Abschnitte ganz klar an den vorherigen Titel der Entwickler, wobei hier an vielen Stellen noch einige kleine Verbesserungen im direkten Vergleich erkennbar sind. Ganz klar: die Story ist hier die Triebfeder und schafft es einfach meisterhaft, den Spieler zu motivieren und weiterzumachen, weil man einfach unbedingt wissen will, was als nächstes passiert.

Nathan und Sully endlich wieder vereint!

Auf den Spuren von Captain Jack Sparrow…äehm… Henry Avery

Nach dem der letzte Versuch, den sagenumwobenen Piratenschatz von Captain Henry Avery zu finden, gehörig schiefgegangen ist und Nathan damit einhergehend einen großen Verlust verkraften musste, führen die Entwicklungen der Storyeinführung dazu, dass er gar keine andere Wahl hat, als die Suche erneut aufzunehmen. Schließlich klopfen ein Abenteuer und seine Vergangenheit an seine Tür und er kann einfach beidem nicht widerstehen. Er lässt sein Leben mit Emily schnell hinter sich, was aber nur anfangs so leicht für ihn aussieht, ihn aber doch immer wieder einholt und an seiner Entscheidung zweifeln lässt. Bei der Jagd nach dem Schatz finden wir uns ganz schnell in diversen Schusswechseln, nach dem serientypischen Schema aus Deckung-feuern-Deckung, wieder und müssen uns einer Söldnerarmee stellen. Dabei sind diese bis an die Zähne bewaffneten Widersacher vor allem in der Mehrzahl ein großes Problem und wollen genau wie wir den Schatz finden. Während einfache Soldaten mit einzelnen, gezielten Schüssen zu erledigen sind, schützen sich höherrangige Feinde mit Helmen, Westen und Ganzkörperrüstungen, die wir erst stufenweise zerstören müssen, ehe verwundbare Stellen freigelegt werden.  

Ballern, klettern, rätseln und mehr –  immer noch  fesselnd!

Dank der im Vergleich zu den Vorgängern größeren Areale, die insgesamt zwar immer noch schlauchig aber dafür deutlich breiter sind als früher, können wir Feinde an einigen Stellen auch umgehen bzw. versuchen sie mit dem neuen Stealth-System lautlos zu erledigen. Auf diese Weise dauert das Kämpfen zwar etwas länger, dafür verhindern wir oftmals das Anfordern von zusätzlicher feindlicher Verstärkung. Wir können uns im hohen Gras verstecken, erspähte Gegner per Tastendruck markieren und auch durch Wände hindurchsehen. Auch ob wir Aufmerksamkeit der Gegner erregt haben, wird uns mit diesen Anzeigen sofort mitgeteilt. Gegner können im Nahkampf lautlos erledigt werden. Leider fehlen im Waffensortiment gänzlich schallgedämpfte Waffen so, dass wir Gegner tatsächlich nur im Nahkampf lautlos ausschalten können. Also keine Angst: das Spiel wird nicht plötzlich zu einem Splinter Cell oder Metal Gear. Alle Actionabschnitte lassen sich auch mit sofortigem Anfüllen der Luft mit Blei lösen. Das Schleichen als Ergänzung kann den danach folgenden Schießereien aber einiges an ihrer Herausforderung nehmen und damit vor allem auf höheren Schwierigkeitsgraden einige Vorteile bringen. Gegnergruppen auf größere Entfernung mit dem Scharfschützengewehr zu dezimieren macht dank der Weitseicht und der Szenenbilder besonders viel her. Serienveteranen wissen schon: wenn nicht geballert wird, dann wird geklettert! Auch hier trumpfen die größeren Abschnitte, die mehr Freiraum vorgaukeln als früher, am Ende aber doch immer an einem Punkt zusammenlaufen und oft mehrere Wege anbieten, mit allem auf, was die Serie so großartig gemacht hat. Wir klettern, rennen, springen, meist in schwindelerregenden Höhen, durch Gebirge, Ruinen, Höhlen, Dschungellandschaften oder auch durch mittelalterliche Städte und neuzeitliche Anwesen. Wo ein Vorsprung, ein Griff oder eine Felsspalte, da ist auch ein Weg für Nathan zu finden. Ergänzt wird das bekannte Kletterrepertoire durch den neuen Kletterhaken: an vorgegebenen Stellen im Spiel finden wir Holzbalken, die ähnlich wie in den letzten Tomb Raider Teilen, mit Seilen umwickelt und deshalb immer deutlich erkennbar sind. So klettern wir beispielsweise an einer Felswand an der Küste entlang, während unter uns das Meer tobt. Geht es nicht mehr weiter springen wir in Richtung eines Ankerpunktes für den Kletterhaken, werfen ihn aus der Luft, schwingen uns an in dieser Höhe mit unglaublichem Ausblick und knackscharfen Texturen und wunderschönen Licht-/Schatten-/Raucheffekten in Richtung einer Höhle. Wir lassen das Seil los, landen auf einem Abhang, rutschen über den Kies gen Abgrund und springen im letzten Moment von der Kante ab und halten uns an der nächsten Felswand fest. Diese Dynamik macht trotz geringem Anspruch auch nach all den Jahren immer noch Spaß. Abseits vom Ballern und Klettern erkunden wir immer wieder frei von Zeitdruck Ruinen und Co. Und werden auch mit altertümlichen Anlagen konfrontiert. Hier warten Rätsel auf uns, die sich aber immer sehr schnell lösen lassen, auch wenn die Anlagen teilweise aufgrund ihres Aufbaus oder ihrer Größe im ersten Moment sehr komplex aussehen. Im Grunde sind alle Rätsel mit wenigen Aktionen zu lösen und dauern selten länger als wenige Minuten. Hier kann durchgeatmet werden, ehe weiter geklettert und gekämpft wird. Aber nicht nur kletternd und laufend bewegt sich Nathan ungefähr 13 Stunden, je nach Schwierigkeit, durch die Spielabschnitte. Auch Fahrzeuge, wie beispielsweise einen Jeep, dürfen wir in offenen, an kleine Sandbox-Abschnitte erinnernden, Bereichen steuern. Schade nur, dass hier das ansonsten gehörige Spieltempo und die Story ein wenig ausgebremst werden.

Action die begeistert! eine grandiose Verfolgungsjagd!

Multiplayer gibt es ja auch noch!

Vor lauter Lob, Spaß und Schwärmerei für den Einzelspielerpart, darf im Test natürlich auch nicht der Blick auf den Mehrspielerpart fehlen! Es sollen künftig kostenlose DLCs mit neuen Karten, Waffen, Kostümen und sogar einem neuen Koop-Modus veröffentlicht werden. Bisher ist nur das Spielen gegeneinander möglich. Das Besiegen von Gegner liefert uns Ingame-Geld, mit dem wir auch in laufenden Runden Boni, wie z.B. Bonuswaffen, KI-Unterstützung oder mystische Fähigkeiten kaufen. Ja, es gibt die Möglichkeit Ingame-Geld gegen Echtgeld zu kaufen. Vor Mikrotransaktionen ist man also auch hier nicht sicher. Sie sind aber optional und man verdient durch das normale Spielen eigentlich mehr als genug der Währung, um sich optimal ausrüsten zu können.  Durchdacht ist dabei das Design des Shops: es ist ein simples, gut überschaubares Overlay, dass sich mit wenigen Tasten komfortabel bedienen lässt. Hier sollten sich anderen Titel wirklich etwas von abschauen! Auch wenn mir persönlich ein Verzicht auf Mikrotransaktionen lieber wäre. Die mystischen Fähigkeiten basieren zum Teil auf den magischen Schätzen, denen wir in früheren Teilen der Serie schon begegnet sind. Der Einsatz einer dieser Fähigkeiten kann ganz schnell das Blatt nochmal zu Gunsten unserer Seite wenden. Der Mehrspielerpart funktioniert tadellos und bietet nette, kurzweilige Abwechslung. Vor allem mit Hinblick auf die angekündigten Koop-Modi definitiv einen Blick wert.

Fazit:

Nach 5 Jahren kommen alte Bekannte wie Nate, Sully und Co zusammen, ergänzt durch einige weitere spannende Charaktere in einer treibenden, actionreichen Story in deren Verlauf und auch anhand des Gameplays sich ganz klar die Handschrift wiederfindet, die zuletzt auch The Last of Us zu einem Hit gemacht hat. Es fühlt sich an, als wäre Drake nie weg gewesen, Kenner finden sich sofort zurecht und Serienneulinge werden sehr gut in die Mechaniken eingeführt. Actionreiche und schnelle Passagen in Cutscenes und im Spielverlauf wechseln sich gekonnt mit ruhigen Momenten ab, in denen es mal traurig, mal spannend mal in jeder Hinsicht emotional zu geht. Vor allem die Einführung in die Story und die ausführliche Darlegung des Lebens, das Nate zu Beginn des Spiels führt, lässt den Spieler nachempfinden, wie es Nathan wirklich geht. Die Technik ist dabei stets über jeden Zweifel erhaben und die 1080p und 30 fps im Einzelspielerpart gegenüber 900p und 60fps im Mehrspielerpart wirken beide unglaublich ansprechend.  In Zeiten von zahlreichen HD-Remaster älterer Titel haben wir hier endlich wieder ein Spiel, dass die technischen Möglichkeiten wirklich auszureizen scheint! Uncharted 4 liefert genau das ab, was man erwartet oder eher erwarten durfte aufgrund der Qualität der Vorgänger.  Der Epilog lässt mich verrückterweise mit einem Wunsch zurück: bitte keinen weiteren Teil der Serie! Es ist einfach ein rundumgelungenes Finale und es lässt mich mit Beginn des Abspanns mit einem Gefühl der Vollständigkeit und Zufriedenheit zurück. Ganz im Gegensatz zum Serienfinal von Lost! Ein absoluter TOP-Titel, der in keiner Spielesammlung fehlen darf!

2. Fazit:

Es kommt nicht oft vor, dass ich auch noch „meinen Senf“ dazugeben möchte, doch bei den Kunstwerken von Naughty Dog ist dies regelmäßig der Fall – und so natürlich auch bei Finale der nun schon legendären Uncharted Serie. Es gibt auch so gut wie gar nichts wo ich Kollege Thomas widersprechen möchte – außer in einer Sache: (ACHTUNG SPOILER!) Der Epilog gibt meines Erachtens Grund zur Hoffnung, dass es eines Tages vielleicht DOCH weitergehen könnte – und zwar in den Schuhen der smarten Tochter, die in Daddys Fußstapfen tritt. Dann müsste sich Lara Croft aber ganz warm anziehen. Denn im Gegensatz zu Thomas wünsche ich mir sehr wohl eine Fortsetzung und sei sie auch in weiter Zukunft. So sehr ich mich auf TLOU 2 freue – Die Jungs und Mädels von Naughty Dog müssen einfach weitermachen derart perfekte Videospiele zu entwickeln und da darf es neben TLOU eben meinetwegen gerne ein Spin Off von Uncharted sein. In jedem Fall ein ähnlich geartetes Abenteuerspiel! Dieser vierte und mutmaßlich eben doch letzte Teil der Serie hatte ALLES – wirklich ALLES was man von einem Videospiel erwarten kann. Bombastische Grafik, abwechslungsreiches Setting (etwas was bsws. Laras letztes Abenteuer vermissen lies), eine packende Story ink. „Twist“ und tollen „greifbaren“ Charakteren, ein faires Kampfsystem, durchaus herausfordernde Gegner und (da bin ich wieder leicht anderer Meinung als Thomas) Rätsel in genau der richtigen „Knobelstärke“. Ich kann bei Uncharted 4 kein Haar in der Suppe erkennen: Für mich ist die Serie auf Augenhöhe mit All Time Classics wie Pirates,  Half Life oder Unreal (Doom zähle ich persönlich nach der aktuellen Enttäuschung nicht mehr dazu) . Naughty Dog wird neben Sid Meier IMMER einen festen Platz in meinem „Gamer-Herz“ haben und ich verneige mich vor der Kunst der Kalifornier und danke ihnen für diese epische Serie! PS. Ähnlich wie Menschen die „Breaking Bad“ oder „Seinfeld“ nicht kennen oder kennen lernen wollen: Mir tut jeder Mensch buchstäblich leid, an dem Uncharted vorbeigegangen ist (und NEIN „Ich habe halt keine Playstation“ ist KEIN Argument) …DAFÜR muss man sie halt kaufen oder sich eine ausleihen – wer Uncharted nicht kennt, KANN nicht wirklich mitreden beim Thema Videospiele der Neuzeit: Punkt! (Das ist wie bei Autos: Wem nicht bewusst ist, dass es Lambo und Ferrari gibt, der denkt auch ein Audi A8 ist das beste was man auf 4 Rädern fahren kann…Uncharted 4 ist der Lamborarri unter den Videospielen!) Alexander Zarrouk

Kommentieren Sie den Artikel