Blizzard’s Overwatch im Test

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„Ein neuer Shooter kommt auf den Markt!“ Das klingt ähnlich uninteressant wie die Aussage, das Tim Wiese ein Wrestlingmatch bei der WWE bestreitet. Fügt man allerdings ein paar Worte an das Statement an, wird das Ganze doch schon durchaus etwas Besonderes:  „Ein neuer Shooter kommt auf den Markt. Publisher ist Blizzard!“ Ja, das ist etwas Besonderes, schließlich hat Blizzard bisher nichts mit Shootern am Hut gehabt. Gut, Overwatch als sterilen Shooter abzustempeln ist von vorneherein nicht korrekt. Vielmehr ist aus den Resten des Großprojekts „Titan“ etwas komplett Neues entstanden, was so nur Parallelen mit Battleborn aus dem Hause 2K aufweist. Das ist bei uns bekanntlich gut angekommen. Lest in unserem Test, wie sich Overwatch schlägt!

Diversifizierte Charaktere…

Die Overwatch ist ebenso wie in Battleborn der Name der Gruppe von Charakteren, die uns als Spieler zur Auswahl stehen. Als Beschützer verstehen sie sich, trotzdem hauen sie sich tagtäglich in Kämpfen auf die Omme. Dabei stehen uns 21 verschiedene Charaktere mit vier verschiedenen Aufgabenbereichen zur Verfügung: Tank, Supporter, defensive Helden und offensive Helden. Innerhalb dieser Gruppen gibt es zahlreiche unterschiedliche Charaktere. Von der fliegenden Pharah, über die blitzschnelle Tracer, den affigen Tank Winston, die Scharfschützin Widowmaker bis hin zum Samurai Genji. Dies sind nur fünf der sich sowohl optisch als auch spielerisch unterscheidenden Charaktere. Das Charakterdesign können wir nur mit fantastisch abstempeln. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum Einen unterscheiden sich die Charaktere optisch nur allzu stark voneinander. Da gibt es einen Affen in glänzender, weißer Rüstung, einen Roboter, der sich auf Knopfdruck in einen Panzer verwandeln kann, einen Samurai mit Schwert und Wurfsternen, einen Revolverhelden und einen riesigen Ritter mit Raketenhammer, der mit einem riesigen Schild über das Feld laufen kann. Derart viel Vielfalt bietet zwar auch die Konkurrenz von Battleborn, aufgrund der realistischeren Optik wirken die Unterschiede hier aber deutlich größer. Im Gegensatz zum Game aus dem Hause 2K wirken die Größenunterschiede der unterschiedlichen Charaktere hier auch deutlich imposanter.

  Warum vergleichen wir überhaupt Battleborn mit Overwatch?? Sind beide Spiele sich so ähnlich? Ja das sind sie, auch wenn im Spiel selbst Unterschiede bestehen. Overwatch ist eher der klassische Multiplayer-Shooter wohingegen Battleborn sich eher an Fans von MOBA und Borderlands-Fans richtet. Im Folgenden wird das Game aus dem Hause 2K noch häufiger zum Vergleich herangezogen. Denn trotz der Unterschiede gibt es Gemeinsamkeiten, aber eben auch Unterschiede die es zu vergleichen gibt.

  Zum Anderen gibt es zahlreiche spielerische Unterschiede. Ein großer Spaßbringer des Spiels. Denn so unterschiedliche die zahlreichen Kämpfer zu Beginn aussehen, so verschiedenen spielen sie sich auch. Das liegt nicht nur an den zahlreichen Fähigkeiten, die die Klassen und einzelnen Charaktere voneinander unterscheiden. Auch Bewegungstempo, Lebensanzahl, Sprunghöhe und Mobilität zwingen uns immer wieder zum Umdenken. Das sorgt für komplett andere Spielerfahrungen je nachdem welchen Helden wir unter unsere Fittische nehmen. Der Einstieg ist meist einfach, einen Charakter zu meistern hingegen erfordert viel Eingewöhnungszeit. Und es klappt deutlich schneller wenn unser Team uns dabei tatkräftig zur Seite steht. Und hier gibt es tatsächlich einen Hacken.

Reinhardt und Soldier 76! Die Charaktermodelle sind sehr detailliert!

Teamplay over Single Queue

Sollten wir versuchen alleine mit fünf weiteren uns unbekannten Mitstreitern in den Kampf zu ziehen, könnte es mit der Eingewöhnungszeit deutlich schwieriger werden. Zumindest wenn wir uns nicht die ganze Zeit in der Trainingsarena herumtreiben oder Matches gegen die K.I. bestreiten wollen. Das es das gibt, ist aber cool. Es gibt drei Konstellationen von Teamplay, die uns beim Test aufgefallen sind.

  1. Die „No-Kommunikation-Meistens-Farce“-Konstellation: Keiner aus dem Team kommuniziert untereinander. Auch wenn wir selber schon fortgeschrittendes Gameplay bieten, ist das eher ein Garant für Niederlage. Im Gegensatz zu Battleborn ist die Niederlage in diesem Fall deutlich wahrscheinlicher, vor allem wenn wir koordiniert einen Angriff von mehreren Seiten vornehmen sollten.

 

  1. Die „Little-Bit-Kommunikation-mit-Fremden“-Konstellation: Ein fremdes Team kommuniziert untereinander. Das ist deutlich besser als Konstellation Nr.1.. Haben wir etwaige Kommunikationsprobleme überwunden und spielen dazu noch mit soliden bis guten Spielern, steigt die Siegchance exponentiell an.

 

  1. Die „Teamplay-ohne-Barrieren“-Konstellation: Wir spielen mit uns bekannten Spielern. Ist uns der Großteil der Truppe bekannt oder sind sogar alle auf unserer Freundesliste, entfaltet Overwatch seine kompletten taktischen Finessen. Exakte Kommunikation untereinander ermöglicht schnelle Tempowechsel und überraschende Teammanöver.

  Weiterer Vorteil bei Kommunikation: eine kluge Charakterauswahl. Im Gegensatz zu Battleborn kann jeder Spieler jeden Charakter wählen. Und das auch doppelt oder dreifach. Es kann also vorkommen das alle Spieler aus Begeisterung Solider 76 spielen wollen und das dann auch tun. Cool ist, dass die Truppe währen der Charakterauswahl darauf hingewiesen wird, ob es zu wenige oder keine Supporter oder Healer gibt. Ob alle sich daran halten, steht natürlich wieder auf einem ganz anderen Stern.

Genji kann mit seiner ultimativen Fähigkeiten die meisten Angriffe reflektieren!

Ausbalancierte Dynamik mit verbesserungswürdigem Einstiegspunkt…

Ein weiterer Unterschied zu Battleborn: Die Helden können schon während des Spiels nach Lust und Laune gewechselt werden. Das bringt noch einmal zusätzliche Dynamik in das Spiel, da wir uns nicht auf eine Gruppe einstellen können, sondern ständig gezwungen sind umzudenken. Hier ist Erfahrung wieder von allerhöchstem Vorteil. Wenn uns Reinhardt und Bastion zu Beginn noch als uneinnehmbare Festung erscheinen, wird im Laufe der Matches deutlich, dass wir ihnen mir Scharfschützen aus der Entfernung ordentlich Schaden machen können. Scharfschützen hingegen schalten wir brilliant mit Tracer von hinten aus ohne das sie es überhaupt merken. Pharah holen wir mit Scharfschützen aus der Luft oder teilen aus der Kurzdistanz aus und sorgen für einen rapiden Abfall ihrer kleinen Lebensleiste. Jeder Held hat seine Stärken, jeder hat seine Schwächen. Das Balancing der 21 Charaktere ist fantastisch gelungen! Apropos Lebensleiste: Die Helden in Overwatch sterben deutlich häufiger als in Battleborn. In Overwatch stört aber vor allem der lästige Respawn Punkt in langen, positiv für uns ausfallenden Matches. Umso besser wir sind, umso weiter müssen wir die Karte überqueren um in den Kampf zurückzukehren. Das ist mitunter ziemlich lästig, vor allem wenn wir langsame Charaktere spielen, die nicht wie Mercy oder Pharah über die Häuserdächer hinwegfliegen können.

In Trainingsarenen haben wir die Möglichkeit alle Helden auszuprobieren!

Optisch fabulös…

Optisch haben wir vor allem die Charaktermodelle bereits gelobt. Höchst variabel und fantastisch detailliert. Wie von Blizzard gewohnt setzt man hier auf eine Vielzahl an Kreativität. Jeder Charakter kommt alleine durch sein Aussehen mit einer Hintergrundgeschichte daher. Leider wird diese Geschichte nur in Comics und kleinen Kurzgeschichten erzählt, ins Spiel integriert werden nur einige wenige Sprüche der Helden, die etwas die Stimmung der Charakters wiederspiegeln. Cool ist, dass einige Helden uns bekannte synchronstimmen im Deutschen spendiert bekommen haben. Da hören wir einmal Daniel Craig und an der anderen Stelle läuft uns Nicolas Cage über den Weg. Aber auch abseits der Charaktere kann die Optik des Spiels überzeugen.  Im Gegensatz zum stilistisch an Borderlands orientiertem Cell Shading Look von Battleborn setzt Overwatch auf realistische Schauplätze. Vom zukünftigen Japan über den Kampf in Hollywood-Studios bis hin zu sandigen Tempelflächen. Alle zwölf Maps wirken optisch ausgereift und laufen auf Konsolen die ganze Zeit in 1080p und 60 Frames/s. Spielerisch hingegen gibt es einige Abstiche zu machen. Zwar überzeugen die Maps durch ihre Vertikalität, manchmal würden wir uns aber etwas mehr Dynamik wünschen. Mehr sich bewegende Plattformen wie in Volskaya Industries, zerstörbare Umgebungen, überraschende Ereignisse während des Matches wie sich verändernde Level. Das wären wunderbare Dinge gewesen, die dem Spiel noch einen deutlichen Schwung gegeben hätten.

Der Reaper teilt ordentlich Damage aus!

(Noch?) mauer Umfang…

Zwölf Maps? Das hört sich doch gar nicht so übel an oder? 3 Spielmodi? Das hingegen hört sich weniger umfangreich an. Der Umfang ist aktuell bei Overwatch wohlmöglich die größte Schwäche. Im Gegensatz zu Battleborn gibt es hier keinen Storymodus. Auch wenn das Spiel von 2K Probleme im Umfang hat, ist das ein sehr guter Lückenfüller. Bei Overwatch hingegen geht es immer in den Kampf 6 vs. 6. Das hingegen setzen sie konsistent um, das müssen wir Blizzard lassen. Dennoch wäre etwas mehr Vielfalt in den Spielmodi und spielerisch abwechslungsreichere Karten schön gewesen. Aber vielleicht kommt das ja noch, Blizzard möchte seinen ersten Shooter konsequent mit neuen Inhalten ausstatten. Aktuell gibt es die Modi Kontrolle, Frachtbeförderung und Punkteroberung. Kontrolle lässt sich am ehesten mit Domination vergleichen. Beide Teams kämpfen um die Einnahme eines Punktes. Wer diesen einnimmt füllt seine Leiste mit Prozenten. Wer zuerst 100% hat, gewinnt. Bei Frachtbeförderung versucht das angreifende Team durch Nähe zur Fracht diese in die Basis des Gegner zu schieben. Sind nur die Verteidiger in der Nähe des Objekts, wird die Fracht wieder zurückgeschoben. In Punkteroberung nehmen wir als angreifendes Team zwei Punkte ein, während die Verteidiger versuchen diese Punkte zu verteidigen. Selbst beim schreiben dieses Absatzes fällt auf: Hier wäre mehr drin gewesen. Was bekommen wir eigentlich, wenn wir unsere Spielstunden in Overwatch investieren? Verändern sich unsere Helden? Spielerisch nicht, Mutationen von Fähigkeiten wie in Battleborn gibt es leider nicht. Dafür gibt es allerhand optische Anpassungs- und Individualisierungsmöglichkeiten. Per Levelaufstieg, Ingameäwhrung oder Echtgeld schalten wir so Lootboxen frei, deren Inhalt sich auf kosmetische Items wie neue Skins, Sprays, Emotes, Siegerposen und Spieler-Icons stützt. Die Items sind unterteilt in verschiedene Seltenheiten. So gibt es weiße Gegenstände mit normalem Wert, blau steht für selten, lila für episch und orange für legendär. Ein Sammelspaß für Overwatch-Fans. Schön ist, dass das ganze freiwillig und ausschließlich kosmetisch ist. Das Spiel wird davon nicht tangiert oder gar negativ beeinflusst. Und auch mit der Ingame-Währung können wir uns schon ein paar Lootboxen leisten, Echtgeld ist nur notwendig, wenn wir wirklich alle möglichen Skins ausloten wollen.

Clash of Hereos! Obwohl sie alle für die Menschheit da sind, hauen sie sich gerne auch selber auf die Omme!

Fazit

Overwatch funktioniert. Trotz mangelhaftem Umfang bietet Overwatch kompromisslose, dynamische und abwechslungsreiche Multiplayer-Gefechte. Eine große Palette an Charakteren gibt es dazu, die sich alle komplett unterschiedlich spielen. Egal ob als massiger Tank Bastion, als flinke Tracer oder als Adlerauge Widowmaker. Die Auswahl ist groß, keine Runde spielt sich gleich. Sterben stört, der Respawn-Punkt ist je nach Phase im Spiel wirklich zu weit weg platziert. Trotzdem: Overwatch steht nicht hinter unseren Erwartungen zurück. Es bietet das, was es versprochen hat und macht es sehr gut.

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