NBA 2K17 im Test

Es wird wieder gedunkt!

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Stephan Curry und Kevin Durant in einer Mannschaft bei den Golden States Warriors? Das ist mal eine klare Ansage an die diesjährigen Playoff-Sieger Cavaliers. Beide Mannschaften dominierten in der letzten Saison den Court. Spielerisch gab es im Basketball in den letzten drei Jahren nur ein Spiel, das alles dominiert hat: NBA 2K. Atmosphäre, spielerische Tiefe, taktische Raffinessen und den nötigen Umfang. NBA 2K hat seit 3 Jahren all das, was dem Konkurrenten aus dem Hause Electronic Arts fehlt. Zumindest im Eishockey überzeugt EA uns in diesem Jahr wieder. Denn Test daher könnt ihr hier nachlesen! Hier geht’s nun aber nicht um die meist schwarze Hartgummischeibe, sondern um den orangenen Lederball. Lest hier, ob NBA 2K17 in diesem Jahr noch eine Schippe drauf legen kann. Getestet haben wir mit der Xbox One Version des Spiels.

 

Ohne Spike Lee, mit Creed…

Der erste Blick fällt dieses Jahr erneut auf den Karriere-Modus. Selbst Electronic Arts hat mit Fifa festgestellt, dass Hintergrundgeschichten in Sportspielen sich einer großen Beliebtheit erfreuen. Zumindest noch, schließlich ist es ein klares Novum in den sonst rein spielerisch dominierenden Sportgames. In NBA 2K gibt es den Storymodus bereits seit NBA 2K15, im ersten Jahr überzeugte uns die Karriere auf ganzer Linie. Letzteres Jahr hingegen sorgten vor allem Kitsch und Klischee von Regisseur Spike Lee für etwas enttäuschtere Töne.

In diesem Jahr hingegen greift ein eher unbekannter Mann nach dem Regisseurstuhl.  Eher, da der Name Aaron Covington in den meisten von uns sicherlich keine Synapsensprünge auslösen wird. Doch erwähnt man „Creed – Rocky’s Legacy“ und das er hier Regie geführt hat, gewinnt das Ganze doch schon etwas mehr Erwartung. Neben dem beinahe mit dem Oscar prämierten Silvester Stallone spielt dort auch Michael B. Jordan eine Hauptrolle, und sieh da – den jungen Schauspieler hat sich Aaron auch direkt mal für das Spiel gesichert. Er mimt unseren besten Freund Justice Young, der gemeinsam mit uns den Weg eines Profis in der NBA bestreiten will. Auch das legt die Erwartungshaltung des Modus wieder weiter nach oben. Mal sehen, was daraus geworden ist…

Paul George goes for it!
Paul George goes for it!

Strikte Führung…

Aber zuerst erstellen wir uns einen eigenen Superstar. Dabei stehen uns wieder zahlreiche Individualisierungsmöglichkeiten zur Verfügung, auch unser eigenes Gesicht kann eingescannt und auf unseren Rookie gepinnt werden. Danach geht’s ans College, wir absolvieren einige Spiele und empfehlen uns für die NBA. Leider ist diese Phase des Spiels ebenso langweilig geraten, wie im letzten Jahr bzw. sogar einen Tacken langweiliger. Im letzten Jahr stellten sich die College-Vertreter uns vor, versuchten uns mit Angeboten zu umschmeicheln und uns wenig subtil zu beeinflussen. In diesem Jahr stellt sich uns keiner vor. Das könnte nun daran liegen, dass wir viel zu schlecht gespielt haben, als dass sich irgendwer für uns interessieren würde. Aber nein, das ist nicht der Fall. Egal wie schlecht wir spielen, wir werden schnell zum wahren Star stilisiert. Hier reichen sich der Vorgänger aus dem letzten Jahr und NBA 2K17 wahrlich die Hände.

Sind wir dann schließlich aus dem College abgeworben worden, beginnt unsere eigentliche Profi-Karriere. Positiv hervorheben müssen wir an dieser Stelle, dass wir mit weniger Klischees konfrontiert werden, die Geschichte läuft um einiges normaler ab, als noch im Vorjahr. Der weggefallende Fremdscham hat aber auch seine Nachteile. So kommen wir nämlich selten ins Schmunzeln, die Karriere wird in weiten Teilen durchweg langweilig erzählt und plätschert seicht vor sich hin.

Kyrie Irving und die Cavaliers wollen wieder die Meisterschaft!
Kyrie Irving und die Cavaliers wollen wieder die Meisterschaft!

Bester trotz Negativrekord??…

Dazu kommen zahlreiche Logiklücken, oben bereits kurz angesprochen. Wir kommen schnell in die Nationalmannschaft, obwohl wir schlecht gespielt haben, wir sind schnell Spitzenkandidat im Team und bekommen witzige Kosenamen, obwohl wir einen Punktedurchschnitt von 9,7 als PF vorweisen und unsere Reboundstatistik bei 4,4 pro Spiel liegt. Für Neulinge: Das ist nicht das Ziel! Und obwohl wir schlecht spielen, gibt es keine anderen Möglichkeiten in der Karriere, möglicherweise negative Gespräche mit unserem Trainer, der uns sagt dass wir nur noch auf der Bank sitzen, wenn das so weiter geht. Entscheidungsmöglichkeiten gibt es außer der Mannschaft, der wir beitreten wollen, nicht. Gut, wir können in Pressekonferenzen positiv oder negativ auf bestimmte Spieler reagieren, aber wirkliche Auswirkungen hat das nicht. Wir folgendem dem uns vorbestimmten Pfad, dabei gäbe es in einer Basketball-Profi-Karriere so viele andere Möglichkeiten. Wie wäre es mit dem Status als Rebell im Team und daraus resultierenden Strafen. Weniger Smartphone und mehr tiefgründige Basketball-Gespräche hätten dem Modus aber auch gut getan.

Und warum entwickeln wir unseren Spieler immer noch mit Fähigkeitenpunkten weiter? Mit jedem absolvierten Spiel, mit neuen Sponsoren und anderen erledigten Aufgaben bekommen wir Punkte, die wir dann gewinnbringend in unsere Fähigkeiten investieren können. Wir verbessern unsere Pässe, unsere Deckung, unsere Fähigkeit zu rebounden oder unsere Mitteldistanzwürfe. Je nachdem, was wir gerne verbessern würden. Aber warum? Warum lässt man nicht die Fähigkeiten wachsen, die wir häufig und qualitativ hochwertig in Spielen präsentieren. Das würde eine deutlich logischere Entwicklung unseres Spielers erklären. GTA 5 bekommt das schließlich auch hin.

Aber es gibt tatsächlich eine Antwort, warum Fähigkeitenpunkte sinnvoll sind. Schließlich können diese Punkte nicht nur über Ingamewährung verteilt werden, sondern auch über Echtgeld gekauft werden. Das hat nicht nur den Nachteil der leereren Brieftasche, sondern macht vor allem den Online-Modus zu Beginn zur Tortur. Schließlich powern sich die Spieler direkt hoch und werden somit die perfekten Basketballer, wohingegen die Ingame-Währung nutzenden Spieler keine Chance haben. Vorteile im Spiel erkaufen? Das ist nervig!

Aber trotzdem: Der Modus bleibt trotz vieler negativ auftretender Aspekte solide, bekommt aber im Bereich Fußball Konkurrenz. Wir sind gespannt, ob sich 2K weiter auf den Lorbeeren der letzten Jahre ausruhen wird. Wir hoffen nicht!

Grafisch eine Augenweide wie LeBron James hier an Curry vorbeizieht!
Grafisch eine Augenweide wie LeBron James hier an Curry vorbeizieht!

Auf den Court…

Denn auf dem Platz geht es immer noch zur Sache, obwohl wir anfangs wieder etwas Schwierigkeiten hatten die komplexe Steuerung zu meistern. Auch daher die schlechten Ergebnisse mit Karriere-Modus. Es war allerdings eine ungeahnte Freude, wieder auf den Platz zurückzukehren. Atmosphäre, spielerische Tiefe, taktische Raffinessen, dazu eine ausgereifte künstliche Intelligenz. NBA 2K17 bietet weiterhin beste Unterhaltung und eine derart stimmige Basketball-Simulation, dass man die Verbesserungen schon mit der Lupe suchen muss. Die Animationen finde ich persönlich noch etwas geschmeidiger, die Steuerung wirkt weniger unpräzise und willkürlich. Grafisch hat sich ansonsten nichts merklich verändert. Dennoch bleiben die Spielermodelle und Gesichter auf einem Niveau mit der neuen Frostbite Engine im Hause Fifa. Und das will schon was heißen! Kurzum: Es ist fantastisch!

Die Nationalmannschaft ruft.....auch in der Karriere! Sogar wenn wir schlecht sind!
Die Nationalmannschaft ruft…..auch in der Karriere! Sogar wenn wir schlecht sind!

Viel zu tun..

Wer sich übrigens nicht im Karriere-Modus einem einzelnen Spieler widmen möchte, kann sich noch zahlreichen anderen Modi widmen. Wir können wieder unser eigenes Karten-Team aufstellen, in dem wir ala Ultimate Team Kartenpacks kaufen und unser Team sammeln. Oder wir übernehmen die Macht über einen ganzen Verein samt Marketing und co, und führen unser Team zur Meisterschaft und zu einem florierenden Franchise. Oder wir spielen die Play-Offs nach, die von vorne bis hinten mit Emotionen befüllt sind. Es gibt viel zu tun und es können zahlreiche Spielstunden in das Spiel versengt werden.

2,13 m, 23 Jahre und 127 kg schwer - Andre Drummond
2,13 m, 23 Jahre und 127 kg schwer – Andre Drummond

Fazit:

NBA 2K17 ist das was man von einem jährlich erscheinenden Franchise erwarten kann. Es ist spielerisch weiterhin auf absolutem Spitzenniveau, Detailänderungen muss man zwar mit der Lupe suchen, sind dann aber durchaus erkennbar. Viel zu tun gibt es daneben auf, Langeweile kommt dabei nicht auf. Na, vielleicht nicht ganz, schließlich ist der Karriere-Modus in diesem Jahr wieder nicht das geworden, was er hätte werden können. Zu eintönig, zu entscheidungslos und zu unlogisch an mancher Stelle. Man merkt als Spieler, dass man immer verwöhnter von diesem Modus wird, auch Fifa greift schließlich nun zu diesem erzählerischem Mittel. Es fehlt hier die Innovation, allgemein fehlen dem Spiel Neuerungen, die den Kauf rechtfertigen würden. Es bleibt spielerisch das beste basketballspiel auf dem Markt, dennoch: Es muss auch Mal wieder was Neues her, sonst wird es langweilig!

Was sagt ihr zum neuen Basketballableger?

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