Virginia im Test

0
290

Der detailarme und doch liebevoll designte Titel Virgina von Variable State und 505 Games stellt einmal mehr die Frage, ob es sich dabei tatsächlich um ein Spiel oder doch eher um einen Film mit interaktiven Elementen handelt. Lohnt sich der Ausflug?

Was ist Virginia?

Virginia versteht sich selbst laut den Entwicklern als Einzelspielerthriller, in dem ihr die Rolle einer FBI Agentin übernehmt und gleich an zwei Fällen parallel arbeitet. Einerseits seid ihr gemeinsam mit eurer neuen Partnerin auf der Suche nach einem vermissten Jungen in der Kleinstadt Kingdom, in Virginia. Andererseits ermittelt ihr auch verdeckt intern gegen eure Partnerin. Woher ich das weiß, obwohl das Spiel im extrem detailarmen Comiclook gehalten ist und es keine einzige gesprochene oder geschriebene Dialogzeile gibt? Weil Bilder in diesem strikt linearen und minimal interaktiven Erlebnis, mit extrem stimmigem Soundtrack, ihre Geschichte verständlich erzählen. Das muss man erstmal hinbekommen! Hier wird zwei Stunden lang eine spannende, wendungsreiche Geschichte erzählt, an deren Ende der Spieler entscheiden muss, welche Erlebnisse er als Alpträume der Protagonistin oder als tatsächliche Geschehnisse innerhalb der Welt von Virginia annimmt.

Können wir in dieser Idylle Hinweise auf den vermissten Jungen finden?
Können wir in dieser Idylle Hinweise auf den vermissten Jungen finden?

Spiel oder nicht Spiel?

Tatsächlich ist Virginia wohl dem Genre der Walking Simulatoren zuzuordnen. Im Grunde geht ihr mehr oder weniger immer der Nase nach, achtet darauf ob sich das Fadenkreuz verändert und drückt dann einzig und alleine eine Taste, um mit dem Gegenstand, der Person oder der Türe zu interagieren. Begleitet werdet ihr dabei stets von einer sich der Situation anpassenden musikalischen Untermalung, die definitiv neben der Optik das Stilmittel schlecht hin in diesem Spiel ist, um die Dramaturgie der einzelnen Szenen zu beschreiben. Hier wird nicht geballert, nicht gekämpft und es werden auch keine Puzzles gelöst. Das Rätseln findet lediglich in eurem Kopf statt, wenn ihr versucht die Ereignisse zu verstehen und die Zusammenhänge herzustellen.

Unser Boss setzt uns auf unsere Partnerin an. Können wir das mit unserem Gewissen vereinbaren?
Unser Boss setzt uns auf unsere Partnerin an. Können wir das mit unserem Gewissen vereinbaren?

Dabei wird das Ganze filmisch inszeniert. So geht ihr eine Treppe runter und plötzlich seid ihr im Keller angekommen oder ihr interagiert am Morgen mit dem Spiegel im Badezimmer und plötzlich ist es taghell und eure FBI Agentin ist plötzlich fertig für die Arbeit. Im ersten Moment verwirrt diese Schnitttechnik etwas doch nach kurzer Eingewöhnung ist klar, was die Entwickler sich dabei gedacht haben und alles nimmt einen angenehm ruhigen aber dennoch sich stetig weiterentwickelnden Fluss an, der die verschiedenen Geschichten innerhalb der Hauptgeschichte fesselnd erzählt.

Fazit

Sobald der Abspann läuft wurde mir klar, wie sehr ich diesen kurzen Ausflug eigentlich genossen habe. Ja, bei der getesteten Xbox OneVersion fallen das Kantenflimmern und auch die merkwürdige, an Tearing erinnernde, Bewegungsunschärfe sofort ins Auge. Aber nach kurzer Zeit treten diese Mängel in den Hintergrund und Fans von spannenden Geschichten können sich ganz auf die Charaktere und die verschachtelten Handlungsstränge einlassen. Die Interpretation des gezeigten macht hier den Reiz von Virginia aus. Schade, dass der Titel so schnell vorbei ist und technisch wäre, trotz grandioser Musikkulisse, mehr drin gewesen. Für knapp 10 € können Fans von Geschichten, die über das Fehlen aufwendig gestalteter Gameplayinhalte hinwegsehen können, bedenkenlos zugreifen.

Kommentieren Sie den Artikel