Mafia 3 im Test

Gangsterchaos in New Bordeaux!

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Sechs Jahre ist es nun wieder her, dass 2K uns mit einem neuen Ableger der Mafiaspiele beseelte. Beseelte deshalb, da es trotz mangelnder Freiheit in der offenen Spielwelt und zu wenigen Möglichkeiten, vor allem die Charaktere und die Geschichte einen bleibenden Eindruck hinterlassen konnten. Vito Scaletta und seine Familie. Storyschnipsel haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen, derartige „In-your-face“-Momente, tolle Dialoge und glaubwürdige Motivationen regten sogar zum zweiten und dritten Durchspielen an. Wir erkennen, Mafia 3 hat in große Fußstapfen zu treten. Zumindest, was die Inszenierung angeht. Darüber hinaus gab es noch sehr viel Luft nach oben. Lest in unserem Test nach, wie sich Mafia 3 bei uns schlägt! Zur Verfügung standen uns dazu die Xbox One und die Playstation 4-Version des Spiels.

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New Bordeaux ruft nach uns! Die Polizei ist auch vor Ort!
New Bordeaux ruft nach uns! Die Polizei ist auch vor Ort!

Lincoln rockt…

Der erste deutliche Unterschied: Wir spielen nicht mehr Vito Scaletta, den charismatischen, italienischen Haudegen aus dem zweiten Teil, sondern Lincoln Clay, einen farbigen Wehrdienstler der nach Jahren aus dem Krieg in seine Heimat zurückkehrt. Ja ihr habt richtig gehört und vermutlich schon in zahlreichen Trailern gesehen: Wir spielen keinen typischen Mafia-Gangster mehr, der elegant im Anzug mit seinen Kumpanen um die Häuser zieht. Nein, wir spielen einen afroamerikanischen, Lederjacke tragenden Soldaten, den es zurück in seine alte Wirkungsstätte zieht. Dort angekommen erhält Clay aber direkt die Legitimation die es braucht, um als Protagonist herhalten zu dürfen: Zurück zuhause wird seine ganze Familie und beinahe auch er selber von der italienischen Mafia umgebracht. Die Verantwortung dafür liegt bei Don Sal Marcano, der eine ganze Armada an Gangstern unter sich vereint. Natürlich schwören wir als einziger Überlebender Rache und nehmen von da an den Kampf gegen den italienischen Mafiaboss auf.

Grundsätzlich klingt das erst einmal nach 0815-Rachestory. Und mit den Handlungssträngen des zweiten Teils im Kopf, steigt die Erwartung an die Geschichte noch einmal an. Glücklicherweise kann 2K Tzech diese Erwartungen fast vollständig erfüllen. Und es liegt nicht nur an der Handlung, die sich um Lincoln Clay und die zahlreichen anderen Charaktere rankt. Vielmehr ist es die Art, wie uns die Handlung präsentiert wird. Direkt zu Beginn staunen wir nicht schlecht, als uns ein Geistlicher im Interview etwas über Lincoln Clay erzählt. Neben toll inszenierten Zwischensequenzen, werden uns durch Interviews von Beteiligten und Bekannten Lincoln Clays, Statements von Polizeibeamten oder mit echtem filmischen Material angereichten Szenen, sowohl Vergangenheit, als auch Gegenwart und die uns zu erwartenende Zukunft Stück für Stück näher gebracht. Diese Abwechslung sorgt für stimmungsvolle Szenarien und sorgt dafür, dass wir durchgehend am Ball bleiben wollen.

Es gibt allerdings auch ein paar Dämpfer: Manche Zwischensequenzen werden nicht wie „normal“ filmisch hervorragend eingefangen, sondern arbeiten mit einer statischen Bildaufnahme. Das ist überaus seltsam und bei der sonst vorhandenen Qualität auch etwas unpassend. Dafür überzeugen aber alle anderen Faktoren: Sowohl die Mimiken und Gestiken der Charaktere, als auch die deutsche sowie die englische Synchronisation sind rundum gelungen. Toll ist auch, dass wir im Menü die Sprache einmal komplett umstellen können, sofern wir uns lieber der englischen oder deutschen Sprache hingeben wollen.

Lincoln Clay sinnt nach Rache!
Lincoln Clay sinnt nach Rache!

Mit Partnern an die Macht…

Und geredet wird viel in Mafia 3, schließlich müssen wir unsere Partner und Gefolgsleute um uns scharren. Alleine haben wir keine Chance gegen den italienischen Mafiaboss, daher benötigen wir schlagkräftige Unterstützung. Unter den drei Kumpanen gesellt sich die mysteriöse Haitianerin Cassandra, der egoistische Ire und sogar der gute, alte Vito Scaletta an unsere Seite, der Protagonist aus dem zweiten Teil der Serie. Diese Partner versorgen wir nach jeder abgeschlossenen Mission mit Informationen und steigen dann je nach Masse bei diesen im Status auf. Als Gegenleistung helfen uns die drei bei der Übernahme der feindlichen Bezirke. Darüber hinaus beliefern sie uns kostengünstig mit Waffen und spenden uns andere Boni, je nachdem mit welchen Kumpanen wir uns besonders gut stellen. Sollten wir einen mehrfach meiden, bekommen wir zwar eine verbale Rüge, mehr als eine Drohung entsteht dadurch aber nicht.

Um an den Don heranzukommen, müssen wir vorher seine drei Leutnants ausschalten. Diese werden allerdings erst aktiv, wenn wir zwei ihrer sechs Capos erledigt haben. Diese hingegen erscheinen erst dann, wenn wir genug Chaos in deren Gebieten angerichtet haben.

Um sein Ziel zu erreichen, schießt sich Clay durch seine Feinde! Blutig ist das allemal!
Um sein Ziel zu erreichen, schießt sich Clay durch seine Feinde! Blutig ist das allemal!

Story hui, Missionsdesign eher pfui!…

Und dazu haben wir verschiedenste Möglichkeiten. Wir sprengen einen Drogenring, lassen eine illegale Autoschieberei auffliegen oder befreien Geiseln aus der Gewalt unserer Widersacher. Leider hört sich das Ganze spannender an, als es eigentlich ist. Denn eigentlich laufen die Missionen immer gleich ab. Wie erhalten Informationen, nutzen diese Informationen und infiltrieren A, B oder C und stiften dort einiges an Unheil. Haben wir das mehr als einmal gemacht, taucht der jeweilige Boss der Unternehmung auf und wir haben die Möglichkeit ihn zu töten oder ihm eine Chance zu geben, sodass er sich uns anschließen kann. Das reine Missionsdesign hört sich nicht verkehrt an, bei wiederholtem Auftreten derselben Aktion allerdings sinkt der Wiederspielwert enorm. Die – und ja, der Vergleich muss gesucht werden – kreative Ausgestaltung der Missionen eines GTA V vermissen wir hier nach einigen Spielstunden gänzlich. Story hui, Missionsdesign eher pfui!

Spielerisch gibt es ebenfalls Stärken und Schwächen festzustellen. Die PS-Boliden, die auf den Straßen von New Bordeaux unterwegs sind, fahren sich deutlich besser als im Vorgänger. Keine Meisterleistung dennoch kann vor allem die Fahreinstellung „Simulation“ schön die Schwächen und Stärken jedes Fahrzeugs herausarbeiten. Ein Forza Motorsport sollten wir allerdings auch nicht erwarten.

Die wunderschönen Fahrzeuge lassen sich gut steuern!
Die wunderschönen Fahrzeuge lassen sich gut steuern!

Solide Attentate…

Neben dem Reden und dem Fahren wird natürlich auch viel geschossen und bei Bedarf geschlichen. Schön ist, dass wir uns meistens entscheiden können, ob wir eine Mission leise oder laut angehen wollen. Das Schießen klappt wunderbar. Dafür stehen uns zahlreiche verschiedene Wummen zur Verfügung. Die Dynamik und Wucht eines GTA 5 fehlt zwar, dennoch verschafft es uns durchaus eine gewisse Befriedigung, wenn eine Schrotladung unsere Widersacher zum plötzlichen Rückwärtsflug animiert.

Wer sich hingegen für den Schleichmodus entscheidet, geht die Sache eher ruhig und besonnen an. Per Tastendruck bringen wir uns sofort in die jeweilige Deckung und können von dort die Lage sondieren. Oder pfeifen, um unsere Gegner zu uns zu locken und sie dann in Ruhe auszuschalten. Diese Funktion ist leider viel zu übermächtig geraten, wobei uns auch die mäßig behirnte K.I. einen Schritt entgegen kommt.

Grundsätzlich: Die K.I in Mafia 3 ist nicht dumm. Werden wir von den Gangstern entdeckt, verhalten sie sich sinnvoll, gehen in Deckung oder flankieren uns bei Bedarf. Schleichend haben die Gegner allerdings weniger Verständnis für die Situation. Per Pfiff locken wir einen Feind nach dem anderen hinter eine Mauer. Der sich merklich und sichtbar neben uns auftürmende Leichenturm scheint den Herannahenden nicht zu stören.

Gemeinsam mit Cassandra, Thomas und Vito planen wir die nächste große Sache!
Gemeinsam mit Cassandra, Thomas und Vito planen wir die nächste große Sache!

Logik und Grafik….

Logische Schwierigkeiten gibt es allgemein in der offenen Spielwelt. Versteht mich nicht falsch: Ich finde es fantastisch, wenn die Polizei einen verfolgt wenn wir zu schnell fahren, wenn uns ein Barbesitzer des Raumes verweisen will, da wir als Farbiger nicht willkommen in seinem Etablissement sind. Auch das wir verfolgt werden sofern wir jemanden töten oder um uns herum die Flucht ergriffen wird, wenn wir eine Waffe ziehen – das sind alles Punkte, die sehr positiven Einfluss auf die Glaubwürdigkeit in der Spielwelt haben. Doch wenn uns die Polizei irgendwann einfach gewähren lässt oder uns der Barbesitzer nach mehreren Verwarnungen doch einfach dort stehen lässt, ist die ganze Sache irgendwie nicht zufriedenstellend zu Ende gedacht.

Naja, vielleicht helfen dem ein oder anderen die Playboy-Bunnys über diese Problemchen hinweg, die wir in zahlreichen sammelbaren Playboy-Heften finden können. Leider trösten die Heftchen nicht, wenn es um das optische Gesamtbild von Mafia 3 geht. In den Zwischensequenzen meist brillant, enttäuscht die Stadt New Bordeux mit mangelnder optischer Qualität. Die Texturen sind meist unsauber, die Framerate geht trotz 30 FPS-Lock manchmal in die Knie und Clipping sowie übermäßig viele Pop Ups tragen ebenfalls zum negativen Bild bei. Und auch wer sich mitunter an diese Bugs gewöhnen mag, der reibt sich dann die verwunderten Augen, wenn plötzlich Autos in Gebäuden stecken oder Fußgänger skurrile, unmenschliche Bewegungen an den Tag legen. Zumindest mit der Beleuchtung kann das Entwicklerstudio unseres Erachtens punkten, dass hilft aber nicht, das Gesamtbild runder wirken zu lassen.

Das Bild sieht gut aus! Das Spiel hingegen schwächelt in der optischen Umsetzung!
Das Bild sieht gut aus! Das Spiel hingegen schwächelt in der optischen Umsetzung!

Fazit:

Mafia 3 ist wieder einmal eines dieser zweischneidigen Schwerter. Optisch veraltet und spielerisch monoton, zeigt das Spiel storytechnisch und inszenatorisch, wo der Hase läuft. Die Liebe zum Detail in den Zwischensequenzen, die fantastischen Charaktermodelle: Selten wurden wir immersiver in den Mafiasumpf gezogen, wie in Mafia 3. Durchgehende Freude verwehrt uns allerdings die monotone Spielwelt. Am Anfang wirkt alles stimmig und abwechslungsreich, doch die offene Spielwelt bietet zu wenig Möglichkeiten. Zu schnell decken sich die repetitiven Aufgaben auf. Ich erwischte mich schnell dabei, wie ich einfach nur die Handlung vorantreiben wollte, da es abseits nicht viel zu entdecken gab. Und wer sich auf eine einfache Autofahrt durch ein schickes amerikanisches Städtchen freut – der wird ebenfalls enttäuscht sein. Hässlich, auf gar keinen Fall, aber zeitgemäß ist ebenfalls anders. Mafia 3 hat seine Stärken und es wäre sicherlich interessant gewesen das Spiel ohne offene Spielt und nur linear zu erleben, doch der Trend zur offenen Spielwelt macht dem Spiel einen Strich durch die Rechnung!

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