PES 2017 im Test

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Das jährliche Duell der Fußball-Simulationen geht in die nächste Runde. Den Start macht Pro Evolution Soccer 2017, welches bereits am 15. September 2016 erschienen ist und somit rund zwei Wochen vor der direkten Konkurrenz aus dem Hause Electronic Arts. Konami möchte dieses Jahr unter anderem mit einiger Tradition punkten und wirbt mit offiziellen Partnern wie dem FC Barcelona, dem FC Liverpool und Borussia Dortmund. Die namhaften Partnerschaften können zwar nicht über den deutlichen Mangel an Lizenzen hinwegtäuschen, nichtsdestotrotz „Entscheidend is auf’m Platz!“

Das Camp Nou, Heimstätte des FC Barcelona, ist exklusiv in PES 2017 enthalten
Das Camp Nou, Heimstätte des FC Barcelona, ist exklusiv in PES 2017 enthalten
Und genau hier kann Pro Evolution Soccer 2017 punkten. Ob Taktiker oder Gelegenheitsspieler, PES bietet einiges an Einstellungsmöglichkeiten, sodass man schnell ins Spiel findet und loslegen kann. PES 2017 gibt bei der Bearbeitung der Aufstellung erstmals direktes Feedback über die individuelle Anpassung der Spielerwerte, bei einem Positionswechsel. Somit spart man sich das elendige Wechseln der Spieler und sieht direkt welcher Spieler den besten Wert für die ausgewählte Position vorweist. Kleine aber feine Änderung!
Direkt sehen wer am besten für die Position geeignet ist - neu in PES 2017
Direkt sehen wer am besten für die Position geeignet ist – neu in PES 2017

Lizenztechnisch kann PES 2017 erneut nicht mit FIFA 17 mithalten. Aber man merkt, dass Konami versucht aus den Partnerschaften mit den einzelnen Teams alles herauszuholen was möglich ist. Im Fokus von PES 2017 steht ganz klar der FC Barcelona, aber auch die Fans von Borussia Dortmund und dem FC Liverpool werden in naher Zukunft mit neuen Inhalten versorgt. So sollen der Signal-Iduna-Park und die Anfield Road mittels Update nachgeliefert werden. Hier hatten die Entwickler auf der gamescom bereits mitgeteilt, dass die detailgetreue Umsetzung noch ein wenig Zeit in Anspruch nehmen wird und man die Inhalte nachliefern wird. Nimmt man sich die Präsentation des FC Barcelona als Vorbild, so kann man hier wohl Großes erwarten. Aus deutscher Sicht erwarten euch übrigens Borussia Dortmund, FC Schalke 04 und Bayer Leverkusen. Der FC Bayern München ist aufgrund der neuen Partnerschaft mit Electronic Arts nicht mehr dabei.

Borussia Dortmund ist für mindestens 4 Jahre Premium-Partner von Konami
Borussia Dortmund ist für mindestens 4 Jahre Premium-Partner von Konami
Besonders die Champions League Präsentation macht was her
Besonders die Champions League Präsentation macht was her
Die Fans im Camp Nou - leider nur bei den Partnern so realistisch
Die Fans im Camp Nou – leider nur bei den Partnern so realistisch

Sobald eine Partie gestartet wird, egal ob als Freundschaftsspiel oder im Champions League Modus, beginnt eine in meinen Augen fantastische Präsentation. Die Spielertunnel, der Ganz auf den Platz, die Champions League Hymne und die Fans. Hier hat Konami gute Arbeit geleistet. Leider kann sich dieses Lob ausschließlich auf die Präsentation der Premium-Partner und der Pokale (Champions League, Europa League, AFC League, …) beziehen. Spielt man bspw. das Revier-Derby zwischen dem FC Schalke 04 und der Borussia aus Dortmund, so kommt keinerlei Atmosphäre auf und auch das Kommentatoren-Duo, bestehend aus Hansi Küpper und Marco Hagemann, geht mit keiner Silbe auf die spezielle Partie ein.

Hansi Küpper und Marco Hagemann werden als Kommentatoren vorgestellt
Hansi Küpper und Marco Hagemann werden als Kommentatoren vorgestellt

Nutzen wir diesen Übergang um ein weiteres Manko von PES 2017 anzusprechen. Die Kommentatoren. Ich schaue selbst viel Sport und durfte mich bereits von den positiven Qualitäten eines Marco Hagemann überzeugen. Davon kommt aber leider nichts bei PES 2017 an. Die Phrasen sind lieblos aneinander gereiht und vermitteln keinerlei Emotion oder Atmosphäre. Die Pausen zwischen Fragen und Antworten in den Dialogen zwischen Marco Hagemann und Hansi Küpper sind so unnatürlich, dass man nach zwei Partien am liebsten die Kommentare ausschalten möchte. Hier ist deutlich Nachholbedarf angesagt, da man insbesondere mit Marco Hagemann eigentlich einen guten Kommentator an Bord hat.

Bei den Modi ist auf jeden Fall Verbesserungspotenzial vorhanden
Bei den Modi ist auf jeden Fall Verbesserungspotenzial vorhanden

Die Modi

Konami bringt in PES 2017 keine neuen Modi, verbesserte einige jedoch im Detail. Im myClub Modus baut ihr euch mit Echtgeld oder erspielten Punkten eine Top-Mannschaft zusammen. Prinzipiell ist myClub mit dem FIFA Ultimate Team von FIFA zu vergleichen, jedoch fehlen bei myClub die einzelnen zusätzlich Modi.

Bei "myClub" spielt auch mal ein Superstar wie Piqué im Dress des BVB
Bei „myClub“ spielt auch mal ein Superstar wie Piqué im Dress des BVB

Die „Meister-Liga“ ist der Karriere-Modus in PES 2017. Wir heuern als neue Trainer bei dem Club unserer Wahl an. Dabei können wir das Aussehen unseres Trainer-Alt-Egos individuell anpassen. Nachdem wir unsere Mannschaft ausgewählt haben, beginnt der Modus mit einer kurzen Zwischensequenz, wo wir der Presse als neuer Trainer vorgestellt werden. Im „Meister-Liga“ Modus übernehmen wir die Kaderplanung und können über Scounting neue Talente für unseren Verein gewinnen. Über individuelles Training können wir zudem die Fähigkeiten einzelner Spieler verbessern. Auf dem Spielfeld hört die Präsentation dann aber auch wieder auf, der Trainer an der Seitenlinie ähnelt dem gewählten Avatar nicht und auch Zwischensequenzen wie bspw. in Madden 17 fehlen leider. Trotzdem macht der „Meister-Liga“ Modus, auch wegen den offiziellen Champions League und Europa League Qualifikationen, Spaß. Luft nach oben gibt es trotzdem. Im „Werde zur Legende“ Modus erlebt man die Welt des Fußballs als einzelner Fußballer. Man wählt entweder einen eigenen erstellten Spieler oder übernimmt die Rolle eines bereits vorhandenen Profis. In diesem Modus kann man jedoch nur den eigenen Spieler steuern und nicht wie von der Konkurrenz bekannt, die gesamte Mannschaft. Das hat sicher seine Berechtigung, jedoch gefällt besonders mir der Reiz, meinen Spieler in Szene zu setzen und nicht abhängig von der KI zu sein. Hier würde ich mir wünschen, dass man auch das Kommando der gesamten Mannschaft übernehmen kann.

Wir starten unsere Karriere bei einem kleinen Premier League Club
Wir starten unsere Karriere bei einem kleinen Premier League Club
Unser Dashboard im "Werde zur Legende" Modus
Unser Dashboard im „Werde zur Legende“ Modus

Gameplay

Kommen wir nun zum Gameplay und der Grafik. Hier hat PES 2017 seine Stärken. Die Spieler, ob mit richtigem oder falschem Namen, sahen ihren Vorbildern nie ähnlicher. Besonders die Mannschaften, mit denen Konamieine Partnerschaft abschließen konnte, sind mit besonderen Details dargestellt. Was mich besonders beeindruckt sind die Animationen und die Kollisionsabfrage während der Spiels. Bei keiner meiner bisherigen Partien musste ich mich wegen der Engine oder nicht nachvollziehbaren Fehlern ärgern. Fehler passierten nur wegen meinem persönlichen Unvermögen oder waren nachvollziehbar, weil bspw. der Laufweg nicht stimmte. Kollisionen von Spielern enden nicht in unnatürlichen Pirouetten oder schwachsinnigen Foul-Entscheidungen.

Die Schiedsrichter-Leistungen wurde deutlich verbessert, die Gelbe geht in Ordnung!
Die Schiedsrichter-Leistungen wurde deutlich verbessert, die Gelbe geht in Ordnung!

Die Vergabe von gelben Karten ist nicht inflationär und der Situation angemessen. Konami setzt hier aber deutlich auf die Auslegung in der Premier League und (zum Glück) nicht auf die aus der Bundesliga. Auch die Torhüter haben ein Upgrade erfahren. Abpraller sind nachvollziehbar und entsprechen den individuellen Fähigkeiten der Torhüter. Auch abgefälschte Schüsse oder die Flugbahn der Bälle sind absolut realistisch und lassen sich eindeutig mit einer TV-Übertragung vergleichen. Wer Realismus pur sucht, ist bei PES 2017 absolut richtig. Dadurch werden zwar weniger 50 Meter – Tore auf YouTube landen, aber den Anspruch hat Konami auch gar nicht.

Bei den Ecken hat man nun vier individuelle Möglichkeiten zur Ausführung
Bei den Ecken hat man nun vier individuelle Möglichkeiten zur Ausführung
Trikot aus! Dieser Jubel ist ausschließlich Neymar vom FC Barcelona vorbehalten
Trikot aus! Dieser Jubel ist ausschließlich Neymar vom FC Barcelona vorbehalten
Für den Jubel gibt es übrigens die gelbe Karte
Für den Jubel gibt es übrigens die gelbe Karte

Fazit

Mit Pro Evolution Soccer 2017 bekommen Fußball Fans eine reine Fußball-Simulation geliefert, die hält was sie verspricht. Realistischen Fußball mit guter Grafik. Besonders die Couch-Koop-Partien oder Online-Partien mit Freunden wissen zu überzeugen. Hier entscheiden nämlich noch die persönlichen Fähigkeiten über Sieg und Niederlage. Der Netcode ist übrigens ausgezeichnet. Sogar am Release-Tag konnte ich ohne Probleme online spielen. Die vorhandenen Modi können leider in Summe nicht überzeugen und werden nicht lange motivieren können. Für Singleplayer oder reine Offline-Spieler dürfte hier daher schnell die Luft raus sein. Wer aber auf die einzelnen Partien schaut und Spaß an dem Aufbau einer eigenen Traum-Mannschaft in myClub hat, wird sich öfter an die Konsole setzen. Lizenzen…das leidige Thema. Hier liegt PES 2017 weiterhin deutlich hinter FIFA 17 zurück und das wird sich so schnell wohl auch nicht ändern. Aber durch die sehr aktive Community erhält man zeitnah die meisten Ligen als Download-Paket zur Verfügung gestellt und kann diese via USB-Stick auf die Konsole übertragen. Hier hat Konami übrigens auch nachgebessert. Aus den vorhandenen Lizenzen macht Konami aber das Beste und weiß insbesondere durch die individuellen Fan-Gesänge und Stadien zu überzeugen. Neben dem Platz muss Konami auf jeden Fall noch nachbessern aber auf dem Platz entfaltet sich die Stärke von PES 2017. Und von daher „Entscheidend is auf’m Platz!“

Quelle: One-4-U.de

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