WWE 2K17 im Test

Es wird gerungen!

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Nein, es kommt jetzt nicht der Spruch „Jedes Jahr grüßt das Murmeltier“! Ha! Also kommt er ja doch, aber er ist erneut angebracht. Wie jedes Jahr wieder serviert uns 2K auch in diesem Jahr ein WWE-Spiel. Das Review zum Vorjahr findet ihr hier. Mit WWE 2K16 waren wir soweit ja sehr zufrieden, vor allem mit den Möglichkeiten, die das neue Roster bot und dem erneut spektakulär inszenierten Showcase-Modus. Kann uns WWE 2K17 in diesem Jahr wieder überzeugen? Um das herauszufinden, stand uns dafür die Xbox One-Version des Spiels zur Verfügung!

Alles für die Karriere…

Der erste große Unterschied, der uns sofort ins Auge sticht, ist: Es gibt keinen Showcase-Modus mehr. Dafür soll laut 2K der Karriere-Modus nun deutlich professioneller bespielbar sein als vorher. Wir erinnern uns zurück: Wirklich spannend war die Karriere in WWE 2K16 nicht. Die Abwechslung zwischen einem Kampf und gelegentlichen Sperenzien mit den Mit-Superstars war doch sehr eintönig und unterschied sich kaum vom WWE Universe Mode. Und selbst der war deutlich spannender.

Gucken wir doch einmal, was der Karrieremodus so hermacht. Tatsächlich hat 2K sein Versprechen gehalten und den Karrieremodus überarbeitet und attraktiver gemacht. So können wir dieses Mal deutlich intuitiver und realistischer unseren Charakter nach unseren Wünschen formen. Der sogenannten Promo-Engine sei Dank. So etablieren wir entweder einen Face oder einen Heel. Je nach erfolgreichen oder schwachen Promos und Interviews werden wir entweder glaubwürdiger in unserer Rolle oder nicht. So ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten, wie andere Charaktere auf uns reagieren können. Manche lassen uns plötzlich fallen, weil wir Ihnen zu weich geworden sind, andere schließen sich uns an. Atmosphäre schaffen auch die wiedergekehrten Backstage-Fights, in denen wir uns durch Gänge und Büros prügeln können. Dabei steht uns meistens durchgehend frei, in welchem Bereich der Backstage-Area wir uns weiterprügeln möchten, samt zahlreicher Objektinteraktionen. Das ist top!

„The Phenomenal One“ AJ Styles zum ersten Mal in einem WWE-Spiel!

Herz entfernt….

Sonst? Na sonst, hat sich leider nicht viel im Karrieremodus getan. Wir kämpfen uns wieder als Rookie hoch in die WWE, planen unsere Storylines oder werden spontan zum Kampf herausgefordert und schlagen uns hoch zum nächsten Titel. Alles etwas strukturierter und sinnvoller zugänglich, aber dennoch das Gleiche. Ein riesiges Manko: Die zahlreichen Promos und Interviews, die wir abhalten können, werden meistens nur in Texten dargestellt. Das ist ein absoluter Atmosphärenkiller. Und warum ist das so? Weil die Liebe an dem Spiel fehlt und das merken wir in diesem Jahr an allen Ecken und Enden.

Zwar wurde der Karriere-Modus sinnvoll überarbeitet, dafür fehlt der Showcase-Modus komplett. Somit fehlt das Herzstück der letzten beiden Spiele. Da wo wir mit der Legende Stone Cold Steve Austin in WWE 2K16 noch seinen vollständigen Aufstieg zum Wrestling-Phänomen miterleben durften, bekommen wir dieses Mal gar nichts. Da helfen auch nicht die solide gemachten Videos im Karriere-Modus drüber weg. Zu schmerzlich ist der Abschied von atmosphärisch toll geschnittenen Live-Bildern aus der Vergangenheit der zahlreichen Ikonen rund um den Undertaker, Kane, Bret Hart oder Mankind.

Neben dem Karriere-Modus kehrt auch der Universe-Modus zurück. Hier können wir uns bei Bedarf von Match zu Match kämpfen, dabei textuelle und manchmal bebilderte Story-Elemente verfolgen. Alles beim Alten also! Nicht ganz! Der Show Creator ist nun etwas umfangreicher geworden, so basteln wir uns eine etwas detailliertere Woche zusammen als in den Vorgängerteilen.  Ansonsten suchen wir Innovationen aber vergebens, genauso wie bei den anderen kreativen Möglichkeiten wie der Charaktererstellung. Gut, an der Stelle sei gesagt: Der ist zwar weiterhin unübersichtlich, aber immer noch ein sehr mächtiges Werkzeug, dass in den richtigen Händen sehr wertvoll sein kann.

Optisch veraltet! Vor allem die Frauen sehen aus wie geklonte Wachsfiguren im Gesicht!
Optisch veraltet! Vor allem die Frauen sehen aus wie geklonte Wachsfiguren im Gesicht!

Stagnation an allen Ecken und Enden….

Bereits an dieser Stelle des Tests sollte aufgefallen sein: Wirklich weiterentwickelt hat sich das Spiel im Gegensatz zum Vorgänger nicht! Das gilt auch bzw. gerade für die Optik. Es herrschen die gleichen technischen Macken wie immer. Texturen sind genauso matschig wie immer, das Publikum lässt wieder an Individualität vermissen und die Stars des Spiels verblassen mittlerweile in der altbackenden Optik. Bereits über 10 Jahre mit der gleichen Grafik-Engine zu fahren war noch nie eine gute Idee. Vor allem die weiblichen Superstars, die in der WWE immer mehr an Glanz gewinnen, sehen immer noch aus wie Klonfiguren aus einem Wachskabinett.

Dafür prahlt 2K in diesem Jahr wieder mit einem erweiterten Roster. Und das können Sie sich auch erlauben, erneut heben die Entwickler das Maximum an Charakteren an. Viel passiert ist hier dennoch nicht, allerdings war WWE2K 16 ja bereits gut bestückt, was das anging. Was sich uns aber überhaupt nicht logisch erschlossen hat ist der Fakt, dass der in der WWE vollzogene Roster-Split überhaupt keine Berücksichtigung gefunden hat. Im TV gibt es nun wieder getrennte Kader für Raw und SmackDown, im Spiel gibt es nur einen Wust an Superstars, die Mal hier und da auftreten können. Eine klare Abtrennung, die im TV schon für legendäre Matches an unterschiedlichen Orten gesorgt hat, gibt es nicht. Dafür, dass der Roster-Split schon frühzeitig bekannt gewesen ist (und es sicherlich auch eine Möglichkeit seitens WWE und 2K gegeben hätte, diesen frühzeitig zu kommunizieren), ist das schon ein deutlicher Einschnitt ins aktuelle Wrestling-Gefühl. Die Kommentatoren sind an ihren veralteten Plätzen und auch die Arenen stellen sich in ihrem alten Design dar. Auch kreative Möglichkeiten innerhalb der Karriere gehen dadurch verloren.

Apropos Kommentatoren: Zwar gibt es im Universe-Modus einige neue, und vor allem passendere Sprüche der Herren am Seitenrand, allerdings kennen eingefleischte Wrestling-Fans diese nun schon zur Genüge. Hier wäre es nicht verkehrt gewesen, einfach mal ein paar neue einzusprechen.

Leider reißt an dieser Stelle das Meckern auch nicht ab. Neben der Optik hat sich auch Gameplay technisch fast gar nichts getan. Klar, propagiert werden zahlreiche neue Animationen und das mag ja auch stimmen. Wenn die Technik hinter dem Spiel aber versagt, hilft uns Spielern das auch nichts. Nicht selten bleiben Kämpfer in Seilen hängen oder schlagen einfach ins Leere. Oder springen vom Turnbuckle ab und an uns vorbei oder leisten wenige Sekunden im Kampf keine Gegenwehr mehr. Dazu kommen seltsame Clipping-Fehler, wenn mal etwas nicht so abläuft wie vorprogrammiert. Es könnte am negativen Gesamteindruck liegen, allerdings fielen uns diese Probleme deutlich häufiger auf, als im Vorgänger. Die künstliche Intelligenz bleibt wenigstens in den beiden höchsten Schwierigkeitsgraden solide, darunter mangelt es den Kämpfern aber auch durch die Bank weg an Gehirnschmalz.

Dennoch soll hier auch nicht alles Negative betrachtet werden: Ja, das Spiel hat sich im Vergleich zum Vorjahr so gut wie gar nicht weiterentwickelt. Und ja, das ist ein großes Manko. Trotzdem ist WWE 2K17 dadurch kein schlechtes Spiel. Die Mechaniken auf die es ankommt, der Kampf Mann gegen Mann oder Frau gegen Frau In-Ring funktionieren zu weiten Teilen sehr, sehr gut. Die noch einmal leicht reduzierte Geschwindigkeit des Kampfgeschehens sorgt in finalen Kampfmomenten für episches Trommelfeuer auf die Controller-Tasten.

Roman Reigns vs. Triple H? Egal, in der Karriere könnt ihr beide schlagen.
Roman Reigns vs. Triple H? Egal, in der Karriere könnt ihr beide schlagen.

Fazit:

Im Grundsatz bleibt WWE 2k17 ein gutes Spiel. Doch es fehlt an Innovation. Es stagniert an allen Ecken und Enden, trotz überarbeitetem Karriere-Modus. Optik, Gameplay, Umfang. Alles bleibt gleich, im Umfang schrumpft das Spiel sogar durch den wegfallenden Showcase-Modus. Warum entreißt man einem Spiel das Herzstück, den Teil, der das Spiel am Leben gehalten hat und es um ein Vielfaches attraktiver machte. So können wir nicht zufrieden sein. Auch, dass der Roster-Split nicht einmal ansatzweise Erwähnung findet, lässt das Gefühl einer aktuellen Wrestling-Projektion verschwinden. Ich sage hier das Gleiche wie schon bei NBA 2K 17: Es muss wieder Innovation her!

Was sagt ihr zu dem Game? Ist unsere Kritik gerechtfertigt??

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