Gears of War 4 im Test

Gears is back!

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Es gibt wenige Spiele, die ihre Konsolengeneration geprägt haben. Es gibt Gran Turismo auf der Playstation, es gibt Halo auf der Xbox. Es gibt Uncharted auf der Playstation, es gibt Forza auf der Xbox. Zu Microsofts Zugpferden gehört neben obrigen Titeln auch Gears of War. Seit dem Erfolg des Erstlings im Jahr 2006 war der Hype groß, jedes Mal, wenn ein Neuling der Reihe das Licht erblickte. In den letzten Jahren der Old Gen ebbte der Hype allerdings eine wenig ab, deutlich schlechtere Umsetzungen wie Gears of War: Judgment sei Dank. Mit Gears 4 darf nun zum ersten Mal das Entwicklerstudio von The Coalition zeigen, was sie drauf haben. Die Ultimate Edition von Gears of War, welche übrigens endlich auch in Deutschland legal zur Verfügung steht, hat gezeigt, was das Entwicklerstudio kann. Doch nun müssen sie alleine an die Sache dran. Lest in unserem Test, ob der Neustart der Serie in neuen Händen erfolgreichen abgelaufen ist!

Nostalgisches Feeling…

Gears of War 4 beginnt fulminant! Und das ist keinesfalls ein in den Test nicht selten eingestreuter Funken von Sarkasmus. Wer die Kampagne startet wird zuerst einmal überrascht werden. Vor allem Hardcorefans der Serie werden begeistert sein, Neulinge freuen sich über ein Stück Geschichte. Im Rahmen einer Gedenkfeier, bei der auch unsere neue Generation an Helden zugegen ist, steht die Ehrung verschiedenster Heldentaten den Prolog von Gears 4 dar. Als wäre das Wiedererleben der Ereignisse noch nicht genug, dürfen wir die vergangenen Ereignisse der Pendulum-Kriege sogar selbst miterleben, zum Gamepad greifen und ein Stück Historie nachholen. Herrlich, vor allem da uns alte Bekannte über den Weg laufen! Das weckt Erinnerungen! Toll ist auch, dass wir nicht erst in einer Basis herumlaufen und uns erst einmal eine Stunde darum bemühen müssen, unsere Ausrüstung zusammenzusammeln. Nein, wir werden direkt ins Kampfgeschehen integriert. Als Veteran der Serie merke ich als Tester: Das Gameplay geht wieder richtig fluffig  von der Hand. Spannungsgeladene Deckungsgefechte mit ratternden Waffensounds. Bereits zu Beginn knallen wir neben „normalen“ Gegnern auch größere Gegner vom Kaliber eines Zwischenbosses weg. Alles wie gehabt also, das macht richtig Laune.

Vor allem, wenn wir im Coop an die Ganze Schießerei herangehen. Zu zweit macht das Ganze doch noch einmal mehr Spaß und einer ordentlichen Couch-Coop gibt es heutzutage auch kaum mehr. Schade ist nur, dass wir die Kampagne nicht zu Viert spielen können, nicht einmal Online.

Marcus Phoenix kehrt zurück! Gänsehaut!
Marcus Fenix kehrt zurück! Gänsehaut!

Solide Neulinge….

Nachdem wir das großartige Intro des Spiels und die ersten Spielstunden hinter uns gebracht haben, werde wir mit der neuen Truppe vertraut gemacht. J.D. Fenix heißt der Anführer der Leute, und ja, es ist kein Zufall. J.D. ist der Sohn unseres Kriegshelden Marcus Fenix und versucht als solcher nicht in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Dafür sind sie sich einfach zu unterschiedlich, dass fängt schon bei dem Aussehen der beiden an. Marcus, uns als grobschlächtiger Muskelriese bekannt, ist uns persönlich deutlich charmanter und markanter als sein Sohn, der eher durch sein „normales“, jungenhaftes Aussehen für Aufmerksamkeit sorgt. Dazu gesellt sich der Clown der Truppe, Delmonet „Del“ Walker und die hübsche Kait Diaz, die mit Waffen und Fäusten dennoch ordentlich austeilen kann. Alle drei als Dreierpack machen ihre Sache nicht schlecht, an die alten Haudegen aus den ersten Teilen kommt die Truppe aber nicht heran. Ein wichtiger Punkt für deren dennoch vorhandene Akzeptanz unserseits: Die Lokalisierung. Im Gesamten ist Gears 4 richtig fantastisch vertont, die Charaktere wurden passend besetzt und wir erkennen zahlreiche professionelle Sprecher wieder. Wenn dann aber Marcus um die Ecke kommt und wir wieder die kernige Stimme eines unseren früheren Helden erleben, kommt zeitweise Gänsehautstimmung auf. Glücklicherweise schließt sich uns Marcus im Laufe der Kampagne mehrfach an und zeigt nochmal, was die alte Riege so drauf hat.

Leckerchen! Gefährlich, bitte nicht fressen lassen!
Leckerchen! Gefährlich, bitte nicht fressen lassen!

Abfällig…

Nach dem hervorragenden Einstieg, in dem wir uns mit Marcus durch die Locust kämpfen und unsere neue, durchaus solide Truppe kennenlernen, gibt es allerdings ein sehr großes Problem. Was bitte bekämpfen wir hier? Dass die Frage überhaupt von uns gestellt werden muss, legt nahe, dass es sich dabei nicht um die Locust handelt. Nein, die kommen später, erst einmal stellt uns die Regierung einige Roboter in den Weg. Japps, Roboter! Bisher nie dagewesen sägen wir uns mit unserer obligatorischen Kettensäge nun nicht mehr durch Fleisch, sondern durch Metall. Das ist erst einmal nervig, bis wir uns schließlich langsam daran gewöhnt haben. Zum Glück besteht der Großteil der Kampagne dann aber doch aus Kämpfen gegen die Locust, was wieder für mehr positive Gefühle sorgt. Es macht halt mehr Lust fleischige Feinde zu zerstückeln, statt Roboter. Auch das Eintreffen der Locust auf dem Schlachtfeld ist deutlich realistischer und angenehmer als bei den Robotern zu Beginn des Spiels. Am Anfang werden gefühlt hunderte Roboter von Transportfahrzeugen abgeworfen, die Wellen haben einfach kein Ende. Das fühlt sich bei den Locust durch deren vermehrtes Eintreffen über den Boden doch deutlich realistischer an.

Was uns bei den Gegnern gefehlt hat? Zwischenbosse! Erinnern wir uns an frühere Teile zurück, gab es nicht selten einen Zwischenboss zu überwältigen, was den Spielfluss deutlich aufgepeppt hat und davon abgelenkt hat, dass wir eigentlich immer und immer wieder dasselbe machen: Gegner zu killen und von Deckung zu Deckung hechten. Der Rhythmus war top abgestimmt. In Gears 4 hingegen treffen wir nur sehr selten einen Zwischenboss. Wenn dann ist er toll inszeniert, aber viel zu selten kommen wir in den Genuss einer riesigen Fleischbestie. Die etwas brachialeren und vor allem herausfordernden Gegner, wie z.B. der Snatcher, werden hingegen viel zu häufig ins Schlachtengetümmel geworfen. Dadurch verlieren sie relativ schnell ihren Reiz. Generell schleicht sich bei uns schneller das Gefühl ein, immer das Gleiche zu machen. Das liegt unter anderem auch an den meist nur durchschnittlichen Kulissen. Vor allem zu Beginn des Spiels verändert sich hier sehr wenig, im späteren Verlauf gibt es hier und da aber noch einmal ein paar abwechslungsreichere optische Aspekte.

Grafisch ist Gear 4 auf einem sehr hohen Niveau! Zwischendurch allerdings gibt es sehr fantasielose Kulissen!
Grafisch ist Gear 4 auf einem sehr hohen Niveau! Zwischendurch allerdings gibt es sehr fantasielose Kulissen!

Wetter und Multiplayer…

Interessant wird es vor allem, dann das Wetter Einfluss auf das Spielgeschehen nimmt und Granaten plötzlich nicht mehr das machen, was sie eigentlich sollen: Auf den Gegner fliegen! Vielmehr fliegt die Bombe dann auf direktem Wege wieder auf uns zurück oder macht eine scheinbar unmögliche Kurve vom Gegner weg. Problem hierbei, trotz Top-Feeling: Die Stürme treten viel zu häufig auf und verlieren so ihren besonderen Reiz, wirken eingespielt und werden damit genauso bekannt wie die Kämpfe generell. Dennoch: Trotz der teilweise aufkeimenden Kritik bleibt Gears 4 ein Toptitel, der vor allem durch seine Spielmechanik überzeugen kann. Storytechnisch ist noch viel Luft nach oben, auch durch die eher blassen Charaktere.

Ganz stark  in puncto Spielspaß präsentiert Gears 4 sich im Multiplayer: Vor allem der Horde-Modus überzeugt mit einem nahezu perfekten Fokus auf Teamplay. Zu fünft erwehren wir uns zahlreicher und immer stärker werdender Gegnerwellen und verteidigen dabei unsere Stellungen, bauen Neue, transportieren unsere Bautruhe von A nach B zu C und verstärken unsere Defensivanlagen. Dabei achten wir auf unsere Partner, entwickeln neue Verstärkungen und merken schnell, dass es hier unheimlich auf Teamplay ankommt. Neu ist, dass wir uns im Horde-Modus für mehrere Klassen entscheiden können, die noch einmal etwas mehr Taktik in den Spielmodus integrieren. Eine Klasse kann beispielsweise schneller oder günstiger bauen, ein anderer hingegen ist der bessere Tank und steckt mehr ein, während der Dritte mehr Schaden austeilt.

Wer sich außerhalb des Horde-Modus Online tummeln möchte, kann natürlich auch zum allseits bekannten Team Deathmatch wechseln. Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche andere Modi. Kämpfen wir uns mit nur einem einzigen Leben durch „Kriegsgebiet“, erobern in „König des Hügels“ die Zonen unseres Teams, stellen uns in „Wettrüsten“ auf eine wechselnde Bewaffnung ein oder kümmern uns in „Beschützer“ um den Boss der anderen Seite, um Respawns zu unterbinden und die Chance zu haben, das restliche Team vollständig zu eliminieren. Im neuen Modus Dodgeball holen wir hingegen Kumpanen wieder in den Kampf zurück, indem wir andere Gegner töten. Je nach Teamstärke ergeben sich hier zahlreiche spannende Matches.

Die ganzen Matches können nun rein spaßeshalber erlebt werden oder auf Rangliste gespielt werden. Fantastisch: Schon jetzt werden Spieler bestraft, die ein Ranglistenspiel frühzeitig verlassen. Top! Für unsere zahlreichen Leistungen holen wir uns Kartenpakete, die mit diversen Boni versehen sind. Wir bekommen ein neues Aussehen spendiert, unsere Waffe ein optisches Update oder einen simplen, aber überaus wirkungsvollen XP-Boost. Das Ganze kann auch über Echtgeld in unsere Hände gelangen, muss aber auch nicht. Außerdem handelt es sich, bis auf den XP-Boost nur um optische Spielereien, einen spielerischen Vorteil können wir durch Extrageld nicht erspielen.

Delmont und JD samt ihrem Bike!
Delmont und JD samt ihrem Bike!

Fazit:

Gears of War 4 schließt sich von der Qualität in die Riege der Serie ein! Ja, es gibt Schwierigkeiten in der Story des Spiels, auch die Charaktere sind nicht so authentisch. Sie haben aber auch ein schweres Kreuz zu tragen. Spielerisch ist Gears 4 über alle Zweifel erhaben, sowohl alleine, als auch im Co-Op (Couch-Co-Op!!!) oder im Multiplayer. Insgesamt überzeugt Gears 4 auf allen Ebenen, nur kleine Abstriche trüben leicht das Gesamtbild.

Wie findet Ihr das neue Gears?

 

 

 

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