Robinson: The Journey im Test

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Crytek, die kreativen Köpfe hinter Far Cry (Teil 1!), der Crysis-Reihe und anderen Titeln, haben in letzter Zeit vor allem aufgrund von finanzieller Schieflage Schlagzeilen gemacht. Zeigen die Experten für High-End-Grafikerfahrungen aus Deutschland mit ihrem ersten Titel für die Playstation VR, dass man sie auf keinen Fall abschreiben sollte?

Kennt ihr noch die X-Isle Demo?

Der eine oder andere PC-Spieler unter euch erinnert sich vielleicht noch an die Zeiten der Nvidia Geforce 2 Grafikkarten. Damals lies eine Grafikdemo mit dem Titel X-Isle reihenreise die Kinnlade nach unten klappen, inklusive der des Autors! Einige Zeit später erschien das allererste Far Cry und lieferte auf Basis der CryEngine von der deutschen Spieleschmiede Crytek das ab, was die hauseigene Demo seinerzeit schon versprochen hatte. Unglaublich riesige Level ohne Ladebalken, ein bis dahin ungekanntes Gefühl von Freiheit und einen wahren Schub an Hardwarekäufen, um die eigene Höllenmaschine für diesen Titel bereit zu machen.

Danach lieferte Crytek eine weitere tolle Shooter-Reihe mit Crysis 1-3 ab, sprengte erneut den bis dahin als machbar erdachten Horizont der Grafik und überzeugte auch im Gameplay. Das klappte später auch auf den Konsolen. Die Yerli-Brüder entschlossen sich danach, auf den Free-2-Play-zug aufzuspringen und damit ging es dann leider bergab. Man hörte und hört auch aktuell wieder von finanziellen Problemen, gestoppten Projekten und verkauften Markenrechten sowie Entlassungen.

Mehrmals müssen wir Energie umleiten, um Geräte mit Strom zu versorgen.
Mehrmals müssen wir Energie umleiten, um Geräte mit Strom zu versorgen.

Doch nun sind die Jungs und Mädels von Crytek endlich zurück und ich habe mich als Studiofan im Team geradezu darum geprügelt, ihr neues Spiel testen zu dürfen. Noch dazu in VR! Leider erinnert der Einstieg nicht mal ansatzweise an den irren Fallschirmsprung aus dem Einstieg von Crysis. Während man damals sofort mit der Grafikpracht erschlagen und dann noch mit dem Sprung aus dem Flugzeug entlohnt wurde, fällt der Einstieg in Robinson: The Journey deutlich unspektakulärer aus. Ein Standbild, dass im Orbit eines Planeten ein riesiges, explodierendes Raumschiff zeigt, ein bisschen Text – Schnitt! Plötzlich befinden wir uns in einer Art Höhle im Dschungel, vor uns einige Eier. Aus einem der Eier schlüpft ein T-Rex und ein Roboter, der so auch direkt aus Valves Portal Reihe entsprungen sein könnte, zeigt mit seinem Display Gefahr an und warnt uns vor diesem angeblich gefährlichen und doch so süßen Baby-T-Rex. Dabei erinnert Roboter HIGS auch ein wenig an den Roboterbegleiter aus dem Film Moon. Er hat immer wieder einen lustigen Spruch auf den Lippen, ähm, auf dem Display.

3 Monate später…

Wir sind offensichtlich der bisher einzige Überlebende der Raumschiffkatastrophe und haben uns eine bescheidene Behausung auf dem Planeten aufgebaut. Morgens setzen wir erneut einen Notruf ab, eher wir uns draußen unser Lager näher ansehen. Erneut? Ja, den das Spiel erzeugt eine nette Atmosphäre, so als ob wir zum Sichern unseres Überlebens tagtäglich ein paar Grundtätigkeiten umsetzen. So setzen wir den Notruf ab, beseitigen eine Störung an unserem kleinen Wasserkraftwerk und machen uns auf den Weg zu unserer Farm, die mal wieder von diebischen Dinos sabotiert worden ist. Unser Begleiter HIGS, ein kugelrunder, immer in unserer Nähe schwebender Roboter, hilft uns bei den ersten Schritten draußen und erkundet mit uns unser Lager. Er gibt uns auch unsere Aufgaben vor und vermittelt uns den Eindruck, eher einen kleinen Jungen oder Teenager zu spielen.

In der Rettungskapsel von Robin startet unser Abenteuer.
In der Rettungskapsel von Robin startet unser Abenteuer.

Auch Leica, unser eigener Baby-T-Rex, bewohnt mit uns das Lager und lässt sich mit einfachen Kommandos steuern. Verrückt, dass ein T-Rex auf einem fremden Planeten, auf dem wir abgestürzt sind, besser hört als so mancher Hund auf der Erde. Aber sei es drum! Beim Umherwandern können wir allerlei Tiere in eine Art minispiel scannen, bei dem wir die grünen Punkte mit dem Scanner treffen und die roten meiden müssen. Damit sammeln wir weitere Einträge in unserem eigenen kleinen Tierlexikon. In der Ferne sehen wir das riesige Mutterschiff, dass offensichtlich die harte Bruchlandung einigermaßen gut weggesteckt hat. Im Himmel kreisen Flugsaurier und auch die Soundkulisse zeichnet einen tollen, lebendigen Dschungelplaneten. Das Spielgefühl zu Beginn erweckt den Eindruck, vor allem, wenn man bereits andere VR-Titel gespielt hat, als könnte es auf eine sehr geringe Spielzeit, bestehend aus einer Aneinanderreihung von Minispielen, hinauslaufen.

Bewahrheitet sich diese Sorge? Nein! Die erste Spielstunde ist etwas zäh. Leider kann Robin nicht sprinten und auch wenn das Aufsaugen der Spielwelt sehr viel Spaß macht, stört die geringe Bewegungsgeschwindigkeit vor allem beim Lösen der Aufgaben. Das Aufsammeln von in der Umgebung verteilten Bauteilen zur Reparatur eines kleinen Windkraftwerkes wird so unnötig in die Länge gezogen. Auf der anderen Seite kann dies auch der möglichen Motion-Sickness geschuldet sein bzw. der Vermeidung eben jener. Das Menü lässt eine Anpassung der Steuerung zu, so dass man mit verschiedenen Varianten, trotz fehlendem Sprint, experimentieren kann. Teilweise kann man damit aufkommender Bewegungskrankheit sehr gut entgegenwirken. Da reagiert wohl wirklich jeder ein bisschen anders. Für mich war die vorgegebene Steuerung die mit meinem Magen am besten im Einklang lebende.

Wir drehen uns nicht frei, sondern in ca. 30°-Abschnitten und bewegen uns dabei mit dem Controller. Die Playstation Move-Controller werden leider nicht unterstützt. Stattdessen bestimmten wir vollem mit unserer Blickrichtung, mit welchen Gegenständen wir interagieren. Leider lässt vor allem das Klettern die Move-Unterstützung vermissen, werden hier doch ähnlich wie bei Arkahm VR beide Hände eingeblendet. Dabei steuern wir die Hände mit den beiden Triggern und greifen so an eine Felskante, halten den Trigger gedrückt und visieren mit unserem Blick die nächstgelegene Greifmöglichkeit an und ziehen dann den anderen Trigger. Das fühlt sich nicht schlecht an, aber wer bereits anderen Titel gespielt und dabei die Move Controller genutzt hat, wird feststellen wie natürlich sich diese Art der Steuerung und Darstellung mit dem Move anfühlt. Verinnerlicht habt ihr die Steuerung aber trotzdem nach wenigen Minuten und den ersten kleinen Rätseln.

Was ist Robinson: The Journey denn nun eigentlich?

Sobald ihr die Kontrolle über Robin übernehmt, befindet ihr euch in mitten eines Adventures aus der Egoperspektive. Dabei erkundet ihr euer Lage sowie andere Bereiche der Spielwelt und löst dabei Rätsel, um euer Fortkommen zu ermöglichen. Meistens geht es dabei darum, die entsprechenden Bereiche durch Klettern und das Einsetzen eures Schwebewerkzeuges zu erreichen. Mit letzterem könnt ihr Gegenstände und Tiere nicht zur scannen und so euer Lexikon erweitern, sondern Gegenstände, je nachdem wie schwer sie sind, schweben lassen und in alle Richtungen drehen und wenden. So baut ihr z. B. im Teersumpf aus Trümmerteilen Brücken, um den tödlichen Teer überqueren zu können. Oder ihr setzt die verstreuten Bauteile eines Windkraftwerkes wieder zusammen.

Die roten Punkte meiden wir und scannen dafür die grünen. So wächst der Umfang unseres Lexikons.
Die roten Punkte meiden wir und scannen dafür die grünen. So wächst der Umfang unseres Lexikons.

Die Schwierigkeit der Rätsel ist dabei angenehm einsteigerfreundlich, obwohl man an vielen Stellen nur dann weiterkommt, wenn man die Umgebung genau untersucht.  Immer wieder übernehmt ihr auch die Steuerung von HIGS bzw. seiner Perspektive und müsst dann in immer wieder auftauchenden Minirätseln die Energieverteilung so optimieren, dass am Zielpunkt genau die richtige Menge Energie ankommt. Das ist nett und lockert das restliche Spielgeschehen auf.

Eure Hauptaufgabe besteht darin, verloren gegangene HIGS-Einheiten zu finden und so mehr über den Hintergrund des Absturzes eures Mutterschiffs sowie Hinweise auf eventuell andere Überlebende Menschen herauszufinden. Im letzten Spielabschnitt steigt die Lernkurve plötzlich drastisch an, da hier beinahe ohne Hinweise von HIGS all das anwenden müsst, was ihr in der restlichen Spielzeit gelernt hab. Das Ganze wird mit einem, leider zu schnell verpuffenden Höhepunkt, beendet. Um was es sich genau handelt, werde ich hier zur Vermeidung von Spoilern nicht verraten. Robinson: The Journey gehört zu den Titeln, die am meisten von der neuen PlayStation 4 Pro profitieren sollen. Leider konnten wir das noch nicht testen, aber die Gaming-Community im Netz scheint dies durchweg zu bestätigen.

 Fazit

Crytek ist zurück und liefert erstmal ordentlich Dino-Power für die Playstation VR! In diesem Adventure aus der Ego-Perspektive kommt definitiv Dschungelfeeling auf und über zwanzig Jahre nach dem ersten Jurassic Park Film einem Dino Auge in Auge gegenüberstehen macht, definitiv Laune. Technisch überzeugt Crytek, wie gewohnt, auch hier. Auch die Steuerung ist trotz fehlender Move-Unterstützung eingängig und bringt trotz beinahe freier Bewegung keine allzu starken VR-Nebenwirkungen mit sich. Abseits der Hauptziele gibt es diverse Nebentätigkeiten, wie weitere Reparaturen, Vervollständigung des Tierlexikons und Verstecken spielen mit Baby T-Rex Leica. Nach dem Abspann findet ihr euch am Startpunkt wieder und könnt dann noch offene Aufgaben erledigen. Je nach Spielweise seid ihr zwischen 4 und 6 h beschäftigt, womit Robinson: The Journey im Vergleich zu einigen anderen VR-Launchtiteln richtig viel Spielzeit bietet.

Trotzdem kosten der lahme Einstieg und das Gefühl, als hätte das Spiel noch ein paar Monate mehr Feinschliff und mehr Inhalte gebraucht, die Top-Wertung. Ich hoffe, dass der Titel so erfolgreich wird, dass Crytek uns erneut in die Welt von Robin und HIGS eintauchen lässt. Trotz allem ist der Titel einer der wenigen storybasierten VR-Titel und alleine deshalb sowie wegen der Dinos und der Darstellung einen Blick wert. Beim nächsten Ausflug mit HIGS bin ich sofort wieder mit an Bord!

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