Titanfall 2 im ausführlichen Test

Ein verbesserter Erstling!

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2014 eroberte Titanfall so manches Multiplayerherz. Und auch meines gehörte damals der neuen IP von Respawn Entertainment. Parcours im Multiplayer, riesige Titanen als Fortbewegungs- und Kampfmöglichkeit und zahlreiche verschiedene Modi, per DLC nachgelieferte Karten und, und, und. Was braucht das kleine Gamerherz schon mehr? Gut, eine Solokampagne hatte Titanfall nicht zu bieten, eigentlich ein No-Go.  Aber hallo??? Titans! Wie man sehen kann, können die Erwartungen an den nun multiplattform tauglichen Shooter nicht komplett objektiviert werden. Lest im Test, ob diese Erwartungen vom Spiel erfüllt werden, und ob Titanfall 2 eine Überlebenschance im harten Shooter-Aufgebot des Herbstes hat. Zur Verfügung stand uns dafür die XBox One-Fassung des Spiels!

Auf in die solide bis sehr gute Kampagne von Titanfall 2: Mit unserem Piloten und seinem Titanen!
Auf in die solide bis sehr gute Kampagne von Titanfall 2: Mit unserem Piloten und seinem Titanen!

Kampagne

Erwartungen endlich erfüllt….

Ähnlich wie in unserem  Battlefield One-Test von neulich, teilen wir unser Review wieder in zwei verschiedene Teile auf: Die Kampagne und die den Multiplayer. Glücklicherweise können wir das dieses Mal auch tun, schließlich hat Titanfall 2 eine Kampagne. Und zwar eine Vollwertige! Mit Leid erinnern sich Fans des Erstlings an die hintereinander abgespulten Schlachten der „Kampagne“, die sich nur in einer Sache vom dazugehörigen Multiplayer unterschieden: Es ging nur gegen die K.I.. Das machte es genauso uninteressant wie es sich anhört. Story wurde nur über Audiostreaming geboten. Und wurden Anweisungen erteilt, wir erfüllten diese Anweisungen und kamen so eine Schlacht weiter. Dabei konnten wir teilweise auf der Seite der IMC kämpfen, die „Interstellar Manufacturing Corporation“, oder uns mit den Rebellen gegen die Machenschaften des Großkonzerns zur Wehr setzen. Wirklich abwechslungsreicher wurde es dadurch nicht, denn die Missionsstrukturen blieben gleich. Und nein, „Missionstrukturen“ wäre auch falsch! Es gab keine richtige Kampagne Ende und Aus.

Unsere Mundwinkel schossen also bereits in die Höhe, als angekündigt wurde, dass Titanfall 2 eine Kampagne bieten würde. Und ja, dass tut sie. Zwar erleben wir die Kampagne dieses Mal nur aus der Sicht der Rebellen, genauer, aus der Sicht des Rebellen Cooper. Eigentlich ein absoluter Normalo, wird er plötzlich befördert und auf eine Mission geschickt, die das Schicksal der Welt entscheiden wird. Das hört sich genauso pathetisch an, wie es sich auch am Ende herausstellt. Dennoch: Was die Kampagne angeht, hat Titanfall 2 zumindest Battlefield One etwas voraus. Die episodenhafte Darstellung tut dem Erste Weltkriegs-Shooter zwar gut, eine zusammenhängende Kampagne gefällt uns persönlich aber besser. Und das, weil Titanfall 2 eine gute Kampagne hat. Ähnlich wie beim Konkurrenten aus demselben Hause werden die Mechaniken des Spiels in den Kampagnenmodus integriert. Titanfall 2 macht das allerdings etwas geschickter und weniger zaunpfahlmäßig.

Die Titanenkämpfe sind sowohl in der Solokampagne als auch im Multiplayer eine Wucht!
Die Titanenkämpfe sind sowohl in der Solokampagne als auch im Multiplayer eine Wucht!

Bekannter Actionreichtum…

Darüber hinaus gibt es neben den reinen Shooter-Passagen auch einige Geschicklichkeitsabschnitte, in denen vor allem die Parcoursfähigkeiten unseres Protagonisten gefallen können. Es spielt sich einfach immer noch so actionreich wie früher, es fällt aber auf, dass das Spielgeschehen etwas langsamer abläuft. Das tut der Dynamik des Spiels aber keinen Abbruch. Vor allem da uns die Möglichkeiten von Upgrades und Ausrüstungsgegenständen wieder zahlreiche alternative Kampfstile ermöglichen. Von der Smart Pistol, die K.I.-Gegner anvisiert, aber grundsätzlich eher zu den durchschlagsschwachen Waffen gehört, bis hin zum Scharfschützengewehr ist alles dabei, was wir vermuten würden. Das ist leider Lob und Kritik in einem. In einem derart futuristischen Setting hätten die Designer durchaus etwas mehr Kreativität an den Tag legen dürfen. Dafür dürfen wir uns aber unsichtbar machen oder kurzzeitig unsere Geschwindigkeit beschleunigen. So bleiben unsere Manöver schön vielseitig.

Geminsam mit BT erleben wir actiongeladenes, dynamisches Gameplay - aber auch humorvolle und emotionale Dialoge!
Geminsam mit BT erleben wir actiongeladenes, dynamisches Gameplay – aber auch humorvolle und emotionale Dialoge!

BT mit Charme…

Besonders spannend wird es natürlich, wenn wir unseren Titan BT zum ersten Mal kennen lernen und mit ihm in die Schlacht ziehen. Glücklicherweise haben wir es hierbei nicht nur mit einem optisch ansprechenden Klumpen Blech zu tun, sondern mit einem intelligenten, kommunikationsfähigen Roboter. Zwar machen die Kämpfe mit dem Titan weiterhin sehr viel Spaß und liefern eine wunderbare Portion Abwechslung zu den sonst meistens ablaufenden Infanteriegefechten. Nicht ohne Grund kann der Roboter von uns mit zahlreichen Waffen modifiziert werden, darunter einem Flammenwerfer, zielsuchenden Raketen, einem schweren Geschütz, einer Railgun oder einer riesigen Katana. Vor allem letztere ist in Kombination mit unserem Titan schwer im Epischkeitsfaktor zu überbieten. Was aber besonders gefällt, ist die zwischenmenschliche Interaktion zwischen dem Piloten und seinem Titan. Ein Witzchen hier, ein humorvoller Spruch da, aber auch zeitweise emotionale Momente, die zwischen beiden Parteien ausgetauscht werden. Das macht die Sache lebendig, wir fühlen mit den Charakteren. Eine tiefgründige Geschichte wird so nicht aus dem weiterhin von Patriotismus und Kampfeslust geprägten Kampagnenverlauf, dennoch gibt es der Story deutlich mehr Charme.

Charme verliehen wird der Geschichte auch durch die zahlreichen Schauplätze, die wir gemeinsam mit unserem Titan besuchen dürfen. Ebenfalls ein Vorgeschmack auf die auch im Multiplayer-Modus vorkommenden Kartenpakete. Und was sollen wir sagen: Optisch machen alle Schauplätze was her. Das ist kein Vergleich mehr gegenüber dem durchaus altbacken wirkenden Erstling der Serie. Die Source Engine holt alles aus dem Spiel heraus, die Beleuchtung ist fantastisch, die Texturen scharf gestochen, insgesamt wird das futuristische Setting wunderbar immersiv eingefangen. Auch Rauch, Nebel und Explosionen begeistern mit ihrem Realismus, selbst Innenareale wirken trotz futuristischer Tristesse wunderbar kreativ gestaltet. Optisch lässt sich wirklich wenig mäkeln, leider bewegen sich Sträucher und Gräser auf bewaldetem Gebiet nicht, sondern sind starr auf dem Boden platziert. Das ist aber auch das einzige Manko!

Titanfall 2 erzeugt starke Bilder - grundsätzlich ist die Grafik eine Wucht!
Titanfall 2 erzeugt starke Bilder – grundsätzlich ist die Grafik eine Wucht!

Dumme Gegner in 60 FPS….

Denn selbst die Kampagne kommt in durchgehend flüssigen 60 FPS daher. Leider müssen wir Shooter typisch einige Abstriche bei der künstlichen Intelligenz machen. Gegner bieten sich förmlich zum Abschuss an, intelligentes Vorgehen ist nie wirklich zu erkennen. Meistens macht die Vielzahl an Widersachern die Kämpfe etwas schwieriger, zudem werden Feinde zum Ende der Kampagne etwas mächtiger. Im Grunde genommen bleiben die Feinde aber simples Kanonenfutter. Auch die Bosskämpfe und Titanenkämpfe sind selbst auf den höheren Schwierigkeitsgraden zu einfach geraten, dennoch bleiben sie das absolute Highlight der Kampagne. Leider gibt es zwischen den Titanenkämpfen und den Bosskämpfen nur einen kleinen Unterschied: Die Bosskämpfe bestehen aus mehreren kleineren Gegnern und einem großen Spielpartner, ansonsten gleichen sie sich komplett. Besondere Spezialmanöver oder Taktiken brauchen wir nicht, einfaches Draufhalten und zwischenzeitliches Abschirmen funktioniert solide. Neben dem nicht vorhandenen Kampfanspruch, besitzen die Bossgegner zudem eine nur stecknadelgroße Persönlichkeit. Ja, sie arbeiten für die IMC und eigentlich wird dadurch alles besser, also warum rebellieren wir? Aber darüber hinaus erfahren wir nicht viel über unsere Feinde, eine Grauabstufung oder leichte Grauschattierung in den Charakterzügen ist nicht erkennbar.

Das macht aber alles in allem nicht viel Kummer! Die Kampagne in Titanfall 2 ist im Vergleich zu seinen generischen Genrekollegen eine gute Abwechslung und bietet mit der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter eine wunderbare Mischung aus Shooter- und Geschicklichkeitsabschnitten.

Vertikales Gameplay selbst mit unseren großen Freunden!
Vertikales Gameplay selbst mit unseren großen Freunden!

Multiplayer

Faszination bleibt….

Aber natürlich ist die Kampagne nur ein Stück des großen Titanfall 2-Kuchens. Auf in den Multiplayer! Der Erstling der Serie konnte vor allem durch sein actiongeladenes Parcours-Gameplay und seine großarteigen Titanankämpfe überzeugen. Und was sollen wir sagen: Titanfall 2 hat nichts von seiner Faszination verloren. Spielmodi wie Materialschlacht oder Capture the Flag bleiben das absolute Highlight des Multiplayers. Infanteriekampf in der einen, Titanenkampf in der anderen Ecke. Der Greifhacken sorgt auf den abwechslungsreichen Karten für eine neue Form der Fortbewegung, schafft Vertikalität, wo vorher schon genug ist. Mit schnellen Bewegungen schreiten wir die Karten in Windeseile ab, die Bewegungsfreiheit bietet in jeder Runde neue Möglichkeiten. Stillstand herrscht so gut wie nie!

Shooter typisch haben wir die Wahl aus der gut bestückten, leicht unkreativen Ausrüstungspalette,  die wir auch in der Kampagne benutzen durften. Dabei hat jede unserer Wummen ein eigenes Stufensystem, was die Motivation unterschiedliche Waffen zu nutzen und dadurch neue Aufsätze und Extras freizuschalten noch einmal erhöht. Der eben erwähnte Greifhacken gehört übrigens zu der Sorte Spezialfähigkeiten, d.h. wir können ihn nicht immer bei uns tragen. Sollten wir uns aber dafür entscheiden, verzichten wir im Gegenzug auf  Unsichtbarkeit oder einen Scan-Impuls, der Feinde um uns herum auf der Karte markiert. Wie auch bei der Ausrüstung der Titanen haben wir hier die Wahl zwischen verschiedenen nützlichen Ausrüstungsgegenständen, können uns aber nur für eine begrenzte Anzahl davon entscheiden. Experimentierfreudige Spieler kommen hier auf ihre Kosten!

Leider ist die Modifikation unseres großen Begleiters deutlich eingeschränkter als noch im Vorgänger. Zwar besitzen wir mit sechs verschiedenen, komplett unterschiedlich bespielbaren Modellen eine gute Palette an Auswahlmöglichkeiten, allerdings hätten wir uns gerne einen individualisierten Mech zusammengebaut. Zwar entscheiden wir noch über die Spezialfähigkeit, z.B. ob unser Mech explodiert, sobald wir ihn verlassen oder ob wir unsichtbar werden oder ob wir einen elektrostatischen Rauch produzieren oder schneller ausweichen können. Trotzdem wäre ein vollständig individualisierbarer Titan wie im Vorgänger angenehmer gewesen. Ein neues Feature hat es uns persönlich sehr angetan: So haben wir die Möglichkeit, die Batterieladung, also unser Leben, des Titans an Teammitglieder weiterzugeben, sofern wir dem Tode nah sind. Das fördert nicht nur den Teamspirit, sondern trägt auch zu neuen taktischen Möglichkeiten in entscheidenden Szenen bei.

Die Karten sind vielseitig und abwechslungsreich bespielbar! Qualität statt übermäßiger Quantität!
Die Karten sind vielseitig und abwechslungsreich bespielbar! Qualität statt übermäßiger Quantität!

Gefährliche Karten….

Taktische Einflussmöglichkeiten bieten zudem die neuen Boost-Karten, die die Burnout-Karten ersetzen. Und das ist nicht durchweg positiv gemeint. Zwar bieten die Karten einen guten Bonus und verändern für einen selber und das Team noch einmal die Balancen innerhalb des Spiels, leider können die Karten aber auch per Echtgeld gekauft werden. Und das zu einem sehr günstigen Preis, wenn wir sie mit anderen Fähigkeiten vergleichen, für die wir erst unser mit Mühe und Zeit verdientes Ingame-Geld ausgeben müssen. Wer sich solche Burnout-Karten per Echtgeld kauft, besitzt so einige Vorteile und einen schier unendlichen Vorrat an Karten. Und wenn wir bedenken, dass mit einer Karte sogar die ganze Map aufgedeckt werden kann, gefährdet das die Spielebalance maßgeblich.

Ach ja, uns Spielern kann man es auch nicht Recht machen! Einmal sind die Mikrotransaktionen zu teuer und jetzt sind sie uns zu günstig, wodurch die Spielebalance gefährdet wird. Was aber weniger Diskrepanzen verursacht: EA plant für Titanfall 2 ausschließlich kostenlose DLCs anzubieten. Warten wir es ab, wenn dem wirklich so ist, wäre das absolut fantastisch!

BUMM!
BUMM!

Nicht tot oder lebendig, sondern Geld….

Gucken wir uns nun doch einmal die verschiedenen Modi an. Neben den bereits erwähnten Materialschlacht und Capture The Flag gibt es auch wieder den Hardpoint-Modus, dieses Mal aber sogar in der „amped“-Version. Während wir in Hardpoint nur verschiedene Kontrollpunkte einnehmen mussten, können wir in Amped Hardpoint den gleichen Kontrollpunkt gleich zweimal einnehmen. Das sorgt für doppelte Punkte. Dafür müssen wir aber auch auf dem Punkt verweilen, sonst vergeht der verstärkte Modus. Deutlich abwechslungsreicher wird es aber im komplett neuen Kopfgeldjagd-Modus. Innerhalb zwei verschiedener Teams versuchen wir das gegnerische Team auszulöschen. Mit jedem Kill steigt unser Einkommen. Dieses zahlen wir auf Bankkonten ein. Problem 1: Die Bankkonten sind nicht immer vorhanden, sondern erscheinen zufällig auf der Karte. Problem 2: Werden wir getötet, wird unser Budget halbiert und unser Töter bekommt die Kohle. Das bringt ordentlich Abwechslung in den Spielablauf, entscheidende Kills können zum Ende hin das Blatt noch einmal wenden.

Zusätzlich zu den Infanterie-Modi gibt es auch einen hauptsächlichen Titanen-Modus. Last Man Standing heißt das Ganze. Wie im Vorgänger kämpfen hier Titanen gegen Titanen, ist der letzte Titan eines Teams ausgerottet, ist die Runde entschieden. Die ausgeschiedenen Piloten können währenddessen immer noch für Chaos sorgen. Ganz neu ist hingegen wieder das Kolosseum. Hier treten zwei Piloten gegen zwei andere an, das Team das zuerst ausgelöscht wird, verliert. Da der Kampf auf einen Käfig begrenzt ist, wird die Action umso dynamischer und jeder Schritt wird entscheidend. Dynamisch bleibt es online übrigens stets: Lags gibt es so gut wie keine, 60 FPS sorgen für ein flüssiges, actiongeladenes Spielerlebnis.

Die Piloten halten Ausschau nach der nächsten Gefahr!
Die Piloten halten Ausschau nach der nächsten Gefahr!

Fazit:

Wunderbar: Titanfall 2 hat sich gegenüber dem Erstling in allen Belangen weiterentwickelt. Optisch ist das Spiel eine Augenweide, 60 FPS sorgen sowohl in der Kampagne, als auch im Multiplayer für dynamisches und präzises Steuern. Kampagne? Ja die Kampagne ist dieses Mal in einer vollwertigen Version vorhanden und schlägt sogar die ambitionierte, episodenhaft dargestellt Variante der Battlefield-Konkurrenz. Viel zu bemängeln gibt es nicht, auch weil der Multiplayer wieder bis in die Fußspitzen fasziniert. Schnelle, Parcours-Elemente gepaart mit Titananschlachten und einem prasselenden Sound, der parallel dazu aus den Boxen dröhnt. Titanfall 2 ist in allen Belangen besser als sein Vorgänger! Und ja, in diesem Herbst wird es so einige Spieler von der Konkurrenz fernhalten. Oder zusammenführen! Herrlich!

Was haltet ihr von Titanfall 2?

 

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