For Honor im großen Test

0
122

Seit dem Jahr 2014 scheint sich einiges im Hause Ubisoft bewegt zu haben. Mit Rainbow Six Siege hat das französische Unternehmen direkt einen EA Sport-Klassiker gelandet und mit Watch Dogs 2 einen schwierigen Einstieg eines neuen Serien-Franchise rehabilitiert. The Division hat zwar nicht den Einschlag vorweisen können, den es hätte haben sollen, doch auch hier lässt sich die kreative Ader des Unternehmens herauslesen. Kreativität ist ein gutes Stichwort! Ubisoft versucht grundsätzlich aus den verkrusteten Strukturen bestehender Spielefranchises auszubrechen und neues zu schaffen! So auch mit For Honor, einem neuen Multiplayer-Schwertkampfspiel ala Chivalry oder Mound & Blade. Lest hier in unserem Test, ob die neue Idee der Franzosen Früchte trägt. Zum test stand uns die XBox One-Version des Spiels zur Verfügung!

Großes Schlachtengetümmel!

For Honor scheint ein sehr ambitioniertes Unterfangen zu sein. Schließlich wird die Mittelalter-Schwertkampfszene bereits von Spielen wie Chivalry dominiert. Außerdem: Wer denkt bei Multiplayer-Gefechten unmittelbar an Schwerthiebe und Schildstöße? In einer Landschaft, die von Multiplayer-Shootern und Mobas dominiert wird, sticht For Honor als Triple-A-Schwertkampfgefuchtel heraus wie ein bunter Hund. Das kann allerdings auch ein Vorteil sein.

Gefuchtel ist an dieser Stelle übrigens nicht das richtige Wort, um die Kämpfe in For Honor korrekt zu beschreiben. Aber dazu später mehr…

Alleine in den Krieg…

Werfen wir erst einmal einen Blick in den Singleplayer! Und ja, ihr habt richtig gehört! For Honor bringt neben einem umfangreichen Multiplayer auch eine Kampagne mit, die satte 18 Missionen umfasst. Diese können wir entweder alleine oder komplett im Koop spielen. Dabei hat das Spielen zu zweit deutlich weniger Auswirkung auf die Spielerfahrung als bei anderen Titeln, bei denen Koop das Spielgeschehen aufwertet oder in gewisser Hinsicht vereinfacht. Hier dient es einfach der zweifachen Bespaßung.

Und das funktioniert außerordentlich gut für die Kampagne eines im Kern konzipierten Multiplayer-Spiels. In den 18 Missionen kämpfen wir abwechselnd an den Fronten der drei verschiedenen Fraktionen Ritter, Samurai und Wikinger und entdecken nahezu alle Helden, die wir später auch im Multiplayer nutzen können. Generell dient der Singleplayer wunderbar dazu, die Spielmechaniken des Spiels kennenzulernen und sich für die PvP-Kämpfe vorzubereiten. Grundsätzlich klingt das wieder nach einem konventionellen Grund, eine Kampagne anzubieten. Mehr schlecht als Recht wird etwas im PvE inszeniert, was einen für spätere Multplayer-Gefechte vorbereitet. Aber: For Honor schafft es auch interessante Missionen und eine solide Hintergrundgeschichte darzubieten. Es wird schnell klar, dass die drei Parteien nicht ohne Grund aufeinander losgehen, sondern dass im Hintergrund die mysteriöse Apollyon die Fäden zieht und die Parteien gegeneinander aufwiegelt.

Sie manipuliert und fordert von unseren Helden, gegen ihre eigenen Prinzipien zu verstoßen. Einen richtigen Protagonisten zur Selbstidentifikation bietet For Honor darüber hinaus aber nicht. Dafür wechseln wir zu oft die Perspektive und stehen plötzlich auf der anderen Seite der Mauer. Grundsätzlich bleiben die Helden selbst auch blass und werden schnell zu hörigen Kriegern, was dazu führt, dass sie sogar ihre Prinzipien vergessen.

Dennoch passt die Geschichte für ein Multiplayer-lastiges Spiel, überrascht werden wir allerdings nur selten. Zwar gibt es den ein oder anderen Twist, viel erwarten sollten wir hingegen nicht.

Die K.I. hat keine Chance gegen den Samurai!

Call of Duty and For Honor…

Die Geschichte tritt somit relativ schnell in den Hintergrund. Und dennoch: Die Kampagne macht Freude. Das liegt an mehreren Aspekten. Zum einen ist das Kampfsystem und die wuchtige Umsetzung der Kämpfe eine Augenweide, die selbst im Kampf gegen die K.I. glänzen können. Im Kampf gegen die zahlreichen Bosse müssen wir zudem besondere Taktiken einsetzen, da unsere Widersacher besondere Manöver beherrschen, denen wir so noch nicht mal im Multiplayer begegnen. Zum anderen lockern zwischenzeitliche „Fahrzeugpassagen“ das ständige Gemetzel auf. Plötzlich sitzen wir auf einem Pferd und reiten durch die Landschaft, während wir den Gegner vor uns jagen.

Alles in allem kann die Kampagne von For Honor uns durchaus bei Laune halten, vom Hocker reißen tut sie uns aber sicherlich nicht. Das muss sie aber auch nicht. Alleine ihr Vorhandensein und die solide Art und Weise ihrer Präsentation beschert uns ein kurzweiliges, 6 stündiges Abenteuer.

Intensive Duelle mit Schwert und Schild!

Schwert und Schild…

Nun zum Herstück des Spiels: Der Multiplayer. For Honor bietet in seinem Startumfang fünf verschiedene Spielmodi. Der Dominion-Modus ist dabei wohl der Beliebteste. Hier treffen acht Spieler in zwei Teams aufeinander und kämpfen um Kontrollpunkte auf einer mittelgroßen Karte. Diese Karte ist zusätzlich mit K.I-Einheitenbefüllt, die sich durchgehend in der Mitte der Karte auf die Omme hauen. Nützlich sind diese nicht, ihr bekommt pro getötete K.I.-Einheit allerdings etwas Erfahrung hinzu. Zudem füllen sie die sonst leere Karte mit Leben und Schlachtengetümmel.

Darüber hinaus bietet Dominion die größte Anzahl menschlicher Spieler auf einer Karte. Dadurch kann es schonmal taktisch werden. In einem Moment greifen wir zu dritt einen Gegner aus dem Hinterhalt an. An anderer Stelle befindet sich der letzte unserer Kameraden allerdings in der Unterzahl. So teilen wir uns auf, greifen die anderen aus dem Hinterhalt an, lauern hinter Deckungen und versuchen so uns einen Vorteil zu verschaffen.

Im Duell hingegen, geht es gegen einen einzigen Widersacher. Hier ist ebenfalls taktisches Verständnis gefragt, doch auf eine andere Art und Weise. Hier verstecken wir uns nicht hinter Deckungen und warten bis wir aus dem Hinterhalt angreifen können. Wir spielen mit Raffinesse, warten auf den Angriff des Gegners, blocken seine Schläge, kontern sie oder weichen ihnen vollständig aus. Das eins gegen eins ist eindeutig der adrenalingeladenste Modus, da hier alles nur auf einen selber ankommt. Sieg und Niederlage entscheiden sich in Sekundenbruchteilen.

Neben Dominion und Duell gibt es zudem noch Skirmish und Elimination, beides Formen des Team-Deathmatches. In Skirmish muss das eine Team das gegnerische Team vollständig auslöschen. Dabei gibt es Respawns, wenn ein Teammitglied oder wir selber gefallen sind. In Elimination hingegen bedeutet der Tod das direkte Aus für die Runde.

Der letzte der fünf Modi, Brawl, konzentriert sich ähnlich wie Duell auf Eins-gegen-Eins-Duelle, allerdings stehen hierbei zwei Krieger auf jeder Seite. Je nachdem wie taktisch wir im Team vorgehen, können wir uns zu zweit einen Gegner vornehmen, um anschließend den letzten in aller Seelenruhe ausschalten zu können. Haben wir es hier allerdings mit einem erfahrenen Widersacher zu tun, geht der Plan auch schon einmal nach hinten los und wir beide beenden die Runde als Leiche auf dem Steinboden.

Die Ruhe vor dem Sturm!

Casual oder Pro…

For Honor ist kein leichtes Spiel. Ähnlich wie The Division und Rainbow Six Siege findet das Spiel einen wunderbaren Spagat zwischen Casual- und Pro-Gameplay. Um den Kampf zu perfektionieren, müssen wir einiges an Spielzeit in die unterschiedlichen Helden investieren: Wer nur zwischendurch etwas Draufhauen möchte, wird seinen Spaß haben, aber gegen erfahrende Spieler viele Probleme bekommen. Sind die Bewegungen erst einmal in Fleisch und Blut übergegangen, entfaltet sich das volle Potenzial von For Honor.

Es gibt leichte und schwere Angriffe, wir können Blocken oder direkt Angriffe kontern, um unseren Widersacher auf dem falschen Fuß zu erwischen. Der Kampf läuft nach dem aus anderen Spielen bereits bekannten Schere-Stein-Papier-Prinzip ab, alle Manöver haben ihre Nemesis. Dadurch kommt einiges an Taktik in den Schwertkampf, Konzentrationsverlust während des Zweikampfs bedeutet gegen erfahrende Gegner meist das Ende. Die Steuerung der einzelnen Manöver ist sehr komplex. Zusätzlich müssen wir uns nicht nur um das trainieren unseres eigenen Charakters kümmern, sondern uns auch immer wieder auf einen anderen Gegner einstellen.

Alle drei Fraktionen nennen vier Krieger ihr Eigen, alle vier mit unterschiedlichen Kampfstilen. Schön ist, dass keiner der 12 Charaktere eine Schablone für einen anderen Charakter darstellt, sondern es in jedem Team vier unterschiedliche Helden gibt. Zwar hat jedes Team einen flinken Kämpfer, der mit schnellen Angriffen den Gegner aus dem Hinterhalt angreifen kann und einen Tank, der viel Schaden nimmt, viel austeilt aber dafür langsam ist- ein klares Schema lässt sich aber nicht ausmachen. Bei den Samurai z.B. haben wir den Shugoki, der mit seiner riesigen Keule langsame aber immens effektive Schläge auspackt. Dem gegenüber steht der der Plünderer der Wikinger, der etwas schneller zuschlägt und mit seiner Langaxt in einer großen Reichweite austeilen kann. Dazu kommt, dass der Wikinger sich gut mit Würfen auskennt.

Diese zahlreichen verschiedenen Spielweisen sind eine Freude für alle Experimentierfreudigen. Das einzige was wirklich fehlt, ist ein richtiger Fernkämpfer. Zwar können bestimmte Helden mit Messern um sich werfen, wirkliche Fernkampftaktiken lassen sich so aber nicht realisieren. Zusätzlich zu unterschiedlichen Waffen, anderen Moves und Bewegungsgeschwindigkeiten, besitzt jeder Held andere Gaben. So können wir unsere Klinge vergiften oder unseren Schlägen mehr durchschlagende Kraft verleihen. Diese Gaben aktivieren sich im Laufe einer Runde. Umso erfolgreicher wir Gegner oder die K.I. ausgeschaltet haben, umso schneller bekommen wir die Gaben zur Verfügung gestellt.

Der Plünderer kämpft mit einer Langaxt und Würfen!

Balance halte und viel Zeug…

Gaben, verschiedene Waffen und Helden, unterschiedliche Angriffs- und Bewegungsgeschwindigkeiten – alles Faktoren, die sinnvoll ausbalanciert gehören. Das macht For Honor bisher ganz gut. Im Allgemeinen gibt es keine Klasse, die besonders aus der Masse heraussticht. Das der eine Held gegenüber einem anderen Helden im Vorteil ist, demgegenüber aber gegen einen anderen Krieger keine Chance hat, ist Teil der Spielmechanik. Darauf muss das Team dementsprechend reagieren. Im Duell-Modus allerdings, sorgt die Wahl eines falschen Helden zu Problemen, je nachdem was der Gegenüber ausgewählt hat. Dadurch wird der Modus je nach Auswahl zu einem sehr unfairen Gemetzel.

Selbst wenn wir verlieren: Wir bekommen mit der Zeit immer mehr Loot. Rollenspieltypisch bekommen unsere Krieger, die wir übrigens alles separat aufleveln, neue Waffen, Rüstungen oder andere Ausrüstungsgegenstände spendiert. Dabei hängt der Fund davon ab, welches Level wir gerade sind. Haben wir ein niedriges Level, bekommen wir auch nur „schwache“ Ausrüstungsgegenstände, während wir als Veteran eines Charakters bessere Ausrüstung erhalten. Damit können wir unseren Kriegern unseren eigenen, individuellen Touch verleihen. Dabei sollten wir aber aufpassen: zwar sieht eine Waffe manchmal überaus stylisch aus, allerdings bringt jedes Teil Vor-und Nachteile mit sich. Ein stärkerer Angriff resultiert in schlechteres Verteidigung, eine bessere Panzerung verringert unsere Bewegungsgeschwindigkeit. Wer nicht auf besondere Gegenstände warten möchte oder kann, darf sich zudem die Ingame-Währung Stahl mit Echtgeld kaufen, um sein Arsenal aufstocken zu können. Bisher sind aber keine Balancing-Probleme aufgrund von übermächtigen Ausrüstungsgegenständen zu beklagen. Daher hier das Fazit: Wer will kann, wer nicht will, muss keine negativen Auswirkungen befürchten. Das ist absolut akzeptabel.

Fraktionen und die große Schlacht….

Weniger erschlossen hat sich mir allerdings das große Meta-Gameplay in For Honor. Zu Beginn wählt jeder Spieler eine der drei Hauptfraktionen aus und sammelt von dort an stetig Erfahrungspunkte für das eigene Team. In einer Fraktions-Weltkarte führen die drei Parteien nun Kriege gegeneinander und wir können mit unseren Punkten unserer eigenen Fraktion helfen. Grundsätzlich eine solide Idee, da sich mit der Veränderungn der Fraktionsstärken sogar die Maps verändern. Schneefall bei Wikinger-Oberhand, bewaldetet Flächen, wenn die Samurai die Nase Vorne haben. Allerdings erschließt sich nicht ganz, was wir als kleiner Krieger dabei für einen großen Einfluss haben. Klr sehen wir Veränderungen auf der Karte. Aber was haben wir als Einzelner damit zu tun? Naja, aktuell sieht es so aus, als wären unseren eigen Tätigkeiten dabei absolut irrelevant. Klar stärkt das das Teamgefühl, trotzdem bleibt damit nur sich Einzureden, einen großen Einfluss auf die Eroberung der Karte gehabt zu haben. Alle zwei Wochen endet eine Runde und die Fraktionen bekommen je nach Stand Items zugeschustert. Nach zehn Wochen ist die ganze Schlacht vorbei, es werden Belohnungen verteilt und das Ganze geht wieder von Vorne los. Unseren Platz an der Stelle suchen wir bisher vergebens, aber wer weiß. Vielleicht kommt hier ja noch was?

Fazit:

For Honor ist ein Multiplayer-Spiel, mit dem Ubisoft wieder etwas Neues ausprobiert. Schusswaffen werden durch Schwerter ausgetauscht, Gegenwart und postapokalyptische Zukunft werden ersetzt durch ein fiktives Mittelalter. Und das klappt alles sehr gut! Casual ist auch anders, die komplexe Steuerung zu erlernen verschlingt durchaus einige Spielstunden. Aber das ist es wert, denn dadurch ergeben sich in jedem Zweikampf neue Möglichkeiten, selten wiederholt sich ein Kampf auf die selbe Art und Weise. Zwölf Helden und fünf Spielmodi sorgen für Abwechslung, selbst die Kampagne kann uns für ein paar Stunden bei Laune halten. Sicherlich ist noch festzustellen, wie viel Langzweitmotivation For Honor bieten kann. Doch zu diesem Zeitpunkt können wir sagen, dass das Experiment For Honor sichtlich geglückt ist.

Was haltet ihr von For Honor?

 

Überblick der Rezensionen
Gesamtnote
Teilen
Vorheriger ArtikelForza Horizon 3: Neues Playseat Car Pack erhältlich
Nächster ArtikelHalo Wars 2 im Test

Kommentieren Sie den Artikel