Halo Wars 2 im Test

Echtzeit und Halo!

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Strategiespiele auf Konsolen? Absoluter Mumpitz! Echtzeit-Strategiespiele? Undenkbar, wie soll man das denn ordentlich managen??? Strategiespiele gehören auf den PC, das war und ist die weitläufig verbreitete Meinung. Ein gutes Argument gegen den heimischen Controller stellt dabei logischerweise die eingeschränkte Steuerung dar, die sich über die verschiedensten Tastatureingaben viel besser realisieren lässt. Generell ist Strategie im Spielegenre weniger präsent als früher, hauptsächlich Star Craft hält das Genre noch am Leben. Die Hochzeiten mit Command & Conquer und Age of Empires sind vorbei. Umso verwunderlicher war die Ankündigung von Microsoft, gemeinsam mit Creative Assembly an einem neuen Halo Wars zu arbeiten. Ein neues Strategiespiel, das auch noch auf der Konsole erscheinen soll? Lest bei uns, bis sich der Strategieableger aus der Halo-ReiheStrategieableger aus der Halo-Reihe in unserem Test bewährt.

Ein neues Puzzleteil im Lore…

Halo Wars 2 zieht uns nach Halo 5 – Guardians erneut in den Sog des riesigen Halo-Universums, dass Xbox-Spieler schon seit Jahrzehnten zu beglücken weiß. 28 Jahre nach den Ereignissen in Halo Wars erwachen die Crewmitglieder des bislang verschollenen Raumschiffs, der „Spirit of Fire“, aus ihrem Kälteschlaf und befinden sich unlängst in einem intergalaktischen Krieg wieder. Grund dafür sind wieder einmal die namensgebenden Halo-Ringe, die auf der sogenannten Arche gebaut werden. Erfahrungen zeigen: Halo-Ringe sind eine Gefahr für die ganze Galaxis. Grund genug, die Arche unter die Kontrolle der UNSC zu kriegen. Und als wäre das noch nicht genug, steht sich ihnen Atriox, ein verbannter Brute in den Weg, um die Halo-Ringe seinerseits für sich zu reservieren.

Soweit zur Story. Das hört sich doch alles erst einmal gar nicht so schlecht an. Das liegt natürlich auch an dem allgemeinen Halo-Lore, der das Universum geprägt hat. Leider bleiben die einzelnen Charaktere trotz teilweise fantastischer Cutscenes nicht sehr lange im Gedächtnis. Das liegt mitunter daran, dass diese bombastischen Cutscenes schnell gegen Ingame-Zwischensequenzen ausgetauscht werden. Das nimmt den großen Filmclips zwar nicht den Glanz, allerdings geht somit auch etwas das Interesse an den Charakteren verloren.

James Cutter: Der Mann, auf dem alle Hoffnungen ruhen!

Abwechslungsreiche Solostory…

Ungefähr sieben Stunden sind wir in der Kampagne unterwegs und kämpfen auf der Seite der UNSC gegen Atriox und seine Armee. In den sieben Stunden werden wir in unterschiedlichsten Missionen zu verschiedenen Einsatzzielen gerufen. Einmal zerstören wir die Generatorenlandschaft des Feindes, reaktivieren ein Portal, zerstören die generische Basis oder schleichen uns mit einem Trupp aus wagemutigen Soldaten hinter die feindlichen Linien, um im Schatten zu agieren. Die Abwechslung ist groß. Leider gibt es in der Kampagne keine Mission, die sich so richtig in unsere Köpfe brennen möchte, keine Aha-Momente, die sich von der Masse der anderen Aufgaben abheben. Das ist etwas schade, dabei bietet die Halo-Reihe sehr viel Potenzial, um besondere Momente zu kreieren.

In fast allen Missionen haben wir vorab die Chance, uns per Basenbau auf eine große Schlacht gegen die Armee der Brute vorzubereiten. Dabei stehen uns verschiedene Gebäude zur Verfügung, die wir rund um unsere Hauptbasis platzieren können: Das reicht von Ressourcen produzierenden Gebäuden, über eine Kaserne bis hin zu einer Fahrzeug-Fabrik. Wir produzieren Einheiten, sorgen für Upgrades oder erweitern unsere Ressourcenproduktion. Und stehen allerdings nur insgesamt sieben Bauplätze zur Verfügung, daher sollten wir uns gut überlegen, welche Gebäude wir bauen wollen. Auch der Ausbau der vier Geschütztürme ist entscheidend und sollte weise gewählt werden. Schließlich muss unsere Basis gegen alle Eventualitäten abgesichert sein.

Halo Wars 2 besticht mit schönen, abwechslungsreichen Landschaften!

Schere-Stein-Papier ist in Mode…

Bei den Einheiten wird nämlich zwischen Bodeneinheiten, Fahrzeugen und Lufteinheiten unterschieden. Die Kämpfe laufen nach dem Schere-Stein-Papier-Prinzip ab. Das scheint aktuell in Mode zu sein (sieh Test zu For Honor). Infanterie-Einheiten sind wirkungsvoll im Kampf gegen Lufteinheiten, diese machen wiederum den Fahrzeugen das Leben schwer und Fahrzeuge hingegen dezimieren eine Gruppe Infanterieeinheiten im Handumdrehen. Viel mehr Tiefgang dürfen wir allerdings leider nicht erwarten, auch wenn wir alle Einheiten auch in unterschiedlichen Stufen verbessern können. Zwar haben manche Einheiten, wie die Flammenwerfer-Schützen, etwas andere Fähigkeiten und Kommandofähigkeiten bringen je nach Einsatzzeitpunkt ebenfalls einen anderen Ausgang der Schlacht hervor – generell kratzt das Spiel strategisch aber nur an der Oberfläche. Zwar bieten Gamepad-Kürzel eine gute Steuerung der Einheiten und auch zwischen Upgrades, Basis und Fronkämpfern kann schnell hin und hergewechselt werden. Darüber hinaus laufen die Schlachten aber meist sehr identisch ab, was vor allem an den eingeschränkten Steuermöglichkeiten mit dem Gamepad liegt.  Ein zweites Star Craft 2 sollten wir hier also nicht erwarten. Aber das will Halo Wars 2 auch gar nicht sein.

Kommandofähigkeiten. Die eben bereits erwähnten speziellen Manöver unseres Anführers sorgen dafür, dass wir uns aus einer misslichen Lage befreien und uns einen Vorteil verschaffen können. Wir können bspw. einen breitgefächerten Orbitalschlag anfordern oder Bomben abwerfen lassen.

Wer übrigens die Solokampagne weniger Solo bestreiten möchte, kann sich einen Koop-Kollegen an seine Seite holen.

Schere, Stein, Papier, Bumm, Explosionen….

Ich möchte nicht alleine spielen…

Wer keine Lust mehr hat, sich mit K.I.-Gegnern zu messen, kann im Multiplayer gegen menschliche Feinde antreten. Dazu stehen uns vier Spielmodi zur Verfügung. Im obligatorischen Deathmatch müssen wir unseren Widersacher von der Karte fegen. In Dominion hingegen geht es darum geographisch wichtiige und markierte Kontrollpunkte mit seinen Truppen zu halten. Umso länger wir das tun, desto mehr Punkte erhalten wir. Im Stronghold-Modus geht es ebenfalls um die wichtigen Kontrollpunkte, allerdings geht es hier nicht um Punkte, sondern um die Anzahl der gehaltenen Punkte. Alle Spielvarianten haben ihren Reiz, leider macht auch hier die taktische Tiefe dem anhaltenden Spielspaß einen Strich durch die Rechnung. Für schnelle, unkomplizierte Matches sind die Multiplayer-Matches allerdings einen Blick wert.

Ein weiter Spielmodus ist der Blitzmodus. Selbst im neuen Hals Wars sind wir nicht gegen Kartenspiele gefeit. Anstatt eine Basis aufzubauen, besitzen wir ein Deck aus Spielkarten, dass wir dazu nutzen können, Einheiten zu beschwören. Über die Bewegung zu speziellen Punkten oder das Halten von Kontrollpunkten erhalten wir Energie, über die wir immer mehr Einheiten beschwören können. Der Modus bietet durch eine andere Herangehensweise einen wunderbaren Anreiz für schnelle Partien mit ständigen Vorteilswechseln. Über die Wahl des Anführers kommt aufgrund einer einzigartigen Fähigkeit noch mehr Abwechslung hinzu. Schnelle, taktische Reaktionen sind hier das A und O. Wir können hierbei entweder gegen andere menschliche Spieler spielen, oder wir schließen uns zusammen und verbünden uns gegen mehrere Wellen an Gegnern.

Die allseits bekannte Frage: Wo genau bekommen wir die Karten her, mit denen wir unser Deck erweitern können? Dafür können wir entweder die Kampagne spielen oder generell Spiele bei Halo Wars 2 abschließen. Ein anderer Weg ist es, Echtgeld in das Spiel zu investieren. Und leider hat das hier enorme Auswirkungen auf die Spielbalance. Umso öfters wir einen Karte ziehen, umso stärker wird die Ausgangskarte, die wir in unserer Sammlung haben. Bedeutet im Umkehrschluss: Umso mehr Packs gezogen werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die eigenen Karten besser werden. Vorteile durch Echtgeld? Das ist absolut unnötig.

230 Energie – Der gute Spartan Douglas-042 ist nicht billig im Blitzkrieg!

Ansehnliche SciFi-Schlacht…

Was an taktischer Tiefe fehlt, kann Halo Wars 2 aber mit seinen visuellen Effekten etwas wettmachen. Die wunderbaren Explosionen, die geschmeidigen Animationen und ganz besodere Leckerbissen, wenn wir unsere Basis um ein Stück erweitern und ein Teil extra angeflogen wird, machen das Spiel optisch zu einem soliden Augenschmaus. Fehlt nur noch, dass das ganze so aussieht, wie in den tollen Zwischensequenzen, aber davon sind wir wohl noch etwas entfernt.

Fazit

Halo Wars 2 hat eine schwierige Aufgabe, die das Spiel vielleicht noch nicht einmal annehmen möchte: Strategiespiele wieder ans Laufen kriegen! Das schließt sowohl Konsolen, als auch die PC-Landschaft mit ein, viel ist nämlich in den letzten Jahren nicht im AAA-Spielegenre passiert. Halo Wars 2 wird für viele Strategieexperten zu simpel sein, zu wenige taktische Möglichkeiten bietet das Spiel, dass vornehmlich für die Konsole entwickelt wurde, erkennbar bspw. an dem Ringmenü. Halo Wars scheint in erster Linie für Einsteiger oder/und Halo-Fans konzipiert. Die Solo-Kampagne kann den starken Einstieg zwar nicht durchgehend beibehalten, dennoch macht sie vor allem einem Halo-Fans Laune. Taktik-fans hingegen werden eher enttäuscht sein von den marginalen Möglichkeiten, die sich im Spielaufbau bieten. Schere, Stein, Papier kann komplex sein, wenn es gewisse Abstufungen gibt, Halo Wars 2 bietet davon leider zu wenig. Die Idee mit den Karten im Blitzkrieg bietet ebenfalls einen interessanten Ansatz, Kartenspiele in Halo und die Möglichkeit sich mit Echtgeld einen Vorteil zu verschaffen sind allerdings ungewohnt bzw. einen absoluter Störfaktor.

Wie im Spiel selber auch gilt es also abzuwägen: Schere, Stein oder Papier. Halo-Fan, Einsteiger oder Taktikfreund. Je nachdem fällt die Antwort gegen oder für das Spiel unterschiedlich aus.

 

 

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