Mass Effect: Andromeda im großen Test

Wieder zurück im Lore!

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Einleitend gibt es immer viele Worte zu verlieren. Ja Bioware, ja ein neues Mass Effect. Die Erwartungen an den Titel sind allerdings so groß, dass wir uns den großen Einleitungstext sparen. Wir haben Mass Effect Andromeda auf der XBox One getestet und möchten euch im Test zeigen, ob uns das Spiel gefallen konnte

Nix Shepard! Mass Effect: Andromeda räumt mit der Geschichte um den Commander aus der alten Trilogie auf.

Nostalgie zu Neu…

Mass Effect 3 endete mit einem Knall – und für viele Spieler mit einer der größten Entäuschungen in einem Spiel, das sie je erlebt haben. Ich persönlich nehme mich aus der Gruppe der Enttäuschten heraus, für mich war das Ende bzw. die Enden im letzten Teil der mittlerweile Kult gewordenen Spielserie absolut akzeptabel. Andere Emotionen kann ich allerdings gut nachvollziehen, schließlich war das Ende Mindfuck pur.

Mass Effect : Andromeda macht es sich an dieser Stelle sehr einfach: Es ignoriert das Ende von Mass Effect 3 einfach komplett. Wir sind nämlich Teil der so genannten Andromeda Initiative, die in das Weltall entsandt worden ist, um neue bewohnbare Planeten für die Völker und Kulturen der Milchstraße zu finden. Dies geschah während der Vorkomnisse in Mass Effect 2, wir wissen also gar nicht, was im Serienfinale passiert ist.  Alle schwerwiegenden getroffenen Entscheidungen verbleiben unbekannt, mit Andromeda startet nicht nur Bioware einen Neuanfang, sondern auch die Bevölkerung der Erde und umliegender Planeten.

In die Fernen schauen! Mass Effect: Andromeda hat große Ambitionen!

Große Ambitionen…

Das hat erzähltechnisch sowohl Nachteile, als auch Vorteile, aber dazu später mehr. Nur das von Menschen besiedelte Schiff erreicht verspätet die neue Galaxie, von den Archen der anderen drei Rassen gibt es erst einmal keine Spur. Das aufzuklären, stellt ein Ziel für unseren Protagonisten dar, ebenso wie die Planeten unter uns nach einer möglichen Heimat für unser weit entferntes Volk auszukundschaften. Ein ehrvolles Ziel, mit Schwierigkeiten, wie man sich vorstellen kann.

Doch wir als wahlweise Scott oder Sarah Ryder geben mit diesen Aufgaben unser Bestes und stellen uns allerlei feindlicher, neuer Alienrassen, sowie natürlichen Unzulänglichkeiten auf den zahlreichen erkundbaren Planeten.

Unser Aussehen lässt sich vorab in verschiedenstem Maße verändern. Wir können neben einer Standard-Einstellung für Männlein und Weiblein (welche ich immer wähle, da man mit ihr schon in den Trailern konfrontiert ist und somit schon etwas mit den Gesichtern verbindet) auch unser eigenes Gesicht zusammenbasteln. Auswirkungen hat das Keine, eine Klasse wählen wir ebenfalls nicht aus. Wir entwickeln uns im Spiel, das ist schon einmal sehr gut! Zuletzt können wir einen Schwierigkeitsgrad wählen. Wir konzentrieren uns mit einfachen Gefechten mehr auf die Story oder suchen eine richtige Herausforderung.

Riesig und wunderschön!

Neu und doch nicht???…

Danach geht es los, die Zwischensequenzen ziehen uns sofort in ihren Bann. Optisch ist das Spiel selbst auf der grafisch schwächeren Xbox One in 900p (auf 1080p skaliert) eine Augenweide. Schnell kommt hier das Gefühl eines vollständigen Neubeginns auf. Wir haben eine heroische Aufgabe und wir sind für das Überleben unserer ganzen Rasse und noch darüber hinaus verantwortlich. Neubeginn. Es gibt Vor-und Nachteile. Für mich persönlich ist es ein Nachteil, dass wirklich nahezu gar nichts über Commander Shepard in die Geschichte mit einfließt. Ein paralleles Spiel im gleichen Universum, ohne viel Kontakt zu haben. Gerne hätte ich hier zumindest ein paar Verbindungen gesehen.

Doch es hat den Vorteil, dass alles neu gemacht werden kann. Die komplette Abkapslung könnte schnell den Vorteil haben, nicht für Vergleiche zu sorgen. Doch hier kommt es zu einem großen Nachteil. Mass Effect Andromeda möchte alles neu machen, allerdings werden eingefleischte Fans aufgrund bekannter Szenarien praktisch dazu gezwungen, Vergleiche zu ziehen. Die Planeten sind wunderschön abwechslungsreich designt und dennoch gibt es den ein oder anderen bekannten Planeten, der uns nur zu arg an bereits bekannte Szenarien aus der alten Trilogie erinnert. Auch der Mako, unser nun deutlich besser steuerbares Landfahrzeug ist wieder da und so bekommen wir zeitweise das ein oder andere Déjà-vu, das wir einfach nicht abstellen können.

Optisch ein Augenschmaus! Nur um die Augen selber bleibt mimisch vieles schwach!

Zweischneidige Optik….

Dennoch: Die Planeten sind wunderschön, vor allem der blaue Dschungel der neuen Alien-Rasse Angara ist eine absolute Augenweide. Die Frostbite Engine erfüllt die natürlichen Umgebungen mit wohligen Farben oder tristen Wüsten- oder Eisabschnitten. Die Beleuchtung ist ebenfalls absolut stimmig. Optisch können wir dem Spiel allerdings doch etwas vorwerfen.

Bereits vor dem offiziellen Release des Spiels hatte die Community allerdings vor allem ein Feature auf dem Kieker: Die Mimiken der Charaktere. Was bei Aliens noch nicht so ausgeprägt ist, ist vor allem bei unseren biologischen Verwandten ein großer Mangel. Leblose Gesichter und unfreiwillig komische Animationen machen aus einer ernsthaften Verhandlung schnell ein Kasperletheater. Dabei ist die Mimik so essentiell für das Spiel, derart viele Gespräche werden sonst in keinem anderen Spiel geführt. Selbst für Bioware-Verhältnisse sprechen wir vor allem in den ersten Spielstunden  überdurchschnittlich häufig. Und wir verpassen was, wenn wir nicht sprechen, dass ist gewiss. Die Stimmen die laut werden und sagen, es wird zu viel geredet, die haben wohl die Vorgänger nicht so exzessiv gespielt und lieben gelernt wie wir. Wir kann man sich über eines der Kernelemente eines Bioware-Spiels echauffieren?

In Ordnung geht hier allerdings die Kritik an der deutschen Lokalisation. Die englischen Sprecher machen Spaß beim Zuhören, treffen die richtigen kontextuellen Töne und achten auf Kleinigkeiten in der Sprechweise. Die deutschen Stimmen hingegen wirken oft zu emotionslos und austauschbar. Das gilt vor allem für die Nebencharaktere, die Hauptfiguren sind vor diesem Problem in weiten Teilen verschont worden.

Mit dem Mako gehts über Stock und Stein: Mass Effect ist Open World!

Planetenreise und Begleiterquests…

Auch in Mass Effect: Andromeda navigieren wir unser Schiff über eine deutlich modernisierte Galaxis-Karte – huch, schon wieder ein Déjà-vu – durch den neuentdeckten Cluster. Dabei können wir zahlreiche Planeten anfliegen, aber nicht alle. Glücklicherweise ist dies auf natürliche Art und Weise schnell erläutert. Planeten, die für eine mögliche Besiedlung sowieso ausgeschlossen sind, werden kategorisch für einen Besuch außen vor gelassen.

Auf einer vorerst freundlich gesinnten Umgebung gelandet, gestaltet sich das Spiel anders als seine Vorgänger als Open World-Titel statt als lineares Action-RPG. Vor uns öffnet sich eine Karte mit zahlreichen verschiedenartigen Quests. Das wirkt auf den ersten Blick nach Dragon Age: Inquisition, entpuppt sich aber als wahres Feuerwerk der Abwechslung. Ja, sicherlich gibt es auch die ein oder andere Sammelaufgabe, die wir einfach nur absolvieren müssen. Andere Aufgaben, selbst Sammelquests, verwandeln sich nach den ersten Schritten aber plötzlich in ein ganz anderes Kaliber. Gerade scannen wir ein paar Teile auf einem Planeten, und schon haben wir Anhaltspunkte für einen möglichen Aufenthaltsort einer der verschollenen Archen. Oder es startet direkt eine der berüchtigten Begleitermissionen.

Schon in der alten Trilogie ein absolutes Highlight entwickelt sich mal ein marginales, mal ein intensives Problem eurer Begleiter in ein riesiges Spektakel mit verschiedenen Handlungssträngen. Das hat schon in Mass Effect 2 wunderbar funktioniert, Andromeda legt hier aber noch einmal eine Schippe drauf. Selten ließen sich verschiedene Geschichten so wunderbar miteinander kombinieren, ergaben neue Erkenntnisse oder kamen plötzlich wieder auf, als ein neues Mitglied zum Team hinzukommt.

Profi durch und durch und die Kollegin unseres Vaters: Cora Harper!

Epos mit Gegnern….

Bioware verspricht mehr Umfang als in Inquisition. Wer Inquisition gespielt hat weiß, dass eine Spieldauer von 80-100 Stunden kein Problem für das Rollenspiel-Epos dargestellt hat. Konzentrieren wir uns nur auf Hauptmissionen, sind wir circa 40 Stunden beschäftigt, befassen wir uns nebenbei auch noch mit den schier endlosen Nebenmissionen, kann sich diese Zahl verdrei- oder vervierfachen.

So zahlreich die Nebenschauplätze auch sind, so interessant greifen sie mit unserer Hauptaufgabe ineinander. Wir sorgen für ausreichend Trinkwasser, erledigen Banditen und stillen die Bedürfnisse zahlreicher bevölkerter Planeten. Das sorgt für Nähe zu den Völkern, wir werden bekannter und akzeptiert. Doch nicht alle Völker wollen uns als ihre Nachbarn haben, vielmehr sehen sie uns als Invasoren an. Groß absprechen können wir den neuen Feinden, den Kett, diesen Gedanken nicht, schließlich sind wir in diesem Teil des Universums die Aliens und nicht anders herum.

Die weißäugigen Kett mit ihren Knochenrüstungen erinnern uns von ihrem Körperbau sehr an eine bereits bekannte Rasse: uns Menschen. Das ist ein kreativer Dämpfer, schließlich bietet das Universum von Mass Effect so viele interessante Rassen. Auch im Kampf hätte mehr Abwechslung unserem Hauptwidersacher gut getan. Es gibt lediglich eine handvoll verschiedener Gegner-Typen, die sich untereinander maßgeblich nur in der Bewaffnung unterscheiden. Selbst in den Bewegungen, bis auf ein paar weniger schnelle und weniger langsame Krieger, gibt es nur wenige Unterschiede. Haben wir uns auf eine Taktik eingeschworen, können wir diese fast durchgehend einsetzen, wirklich taktisch gefordert werden wir fast nie.

Schießen funktioniert solide – besser aber auch nicht.

Künstliche Intelligenz…

Wer es sich etwas schwieriger machen möchte – und dazu raten wir – kann direkt eine der höheren Schwierigkeitsgrade auswählen. Das kaschiert auch etwas die mitunter an Intelligenz krankende K.I., die sich häufig als Kanonenfutter anbietet. Dahingegen treten Momente auf, dass wir selbst hinter der mannshohen Deckung Treffer kassieren, die uns nah an den Rand des Todes bringen. Das Deckungssystem funktioniert sehr gut, allerdings wirkt es nicht selten abstrus, wenn wir dahinter von Vorne getroffen und getötet werden können.

Spätestens nach dem dritten Mal haben wir dazu gelernt. Die Kämpfe werden eintöniger. Schnell ist auch festgestellt, dass die taktische Vielfalt auch bei der Kontrolle unserer K.I.-Kollegen schnell ihr Ende gefunden hat. In Mass Effect: Andromeda reisen wir, wie in den Vorgängern, mit maximal 2 Begleitern durch die Galaxis. Außerhalb von Kämpfen führen wir Gespräche, bekommen bei getätigten Entscheidungen Kommentare oder bekommen mit, wie sich beide Partner gegenseitig kennenlernen. In Kämpfen haben wir überdies die Möglichkeit, unsere Partner zu positionieren und ihnen Anweisungen zu geben. Leider brauchen wir aufgrund der taktischen Untiefe der Kämpfe dieser Feature so gut wie gar nicht. Unsere Kollegen sind einfach da und lenken die Gegner ab, zum Glück sterben sie nicht aus dummen Beweggründen.

Reden, Reden, Reden. Viel geredet wird in Andromeda! Mehr als in anderen Teilen, aber weiterhin sehr interessant!

Schießen will gelernt sein…

Das Schießen klappt ganz gut. Es gibt Positives und Negatives zu berichten. Besser als in Mass Effect 3 ist die Shootermechanik allemal, allerdings ist das Spiel immer noch nicht für den Shooter-Thron geschaffen. Das Trefferfeedback ist zu lasch und die Steuerung nicht so präzise wie in vergleichbaren Deckungsshootern ala The Division. Die Deckungsmechanik funktioniert soweit. Positiv hervorzuheben sind die Biotik-Fähigkeiten, die sowohl visuell als auch von ihrer Vielseitigkeit die Kämpfe aufpeppen können. Allerdings werden wir viel zu selten dazu genötigt, diese Fähigkeiten gewinnbringend einzusetzen. Es ist einfach zu simpel die Kämpfe mit unseren Waffen zu bestreiten. Trotzdem macht es Spaß, mit dem neuen Jetpack über die Kett hinwegzufliegen und sie von oben mit seinen biotischen Fähigkeiten zu beschießen.

Insgesamt drei dieser Fähigkeiten, auch Nicht-biotische, stehen uns im Kampf zu Verfügung, das Auswahlrad aus den alten Teilen gibt es nicht mehr. Schön ist, dass wir zu Beginn des Spiels nicht mehr dazu genötigt werden, eine feste Klasse auszuwählen. Wir können im Spiel verschiedene Profile anlegen, mit denen wir unterschiedliche Fähigkeiten anlegen können, um einen flexibleren Kampfstil pflegen zu können. Doch erneut: Selten ist dies wirklich notwendig, es wäre aber gelogen zu sagen, dass die Kämpfe keinen Spaß machen. Das tun sie sehr wohl. Doch die großen, denkwürdigen Momente bleiben– bis auf eine Ausnahme – komplett aus.

Wir scannen Planetenoberflächen nach brauchbarem Zeug und bauen uns was Cooles!

Crafting im kleinen und großen Stil…

Neben Kämpfen und Nebenquests, können wir uns kleineren, weniger offensichtlichen Nebenaktivitäten widmen. Da wäre zum einen das Crafting, durch das wir uns neue Waffen und Ausrüstungsgegenstände herstellen können. Dazu benötigen wir verschiedenste Sorten von Materialien, die wir durch unsere Erforschung verschiedenster Planeten sammeln können. Davon gibt es eigentlich immer reichlich, selten kommen wir in die Bredouille eine Zutat separat suchen zu müssen. Zur Not zerstören wir eine unserer weniger beliebten Waffen und kommen so an die Materialien ran, die wir brauchen. Wir müssen dieses Feature nicht nutzen, wollen wir seltenere und bessere Ausrüstung haben, ist das System allerdings einen Blick wert.

Kleinteile wie Verbesserungen und neue Waffen sind allerdings nicht das Einzige, was wir zusammenbauen können. Ganze Siedlungen können wir errichten. Dazu erobern wir Planenten, aktivieren das Terraforming und ebnen so unseren Rassen eine neue Lebensmöglichkeit. Zusätzlich zu diesem „oberflächlichen“ Umbau benötigen wir Andromeda Viability Points (AVP). Diese sammeln wir durch das Abschließen von Quests, das Sammeln von Verbündeten oder die generelle Verbesserung der Umgebungsbedinungen. Wir ermöglichen so unseren Leuten ein wohliges Willkommen im neuen Heim. Zusätzlich wird die Nexus-Station verbessert und uns ist es möglich, mehr Kolonisten zu wecken und auf Planeten siedeln zu lassen.

Die Kroganer auch wieder am Start! Nakmor Drack sucht nach neuen Challenges!

Es ist kompliziert mit…

Die Leute freuen sich über unsere Arbeit, allerdings müssen wir dadurch nicht bei allen als Held in Erinnerung bleiben. Es allen Recht zu machen, ist sowieso so eine Sache, mit Mass Effect: Andromeda spendiert uns der Entwickler sogar ein ausgereifteres und granulares Dialog- und Moralsystem. Simples Gut- und Böse wird ersetzt durch emotionale, logische, zwanglose oder professionelle Entscheidungen. Meistens erhalten wir umgehend ein Feedback unseres Gegenübers und ändern je nach Entscheidung den Lauf unseres Spiels. Das funktioniert wieder wunderbar und birgt kleinere und größere Scheidewege. Richtig große, emotionsfördernde   Entscheidungen, die uns mit offenem Mund vor dem Bildschirm setzen lassen, gibt es allerdings keine. Man denke nur an die Entscheidungen auf Virmire oder Tuchanka, oder den Zwist zwischen den Geth und den Quarianern. Dennoch lädt das Spiel zu mehreren Durchgängen ein.

Auch, weil wir aus einer großen Anzahl an Crewmitgliedern wählen können. Die Qual der Wahl, eine klare Entscheidung wie Serienliebling Garrus Vakarian gibt es hier keineswegs. Dennoch bleiben die Mitglieder in Gesprächen in spannender Zeitvertreib, allerdings muss ihnen Zeit gelassen werden. Wer mit dem Gedanken an die Sache herangeht, dass die Charaktere eh nicht so cool sein können, wie in der Trilogie, hat bereits verloren. Selbst von einem objektiven Standpunkt sind sie das erst einmal auch nicht, allerdings hatten Garrus, Tali, Liara und co. drei ganze Spiele Zeit, um sich zu entfalten. Geben wir den Mitgliedern etwas Zeit. Eine gute Basis ist jedenfalls geschaffen, die Gespräche sind häufig tiefgründig und entwickeln sich manchmal in interessante Bahnen.

Apropos interessante Bahnen: Sex können wir auch haben. Selbst mit der Wahl unseres Anführers treffen wir hier ja schon eine Wahl, welche Möglichkeiten sich hier noch ergeben könnten. Durch die Entscheidungsvielfalt und moralische Entscheidungen, die nicht direkt offenkundig sichtbar sind, kann es hier zu unerwarteten Wendungen und Turtelleien kommen. Und so gelangen wir bei dem einen Crewmitglied mal schneller mal langsamer zum Ziel, andere für einmal und wieder andere für eine Zeit länger. Cool ist, dass der Beginn einer Beziehung nicht direkt den Abschluss bedeutet, sondern im Folgenden noch ausgebaut und abgewandelt werden kann.

Viel Laufen, viel zeit investieren! Mit 100 Stunden bekommt man sicherlich einiges in Mass Effect: Andromeda zu sehen, aber bestimmt nicht alles!

Zusammen kämpfen…

Werfen wir zum Abschluss dieses Tests noch einen Blick auf einen Teil des Spiels, der von vielen Fans der Serie eigentlich nicht benötigt wird: Der Multiplayer-Teil. Im Multiplayer stellen wir uns alleine oder in einer Gruppe von vier Leuten im sogenannten Horde-Modus immer stärker werdenden Wellen von Feinden in den Weg. Alleine gibt es kaum eine Überlebenschance, diese steigt aber exponentiell mit den drei Crewmitgliedern an der Seite. Vor dem Gefecht wählen wir aus einer Palette an Charakteren einen Soldaten aus. Alle bringen unterschiedliche Fähigkeiten und Schwerpunkte mit sich. Es bietet sich an, eine heterogene Gruppe zu kreieren, um gegen verschiedenste Feinde gewappnet zu sein. Alle Soldaten werden einzeln aufgelevelt.

Dies wird erreicht, indem Missionen abgeschlossen, Herausforderungen beendet oder einfach ein paar Stunden vergangen sind. So ist es uns möglich, die K.I. auf eigene Missionen zu schicken, um während unserer Abwesenheit Belohnungen und Erfahrungspunkte zu verdienen. Ob das gelingt hängt von der Stärke unserer zusammengestellten Truppe ab.

Grundsätzlich können wir über den Multiplayer folgendes sagen: Er macht Spaß. Die verschiedenen, mit der Zeit anspruchsvoller werdenden Gruppen an Aliens gemeinsam mit seinen Kollegen zu besiegen, hat etwas befriedigendes. Auch das Aufleveln der einzelnen Charaktere, sowie die unterschiedlichen Fähigkeiten tragen viel zur Motivation bei.

Woran der Multuplayer krankt, ist allerdings das selbe Problem, dass auch den Singleplayer befallen hat. Ein wirklich guter Shooter ist Mass Effect: Andromeda halt nicht, obwohl die Ansätze da sind. Die Konkurrenz hier ist groß und im Großteil besser. Das einzige was wirklich in den Multiplayer bringt, ist die Verbindung zur Kampagne. Alles greift ineinander, auch der Multiplayer ist sinnvoll in die Geschichte eingebunden. Ansonsten haben wir es hier zwar mit einem schicken kleinen Horde-Modus zu tun, für notwendig erachten wir diesen aber keinesfalls.

Wo soll die Reise hingehen?

Fazit:

Bin ich mit subjektiven Bedürfnissen an Mass Effect: Andromeda rangegangen? Ja, ich glaube das lässt sich nicht komplett ausblenden. Zu fantastisch spielten sich die Vorgänger, zu immersiv und emotional waren die Situationen, in die einen das Spiel gezwungen hat.

Und was macht Mass Effect: Andromeda mit uns? Es macht glücklich, keinen Zweifel. Es macht Spaß, die Erzählung ist gut, die Nebenquests greifen alle ineinander und entwickeln sich in interessante Bahnen, genauso wie wir es uns wünschen. Doch die großen Momente bleiben aus, ein zweites Virmire gibt es nicht. Und es ist halt nur sehr gut, nicht überragend. Optisch eine Augenweide, dutzende Möglichkeiten und der fesselnde Mass Effect-Lore können nicht ohne weiteres über die Schwächen hinwegtäuschen, die das Spiel nun einmal hat. Nicht so viel, wie es einst die anderen Teile konnten.

Die Mimik von Menschen reißt uns immer wieder aus dem Sog des Spiels, ein richtig guter Shooter ist das Spiel auch nicht und wirklich bahnbrechend sind nur ganz wenige Missionen und Konversationen, die an die alte Klasse der Spielreihe erinnern. Alles macht Spaß, endlich wieder neu einzutauchen, doch es fehlt der Extra-Kick.

Highlight des Spiels ist tatsächlich das neu Dialog- und Moralsystem. Häufig sind die Folgen unserer Wahl erst gar nicht ersichtlich und entfalten erst später ihre volle Wirkung. Zudem fühlt sich alles viel natürlicher an, simples Gut und Böse gibt es nicht mehr.

Den Multiplayer hätte man ruhig weglassen und dafür noch mehr Zeit in die Kampagne investieren können. Er ist da, macht Spaß, aber wirklich brauchen tun wir ihn nicht. Mass Effect: Andromeda hingegen brauchen wir. Und es ist schön, wieder in dieses faszinierende Universum eintauchen zu dürfen! Und da das hier sicherlich nicht das Ende der Saga ist, kann Bioware ja in den nächsten Teilen noch etwas nachbessern.

 

 

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