Little Nightmares im Test

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…können Albträume niedlich sein?

„Ich habe Angst und bin allein…“ Little Nightmares beginnt genauso wie es Rammstein in ihrem Song „Engel“ beschreiben: Genauso wie ein Spiel beginnen sollte, dass es sich zum Ziel gesetzt hat den Spieler mit den Ängsten seiner Kindheit zu konfrontieren. Als „Six“ erwache ich nur mit einem gelben Regenmantel bekleidet in einer dunklen Ecke des „Schlundes“ – jenes surrealen und unheimlichen Unterseebootes in dem ich gefangen bin und aus dem ich um jeden Preis ausbrechen muss, wenn ich nicht auf dem Speisezettel monströser Gäste landen möchte.  „Bewaffnet“ einzig und allein mit einem immerhin zuverlässigen Zippo begebe ich mich in eine dunkle Reise in die Abgründe menschlicher Fantasien.

„Bewaffnet“ mit einem Feuerzeug schlägt sich Six durch eine düster-distopische Welt.

Gnädiger Einstieg

Zunächst lässt sich der Albtraum noch recht gemächlich an. Es gilt Hindernisse zu überwinden, ab und an muss auch schon mal etwas geknobelt werden. Bemerkenswert: Wenn sich Six an ein Objekt klammert, muss ich zwingend solange die rechte Schultertaste gedrückt halten bis sie wieder „loslassen“ soll. Wirklich lebensbedrohlich ist der Einstieg ins Abenteuer zu Beginn noch nicht. Das ändert sich aber nach etwa 10 Minuten schlagartig wenn ich das erste Mal mit ekligen Blutegeln konfrontiert werde, denen es auszuweichen gilt – denn Six ist bei jedem Kontakt mit einem Gegner unweigerlich verloren. Hat man den Weg durch den Spalier der widerlichen Würmer gemeistert, erwartet mich eine verschlossene Tür und in all der Panik werde ich am Ende eben doch noch zu Wurmfutter. Erst beim dritten mal stelle ich eher zufällig fest, dass meine zierliche – geradezu winzige Protagonistin die Tür einfach einrennen kann. Hmmm… überhaupt Trial & Error: Es kommt häufiger vor, dass ihr etliche unnötige Tode sterben müsst, bis ihr den „richtigen Weg“ gefunden habt. Das wäre soweit ja noch ok, wenn nicht die Speicherpunkte so willkürlich gesetzt wären. Einmal muss ich fast 2 Minuten Hüpf- Sprung und Klettereinlagen erneut durchlaufen um den Abschnitt zu meistern, ein anderes Mal respwane ich unmittelbar vor der Stelle meines letzten (oft recht grausamen) Ablebens.

Die „Gäste“: Ekelhafte verfressene Kreaturen die auch vor Six nicht halt machen…wenn sie nicht aufpasst…

Von Lust und Frust im Schlund

Der nicht einstellbare Schwierigkeitsgrad steigt im Spielverlauf rapide an und besonders nervtötend sind die zahlreichen unnötigen Tode die die kleine Six sterben muss, weil die Perspektive täuscht. Obwohl ich mich in einer Art Unterseebot befinde, wiegt sich die Spielansicht permanent gleichmäßig von links nach rechts und wieder zurück. Bei zahlreichen Sprung und Klettereinlagen muss dies in Betracht gezogen werden um die häufig sehr knappen Sprünge meistern zu können – das ist absolut cool und fast schon genial – wird nur dadurch getrübt, dass die kleine Göre dann doch leider ein ums andere Mal neben dem Ziel in den Tod stürzt, nur weil man sie nicht exakt und genauso ausgerichtet hat, wie es die Entwickler wollten. Ärgerlich, weil vermeidbar. Man hätte Six einen Stein werfen lassen können oder einen Sprungwinkel anzeigen lassen – der Schein des Feuerzeugs ist da nur eine kleine und leider unzureichende Hilfe. Doch genau wie das gesamte geniale Artwork dieses Abenteuers mit Licht und Schatten spielt überwiegt am Ende der positive Gesamteindruck.

Der erste „Endgegner“ im Spiel: Ein sonderbare Gestalt mit Stummelfüssen aber unfassbar langen Armen.

 

Fazit

Was ist Little Nightmares eigentlich? Ein Jump & Run? Ein Action Adventure? Ein Horror Spiel? Es ist von allem etwas und vor allem ist es eins: Anders! Und anders ist gut! Neben Raum für Kritik was die Steuerung angeht, bleibt unterm Strich ein wunderbar, geradezu künstlerisch erzähltes Abenteuer mit einer ganzen Reihe von A-Ha Momenten an die man sich auch noch am Ende des Jahres erinnern wird. Für 20 Euro bekommt man etwa 3-4 Spielstunden gruselige, schaurig-schöne Unterhaltung die man übrigens auch Kindern ab 12 Jahren zumuten kann. Klare Kaufempfehlung!

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