Test der Releaseversion von Everspace

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Everspace ist raus aus der Early-Access-Phase und endlich in vollem Umfang erschienen! Damit reiht sich Rockfish Studios in die Reihe deutscher Entwickler ein, die in den letzten zwei Wochen echte Toptitel veröffentlicht haben!

Deutschland der Entwicklerstandort!

Was ist der Mai doch ein verrückter Monat gewesen. Nicht nur, dass dieser komische gelbe Punkt am Himmel uns plötzlich tagelang am Stück begleitet und so manchen Dachgeschossbewohner (mich eingeschlossen) aufgrund saunaähnlichen Temperaturen in den Wahnsinn und die PC-Lüfter Drehzahlen ins Unendliche hochtreibt. Nein, in Deutschland ist noch etwas anderes passiert! Diesen Monat haben gleich drei deutsche Entwickler ihre Titel veröffentlicht! Erst fuhr The Surge* sehr gute Wertungen und diverse Awards (wie auf der RPC in Köln) ein, dann kam The long Journey Home nach gefühlt ewiger Wartezeit endlich raus und lässt uns das knüppelharte Weltraumvakuum erleben (es hat uns zwei mal auf der Gamescom im Preview schon sehr gut gefallen, hier und hier). Ende des Jahres liefern die Risen- und Gothic-Macher Piranha Bytes mit Elex ihr nächstes Rollenspielwerk ab und haben den Oktober 2017 als Releasemonat genannt.
Nun sind auch noch die Macher von Everspace* mit ihrem Weltraumabenteuer fertig geworden. Und was die in Hamburg ansässigen Rockfish Games hier abliefern macht, bis auf eine Ausnahme, nahezu alles richtig.
Insgesamt gibt es drei verschiedene Raumschiffe, wovon wir zwei mit genügend Credits im Spielverlauf freischalten können.

Was bisher geschah…

Im Dezember 2016 durfte ich bereits in die Early Access Version reinschnuppern und konnte mich, weil der Titel Teil von Microsofts „Play Anywhere“ Programm ist, sowohl auf der Xbox One als auch auf dem PC in das bockschwere roguelike Raumschiffcockpit setzen. Nun gibt es den Titel auch auf Steam und im Verlauf des Jahres soll er auch für die PS4* erscheinen. Everspace hat im Dezember schon sehr viel Spaß gemacht und das finale Spiel bestätigt den Ersteindruck in allen Punkten.
Der im Preview geschilderte dramatische Moment, als ich mich mit meinem Raumschiff und aufgebrauchten Schilden und minimaler Resthülle in einem Asteroiden vor Feinden versteckt habe, hatte nun aber mehrfach einen Haken. Im Dezember war ich dort drinnen erstmal sicher vor feindlichen Piloten. Das hat sich jetzt, zu Gunsten des Realismus, geändert. Die Weltraumpiraten, sprich Outlaws, drehen nämlich immer noch vor dem Asteroiden ihre Kreise, wählen dabei ihre Flugbahn so, dass sie trotzdem auf mich feuern können.
Ergebnis: von mir und meinem Raumschiff blieb nichts weiter übrig als ein kleines Staubwölkchen. Aber genau darin liegt ja auch die Motivation in Everspace: egal ob in der Third-Person-Ansicht oder aus der Cockpitperspektive, versuche ich immer weiter ins All vorzustoßen, fliege von Sektor zu Sektor und von System zu System, um am Ziel anzukommen. Dabei bekomme ich nach dem Ableben die Möglichkeit erbeutete Credits in Upgrades für mein Schiff zu investieren und so wird mein Schiff bei jedem neuen Anlauf stärker. Und das merken auch die fiesen Outlaws und andere Weltraumbewohner.
Dabei kommt nie das Gefühl von anhaltender Überlegenheit auf. Mit besseren Schilden, Waffen und einer dickeren Hülle sind die ersten Sektoren etwas einfacher aber spätestens wenn feindliche Elitegegner, die teilweise auch in die Story eingebunden sind uns den Weg in das nächste System mit ihrem hochgezüchteten Superkampfgleiter versperren, gibt es wieder ordentlich was aufs virtuelle Cockpit. Wer doch für den eigenen Geschmack zu schnell das Zeitliche segnet oder sich nun darum sorgt, dass der Einstieg zu schwer sein könnte, obwohl er eigentlich auf alles steht, was Spieler Weltraumfluggerät erleben lässt, der kann erleichtert aufatmen. Der Einstieg ist mit einem Tutorial versehen, erklärt so ziemlich alle wichtigen Funktionen Schritt für Schritt und nach dem ersten Verlust des Raumschiffs bekommt man die Möglichkeit sich für einen von drei Schwierigkeitsgraden zu entscheiden. Spitze! Trotzdem kommt es vor, dass in einem Anlauf schon im ersten Sektor dermaßen die Hülle zerbröselt und sogar Waffenschächte beschädigt werden und im zweiten Sektor die Reise dann schon beendet ist. Keine Möglichkeit zur Reparatur, Waffen feuern gefühlt nur noch mit halber Geschwindigkeit und dann steuere ich versehentlich in die Reichweite einer Outlaw-Basis bzw. dem zugehörigen Geschützturm. Dauer der Reise: 7 min. Egal! Denn ich starte sofort den nächsten Lauf, wobei die Weltraumkarte dabei zufallsgeneriert mit Inhalt gefüllt wird und das jedes Mal aufs Neue.
Schlafen? Ne, erstmal noch einen Anlauf starten und weitere Schiffsupgrades erbeute…

Shooter im Weltall

Gesteuert wird das Raumschiff wahlweise per Tastatur und Maus oder mit einem Gamepad. Dank der präzisen Steuerung, die nicht nur was die Tastenbelegung sondern auch das Spielgefühl angeht, an einen Shooter erinnert, macht hier endlich mal wieder der Einsatz der Tastatur und Maus absolut Sinn! Damit habe ich im Vergleich zum Gamepad am PC das Gefühl, deutlich genauer und schneller die passenden Richtungskommandos geben zu können. Das bedeutet nicht, dass das Spiel mit dem Gamepad auf der Xbox One keinen Spaß macht, sondern nur, dass sich das Gameplay am PC im direkten Vergleich zur Konsole etwas einfacher anfühlt. Das spiel schafft es, ähnlich wie man es sonst eher aus Titeln wie Diablo oder Path of Exile gewohnt ist, die Motivationskurve durch immer neue Upgrades dauerhaft weit oben zu halten. Denn neben den Credits, die wir durch das Erledigen von Feinden, Abbauen von Ressourcen und Handel oder auch mal so im All schwebend sammeln können, gibt es bei jedem Lauf auch noch zusätzliche Herausforderungen. Z. B. Bonuscredits oder stärkere Waffen,  wenn man es mindestens bis Sektor X schafft oder eine bestimmte Menge Schiffe einer bestimmten Fraktion aus dem All pustet.
Das einzige, eingangs schon kurz angesprochene Manko: die Story. Davon war in den frühen Versionen des Spiels noch nichts vorhanden und nun ist die Story da und sie lockt keinen hinterm Ofen hervor. Wir sind ein Klon, weshalb wir auch immer wieder von vorne starten und in, zugegeben nett gezeichneten Standbildern und durch unseren Boardcomputer, werden immer mal wieder Story Elemente eingestreut. Aber im Grunde ist die Story egal. Sie fühlt sich aufgesetzt und zweckmäßig an und lässt auch keinerlei Bindung zu den Charakteren oder der eigenen Spielfigur entstehen. Die Ressourcen, die in die Story gesteckt worden sind hätten lieber ins eigentliche Spiel gesteckt werden sollen. Auch wenn ich gerade nicht wüsste worin, außer vielleicht das Spiel nicht erst im Herbst 2017 für die PS4 rauszubringen, damit Besitzer der entsprechenden Plattform bereits jetzt ihr Abenteuer starten können. Dafür ist die deutsche Vertonung absolut gelungen. Aber da der Support für die PC-VR-Brillen HTC Vive und Oculus Rift noch nachgereicht wird, erwartet uns vielleicht auch auf der PS4 eine VR-Unterstützung. Und das wäre, gut umgesetzt, für mich ein Grund, auch auf der PS4 im Herbst erneut in Everspace einzutauchen.
Rockfish Games können Weltraum!
Grafisch und vor allem in Sachen Design überzeugt Everspace auf ganzer Linie. Selten habe ich einen so lebendigen, abwechslungsreichen Weltraum erleben dürfen. Raumschiffe, Flotten auf Frachtern und Geleitschutz, Asteroidenfelder, Schiffswracks, Nebel, von Blitzen erhellte Energiewolken (die auch noch das eigene Schiff beschädigen wenn man zu Nahe ran kommt) etc. . Dabei ist Everspace kein Spiel, dass die neueste PC-Hardware zum Schmelzen bringt und eigentlich recht genügsam was Systemressourcen angeht.

Fazit

So muss Weltraum aussehen! Verstecken spielen mit einem Schwarm feindlicher Jäger in einem Asteroidenfeld, immer mal wieder die Gegner mit dem Booster abhängen, hinter oder in einem dicken Brocken verstecken, Schilde aufladen und wieder angreifen. Herrlich! Mein Schiff aufrüsten und mich auf jeden neuen Lauf freuen und abends mal wieder zu spät ins Bett kommen, weil man ja nur noch einen kurzen Anlauf starten möchte. Abseits der Story macht [amazon asin=B06WGV2LY5&text=Everspace] alles richtig und auch wenn es sicherlich nicht die Zielgruppe der Simulationsfans anspricht, die vor über 16 Jahren mit Titeln wie I-War ihren Spaß hatten, so macht die arcadelastige Steuerung, der angenehm herausfordernde Schwierigkeitsgrad (es gibt drei zur Auswahl) und das süchtig machende Spielprinzip aus Anlauf starten – sterben – upgraden – neuer Anlauf unglaublich viel Spaß. Auf ihrer Webseite schließen die Entwickler auch die Veröffentlichung von DLCs mit mehr Story, mehr Gebieten und weiteren Raumschiffen nicht aus. Doch auch die Version 1.0 bietet schon genug Inhalt, um sich 30-40 Stunden Runde um Runde ins Abenteuer zu stürzen.  Steigern könnte sich das ganze Erlebnis, wenn der angekündigte VR-Support für HTC und Oculus nachgereicht wird. Vielleicht bekommt die PS4 Fassung im Herbst ja auch direkt das VR-Feature verpasst? Dann würde ich definitiv auch auf dieser Plattform nochmal ganz von vorne anfangen, in VR!

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