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Forza Motorsport 7 im Test

Rennspaß mit Forza!

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Forza Motorsport 7

Ich werde häufig gefragt: „Hey, warum hast du dir eigentlich eine Xbox One gekauft? Die Mühle hat eine schlechtere Technik als ne PS4, Microsoft wollte mit Kinect alle veräppeln und geile Exklusivtitel gibt es dafür auch nicht!“ Schlechtere Technik? Von mir aus. Kinect? Von mir aus, hatte ich nichts mit am Hut. Aber keine geilen Exklusivtitel? Wer kennt nicht Halo, das Spiel, das den SciFi-Shooter und generell als Shootergenre richtungsweisend geprägt hat. Halo fällt mir dann immer auch zuerst ein, aber nach längerer Überlegung – und natürlich argumentativ hochtrabenden Wortgefechten – entscheide ich mich immer für eine andere Marke, die für mich das Aushängeschild der Xbox One ist: Forza. Kein anderes Spiel repräsentiert für mich mehr die Kraft der Xbox One gepaart mit einer sensationellen Optik wie Forza Motorsport. Die Erwartungen sind also dementsprechend hoch. ist da. Schauen wir doch einmal, was es kann!

Forza Motorsport 7 besticht mit einer wunderschönen Optik!

Besser, höher, weiter…

Die Frage die sich fortwährend bei Turn 10 gestellt werden muss ist: Wie kann man ein sensationelles Spiel wie Forza Motorsport 6 noch besser machen? Das Spiel hatte unzählige Fahrzeuge, eine Optik zum dahinschmelzen und ein Fahrgefühl der Extraklasse. Turn 10 weiß schon, bevor sie mit der Entwicklung eines neuen Forza Motorsport starten, dass sich das Ding unzählige Male verkaufen und somit weiterhin das Aushängeschild der von Microsoft produzierten Konsole bleiben wird. Es geht eigentlich nur darum, ein sehr gutes Produkt noch besser zu machen!

Forza Motorsport 7 bietet mit 700 Fahrzeugen nicht nur das umfangreichste Paket an PS-Boliden, sondern gleichzeitig auch das Schönste. The Crew 2, Project Cars 2, Assetto Corso. Alle diese Rennspiele meinen es gegenwärtig bzw. im Fall von The Crew zukünftig gut mit uns Spielern. Aber von der Bildgewalt reicht keines an Forza Motorsport 7 heran, dass bis dato das schönste Rennspiel geworden ist. Erreicht wird das über einen HDR- und 4K-Support, doch selbst ohne diese zusätzlichen Eigenschaften, schafft es das Spiel eine Immersion hervorzurufen, wie ich es vorher noch nicht in einem Rennspiel erlebt habe. Kopfhörer und Lenkrad komplettieren das Feeling. Atmosphärisch hängt das neue Produkt von Turn 10 die Messlatte noch einmal deutlich nach oben.

Das Rennspiel bietet mehr als 700 PS-Boliden! Hier ein alter Bolide aus dem Hause Alfa Romeo!

Lootbox…echt jetzt???

Aber: Auch ein Forza Motorsport 7 kann nicht nur in den höchsten Tönen gelobt werden, sondern muss sich einer berechtigten Kritik stellen. Lootboxen in einem Rennspiel? Ja, wir können uns bisher alles mit Ingame-Währung erspielen. Falls sich allerlei Schnickschnack auch mit Echtgeld kaufen lassen sollte – was zum Release noch nicht ganz klar ist, was eine Lootbox aber nahelegt – wäre meine Frage: Was soll das? Ein Rennspiel, das gerade für seine Simulationsfähigkeit bekannt ist, benötigt meines Erachtens keine ulkigen „Kostüme“ für seine Fahrzeuge, die dann auch noch per Echtgeld erworben werden können. Ich finde es hier sehr aufgesetzt, in einem Forza Horizon 3 oder zukünftig 4 wäre es mit deutlich sympathischer gewesen. Aber warten wir Mal ab….

Im Karrieremodus haben wir die Wahl, mit welchen Autos wir fahren wollen! Von Trucks, über Muscle Cars, bis hin zu Sportrennwagen!

Karriere mit Schwung…

Nun einen Blick auf den Karrieremodus: Die Karriere im Vorgänger war eine der größten Schwächen des Vorgängers, zu eintönig verliefen die „Stories of Motorsport“, trotz dem Gefühl eines rennfahrerischen Aufstiegs von den kleinen Standardwagen bis hin zum Rennflitzer der Neuzeit. Aber es dauerte bis ich endlich spürbar weiter kam, bis dahin war es mehr ein lästiges Grinden. Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Forza Motorsport 6 war ebenfalls ein erstklassiges Spiel, doch die Karriere war noch nie sonderlich motivierend, da bildete das Vorgängermodell des neuen Ablegers keine Ausnahme.

Das neue Exemplar hat deshalb einiges am Karrieremodus überarbeitet. Und nach den ersten paar Stunden kann ich sagen: Zum Glück! Der erste große Unterschied fällt schon nach wenigen Sekunden nach dem Karrierestart auf. Die aus dem Vorgänger bekannten Showcase-rennen werden nun nicht mehr separat neben dem Karrieremodus abgehandelt, sondern fügen sich als Teilstück in die Karriere mit ein. Das lockert das ganze Geschehen auf. Auflockerung erfahren wir indes auch durch die allgemeine Struktur des Modus. Wo wir im sechsten Teile eine Art Aufstieg zum Rennfahrer der schnellsten Kategorien mitmachen durften, werde ich nun nicht mehr in meiner Auswahl limitiert.

Schon in der ersten von insgesamt sechs verschiedenen Meisterschaften habe ich am Anfang die Auswahl zwischen ikonischen Muscle-Cars der 60er-Jahre, vereinzelten Truck-Rennen oder einen benutzerdefinierten Einstellung, bei der wir in der Lage sind unser eigenes Event zu kreieren. Ich entscheide, was gespielt wird und womit ich schlussendlich die nächste Meisterschaft freischalte, denn nicht alle der zehn bis fünfzehn Events müssen absolviert werden, um die nächste Meisterschaft freizuschalten.

Abwechslung wird in der Karriere von Forza Motorsport 7 groß geschrieben, größer denn je, wenn ich es mit den anderen Teilen vergleiche. Gestrafft wird auch noch, ich muss also nicht alles spielen, wenn ich nicht will.

Selbst auf der mittlerweile „alten“ XBox One sieht Forza unfassbar gut aus!

Sensationelles Rennspielabenteuer…..

Aber ich will unbedingt. Forza Motorsport 7 ist nämlich ein sensationelles Rennspielabenteuer. Als erfahrender Rennspiel-Veteran gelingt es mir schnell ins Spiel einzusteigen, schnell deaktiviere ich zahlreiche Fahrhilfen, bis ich irgendwann ganz ohne auskomme. Was mich in jedem Rennen neu begeistert, ist die Variabilität der verschiedenen Fahrzeuge. Ganze 700 Stück stehen mir dabei zur Auswahl und – mit Verlaub, ich habe nicht alle getestet – alle scheinen sich zumindest in wenigen Details voneinander zu unterscheiden.

Vom Alfa Romeo P3 aus dem Jahr 1934, der sich nahezu in jeder Kurve bei den gegnerischen Boliden einhackt, den Audio TTS Coupe, der egal bei welchem Wetter sanft über die Strecke gleitet, bis hin zum Lamborghini Aventador LP750-4 SV. Pfeilschnell, nahezu unbändig, ein Stier eben. Ein Fahrgefühl der Extraklasse.

Einsteiger oder gar Erstlinge können sich aber selbst den Lamborghini unterordnen, jederzeit können Schwierigkeitsgrad und Fahrhilfen beliebig aktiviert oder deaktiviert werden. So bauen wir uns unser eigenes Rennspiel zusammen, vom Aracaderacer bis zum Simulationsfan ist alles dabei. Fans von Detailreichtum haben hier auch wieder die Möglichkeit, ihr individuelles Setup zu eruieren. So bleibt der geliebten Tuningseele nichts verwehrt. Alternativ kann hier aber auch auf fertige Setups aus dem World Wide Web zugegriffen werden.

Apropos World Wide Web: Zum Release bietet Forza Motorsport 7 Quickrennen an. Die Rennen, die ich gespielt habe, lieben tadellos, kurze Ruckler bei einigen Widersachern waren eine Seltenheit. Ligen gibt es hingegen noch keine, sollen aber in späteren Updates noch eingefügt werden.

Lob über Lob. Turn 10 kann es einfach, schafft es immer wieder mich Stunden an den Fernseher zu fesseln. Ich empfehle sehr einmal beim amerikanischen Entwicklerstudio vorbeizuschauen, auch wenn es nur über einschlägige Medienplattformen möglich ist. Die Präzision mit der hier gearbeitet wird, ist atemberaubend, wenn Sound, Technik und Fahrphysik eine Symbiose der Begeisterung entfachen.

Plötzlich regnet es! Dynamisches Wetter bringt mehr Abwechslung in die Rennen.

Dynamisches Wetter…

Der Entwickler hat sich für den siebten Teil sogar etwas „neues“ Einfallen lassen – neu in Anführungszeichen, weil erstens war es absolut Zeit dafür und zweitens hat die Konkurrenz hier sowieso schon vorgelegt: Ein dynamisches Wetter- und Zeitsystem. Während unser Start im Trockenen beginnen kann, kann es sein, dass wir im Laufe des Rennens mit wenigen oder zahlreichen Regentropfen in Berührung kommen. Das sieht optisch nicht nur beeindruckend aus – vor allem in der Cockpitperspektive laufen die Regen und Sturmeffekte zur Höchstform aus. Der Regen greift urplötzlich auch ins Fahrgeschehen ein. Während ich mit meinem Dodge Charger in den ersten Runden das Feld dominieren kann, wird der Grip mit zunehmendem Regen immer miserabler, mein Sieg zerfließt wortwörtlich in alle Richtungen. Ich wurde überrascht. Das schafft Realismus, auch wenn es plötzlich anfängt zu dämmern, und die Sichtverhältnisse sich maßgeblich verändern. Wenn dann noch Aquaplaning dazu kommt, dann Prost und Mahlzeit!

Bei all dem Lob: Project Cars 2 hat hier klar die Rennnase vorne. Wie sich da der Track an die wetterabhängigen Gegebenheiten anpasst, sucht aktuell seines Gleichen. Mit das Einzige, was wirklich in Staunen versetzt, aber das ist etwas für ein anderes Mal. Forza Motorsport 7 erhält mit dem Wettersystem eine sinnige, zeitgemäße Erweiterung, die mich als Fan der Reihe in seinem Umfang zufriedenstellt.

Autovielfalt hui, Streckenvielfalt nicht ganz pfui! Nächstes Mal mehr Neues!

Streckenauswahl wie bei Mutti…

Weniger zufriedengestellt hat mich – doch das ist bei Forza leider ein alter Hut – die Streckenauswahl. Das Spiel zählt 32 Strecken, von denen 26 Fans der Reihe bereits aus dem Vorgänger bekannt sind. Sechs neue Strecken reichen mir einfach nicht, um hier aus dem Häuschen zu sein. Und dabei hat Turn 10 doch schon bewiesen, dass selbst vollständig der Kreativität entstammte Strecken einen von den Socken hauen können, wie es zum Beispiel bei der Strecke in den Schweizer Alpen der Fall ist. Warum nicht Mal die Kreativitäts-Mühle anschmeißen und Strecken aus dem Hut zaubern, die denselben Stellenwert einnehmen, wie das Rennen in den verschneiten Bergen? Nein, es bleiben zum Großteil die alten Strecken, die schnell wieder perfektioniert sind. Das ist schade!

Dafür schauen diese 32 Strecken aber besser aus denn je. Das Lichtspiel auf den detailgetreuen Karosserien der gut befüllbaren Garage zaubert in stimmungsvoller Abenddämmerung schnell einige optische Highlights hervor. Auch ohne HDR und 4K. Dazu kommen der faszinierend echt animierte Regen, sowie eine gestochen scharfe Landschaft um die Strecke herum. Hier hat Forza Motorsport 7 nochmal ein ordentliches Upgrade spendiert bekommen, allerdings lassen die Strecken abseits des Asphalts hier und da doch noch etwas an Detailreichtum vermissen. Zuschauer sind da, richtige Rennspielatmosphäre kommt für mich hier aber nicht auf.

Und warum hat man nicht wieder die Top Gear- Moderatoren engagiert, um die Vertonung des Spiels zu übernehmen? Gut, die kosten vielleicht viel oder waren anderweitig beschäftigt, aber dann sollte man schon einen angemessenen Ersatz für die Kollegen finden. Es fehlt die Stimmung.

Das Singen der Motoren…

Ich liebe den Sound der Autos. Was außerhalb der Strecke an Atmosphäre fehlt, macht das Rennspiel auf der Strecke wieder wett. Hier ist es egal, was um die Strecke herum passiert. Einfach Kopfhörer auf und zuhören. Die Motorengeräusche und alles auf der Strecke ist wieder einmal ein auditives Meisterwerk.

Was die künstliche Intelligenz angeht, hat sich hier zum Vorgänger spürbar nichts verändert. Das Drivatar-System – alle Widersacher „sammeln“ die Fahrweise anderer realer Fahrer und werden somit zu ihrem fahrerischen Ebenbild – ist weiterhin ein guter Ersatz für reine K.I.-Fahrer und verhindert dadurch einen Gummiband-Effekt. Je nach Schwierigkeitsgrad wird es auch mal richtig knifflig, die Widersacher zu überholen, es ist also auch hier für alle Geschmäcker etwas vorhanden.

Soundtechnisch ein Traum – die Motorenklänge sorgen für Wohlfühlmomente!

Fazit Forza Motorsport 7:

Forza Motorsport 7 ist das, was ich erwartet habe: Ein sensationelles Rennspielerlebnis mit unzähligen Fahrzeugen vor prachtvoller Kulisse und mit einem Sound, der zum dahinschmelzen ist. Auch wenn Lootboxen für mich hier nichts zu suchen haben und auch die Streckenauswahl mich nicht vom Hocker haut, ist Forza Motorsport 7 ein rundum gelungenes Rennspielabenteuer für Einsteiger und Profis. Neuerungen, wie das dynamische Wettersystem, schüren den Realismusgrad auf Neuste und auch die Karriere kann mich von vorne bis hinten unterhalten. Und nun stellt sich mir zumindest wieder die Frage: Wie kann man so ein Spiel noch besser machen? Schwierig, aber wie sich meinem Test entnehmen lässt, gibt es hier doch noch die ein oder andere Stellschraube an der gedreht werden darf. Was mir aber vor allem fehlt und warum es dann doch nicht zur Höchstwertung reicht: Ich bin zu verwöhnt gewesen von Forza Horizon 3, als dass ich hier nicht erkennen könnte, dass Forza Motorsport 7 nichts Innovatives für mich bereithält. Vielleicht muss es das auch nicht und ich habe mich unterbewusst doch bereits satt gesehen am Rundenziehen mit dem Lamborghini Aventador – auch wenn das mehr als falsch klingt. Aber Forza Motorsport 7 löst nicht das in mir aus, was ein Forza Horizon 3 in mir ausgelöst hat.

Daher gibt es eine 4,5.

 

 

 

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